19 ultimative Tipps für ein zufriedeneres Leben

 

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Möchte Dir jemand etwas anvertrauen, was Du auf gar keinen Fall und niemals weitererzählen darfst, so sage: Nein, ich möchte nicht Trägerin deiner Geheimnisse werden.
(Ich schleppe gleich drei solcher Stücke ungewollten Wissens gravierenden Inhaltes mit mir herum. Sie liegen mir wie Steine im Magen).

 

Verrät Dir Jemand hinter vorgehaltener Hand und unter dem Gebot der Verschwiegenheit etwas über eine dritte Person, dann unterbrich seine Rede und frage ihn: würde die dritte Person das in Ordnung finden, dass Du mir das erzählst.

 

Wechsele zügig die Straßenseite, wenn du deinen kontaktfreudigen Nachbarn in der Ferne erblickst. Sollte dies nicht möglich sein, nimm rasch einen fiktiven Anruf entgegen, mache einen konzentrierten Gesichtsausdruck, nicke ab und zu in dein Handy oder ziehe die Augenbrauen zusammen. Nur so kannst du verhindern, dass er versucht dich zu einem Kaffee, oder schlimmer noch, zu einem Piccolöchen einzuladen.

 

Winke der Apothekerin fröhich zu, wenn du sie auf der Straße triffst. Du wirst ihre Kooperationsbereitschaft vielleicht eines Tages brauchen.

 

Beschwert sich eine Bekannte, dass Du nie Zeit hast, so sage ihr, dass Du nicht einmal für Deine Freunde Zeit findest.

 

Beschwert sich der Bekannte, dass die Milch über Nacht auf dem Herd stand, sage: Oh! und bedenke ihn mit einem reuigen Lächeln.

 

Steigst du schwerstbeladen aus dem ICE und stellst fest, dass mehrere fidele Fahrgäste ohne Gepäck zum Aufzug hasten, um vor Dir die Kabine betreten zu können, dann steige auch dann noch zu, wenn der Aufzug bereits voll ist. Ramme den Mitfahrenden beherzt deinen Koffer in die Hacken und sage mit einem maliziösen Lächeln etwas wie: Sitzt, passt, hat Luft. Oder fordere sie höflich auf, doch bitte aus der Lichtschranke zu treten. Vergewissere dich, dass niemand einen Schlagring trägt.

 

Es empfiehlt sich, vor einem Banküberfall sicherzustellen, dass man sich nicht auf einer Insel mit nur einer Brücke als Verbindung zum Festland befindet. Weiterhin gilt es, auffällige Kleidung zu vermeiden, und ein geeignetes Fluchtfahrzeug bereit zu stellen.

 

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.

 

Wer Stress reduzieren und nachts gut schlafen möchte, sollte nur von Montags bis Donnerstags und nie nach 17 h den Postkasten leeren.

 

Vor dem sonntäglichen Mittagsschlaf unbedingt alle Telefone und die Türklingel stumm schalten.

 

Benutze Sonnencreme.

 

Edelstahloberflächen lassen sich besonders gut mit Weichspüler reinigen, für Cerankochfelder empfehle ich angefeuchtete Spülmaschinentabs. Der eingebackene Schmutz lässt sich damit ganz einfach wegradieren.

 

Bei Verbrennungen hilft Apfelessig. Bei glanzlosem Haaar ebenso.

 

Menschen, die du bisher kaum  bemerkt hast, haben das Zeug die wichtigsten Menschen in deinem Leben zu werden. Schenke den Menschen um Dich herum mehr Aufmerksamkeit.

 

Iss die dir angebotene Suppe nur dann, wenn der Koch auch einen Teller oder mindestens einen Löffel davon gekostet und deutlich erkennbar heruntergeschluckt hat.

 

Verzichte auf Fleisch. Es macht dich hässlich, innerlich.

 

Solltest Du Lust haben, eine Ausstellung zu besuchen, so würde ich derzeit empfehlen in die Berlinische Galerie zu gehen und dort die Werke von Jeanne Mammen zu betrachten.
Wenn Du dazu keine Lust hast, gehe stattdessen in den Jeanne-Mammen-Bögen shoppen.

 

 

Suche Dir vier Verben, die sich aufeinander reimen und sage sie dir jeden Morgen minutenlang und mantramäßig vor. Bald schon wirst Du ohne dieses Gebet nicht mehr leben können.

 

Der werten Frau Wildgans gewidmet

 

 

 

 

 

Bild: Canal, Julian Kücklich, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

 

 

Almosen

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Leider ein kostenpflichtiger Artikel der F.A.Z.
Werd´ich wohl nie erfahren, ob ich den Bettlern und Obdachlosen etwas abgeben sollte.

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Screenshot FAZ online 10.12.17

unglaublich

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Kannst du dir d-a-s vorstellen?, frage ich den Bekannten, nachdem ich ihm mit großen Gesten und weit aufgerissenen Augen eine ganz und gar unglaubliche Geschichte erzählt habe. Sicher, sagt der Bekannte, ich kann mir alles vorstellen, bis auf das, was ich mir nicht vorstellen kann, und ich antworte: Das schätze ich an dir. Du bist eine so ehrliche Haut.
Manchmal gelingt es mir noch, ihn zu erstaunen.

Am Abend schauen wir zusammen eine DVD an. Ein feierlicher Akt in diesem Hause, für den der eingestaubte Fernseher aus seiner Ecke geholt und gereinigt werden muss. Nachdem Monitor und DVD-Player auf dem Tisch aufgebaut und die Katzen von selbigem entfernt sind, kann es losgehen. Wie meist haben wir einen Film über Architektur gewählt. Dieses Mal geht es um des Werk der Brüder Perret, jener Architekten, die gegen Ende ihrer Laufbahn das kriegszerstörte Le Havre neu erbaut haben. Auf die beiden Brüder gekommen, waren wir, nachdem ich vor einigen Wochen Onkel Maikes Reiseberichten gefolgt und als Brutalismusfanin nachhaltig beeindruckt war von der imposanten Wucht der Kirche St. Joseph in Le Havre.

Ob man in dieser Stadt leben wollte? Was macht es mit dem Geist eines Kindes, wenn es in einer so geordneten und schnörkellosen Umwelt aufwächst?

Hatten wir schon zuvor darüber nachgedacht im Frühjahr nach Le Havre zu reisen, so ist diese Idee nun zu einem Vorhaben gediehen. Es tut gut, Pläne zu schmieden für eine imaginierte sorgenfreie Zeit. Falls der Atlantik nicht in der Lage sein sollte, meinen Kummer zu schlucken, so müssen das im kommenden Sommer die Alpen richten. Noch 8 Monate, bis dahin. Vorausgesetzt, ich bin dann noch in der Lage zu reisen.

Im Moment ist noch unentschieden ob Körper oder Geist mehr unter diesem ungeheuren Druck und der Angst, die damit einher geht, leidet, oder ob der Gram des Einen den Kummer des Anderen nicht jeweils bedingt und verstärkt.
Aus irgendeiner himmlischen Intuition heraus, schnappte ich mir jedenfalls vor dem gestrigen Zubettgehen das Tablet, öffnete youtube und wählte mit einer somnambulen Sicherheit den Vortrag eines Mannes, der mit angenehmer und kluger Stimme über quälendes Gedankenkreisen sprach und erklärte, wie diesem zu entkommen sei. Es hatte so gar nichts Esoterisches oder Verquastes an sich, wie er erklärte, dass zur Erreichung innerer Ruhe, der Geist, das Denken, wieder weit gestellt und die Fokussierung aufgelöst werden müsse. Normalerweise bin ich vollkommen resistent gegen jeden Ratschlag, der Entspannung in mein Leben bringen soll. Die implizite Erwartung, die der Ratschlaggebende aber auch ich selbst an mich habe, das Problem zu lösen, erhöht eher den inneren Druck und  verstärkt damit die flatternde Unruhe, die mich gnadenlos vor sich hertreibt und mich jeden Tag auf´s Neue peitscht und steinigt. In der vergangenen Nacht aber geschah etwas ganz und gar Unerwartetes: ich schlief nicht einfach, wie ich es mir erhofft hatte, total erschöpft unter der beruhigenden Stimme des Vortragenden ein, es gelang mir vielmehr, unter seiner Anleitung, zuerst sämtliche Muskeln, sogar die der Nackenpartie, zu entspannen und anschließend, den Blick nach innen gewandt, meinem Atem zu folgen, wie er erst kühl in und dann warm aus dem Körper strömte und mir mit jedem Zug ein festerer Anker wurde, in dem auch der letzte Teil meines unruhigen Geistes, der sich windende und zweifelnde Panikzipfel, dieser stakkatohafte Taktgeber, welcher Angst vor der Stille und der Weite hat, und der, statt sich befreien zu lassen, den Weg zurück gehen wollte in die vertraute Enge einer tunnelartigen Gedankenwelt, wie auch dieser Teil schließlich sicheren Halt fand und endlich, endlich aufgab und Vertrauen fasste und nunmehr alles in mir sich mit Leichtigkeit öffnete und in vollkommene Stille und Gelassenheit versank, aus der ich am Morgen erfrischt erwachte, nach acht Stunden traumlosen, tiefen Schlafes.

 

 

Unglaublich.

 

 

 

 

 

 

Bild: minimal cinema, alba adriatica italy, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

einstweilig

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Die Glocken läuten zum ersten Advent. Doch statt einer Ankunft gab es heute gleich zwei Abreisen: der Kanzler nahm den Zug in Richtung Frankfurt und der Bekannte stieg in den Bus nach Hamburg.

Die vergangene Woche markierte vorerst den Höhepunkt in meiner unsäglichen Angelegenheit: eine Anhörung, und ohne mich überhaupt zu Wort kommen zu lassen die zeitgleiche komplette Einstellung der Kostenübernahme meiner Behandlung. Ab sofort.

Das Ganze mit einer Begründung, die so abwegig als, als würde man die Klage einer Familie auf einen Kitaplatz mit dem Hinweis auf Vorschriften des Reichsautobahngesetzes ablehnen. Mein Anwalt schüttelt ungläubig den Kopf und ich werde den Verdacht nicht los, dass das Ganze darauf abzielt mich mürbe zu machen. Seit Monaten schon werden Entscheidungen verschoben, Zuständigkeiten geleugnet, Fristen nicht eingehalten, absurde Mitwirkungspflichten eingefordert und Gutachter kurzfristig abgesagt. Es wird gedroht, auf Nachfragen wird beharrlich geschwiegen und nun hat man, quasi aus dem Hinterhalt, mit voller Wucht und vollster Unrechtmäßigkeit zugeschlagen. Tödliche Pfeile, abgeschossen von seelisch deformierten Menschen als Teil einer monströsen Behörde für die ich nichts als ein Kostenfaktor bin.

Da meine Gesundheit nunmehr akut gefährdet ist, wird der Anwalt Anfang der Woche mit allen zur Verfügung stehenden Rechtsmitteln durchgreifen. Das Stichwort lautet: einstweilig.
Eine Stunde seiner wertvollen Arbeit kostet übrigens 230 € und seit Monaten vergeht keine Woche in der ich ihn nicht mehrfach bemühen musste. Wer soll das bezahlen?

Nach anfänglichen Tränen bin ich heute am 1. Advent erstaunlich entspannt. Der Entschluss, mich nicht unterkriegen zu lassen hilft mir und die Menschen um mich herum tun was sie können.
In solchen Zeiten verändern sich Bindungen. Ich fühle mich alles in allem sehr geliebt und geborgen.

Dem Tölchen geht es auch viel besser inzwischen. Sie spielt wieder und gerade schüttelt sie grunzend ihren Stoffbiber tot.

 

 

 

 

 

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Die Decke müsste auch mal wieder gestrichen werden.
Ansonsten liebe ich den Spätherbst in meiner Wohnung und auf meinem Platz.
Ein schönes Wochenende allerseits!

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Die Muskatnuss in der Pofalte

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Geht ein Dackel die Treppe rauf, kriegt er eine Lähmung. Legt man ein Kaninchen eine Minute lang auf den Rücken, versagt sein Herz. Gebiert eine Kuh ein Kalb, wird das Kleine von allen anderen Kühen auf der Weide abgeleckt. Nach großen Kriegen kommen deutlich mehr Jungs als Mädchen zur Welt. Die Bevölkerungskurve Italiens weist in der Zeit des Abessinienkriegs einen Buckel bei der Geburtenkurve von Jungen auf. In den Tropen hingegen werden immer und stets mehr Mädchen als Jungen geboren. Man vermutet einen Zusammenhang mit dem Klima (warm und feucht).

Früher sagte man zu Jungen Knaben oder Buben. In Bayern gibt’s noch immer Buam. In der Schöneberger Knabenschule sind jetzt Geflüchtete untergebracht.

Die Blumenzwiebel weiß, wann sie loslegen muss und in welche Richtung es geht, wie auch die Fliegen ihr Ziel in Sekundenschnelle finden.

Jemandem „den Arsch abputzen“ zu müssen, scheint der Gipfel an Unzumutbarkeit von Arbeit zu sein. Der Butlerberuf immerhin lebt wieder auf. Gönnen Sie sich endlich eine Putzfrau, verlangt die FAZ, die sich selbst gerne mit Pünktchen schreibt (F.A.Z.), und deren Leserschaft, wenn man nach den Beiträgen in den Foren geht, auch immer dümmer und nationalistischer wird.

Gerhard Schröder war mal der Anwalt von Horst Mahler, dem ehemaligen R.A.F.-Verteidiger, RAF-Mitglied und heutigen Holocaustleugner, Otto Schily war auch mal Mahlers Anwalt. Er hat ihm die 20 Bände umfassende Hegel-Ausgabe in den Knast gebracht. Dank dieser Lektüre wurde Mahler (nach eigener Aussage) ein Nazi und Holocaustleugner. Schily war außerdem ein Weggefährte Petra Kellys. Frau Kelly wäre heute 70 Jahre alt geworden. Erschossen wurde sie wahrscheinlich von ihrem Lebensgefährten dem General a.D. Bastian.

Eine andere Holocaustleugnerin ist gestern mal wieder zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Hochzufrieden nahm sie den Richterspruch entgegen.
Der frühere SS-Mann Oskar Gröning ist haftfähig, das hat ein Gericht entschieden, und muß für 4 Jahre ins Gefängnis. Der heute 96-Jährige hat in 300.000 Fällen Beihilfe zum Mord geleistet. Seinen 100sten Geburtstag kann er dann wieder in Freiheit feiern.
Slobodan Praljak hingegen wird die 20 jährige Haftstrafe, die die Berufungsrichter heute in Den Haag bestätigt haben, erst gar nicht antreten. Praljak war wegen schwerer Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkrieg angeklagt. Nach der Urteilsverkündung schluckte er vor laufender Kamera eine Flüssigkeit aus einem braunen Glasfläschchen und verstarb bald darauf.
Man fragt sich, wie er an das Gift gekommen ist.

Internet zappen ist wie Dominosteine aneinander legen.

 

 

 

 

 

 

Bild: Minimal Cinema, Searching for Pasolini, Matera, flickr,
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

Ipalat, Ipalat! (wenn Blogger über Blogger bloggen)

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Wenn es zur Apokalypse kommt, so dachte ich letzthin beim Einschlafen, stehe ich gleich in der ersten Reihe. Die Sache mit den Kolonien auf anderen Planeten, scheint ja aus cerebralen Gründen leider schwierig zu werden. So sagen zumindest die Hirnforscher, die Superexperten unter den Wissenschaftlern*.  Bleibt uns allen wohl nur das flammende Inferno. Doch fürchtet Euch nicht, ich zeige Euch den Weg.

Bei Herrn Ackerbau lese ich über werbende Blogs und wie die Meinungen in der Blogwelt darüber, ob etwas so Wahres, Schönes und Gutes wie ein Blog sich mit Werbung besudeln dürfe, auseinandergehen. Mich lässt das, was andere machen, relativ kalt. Ich werbe nicht, will nicht werben und befürworte ganz ungefragt auch eine werbefreie Stadt. (Erzähle mir bitte keiner, weshalb das nicht möglich sein sollte und warum am Ende alle Siemensmitarbeiter ihren Job meinetwegen verlieren).

Werbung ist blöd. Werbung stört. Auf Werbung, und wenn sie noch so klug gemacht ist, kann ich gut verzichten.

Werbung nervt mich so sehr, dass ich, um sie mir vom Leibe zu halten, Adblocker nutze, meinen Briefkasten mit Stop! rufenden, roten Aufklebern versehen habe, dreiste Werbeanrufe der Bundesnetzagentur melde und Handzettel mit Sonderangeboten aus Prinzip zurückweise. Wer Werbung derart verabscheut wie ich, wird einen Teufel tun und freiwillig Blogs lesen, die versuchen ihren Lesern irgendetwas anzudrehen. Ich weiß sehr genau und ganz alleine, was ich brauche und was nicht. Doch um´s Brauchen geht’s ja hier nicht. Es geht um Konsum und Konsum ist auf Dauer das Allersterbenslangweiligste überhaupt.

Meinetwegen soll sich jeder reich werben mit seinem Blog und die entsprechende Leserschaft um sich herum scharen. Ist dann halt nicht mehr Indie, aber muss ja auch nicht. Was sind das für Ansprüche.

 

Übrigens mag ich keine rote Beete, die Erdgurke unter den Gemüsen. Ich ekele mich vor roter Beete, ich will sie nicht essen und eigentlich nicht mal anschauen. Sie ist mir zuwider wie Sülze oder Fugenstopfwurst. Doch es stört mich gar nicht, wenn andere das Zeug verschlingen, solange ich sie nicht hinterher küssen muss.

 

So banal ist meine Denke und mein Blog bleibt werbefrei.

 

 

 

*In letzter Zeit las ich mehrfach, dass man Kriminellen das Hirn durchleuchtet, um dort Anhaltspunkte für Ihre Taten oder die Quelle ihrer kriminellen Energie zu finden. Ist das nicht niedlich?

 

 

Haugesund (H.A.F.E.N.)

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Enttäuscht, so könnte man sagen, wird immer nur der, der sich in selbstgewählter Realitätsverweigerung täuschen lässt, um etwas zu haben woran sich festhalten ließe. Wem, wenn nicht sich selbst, wollte man Vorhaltungen dafür machen.
Es geht nicht um Schuld oder Nichtschuld, ein Muster, von dem zu befreien wir Christenmenschen uns bis zur Bahre quälen. Und selbst dann noch, beim Salto rückwärts ins ewige Schwarz, entfährt uns ein Seufzer des Bedauerns und der ungesühnten (weil unsühnbaren) Schuld.  (Ein Stern möchte ich werden, ein trotziger, der nie verglüht).

Vielleicht geht es um Vertrauen, Zusammenhalt, Solidarität. Diese einzufordern, als das schwächste Glied in der Kette, ist wie der Ruf nach einer Reichensteuer. Wohlbegründet aber vergeblich, solange die Besitzenden die Gesetze machen. Also immer.
Und wer, seien wir ehrlich, würde schon seinen Mantel in der Mitte zerschneiden, um ihn mit dem Bedürftigen zu teilen, wenn der Winter eisig und der Sommer fern. So frören doch beide und niemandem wäre geholfen.

 

In Bangkok noir beschreibt Willemsen einen einbeinigen Bettler, der eine halbe Stunde neben einem Restauranttisch stehend ausharrt und der doch keinen Bissen abbekommt von den Speisen, die die Gäste sich stäbchenweise einverleiben. Schließlich verabschiedet der Mann sich mit einem freundlichen Nicken und zieht klaglos davon.

 

 

Schiffe, die den Hafen nicht erreichen. Sich auflösen im Meer, wie die Zuckerwatte, die dem Waschbären zwischen den Händen zerfließt. Die immer schon da waren und schließlich für immer verschwinden und aufgehen in dem großen Ganzen. Keine Ankunft, nur Sein und Vergehen und doch bleiben.

Es gibt keinen Hafen, hast du vor Jahren gesagt, als ich noch alberte und aus den Länderkenzeichen einen solchen auf die Heckscheibe buchstabieren wollte. Von Ungarn  (H) über Österreich (A) und Frankreich (F), nach Spanien (E) und schließlich nach Norwegen wollte ich mit dir reisen und ankommen am Haugesund. (Namenswitze, eine Schwäche von mir. Hau gesund! Wäre das nicht wunderbar?)

Es gibt keinen Hafen, wiederholst du in der Nacht im dunklen Raum und redest erneut von den ziellosen Schiffen auf dem dunklen Meer und von ihrem Untergang und schläfst bald darauf ein und ich höre deine regelmäßigen Atemzüge neben mir und ich denke: doch, den gibt es.

 

 

 

 

 

Bild: Gabriele Balletti, 20120530_0005, flickr,
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

geborgen

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Jene, du neidest sie fast, Verlassenen, die du
so viel liebender fandst als die Gestillten. Beginn
immer von neuem die nie zu erreichende Preisung;
denk: es erhält sich der Held, selbst der Untergang war ihm
nur ein Vorwand, zu sein: seine letzte Geburt.

 

 

Das Glück, die Geborgenheit der Anderen, gestillter, heller  als die quälende, dunkle Drangsal, die aus der Seele nach oben drängt.

Ausgestreckte Hände, Versprechen, Gelöbnisse. Wir wissen, dass sie den Tag nicht überdauern und greifen doch danach, wie nach einem Stecken, dem Stab, der uns ans Ufer führen wird. Im Geben wie im Nehmen, im Kommen wie im Gehen, der Pathos gleicht und zitiert sich selbst. Die unbescholtene Ernsthaftigkeit der Guten. Derer, die etwas zu verteilen haben. Besitzende. Das Gewähren und das Entziehen. Ruhm und Glanz der Verheißung. Banal und unerfüllbar à priori der Ruf nach Erfüllung.

Wieviele Menschen ertrinken in dem großen Meer das uns voneinander trennt und wieviele Menschen bedecken ihre Augen, um nicht zu sehen, was zu verhindern sie nicht Willens sind. Wir wenden uns ab von dem Ertrinkenden, weil er uns schuldig werden lässt.

 

 

 

Ein Kinderfoto, schwarz-weiss. Im Badeanzug steht die Dreijährige im Garten und schippt Erde in ein Eimerchen. Eine große, weiche Männerhand legt sich ihr auf den Arm und sie dreht den Kopf zur Seite und blinzelt in das Gesicht des Vaters. Schau in die Kamera!, sagt er, und sie spürt die Wärme seiner Hand und das Licht um sie und die Gnade dieser Welt, die sie trägt

 

 

 

 

Bild: Ron aka „Blue“ Aldaman, Child Waiying – Pimai, Thailand, flickr
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