Mitten in Mitte

SAMSUNGHier entsteht ein Schloss.
Weiter hinten, auf dem Alexanderplatz ein Einkaufszentrum
mit Eigentumswohnungen, ganz oben.
Nicht im Bild, doch nahe bei, die Kronprinzessinnen-Gärten, luxuriöse
Eigentumswohnungen, neben der St. Hedwig-Kathedrale.
Der Bürgermeister hat sein Zimmer in dem roten Haus mit Fahne.

…hätte, hätte Fahrradkette

Das gestrige Interview mit Marietta Slomka und Sigmar Gabriel, das gerade im Netz herumgeht, ist wirklich zu spaßig.
Zwei Mal hintereinander habe ich mir das nun angeschaut, und jedes Mal freue ich mich, wie dem arroganten, selbstgefälligen Frosch der Kamm schwillt, er seine Backen aufbläst und und vor Ärger kaum an sich halten kann.
Nicht, dass ich ein Fan von Frau Slomka wäre, aber Gabriels Verhalten ist indiskutabel: herablassend, unsouverän, patzig.
Wie man das von ihm schon kennt, wenn jemand anderer Meinung ist.
Was hält ihn davon ab das Interview zu beenden, den Chef der Sozialdemokraten?
Anstand ist es jedenfalls nicht.
Der ist der SPD lange schon abhanden gekommen, wie Franz-Walter Steinmeier, vollkommen ungeniert, nein stolz, vor dem Deutschen Arbeitgebertag referiert.

(ab Minute 15, 40; besonders drastisch wird es ab Minute 17)
(Ach, und im SPD-Shop habe ich  mir (klick!) das hier ausgesucht- bitte kurz warten, wenn die Seite lädt)

Solkatt & Solkatten

SAMSUNGSAMSUNGSAMSUNGSAMSUNGSAMSUNGSAMSUNGSAMSUNGJemand erzählte mir, dass man in Schweden das Lichtspiel an Wänden und Mauern Solkatten nennt.
Sonnenkatzen.
Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber ich mag das Wort.
Wenn aber nun Solkatten vor Solkatten über Solkatten sitzen/ stehen/ liegen, wie nennt man das dann?
Und welchen Namen die Staubflusen in den Zimmerecken über der Heizung haben, wüsste ich auch gerne.

Der Kiezneurotiker fragt, ich antworte/ 10 Fragen, 10 Antworten

Mike hat mir ein #Stöckchen zugeworfen.
Anders als er, mag ich sowas ja. Vorausgesetzt der Frager ist sympathisch und die Fragen sind ok.

Hol das Stöckchen!

(Photo credit: matthias.penke)

Here we go:

Hinter den fettgedruckten Wörtern befindet sich jeweils ein Link. Bitte anklicken.

1.Warum bloggst du? Könntest du deine Zeit nicht sinnvoller nutzen?

Wahrscheinlich könnte ich meine Zeit sinnvoller nutzen, und mich politisch wie auch sozial mehr engagieren als ich das bereits tue.
Aber aus irgendetwas muss ich meine Kraft schöpfen, und das ist, zumindest zum Teil, dieses Blog, das mir als Ventil dient.
Hier schreibe ich über das, was mich umtreibt, im Grunde also oft über die gleiche Sache: der hemmungslose Raubtierkapitalismus mit all seinen Folgen, wie soziale Ungerechtigkeit, Armut, Gentrifizierung, Umweltzerstörung usw.

Außerdem hilft mir dieser Ort, also mein Blog,  mich zu konzentrieren, Gedanken zu Ende zu denken, so präzise wie möglich in Worte zu fassen, und mich, wenn es mir gelungen ist Gedachtes, Gefühltes und Erlebtes in die richtige Form zu gießen, erleichtert zu fühlen.
Ich denke da an den Text über den Tod, den ich vor wenigen Tagen geschrieben habe.
Der musste einfach raus. Danach ging es mir besser. Ich hatte es endlich sortiert und formuliert.
Bloggen hat eine beruhigende und entlastende Wirkung auf mich.
Wenn ich mich aus allem ausklinken will, dann blogge ich, und das respektieren die Menschen um mich herum, und lassen mich in Ruhe.
Über die  Kommentare der Netzgemeinde (dieses Wort schreibe ich gerade zum ersten Mal und fühle mich dabei, als müsste ich gleich wieder zum Konfirmandenunterricht gehen) freue ich mich. Sie sind ein wesentlicher Teil des Ganzen.

2. Welcher Artikel aus anderen Blogs ist dir spontan im Kopf geblieben? (nicht zulange nachdenken)

Ganz ohne Nachdenken fallen mir sofort diese hier ein:

-Ein Jahr ohne Sommer von der sehr geschätzten Frau Montez. Vorhin gelesen und schwer schlucken müssen.

-Thicker than raindrops on a november thorn Pagophila blickt zurück in ihre Kindheit, und erinnert sich an die Erzählungen der Mutter aus der Nachkriegszeit. Berührend.

-Dann ein großartiger Text von Herrn Schneck, der mich zum Nachdenken gebracht hat, und der genau zu dem passte, was mich beschäftigte, als ich ihn las.

Und schließlich noch dieser Artikel einer Bloggerin, die gerade erst angefangen hat zu schreiben, und das unbedingt weiter machen sollte.
Asallime schreibt hier über das große Thema Migration und Heimat.
Ein unvollständiger Text über Zugvögel, Bananenröcke und das Schuhebinden

(Last not least müsste hier ein Text stehen, der noch nicht veröffentlicht ist, der aber so derartig lustig ist, dass ich schon grinsen muss, wenn ich nur daran denke. Erklärung reiche ich möglicherweise nach.)

3. Dein absoluter Lieblingsartikel in deinem Blog?

Ich schaffe es einfach nicht mich auf genau einen Artikel zu beschränken.
Es sind 2 kürzere und 2 mittellange und ich hab sie alle gleich lieb, weil sie mir einfach so, ohne mein Dazutun aus der Feder geflossen sind, und mir beim Schreiben am meisten Spaß gemacht haben. Es sind dies:

RosebudDer Name der Dinge, In der Nacht/ Le bruit du frigo und Stille Feiung.
Dann noch dieser Text, den ich meiner kleinen Kilgore gewidmet habe: ghost  of a cat.
In den beiden letztgenannten steckt viel Gefühl.
Die ersten 3 sind eher unterhaltsam.
Ich weiss, dass die Nennung von gleich 5 gegen die Regeln ist, aber ich bin ja hier Bestimmerin. Ein weiterer Vorteil eines Blogs.
(Wer wirklich nur einen lesen will soll Stille Feiung nehmen)

4. Welchem Blog wird aus deiner Sicht zuwenig Aufmerksamkeit geschenkt?

Ich weiß nicht genau, woran ich erkennen kann, welches Blog wieviel Aufmerksamkeit bekommt. Sind es die Likes, oder die Kommentare?
Wie der Kiezneurotiker auch, denke ich, dass Blogs, die sich mit Gentrifizierung , einem meiner großen Themen,  befassen, mehr Aufmerksamkeit brauchen. Dazu wollte ich sowieso einmal separat eine Liste zusammenstellen. Wird nachgereicht.
Außerdem habe ich gerade erst Asallime entdeckt. Sie schreibt, wie oben schon erwähnt, noch nicht lange, aber die wenigen Texte von ihr finde ich sehr gut und vielversprechend.
Und ich mag einige Texte vom HKF auf  Was weg muss.

5. Stelle dir vor, du müsstest über ein tiefgründiges Thema schreiben. Worüber schreibst du?

Fällt mir leicht mir das vorzustellen. Die Frage finde ich umgekehrt schwerer: über was würde ich schreiben, wenn nicht über Verdrängung, Tod, Ungerechtigkeit etc.? Ich leide an einer Erkrankung, die ziemliche Auswirkungen auf meine Lebensqualität hat, die eher nicht besser wird, und die viele Fragezeichen über dem Horizont meiner Zukunft tanzen lässt.
Vielleicht sollte ich darüber mal schreiben.
Oder über meine Mutter.
Ich glaube ich bin für beides noch nicht soweit.
Was einen ganz eigenen Artikel verdient ist das große Thema Freundschaft.
Darüber habe ich ein bisschen hier und hier erzählt.
Und Geschwisterkonstellationen. Aber die behalte ich auch erst mal für mich.

Ich habe eher das Gefühl ich sollte öfter mal über weniger tiefschürfende Dinge schreiben. Wie die Katzen oder den Hund, den goldenen Herbst oder das gute Essen. Aber dann sehe ich draußen wieder die Flaschensammler, Obdachlose und gleich daneben feiste Geldsäcke, und kriege  so einen Hals, dass ich fast platze und mich schleunigst meinem therapeutischen Blog zuwenden, und mir die Einfahrt zur Fröhlichkeit freischaufeln muss.
Außerdem bin ich doch die Katastrophenchronistin (Call me Hiob).

6. Freundschaft. Hast du mehr Freunde im Internet, oder in deinem Zimmer neben dir?

Ganz klar: meine Freunde tummeln sich fast ausnahmslos im richtigen Leben. Aber immerhin hätte ich beinahe mal einen Mann geheiratet, den ich vor vielen Jahren im Netz getroffen habe. Das Internet ist für mich also weder Neuland noch blutleer.
Auch mit einem Blogger, und mit einem Frankfurter Exqyper verbindet mich eine Freundschaft, die sich zwar auf Mails beschränkt, aber dennoch sehr persönlich ist.
Private Treffen mit Bloggerinnen und Bloggern die ich hier kennenlerne, schließe ich für irgendwann in der Zukunft nicht aus. Gerade mag ich aber diesen Unterschied zwischen meinen virtuellen Freunden und denen aus Fleisch und Blut, und das Geheimnis, das hinter jedem Gravatar steckt.

7. Ganz ehrlich und unter uns: wie oft checkst du die Statistik deines Blogs? (falls du eine hast)

Ganz ehrlich? Mehrmals täglich. Das liegt daran, dass, wenn ich bei WordPress eingeloggt bin, der obere Rand der Darstellung eine Art EKG-Gekritzel anzeigt, das einen Überblick geben soll wieviele Leute das Blog in den letzten Stunden besucht haben. Wenn sich da viel oder gar nichts tut, schaue ich nach.
Manchmal bekomme ich auch interne Nachrichten die mich auf meine explodierenden Besucherzahlen hinweisen. Das passiert immer dann, wenn mich andere verlinkt haben.
Und darüber freue ich mich. Klar.
Ich würde hier nicht schreiben, wenn ich nicht gelesen werden wollte.

8. Aktion Lästern: Welcher Blog ist richtig schlimm?

Ich habe die Blogs, die ich lese sehr genau ausgewählt. Keinen davon finde ich schlimm.
Manchmal stolpere ich zufällig über irgendwelchen Faschomüll, den ich hier nicht verlinken werde, und viele Fashionblogs empfinde ich auch als armselige Selbstbespiegelung, oder uninspirierten Konsumhype. Fashion und Faschos. Könnte ich ja mal was drüber schreiben.

9. Verhältst du dich manchmal noch wie ein Kind? Wenn ja, in welcher Situation?

Ich verhalte mich sehr oft wie ein Kind. Vor allem, wenn ich mit Hund draußen bin und ihn mit lauten Juchuu-Rufen zum Spielen ermuntere.
Bei Menschen, die ich sehr gut kenne kann ich äußerst kindisch sein. Vor allem bei denen in Franken.
Auch wenn man das hier nicht so merkt, fluche ich auch noch so viel wie als Kind. Nur eben in erwachsen, also schlimmer.

10. Was würdest du anders machen, wenn du mit den Erfahrungen von heute noch einmal neu im Alter von 14 Jahren beginnen dürftest?

Uff! Diese Frage habe ich mir ja quasi gerade selbst in meinem Blog gestellt. Ich gehöre leider nicht zu denen, die nichts bereuen.
Wenn ich könnte, würde ich einiges anders machen. Manches davon hat mit meiner Familie zu tun. Darüber möchte ich jetzt nicht schreiben.
Anderes hat mit Beziehungen zu tun, und mit meinem Studium.
Ganz sicher würde ich mich auf die Musik stürzen. Eine Gesangsausbildung machen. Vielleicht Sängerin werden, so wie meine Berliner Großtante.
Singen kann ich, mag ich, will ich.

Und natürlich würde ich Sonnencreme benutzen.

Es gibt ein paar Blogger, über die ich auch gerne mehr wüsste.
Pagophila werde ich nicht schon wieder nötigen, obwohl ich gerne wüsste, was sie zu der einen oder anderen Frage sagt.
Frau Montez hat gerade soviel um die Ohren, dass ich nicht weiß, ob sie überhaupt Zeit und Muße dafür hat. Trotzdem werfe ich ihr das Stöckchen zu.
Sunflower ist ein Mysterium, sie bekommt ein Stöckchen, in der Hoffnung mehr über sie zu erfahren.
Und von der lichtbildwerkerin möchte ich auch mehr lesen.

Und hier noch einmal die Fragen (ich glaube man soll sie variieren, wenn man sie weiterschickt, aber mir ist nichts eingefallen. Also nur zu! Jede Frage oder einzelne können beim Weiterreichen des Stöckchens verändert bzw. durch eine eigene ersetzt werden).

10 Fragen:

1. Warum bloggst du? Könntest du deine Zeit nicht sinnvoller nutzen?
2. Welcher Artikel aus anderen Blogs ist dir spontan im Kopf geblieben? (nicht zu lange nachdenken)
3. Dein absoluter Lieblings-Artikel in deinem Blog? (bitte mit Linkangabe)
4. Welchem Blog wird aus deiner Sicht zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt?
5. Stelle dir vor, du müsstest über ein tiefgründiges Thema schreiben. Worüber schreibst du?
6. Freundschaft. Hast du mehr Freunde im Internet, oder in deinem Zimmer neben dir?
7. Ganz ehrlich und unter uns: wie oft checkst du die Statistik deines Blogs? (falls du eine hast)
8. Aktion Lästern: Welcher Blog ist richtig schlimm?
9. Verhältst du dich manchmal noch wie ein Kind? Wenn ja, in welcher Situation?
10. Was würdest du anders machen, wenn du mit den Erfahrungen von heute noch einmal neu im Alter von 14 Jahren beginnen dürftest?

Armut, Jesus und ein Sexshop

Bald ist Weihnachten. Ein Tag wie jeder andere also. Jedenfalls für Obdachlose.
Vielleicht nicht ganz wie jeder andere: deprimierender.

Bundesarchiv Bild 102-10836, Berlin, Obdachlos...

Bundesarchiv Bild 102-10836, Berlin, Obdachlose vor dem städtischen Asyl (Photo credit: Wikipedia)

Wer nicht das Glück hat, wie hier in Berlin, am Weihnachtsschmaus von Frank Zander teilnehmen zu können, oder in einer Wärmestube unterzukommen, um eventuell ein Stück Stollen zwischen die Kiemen zu kriegen, für den ist der Tag noch etwas beschissener und trostloser als der Rest des Jahres.
Beim Fest der Liebe auf der Straße zu sitzen und zu frieren, niemanden zu haben, der einen beschenkt, und für einen da ist, muss sich besonders schlimm anfühlen.
Nicht, dass mich jemand beschenken würde, aber das nur deshalb nicht, weil ich es nicht möchte.
Weil mir Weihnachten nichts bedeutet. Genauer: weil mir das ganze Gedöns, Geblinke und Geheuchel zuwider ist, und weil es den Leuten um mich herum genau so geht.
Weihnachten, das war doch immer der Tag, an dem alle enttäuscht waren, und an dem die Mutter derartig überfordert war vom Einpacken, Putzen, Backen, Schmücken und Kochen, dass spätestens am Heiligen Abend die Fetzen flogen. Aber wie.

Weihnachten

Trotzdem würde ich diesen Tag nicht auf der kalten Straße verbringen wollen, wenn die meisten Kneipen geschlossen haben, und von unten in die hellerleuchteten Räume schauen, wo im Schein der Lichterketten Elektrogeräte und Kaschmirschals von Tchibo hin- und hergereicht werden, und die Weihnachtsgans verdrückt wird, während mir selbst der Magen knurrt, und die Bundespolizei mich  aus der heimeligen Wärme des Ostbahnhofes jagt.

Obdachlose gehören inzwischen so sehr zu unserem Alltag, dass man sie wenigstens an Jesus Geburtstag in die gute Stube holen sollte.
Das kann jetzt jeder, denn die Firma Preiser hat ihrem Modellbausortiment nun auch die Minifiguren Obdachloser, Obdachlose und Bettler hinzugefügt.

Der Obdachlose sitzt in schäbigem Mantel auf einer Bank, seine Habseligkeiten in drei Beuteln neben ihm.
Für 3,25 € ist dieses Idyll zu haben, über das eine Kundin und Mutter begeistert schreibt:

Mich beeindruckt der starke innere Ausdruck, der in diese kleinen Körperlein gelegt ist!-„pädagogisch wertvoll: Ja!Empathie im Spiel“
Aber, ich finde die Darstellung dann doch „schöner“, weil das Original wirklich soo klitzeklein und filigran ist!“Haltbarkeit:erfordert Geschick“
Mein 11jähriger bekommt einen Adventkalender (jeden Tag eine Figur) und ich freu mich schon so beim Vorbereiten, (obwohl ich meine Märklin-Begeisterung sonst gut zügeln kann!)“Spaßfaktor“-JA!in dem Fall der der Mutter.

Hach, so macht Empathie Spaß, und riechen tut man auch nichts!

Die Obdachlose ist mit 6,38 € etwas teurer, aber sie ist schließlich eine Frau, und da kostet allein der Haarschnitt das Doppelte. Zudem ist der Einkaufswagen mit ihren Besitztümern, den sie vor sich herschiebt, besonders liebevoll gestaltet, und sie trägt, als lebensnahes Detail, zwei unterschiedliche Paar Schuhe.
Auch zu dieser Darstellung von Armut äußert sich die Kundschaft zufrieden.

Die Obdachlose ist ein nettes Detail für die Modelleisenbahn–Ein Muß in den heutigen Zeiten.
Hartz IV jetzt auch in H0.

Herrlich!

Der Dritte im Bunde ist ein Bettler, vor dessen Füßen ein Hut liegt.
Damit wird das wichtige, christliche Thema Almosen angesprochen und wunderbar in Szene gesetzt. Welcher Christ würde nicht gerne diesen Bettler, neben Maria und Josef, den berühmtesten Obdachlosen aller Zeiten, in die heimische Krippe stellen, und auf diese Art den lieben Kleinen (pädagogisch wertvoll) zeigen, dass Bettler Menschen aus unserer Mitte sind, denen wir helfen müssen.

Kunden, die dieses Trio kauften, kauften übrigens auch die Gruppe fröhliche Zecher, die Frau mit Staubsauger, den Mann auf Krücken und den Busch (!) 1004 Sex-Shop.
Mir letzteren im regen Verkehr einer Modellbaueisenbahn vorzustellen, erwärmt mein Herz.
Sex und Uniform.

Das ist fast noch geiler als Bettler, Obdachlose und Mann auf Krücken zusammen.

Deutsch: zerlegte Übungshandgranate

Deutsch: zerlegte Übungshandgranate

Neuigkeiten zur Wäscherei am Schlesischen Tor!

Manchmal hilft es eben doch, wenn viele Menschen sich zusammentun, um etwas zu erreichen! Wie es aussieht, darf Frau Scheffler nun, so lange wie sie möchte, in ihrer Wäscherei bleiben.
Die Bio Company hat zu der Sache (klick!) Stellung bezogen.
Ich hoffe, dass das alles so stimmt, und dass sich die Miete von Frau Scheffler nicht ehöhen wird.

Keine Entwarnung gibt es natürlich für die 3 Bioläden im Umkreis der neu entstehenden Filiale der Bio Company.
Sie werden um ihr Überleben kämpfen müssen, und es werden vermutlich nicht alle schaffen.Ich denke nach wie vor, dass die Bio Company keine zweite Filiale im Abstand von 500 m auf der Skalitzer aufmachen sollte. Das gebieten Fairness und Anstand.
Wir sind bestens versorgt hier.
Ich jedenfalls werde dort nicht einkaufen, sondern lieber weiter die kleinen Läden unterstützen.

Trotzdem freue ich mich sehr für Frau Scheffler und den Kiez!
Herzlichen Dank an alle, die die kleine Wäscherei unterstützt haben!

Schwarze Löcher

Deutsch: Hochspannungsfreileitung vor Sternenh...

Mit achtzehn Jahren erkannte ich plötzlich, dass ich irgendwann sterben würde.
Nicht, dass man im Allgemeinen stirbt, was schon schlimm genug war, sondern, dass ich im Besonderen eines Tages weg sein würde.
Für immer.
Nicht nur für eine Weile, so wie man vielleicht eine Party verlässt um schlafen zu gehen, und weiss, dass man noch jede Menge Zeit hat, um weitere Parties zu feiern.
Nein, dieses Mal verlässt man das Fest und geht für immer.
Nie wieder Musik, nie wieder flirten, keine engumschlungenen Tänze im Halbdunkel, keine Sit-Ins in der Gastgeberküche, keine zarten Küsse und keine Diskussionen mehr.

Vorbei, vorbei

Rückblickend glaube ich, dass diese Erkenntnis von dem plötzlichen Tod meines Großvaters rührte, der mir wirklich nahe stand.
Obschon ich schon vor seinem Tod mit der Vergänglichkeit konfrontiert worden war, galten diese anderen Verstorbenen, meine Großmutter ausgenommen, deren Tod aber nicht überraschend kam, irgendwie nicht.
Sie waren eher so etwas wie Komparsen einer Generalprobe. Man übte nur. Sie würden sicher wieder kommen.

Irgendwann würde das richtig losgehen mit dem Sterben.
Irgendwann in einer Zukunft, die so weit entfernt lag, wie die unendlichen Weiten in denen das Raumschiff Enterprise unterwegs war.
Genauso, wie es irgendwann auch so richtig losgehen würde mit dem Leben, auf das man immerzu vorbereitet wurde und für das man immerzu lernte, übte und probte.

Nicht für die Schule, für´s Leben lernt ihr, implizierte doch schon, dass man für die Zukunft und nicht für die Gegenwart lernte, und dass das Leben also erst in der Zukunft begann.

Heute jedoch nicht

Wenn ich es mir genau überlege, glaube ich, dass ich das überhaupt nicht verstanden habe damals: dass Menschen sterben können.
Dass etwas so lebendiges, wie ein guter Freund von seinem eigenen Vater ermordet werden kann. Dass Körper bei Unfällen zerstört werden, und mit ihnen auch die Seele gehen muss.
Dass es keine zweite Chance gibt. Kein zweites Leben.
Aber, wie kann man so etwas Unbegreifliches auch verstehen?

Die Sprache, die in den Medien benutzt wurde, wenn es beispielsweise um Flugzeugabstürze mit zahlreichen Toten ging, war so harmlos und ging so an dem unglaublichen Drama, das sie benennen wollte vorbei, dass sich auch hier keine echte Bestürzung bei mir einstellen konnte.
Jemand war ums Leben gekommen, oder hatte sein Leben verloren.
Das klang doch nach Glücksspiel, nach Casino, meinetwegen nach Betrug.
Man ist um etwas gebracht worden.
Dabei ist die Wahrheit doch die: man ist um ALLES gebracht worden.
Man wurde ausgelöscht.
Weg. Zack.
Aus die Maus.
Mit achtzehn Jahren also, schlug mir diese Erkenntnis meiner eigenen Sterblichkeit voll in die Fresse, und machte mich für eine Weile handlungsunfähig und stumm.

Studieren, wozu? Arbeiten, weshalb? Liebe? Vergeht. Treue? Lohnt nicht. Familie, wofür?

Auf ein Mal war er da der Tod, und alles was ich tat spielte sich vor dem monochromen Bühnenbild des Untergangs ab, und war deshalb sinnlos.
Schon mit dem Betreten der Bühne, war das Fallen des Vorhanges, der Guillotine, vorgegeben.

 And now, the end is near
And so I face the final curtain

 Ich hörte düstere Musik. Ich las ausweglose Literatur, und im Französisch-Leistungskurs, beschäftigten wir uns mit Heidegger, Kierkegaard und natürlich auch mit Sartre.
Die Wirkung dieser Werke auf meinen Zustand war verheerend.
Ich war tief verzweifelt, und entschied mich die Zeit, die mir blieb maximal zu nutzen.
Dazu gehörte es, jeden Exzess mitzunehmen der sich anbot.
Im Grunde blieb aber am Ende nur der Selbstmord. Nur er konnte dieses Schicksal beenden, und es damit zugleich erfüllen.
Sich das Gehirn wegblasen, um nicht dem Tod ausgeliefert zu sein.

you can not go against nature,
because when you do
go against nature is part of nature too

 Aber natürlich war die Flucht vor dem Tod in den Tod absurd.
Ich nahm mir vor, die Welt zu bestrafen, indem ich ihr keine Kinder schenkte. Ich würde niemanden in dieses Hamsterrad schicken.
Als würde die Welt sich überhaupt um mich scheren.
Leute wie ich sollten besser keine Kinder bekommen, damit sie den Samen ihres kranken destruktiven Geistes nicht weitergeben konnten. Das würde die Welt über mich denken, wenn sie denn überhaupt jemals einen Gedanken an die mickrige Fruchtfliege die ich war, verschwenden würde.
Ganz gleichgültig was ich tat, mit mir erfüllte sich das Naturgesetz.

Ich würde sagen ich war schwer depressiv in dieser Zeit, und die ausufernden Nachtaktivitäten brachten keine Linderung. Im Gegenteil.
Wenn ich abends irgendwo in Frankfurter Clubs unterwegs war, blitzte mitten im schönsten Suff, doch immer wieder diese furchtbare Wahrheit auf.
Nicht einmal Sex machte mehr Spaß, wenn man sich vor Augen hielt, dass er eine Erfindung der Evolution war, um uns zur Fortpflanzung und damit zur Perpetuierung des Hamsterradlebens zu bringen.

Das ging etwa ein Jahr so, als ich endlich Camus und den Essay Der Mythos von Sisyphos las und verstand.
Dieses Werk kam in mein Leben wie die lichtbringende Fackel ins Dunkel, und änderte alles.
Ich fühlte mich verstanden, und bekam zugleich die einzig mögliche und akzeptable Antwort auf meine Fragen.
Denn auch Camus hatte sich mit der Absurdität des Lebens und des Selbstmordes beschäftigt.
Er beschrieb das unauflösbare Spannungsverhältnis zwischen unserer Sehnsucht nach Sinn (und sinnvollem Handeln), und der Sinnlosigkeit der Welt an sich.
Die Situation ist hoffnungslos.
Auch Religion, oder andere Rettungsangebote können nicht wirklich helfen, weil wir damit einfach nur den Kampf gegen das Absurde vermeiden, uns der Wahrheit nicht stellen und gewissermaßen bunte Kulissen vor den Abgrund stellen, um ihn nicht mehr sehen zu müssen.
Vielleicht wäre ich sogar bereit gewesen, mich dieser Täuschung hinzugeben, aber ich konnte einfach nicht glauben. Nicht an Gott, nicht an Wiedergeburt, nicht mal an das Leben selbst, das mir wie der Alptraum eines grausamen Riesen erschien, in dem ich gefangen war.

Der einzig gangbare Weg, den Camus mir damals zeigte, war der, diese schreckliche Wahrheit hinzunehmen, zu akzeptieren, und trotzdem gegen sie  zu revoltieren.

 „ Abgesehen von dieser einzigen fatalen Unabwendbarkeit des Todes ist alles, sei es Freude oder Glück, nichts als Freiheit. Es bleibt eine Welt, in der der Mensch der einzige Herr ist.“

Wie Sisyphos, der tagein, tagaus versucht seinen Stein den Berg hinauf zu rollen, und der dabei niemals den Gipfel erreicht, sondern immer wieder zurück geworfen wird, wollte auch ich mich beharrlich der Sinnlosigkeit stellen, und mich dabei unverdrossen selbst verwirklichen und freuen.
Frei sein.

Tatsächlich half mir die Entdeckung meiner Freiheit und Autonomie dabei, wieder Gefallen an diesem Tanztheater zu finden.
Natürlich feierte ich auch weiter Parties, um bei diesem Beispiel zu bleiben.
Der Unterschied war aber, dass ich es jetzt wollte, im vollen Bewusstsein meiner Vergänglichkeit, und nicht mehr musste, um ebendiese auszublenden.
Es hatte sich nichts geändert. Außer meiner Sichtweise. Und damit änderte sich alles für mich.

Musik zum Text: Love And Rockets, No New Tale To Tell