1616

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Frau meertau hat gefragt, was ich am Tag der Bestattung meiner Mutter machen werde.
Die Frage an sich klänge im Leben der meisten Menschen schon merkwürdig.

Da ich nicht an ihrer Bestattung teilnehmen darf und auch nicht mehr möchte, weil ich mir nur schwer vorstellen kann mit dem selbstgerechten Onkel und dem histrionischen Bruder an Deck eines Schiffes zu stehen, theatralisch nach vorne zu blicken und später dem Blumenstrauß hinterher zu weinen, wie er auf dem Wasser schwimmend davontreibt, während die Urne auf den Grund des Meeres sinkt, ist es für mich eher ein Trost zum Zeitpunkt der Bestattung meiner Mutter auf dem Zahnarztstuhl zu sitzen, mit weit aufgerissenem Mund, an die Decke zu starren und in dem weit aufgerissenen Mund über mir das Universum zu betrachten.

Ob ich dabei Trost oder Tränen finden werde oder beides ist noch nicht entschieden.

Mein Ritual findet ein paar Tage später auf einem verlassenen Friedhof statt. Gemeinsam mit Menschen, die mir nahe stehen, werde ich dort alles lassen, jeden Kummer und jede Wut, die ich meiner Mutter gegenüber empfinde und empfand. Auch die guten Gefühle, die es durchaus gab und manchmal noch gibt. Ich werde ihr sagen, was mir auf dem Herzen liegt, ihr erklären, dass sie nicht ausgelöscht ist, weil sie in uns weiter lebt und wir ein Teil von ihr sind, und dass ich irgendwann nachkomme und wir hoffentlich noch einen zweiten Versuch miteinander bekommen. Irgendwie, irgendwo.

16 Kommentare zu “1616

  1. Es wird dir ganz sicher helfen, weil du aktiv Abschied nimmst, dir das nicht nehmen lässt. Ich wünsche dir alles Gute für dein Ritual. Es ist sicher gut, dass liebe Menschen dich dabei begleiten, die dir in dem Moment Halt und Kraft geben können.

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  2. Auch wenn ich jetzt erst kommentiere: ich verstehe sehr gut… mein Vater ist im Januar gestorben und was meine Schwester und ich seitdem an Neid, Missgunst, Missachtung, Geldgier und wilde Drohungen erfahren haben, werde ich mit mehr Abstand auch mal bloggen.. Die Beerdigung haben wir durchgestanden, vor allem unserer Tante zuliebe, ich werde aber nie wieder dorthin gehen. Ich kann meinem Vater noch nicht verzeihen, noch nicht…

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