Moskitos

Die leute denken wunder was ihr zeug noch wert sei aber wenn man´s kaufen soll schüttelt man den kopf, innerlich anerkennend, dass man selbst genauso viel kohle dafür haben wollte aber logo nicht bereit zu zahlen ist, weil gebraucht und vielleicht versteckte mängel ohne rücknahme. Nicht gerade ein Gleichnis aber doch ein Bild.

In einer der vielen Kleinanzeigen, die ich durchstöbere, um mir einen Eindruck zu verschaffen und Einkaufslisten anzulegen, die ich am Abend wieder lösche, trennt jemand Mall vom Orca und schon sehe ich den bösen, den unheilbringenden, den mörderischen Killerwal vor iberischer Halb- und Insel und denke P1 und PCR und Quarantäne etc.pp. GsD* ist die Impfung drin, doch die Escape-Mutationen sind als nächstes dran (4. Welle) und die Angst, die Fliegen, werden wir nimmer mehr los, außer wir lassen sie stehen (fliegen) und wenden uns der Vorsicht zu, die, mehr als bloß Porzellankistenmutter, auch eine gute Ratgeberin ist.

(Unsere Schnelltests heißen Nasocheck comfort. Ick lach mir schepp).

Goldhelms Vater hat 11 Geschwister.
Sein Vater war Pfarrer, seine Mutter gebar 13 Kinder.

Goldhelm begegnet dem Tod auf Schritt und Tritt. Der Ertrunkene im See, die Verunglückten auf nächtlicher Landstraße, der Verstorbene in der WG, unentdeckt für unglaubliche zwei Wochen, und schließlich der Mann, der vor Goldhelms Augen der einfahrenden U-Bahn die Stirn bot, ihr einen Kopfsprung entgegen setzte, ähnlich den beiden streitenden Ziegenböcken am Hohenstaufenplatz, vom Argentino wegen der vielen Behindertenparkplätze die es dort früher gab Plaza de los Paralíticos genannt.
Der U-Bahn-Springer hat seinen Kampf verloren. Bei den Ziegenböcken steht es unentschieden.

Goldhelms Freund hat Angst vor Hunden. Hunde wissen dies und überqueren dicht befahrene Straßen, eigens um ihn zu beißen.

Damit ihr Freund nicht noch öfter gebissen werde, hatte Goldhelm ihren geliebten Hund bei den Eltern gelassen.
Nachts bretterten sie und ihr Freund dann mit dem Bulli über einsame Straßen, sämtliche Fenster und die Hecktüre weit geöffnet, und während der Freund lenkte, saß Goldhelm im Fond, schwang lassoartig ein Handtuch über dem Kopf, bis alle Moskitos aus dem Wagen verschwunden waren und sie und ihr Freund sich zur ruhigen Nacht legen konnten.

*G*** sei Dank

17/05

Zu spleenig ist wie Gartenzwerge, denke ich beim Betrachten meiner pittoresken Terrasse mit der verrosteten Metallmaus, den Kickerstäben und den vielen anderen zusammen getragenen Fundstücken, wie bespielsweise dem schmalen Toilettenfenster aus dem Conmux im Friedrichshain der Nuller Jahre.

Da hab ich immer beim Pinkeln drauf geguckt, hatte der Unterfranke gesagt, als er das gerettete Erinnerungsstück auf meiner Terrasse ablud. Kannste schön an mich denken, wenn du hier draußen sitzt und den Vögelchen zuhörst, hatte er hinzu gefügt und war verschwunden, ehe ich ihm sein Geschenk zurück geben konnte.
Das Conmux war langweiliger als sein Name. Doch eine Straßenbahnlinie führte geradewegs an ihm vorbei und ich mochte es, wenn die in den Asphalt eingelassenen Schienen in der Abendsonne glänzten wie Schwerter. Nicht weit von hier hatte I., eine Hand auf seinem liebenden Herz, an einem heißen Sommertag für mich gesungen. Später waren wir zum Haus der Kulturen der Welt gefahren, hatten uns auf den Rasen gelegt, Kaninchen gezählt und Rioja getrunken.
Auf der anderen Seite der U-Bahn, neben Kaiser´s Supermarkt lebte die Emdenerin mit dem Handtaschenbubi und ich erinnere mich an den gemeinsamen Abend in der Schnabelbar mit Latex und Schnaps und aufreizenden Posen, über den wir nie wieder sprachen, bis wir irgendwann nach einer öden Party mit buchhaltermäßig abgewogenen Kokslines ganz aufhörten miteinander zu reden und uns beiläufig aber bewusst aus den Augen verloren.
Der Handtaschenjunge hat sich inzwischen zu einem Mann mit grauen Schläfen entwickelt, die Emdenerin ist weiterhin platinblond und, soweit sich das aus ihrer Homepage erschließen lässt, so abergläubisch und aurensensibel wie eh.

Nachdem ihre Eltern gestorben waren hatte sie zwei der vielen Katzen ihrer Mutter bei sich aufgenommen. Eine der beiden, ein schwarzweißer Katzer mit Clark-Gable-Bärtchen kehrte irgendwann nicht mehr nach Hause zurück, was die Emdenerin Kontakt zu einer Tierflüsterin aufnehmen ließ, die sich „auf Seelenebene“ mit Clark verband, der ihr beschrieb in welchem Keller er eingesperrt worden war.
Tatsächlich fand die Emdenerin den Felinen zwei Straßen weiter in dem geweissagten (weisgesagten?) Verschlag wieder. Eine Geschichte, die ich hautnah miterleben durfte und daher für wahr erklären muss.


Ein andermal allerdings, als mir eine Katze entwendet und auf einem verlassenen Campingplatz in Sachsen Anhalt ausgesetzt worden war, versuchte auch ich mithilfe der Tierflüsterin die Miez zu finden, doch deren Seele schwieg und stattdessen fand, wie die Flüsterin mir erklärte, eine Weiterleitung auf eine Art Anrufbeantworter statt, was leider bedeutete, dass das Kätzchen tot sei und sich zu einer hinduistischen Gottheit mit Namen Indira transformiert habe.

Einige Wochen später, am 17. Mai, wir waren bei der Hochzeit von Freunden, wurde die Katze, mehr tot als lebendig, dann doch noch gefunden. Der Unterfranke und ich holten sie ab und brachten sie in eine Tierklinik, wo der georgische Arzt mit dem Mr.-Bean-Gesicht sie sofort ins Behandlungszimmer nahm und den Tränen nahe war, als er sie auf die Waage setzte. 1,7 kg stand dort, fast vier weniger als vor der Odyssee. Im ehemals rotgoldenen Fell der Bengalin tummelten sich Maden.
Es brauchte viele Wochen mit einen weiteren unglaublichen Entführungsversuch der übergeschnappten Katzenaussetzerin, bis wir das Tier wieder mit nach Hause nehmen durften.

Der Katzendiebstahl hatte noch ein juristisches Nachspiel bei dem, anders als man meinen sollte, nicht die Diebin angezeigt wurde, sondern der Unterfranke, der, wie die Frau behauptete, ihr gedroht haben sollte sie zu töten, was natürlich nicht stimmte. Ich war anwesend bei dem besagten Telefonat und außer einer Wuttirade des Unterfranken und dem Satz, sie solle sich uns und der Katze nie wieder nähern, war nichts Spektakuläres geschehen.
Die Anzeige zog die Wahnsinnige später zurück (die Tötungsabsicht aber blieb als Offizialdelikt aktenkundig). In ihrem Freundinnenkreis verbreitete sie weiterhin die Lüge und so kam es, dass der Unterfranke sich auf einem Folkfestival von wütenden Frauen umgeben fand, die ihm ankündigten ihn bei nächster Gelegenheit mit dem Dixiklo den Hügel hinunter zu stoßen und die, um ihrer Entschlossenheit Ausdruck zu verleihen und als Vorgeschmack auf weitere Aktionen schon mal sein Zahnputzzeug in seinen morgendlichen Kaffeebecher schmissen und wütend davonstapften. Im Hintergrund stand die lächelnde Diebin, mit großer Sonnenbrille im zufriedenen Gesicht.


Ginkgo

Beim Verrücken des Ginkgos schnellt eine Riesenspinne aus ihrem Versteck auf die schreienden Hände zu.
Ich fliehe ins Dunkel der Wohnung, von der Decke tropft Löschwasser, die Füße waten durch knöchelhohes Nass, im Kegel der Stirnlampen: Spinnen, viele davon. Ein Bild, das ich erst viel später erinnern und danach nie wieder vergessen werde.

Die Kanzlerschwester schreibt: der Kanzler habe in Spanien einen Schlaganfall erlitten. Dann sei er auf den Kopf gestürzt, da habe sich etwas „gelöst“ und nun sei es etwas besser. Seine Geschichte mit der Standuhr ging so ähnlich: damals, so schrieb er mir auf einer Postkarte, sei die Uhr, die er genau so liebe wie ich, noch im Besitz seiner Großeltern gewesen. Bei einem Besuch dort, sei er durch ein Missgeschick zu Fall gekommen, mit dem Kopf hart aufgeschlagen und das Letzte, was er hörte ehe er das Bewusstsein verlor, sei der Stundenschlag der Uhr gewesen (hier endete die Postkarte des Kanzlers).

Später, nach jahrelangem Ringen und Betteln, war der Kanzler schließlich bereit die Uhr, die ich von meinem Großvater geerbt, und die er seiner Freundin geschenkt hatte, von dieser zurück zu fordern und mir nun endlich zu geben, doch ehe es dazu kam, hatte er sie, auf den Vorschlag der Freundin hin, erneut verschenkt: dieses Mal an meinen Bruder.
Diese Familie macht mich krank.

Von der Schwester erfahre ich, dass der Kanzler nun auf dem Nachhauseweg sei.
Zum Arzt habe er aber nicht gehen wollen, er sei ja selber einer.

Wir sollen uns Sorgen machen. Immer.

Von Mäusen & Meisen

Der Bekannte und ich schreiben uns Nachrichten via Twitter und überlegen, wie es sein wird, wenn wir uns im Mai nach über einem halben Jahr wiedersehen.
Erstmal komisch und dann ganz normal, tippe ich.
Der Bekannte, dem Pläne und Zukunftsvisionen suspekt sind, antwortet so passend wie zutreffend: Wir werden sehen.
Ist wie Fahrradfahren, schreibe ich jetzt und lehne mich zufrieden zurück.
Das wiederum glaubt der Bekannte nicht, denn: Normal ist keine Tätigkeit die von Schwerkraft und Balance bestimmt wird.
Auf meine letzte Bemerkung reagiert er bedauerlicher- und zu erwartenderweise gar nicht mehr.


Alles wie immer also, ganz normal.



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Die vermuteten Mäuse in meinem Rolladenkasten sind zum Glück doch bloß Meisen. Brauch ich keine Lebendfallen zu besorgen.
Gut für uns alle.

Armin und Amina

Die Klage von 2017 ist noch immer nicht abgeschlossen. Ich bewundere die Geduld und den Biss meines Anwaltes und frage mich, ob die Behörde möglicherweise versucht, die Angelegenheit ins klamme Heimlich der abgelaufenen Fristen zu verschleppen. Bestimmt gilt als Begründung auch hier wieder Corona, die Entschuldigung und Erklärung für alles, was man nicht zuwege bringen kann oder will.

Es ist April, es ist Ostern, es schneit und ich denke an Prince und höre seine talentierten Finger auf dem Gitarrenhals und die gekonnt unsauberen Klänge der Saiten. Am Tag seines Todes gondelte ich ahnungslos und bei schönsten Wetter in die Königsheide und freute mich dort an dem Grün der Eichen, den roten Stämmen der Kiefern und dem hellen Grün der Maiglöckchen. Erst später hörte ich, was geschehen war.
In dasselbe Wäldchen mit dem inzwischen zu Eigentumswohnungen aufgewerteten DDR-Kinderheim, führte mich auch der letzte mir erinnerbare Spaziergang mit dem Kanzler, den ich während der gesamten Pandemie kein einziges Mal gesehen habe.
Manchmal frage ich mich, ob es tatsächlich Gleichgültigkeit oder aber eine höhere Liebe ist, die ihn mich so zurück lassen lässt, damit ich, wenn er irgendwann die Augen für immer schließt, mich schon ausreichend abgenabelt habe, um nicht daran zugrunde zu gehen.
Wahrscheinlich aber ist es einfach die Kraftlosigkeit der alten Seele, die ihn kapitulieren und sich zurück ziehen lässt und natürlich die Frau an seiner Seite, die ihm seit dem Tod ihrer Tochter Besuche bei mir untersagt. Was ich nicht habe, sollst du auch nicht haben.
Der Kanzler hatte immer schon ein Faible für Frauen, die seine Kinder bzw. seine Töchter ablehnen.

Das (was ich nicht habe) bringt mich zum Thema Impfen und den derzeit diskutierten „Privilegien“ für priorisiert Geimpfte, die von denjenigen, die noch auf eine Impfeinladung warten müssen aus nachvollziehbarem Impfneid abgelehnt werden, aber auch die Kurzsichtigkeit der Menschen zeigt, wenn es um eigene Privilegien geht. Denn es ist ein riesiges Privilleg, dieses gesamte Pandemiejahr ohne die Todesangst und Isolation der Vulnerablen und ohne den mörderieschen Stress, der in der Pflege und der Erziehung Arbeitenden verbracht zu haben.
Wenn jetzt ein paar Alte, Kranke und zugrunde Geschuftete etwas früher ungetestet Kaffee trinken gehen dürfen, wäre es Zeit für Applaus und nicht für Missgunst. Abgesehen davon könnte auch die brachliegende Gastronomie wieder ein wenig Luft holen (argumentiert eine, die in 24 Stunden geimpft wird).

Das nächtliche Clownslachen im Haus gehört übrigens vermutlich zu dem gleichen Mann, der vor ein paar Tagen den Dachboden verwüstet hat und randalierend vor der Wohnung der ehemaligen Vermieterin stand. Seine Mitbewohnerin meldete sich später in der Signal-Hausgruppe und räumte ein, dass Richie möglicherweise derjenige sei, der nach ein paar geistigen Getränken nicht mehr die Kurve gekriegt habe.
Weshalb Richie sich nicht selbst anklagen und anschließend entschuldigen konnte bleibt ungeklärt.
Der Clown jedenfalls lacht (seither) nicht mehr.

Die Ex-Vermieterin indes verweigert standhaft die Hürde der Läuterung, hält an ihrer gewohnten Ekelhaftigkeit fest und beginnt mit der Reinigung der Regenrinne an ihrem Balkon, exakt in dem Moment, als ich darunter kniee, um mein kleines Beet vom Laub zu befreien.
Ich schaue auf und sehe sie von oben auf mich herabblicken.


silver glitter

Von Jim Avignon, der in unserer rotweinseligen Anwesenheit die Wände der noblen Lokalität gestaltete, welche, in bester Uferlage befindlich, später übernommen wurde von einer geschwätzigen wie überdrehten Österreicherin (Geh, das Hunderl macht Mannderl!), die mit schriller Stimme in jedes noch so intime Gästegespräch hineinkrähte, um Ruhm und Anerkennung für ihr Etablissement und damit für sich selbst einzufordern,
springt mein innerer Film zum Spatz von Avignon und einem bizarren Auftritt in Lederhose und damit weiter zu F., dem New Yorker Mr. Leather, einem gelernten Stuckateur, dessen skelettiertes Gespenst ich bei der fête de la musique wiedertraf, ohne ihn jedoch zu erkennen und der mich, nach Erbrochenem stinkend, bat, ihn in sein Pflegeapartment im ZIK zu begleiten, um mir dort Fotos zeigen zu können, die mich erschrecken und mich ihn und unsere Nachmittage auf seinem Balkon in der Oderberger Straße erinnern lassen würden.

Wann immer ich heute durch jenen Teil des Tiergarten spaziere, in dem Männer sich treffen, um für die schnelle Lust gemeinsam im Gebüsch zu verschwinden, denke ich an ihn und seine T-Zellen, seine muskulösen Schenkel und seine Liebe zu Pelargonien (pelargonium silver glitter).


Den Deichgrafen, den könnte ich wahrscheinlich fragen, wie es mit Mr. Leather ausgegangen ist, wenn nicht schon vor Jahren wir uns überworfen hätten, aus Gründen, die ich nicht mehr weiss aber noch spüre.
Die Mutter des Deichgrafen, eine Physiotherapeutin mit langem, grauen Haar, gehörte zu der Sorte Mensch, die mit allerlei hanebüchenen, selbstersonnenen und esoterikschwülen Theorien und von einer vermeintlich höheren Warte herab andere bewertete und kategorisierte. In meinem Fall: wer krank ist ist krank weil er das so will. Wer sich mit Kranken zusammentut ist selber krank.


Den Vater des Deichgrafen, ein stadtbekannter Arzt, erinnere ich als einen steifhüftigen und willensschwachen Mann mit dunklem Haar, der sich von seinem großen schwarzen Hund kreuz und quer über den Deich zerren ließ und sich dabei hilfesuchend nach seiner in Leinen gewandeten, selbstgestrickten Frau umblickte, die nur einen kopfschüttelnden Blick für ihn übrig hatte, der erahnen ließ, wie fremd und zuwider ihr der Mensch an ihrer Seite geworden war.

Bei meinen Besuchen an der Elbe schliefen der Deichgraf und ich stets in einem Bett, und manchmal erwachte ich von der festen Umklammerung, die der Träumende mir anstelle von Mr. Leather zuteil werden ließ.






K1

Auf Twitter steht K1 für das erste Kind einer Familie. K2 für das zweite, K3 für das dritte usf.
In Zeiten wie diesen aber wird als K1 jemand bezeichnet, der engen Kontakt zu einem corona-positiv getesteten Menschen hatte (welcher, in meinem konkreten Fall, zuvor allerdings noch bei gleich 4 Schnelltests im Abstand von jeweils 12 Stunden negativ getestet wurde, weshalb ich mich überhaupt nur auf diesen engen Kontakt eingelassen hatte).



Warten auf den PCR-Test und bis dahin kolibriesk hin und her flattern zwischen des Lebens Nektar und dem Duft der Gruft. (Hoffend, dass mein Katastrophenglück mich auch dieses Mal nicht im Stich lassen und nach tiefem Fall am Grunde des Schachtes ein weicher Heuhaufen mich auffangen wird).


Du weisst, ich liebe das Leben

Protagonist*innen

Die Filmemacherin hat Augenbrauen wie gemalt. Sie ist groß und schlank und könnte mir glatt als jüngeres Körperdouble dienen, wenn nicht sie die Besetzung auswählen würde.
Im Test 16 personalities ist sie Advocat, während ich Protagonistin bin. Auf Tinder lässt sich mit solchen Angaben trefflich vorsortieren.
Sie sagt: Ein Viertel für einen Tag, und spricht von Rationen (?). Ich höre: Ein 1/4 für ein´ F**k und sage schulterzuckend: Aha.

Die Filmemacherin hat vor einiger Zeit eine Kurzdoku über mich gedreht. Am Besten haben mir der gemeinsame nächtliche Gang über die Schillingbrücke und ein Besuch in der Sanitärabteilung des Baumarktes gefallen, wo ich einen sehr langen Duschschlauch kaufte, der mühelos bis zum Waschbecken meines winzigen Bades reicht, in dem ich mir seither bei Zeitmangel die Haare waschen könnte, was ich niemals tue. One fine day.

Die Filmemacherin hat außerdem eine Doku über einen Schornsteinfeger bei der Arbeit und bei seinem interessanten Hobby gedreht. Die Bilder von den Dächern der Stadt und dem waagrechten Rauch im stahlblauen Winterhimmel haben mich nachhaltig beeindruckt.
Auch ihre nächste Doku verspricht, interessant zu werden. Allerdings gestaltet sich, pandemiebedingt, die Suche nach Protagonis*innen schwierig. Verraten darf ich leider nichts, doch wenn es gut läuft, öffnen sich der talentierten Filmfrau bald ganz neue Perspektiven.

Die Dokumentarfilmerin ist anmutig und schön wie ein Schwan auf morgendlich nebligem See.



Mammatus

Mitte Februar schon fing der diesjährige April an. Doch Orkänchen Klaus ging nach 5 schwefeligen Minuten die Puste aus und es folgten beeindruckende, brustartige Wolkenformationen. Das Patriarchat kann einpacken.

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Das Klein/ Klein der Missgunst und der Eifersucht amüsiert mich, weil es am Ende in das genaue Gegenteil dessen mündet was die Zeternden m´ as-tu-vus sich ersehnen. Stattdessen: Einsamkeit, Isolation und manchmal auch ein wenig Hohn oder bedauerndes Kopfschütteln.

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Über Umwege bin ich mit einer ehemaligen Dozentin in Kontakt gekommen, einer Frau vor der ich mich wegen ihrer spitzen Eckzähne insgeheim immer gefürchtet hatte und die jetzt gerne einen Posten mit mir besetzen würde, der möglicherweise zu meinem episodischen Fleißanfällen passen könnte, zu diesem Zeitpunkt aber vollkommen indiskutabel ist. Ungeimpft kann und werde ich nicht mit Menschen arbeiten und ob mir nach der Pandemie Menschen überhaupt noch etwas sagen bzw. ich ihnen noch das notwendige Interesse entgegen bringen kann, weiss ich nicht.

 

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Vor einem Jahr fuhr der Bekannte zum letzten Mal mit dem Bus von der Küste in die Hauptstadt.
Sechs Monate später kaufte er sein Rückfahrticket. Seitdem haben wir genau ein Mal telefoniert. Schriftlich sind wir in Kontakt und bei jeder größeren Aufgabe, die ich alleine bewältige, denke ich an ihn und wie gerne ich ihm erzählen würde, wie stark und souverän ich geworden bin. Doch zum Stark- und Erwachsensein gehört auch, die Dinge mit sich allein auszumachen, ohne sich hinterher kopftätschelndes Lob abholen zu wollen. 

 

Bild: twitter@rike_tweet, 11. März 2021