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Ergebnis der Bildersuche „Mops“

Ich lese, dass bei irgendwelchen, von mir doch mit sehr traurigem Auge betrachteten, Tierversuchen eine Heilung einer (zuvor in den Tieren erzeugten) seltenen Erkrankung gelungen ist. Zufällig handelt es sich dabei um die Entsprechung meiner eigenen Erkrankung.
Als ich mich das letzte Mal in einer Klinik in San Francisco vorstellte, um geheilt zu werden, war das ein ziemlicher Schuss in den Ofen.
Jetzt sieht es so aus, als gäbe es die begründete Hoffnung, dass die Krankheit mich möglicherweise nicht umbringen wird. Die schiere Vorstellung eines längeren und beschwerdefreieren Lebens stimmt mich heiter und froh wie den Mops im Paletot

 

Haylayf

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Soll mal einer sagen, die Türken hätten keinen Humor

Das Publikum der Kleintierklinik lässt mittlerweile stark zu wünschen übrig. Traf man früher auf Wilmersdorfer Witwen mit Airdale Terriern oder Spitzen, tummeln sich hier heute veritable Vollblutproletten mit Australian Shepherds im Schmusebacken- oder Zickengeschirr oder mit altdeutschen Schäferhunden mit schwarzen Augen und tiefergelegten Hinterbeinen. Haarige Tiere, die jeden und alles anknurren und dafür tätschelnd getadelt werden.

Immerhin Rassehunde, daran hat auch die Zeit nichts geändert.

Im Infusionsraum sitzt ein gut genährtes und gepierctes Pärchen Mitte Zwanzig, aus dem Hals des drallen Terrier zu ihren Füßen ragt eine Braunüle. Durch einen langen transparenten Schlauch tropft Medizin in das quirlige Tier. Der tätowierte Mann und die volltätowierte Frau daddeln teilnahmslos auf ihren Smartphones herum. Der dicke Hund wedelt seine Leute erwartungsvoll an, bekommt keine Rückmeldung und versucht zu Frauchen zu gelangen, wobei sich seine Leine am Stuhlbein des Mannes verhakt. Die Leine hängt an deinem Stuhl fest, sagt die Frau mit genervtem Ton. Doch der Mann spielt ungerührt weiter auf seinem überdimensionierten Telefon. Kannst du nicht mal aufstehen, drängt die Frau jetzt mit Schelte in der Stimme. Nein, antwortet der Mann, weiterhin ohne den Blick zu heben, wodurch ihm der Anblick des freigelegten unteren Rückens seiner Lebensgefährtin entgeht, die nun neben ihm niederkniet, mit dem Kopf unter seinem Stuhl verschwindet und an der Leine herum hantiert, bis das wedelnde Hundchen befreit ist.
Ihr habt euch gefunden, denke ich und sehne mich in den bunt raschelnden Grunewald hinein, statt in diese neongrelle Hölle. Doch statt zu gehen, streichele ich meinen kranken Hund und lese zum x-ten Mal: Waage bitte stehenlassen und nach dem Benutzen desinfizieren.

 

 

Unlängst erzählte die Agrarwissenschaftlerin, dass sie hier auf dem Gelände auch Versuchskühe halten mit Guckloch in den Pansen hinein. Man möchte an ihnen untersuchen wie die unterschiedlichen Futtersorten verwertet werden.

 

(Hier müsste eigentlich der Traum der vergangenen Nacht stehen in dem ich zu meiner eigenen Überraschung mit einem Beutel voller Pferdeäpfel im Schlafzimmer stehe und mit der bloßen Hand versuche, das stark riechende Zeug unter der Matratze zu verstecken, damit der Bekannte nix merkt).

 

Die guten Neuigkeiten von der Hundeverdauung sind folgende: zwar hat das Tölchen immer noch und immer wieder mit heftiger Übelkeit zu kämpfen, doch zwischendurch isst sie auch mal was und zwar gekochten und entgräteten Seelachs. Nur 0,9 g Fett auf 100 g hat der Fisch, dabei kommt er aus Alaska, wo es gemeinhin sehr kalt ist und etwas mehr Fett auf den Rippen nicht schaden kann. Doch die malade Bauchspeicheldrüse des Hundes würde das nicht mehr verkraften und so muss der Fisch erst frieren und dann sterben, damit mein Tölchen leben kann.
Zum toten Fisch reiche ich ihr cremiges Mus vom Hokkaido und einen feinen Tablettencocktail bestehend aus Antiemetikum, Analgetikum, einem Appetitanreger und wat weeß icke.

 

Zum Glück zeigt sich meine eigene  Gesundheit gerade robuster als die des Hundes. Gestern noch verschnieft und fiebrig erwacht, bin ich heute schon wieder auf der Siegesstraße und nur vereinzelte Niessalven erinnern noch an den quasi überstandenen Infekt. Allein die Tigerkatze, das überaus sensible und feinfühlige Geschöpf, leidet noch unter meiner Erkältung. Mein Niesen quält sie, es tut ihr weh, es gefällt ihr nicht, es beleidigt und belästigt sie und sie kann nicht aufhören zu meckern und schnattern, zu zetern und zu schimpfen und das Gesicht zu verziehen, selbst im tiefsten Schlaf, wenn sie mich niesen hört.
Manchmal weiss ich kaum, wie ich zwischen meinen wiederkehrenden Niessalven noch mein lauthalses und entzücktes Lachen über ihre grenzenlose Empörung unterbringen soll.

 

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Epilog:

 

Als ich aus der Klinik zurück bin, mache ich einen nachmittäglichen Spaziergang um den Platz. Ein dünner Mann mit langen Haaren kommt mir entgegen und fragt mich, ob er mal telefonieren könne. Die Gasttöle, eine revierbewusstes Tier bellt ihn augenblicklich an und ich ermahne den Hund mit den Worten: Wenn du nur pöbeln kannst! Geh weiter!
Das verstehe ich jetzt nicht, sagt der dünne Mann und geht weiter zu dem nächsten Passanten. Doch auch dieser schickt ihn fort.

 

 

 

 

 

 

 

 

unbegrifflich

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Wie Kiesel liegen wir in einem Bett, voneinander und durch das Leben glattgerieben und

müde schaust du mit dem Blick des Vierjährigen, der das Löwenbaby umarmen darf oder soll und seine ratlose und unbeteiligte Hand auf dem warmen Fell abgelegt hat und nicht weiß welche Mine die passende ist oder sein könnte und was von ihm, also von dir, erwartet wird.

Erst später im Leben fängt das an mit der Gesichtsgymnastik, dem erwartungsgemäßen Minenspiel, dem Grimassieren, dem Handeln in Richtung Applaus. (Bis heute liegt Dir dieser Conveniencefressezirkus nicht. Stoneface passt immer).
Noch später sitzt es sich vollkommen entspannt irgendwo, mit relaxten Zügen und möglicherweise hängenden Mundwinkeln oder auch lächelnd, auf eine altersweise Art selbstvergessen. Der Wettbewerb ist vorbei, man ist kein Bauchfrei-Babe mehr, war es ohnehin niemals, das Schielen auf Außenwirkung ist weniger geworden und so lässt es sich unaufgeregt und außer Konkurrenz auf die Vorbeidefilierenden schauen, deren Lebens- und Konsumwelten so gar nichts mehr mit unserer Welt der nicht käuflichen Freuden zu tun haben.

Unbegreiflich und unbegrifflich.

 

 

Lang ist es her, dass ich an Sonntagen frühstücken ging, das Haar verfilzt von nächtlicher Begegnung. Kaiserschmarrn mit Pflaumenkompott und tiefe Blicke und Lächeln über den Tassenrand hinweg und später Rückkehr auf die klammen Laken.

 

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Der Kanzler benutzte eine Spaltlampe, doch alles blieb intakt dabei.

Weisses Tageslicht mochte und mag er weniger als abendlichwarmes Kunstlicht. Beim Deutschaufsatz wurde er für diese niedergeschriebene Vorliebe gelobt. Ein Erfolg von dem er bis heute erzählt, denn der Zuspruch des allwissenden Lehrers dient ihm noch immer als Beleg für die Richtigkeit und Wahrhaftigkeit seiner Weltsicht: Sonnenlicht taugt nicht. Hinter einem theaterroten, bodentiefen Samtvorhang verbringt er seine osramhellen Tage.

Auch das Dosieren hat der Kanzler mich gelehrt und nur sehr mühsam habe ich es geschafft, die Große Regel wieder zu verlernen: viel hilft viel.

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild: flickr, westpark, affe
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

Dem Hund ist übel und ich versuche Medikamente, Futter und Wasser in sie hinein zu bekommen und die Stimmung hoch zu halten. Das allein wäre tagfüllend, wäre da nicht noch dieses andere Leben.

Rückfall

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Als ich am Morgen erwache, sitzt der Hund schlotternd vor dem Bett. Mit fliegenden Fahnen bringe ich sie in die Klinik ans andere Ende der Stadt.

Stunde um Stunde warte ich im Flutlicht des Infusionsraums, zusammen mit einer Gruppe lebenslustiger Neuköllner um die Vierzig. Swingerclub, denke ich und versuche, nicht hinzuhören. Ganz langsam tropft die Lösung in Tölchens Venen. Sie krümmt sich und zuckt und hechelt vor Schmerzen.
An der Außenfassade der Kleintierklinik steht ein Trupp osteuropäischer Arbeiter mit Hochdruckreinigern. Während das Gebäude ringsum eingenebelt wird, steigt drinnen die Luftfeuchtigkeit ins Unerträgliche und im Dämmerlicht des Röntgenflurs wird mir schwarz vor Augen.
Am Abend trage ich den völlig benommenen und mit Morphin ruhig gestellten Hund zum Auto und bringe sie nach Hause in ihr Körbchen.

Sie hat eine Bauchspeicheldrüsenentzündung und Anämie.
Mir ist zum Heulen zumute.

 

 

 

 

 

Bild: Markus Jaschke, My boys love the morning light, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/

Laub

 

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Spricht jemand einen Satz mit erweitertem Infinitiv setze ich im Geiste das dazugehörige Komma und verliere dadurch oft den Faden. Um mein Versäumnis aufzuholen, stelle ich unauffällige Fragen und ziehe zur Tarnung die Stirn in kritische Falten.
Beim nächsten erweiterten Infinitiv passiert das Gleiche (das Allerselbe, wie Freundin S. zu sagen pflegte) und ich hinke dem Fortgang der Erzählung wieder hinterher. Vergeblichkeit als Lebensthema.

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Die bunten Blätter segeln von den Bäumen und man möchte sich hinlegen, sich unter ihnen wärmen und dem leisen Rascheln lauschen, wenn der Wind sie Schicht für Schicht auf den Körper legt.

Einmal ist ein Mann mit mir von der Landstraße herunter und tief in den Wald hinein gefahren. Dort zerrte er mich aus dem Wagen (aus meinem) und ließ mich, an Händen und Füßen gefesselt, zurück. Mitten in der Nacht und fernab der nächsten Stadt. Ich lag rücklings im Laub, horchte dem sich entfernenden Motor nach und fürchtete mich vor angriffslutigen Wildschweinen und zufällig vorbei irrenden Mördern. Noch größere Angst aber hatte ich davor, dass der Mann zurück kommen und seine Rage sich inzwischen ins Unermessliche gesteigert haben könnte. Mein Auto, schien mir als Preis vergleichsweise günstig zu sein.

Ist gut ausgegangen.

 

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Ich bin viel besser drauf, als dieser Text vermuten lassen könnte.
Dank Onkel Maike habe ich nämlich jetzt ein Reiseziel für das kommende Frühjahr im Kopf: die Kirche St. Joseph in Le Havre.
Pläne zu haben, gibt mir das Gefühl, unverwundbar zu sein.

eigenartig (verhalten)

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Es ist meine Unnahbarkeit die mich so unnahbar macht. Mit dem Bekannten zusammen bin ich eine uneinnehmbare (feste) Burg. Um die Sache lebendig zu halten, verläuft der Graben genau zwischen uns. Ich schürfe, er sortiert, denn der Bekannte ist schlau und ich bin impulsiv und explorativ und liebe das Mondäne, die goldene Mähne, während der Bekannte Skyr isst und Knäckebrot und hartgekochte Eier. Im Winter auch Nüsse und am Wochenende Schokoladenkuchen. Von allem jeweils Unmengen.

Der Bekannte hat ein Gesicht aus Stein. Nur wenn er dann doch mal schlemmt oder lächelt, bekommt er ein Jungengesicht. Als er die Japankatze zum ersten Mal sah, da guckte er ganz weich. Immer wieder ging er, nach ihr zu schauen.

Ich bin so unnahbar, dass ich die Menschen, die ich sieze nur schwer duzen kann später, und die, die mir nah sind erst umarmen nach Jahren.

Einem sehr geschätzten Arzt schenkte ich einmal Shakespeares Sonette. Danach habe ich mich aus Scham nie wieder bei ihm blicken lassen. Ich befürchtete er könne denken ich sei in ihn verliebt. Wahrscheinlich hat mein Fernbleiben erst recht den Eindruck einer verdrucksten Stalkerin erweckt und der Arzt hatte fortan beim abendlichen Gang in die Tiefgarage die Vision meiner begehrlich brennenden Blicke im Nacken. Was er nicht ahnen konnte: wenn ich wirklich auf jemanden stehe, zeige ich es ihm durch Nichtbeachtung, weil in diesem Falle meine mitunter durch Rampensaugehabe kaschierte Schüchternheit voll zum Durchbruch kommt. Mutig und draufgänger*innenisch bin ich nur mit ausreichend Abstand. Zur Sicherheit.

Wertschätzendes Fremdeln.

Sollten wir nicht einen Löffelhalter von Alessi kaufen, frage ich den Bekannten, der gerade einen Becher Skyr leert.
Lieber eine Messerbank, antwortet er.

Zum Glück nur ein Traum.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Taieb M, flickr, I´m different
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/

 

Gichtkröten (Arbeitstitel)

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Vorschlafen geht angeblich nicht und nachschlafen sowieso nicht. Bin ich halt verloren in nicht verrechenbarem Schlafmangel und Schlafüberschuss, auch wenn´s mir selbst nicht so vorkommt.

Für die Gutachter soll ich jetzt selbst was zusammenschreiben, insbesondere den Unterschied zwischen meiner Erkrankung und einer anderen herausarbeiten und darlegen warum es mir folglich schlechter geht als anderen kranken Menschelein, und warum deswegen meine Behandlung halt mehr kostet als ein passagerer grippaler Infekt, zum Beispiel.
Pfft, sage ich und lege los, allerdings muss wer mir, als medizinischem Laien, solche Aufgaben überträgt, damit rechnen, dass ich hanebüchene Behauptungen über die Fremderkrankung und Seemannsgarn über die eigene in die Welt setzen werde.

Voller Tatendrang und einem inneren, schiefen Lächeln, das meine ironische Grundhaltung zum Ausdruck bringen sollte, habe ich mich gestern, an meinem freien Nachmittag, hingesetzt und ganz von vorne angefangen, mit jener Stunde, in der meine Mutter sich beim Nähen in den Finger stach und ein Blutstropfen in den Schnee fiel und wie im Frühjahr das Eis schmolz und darunter Scherben zum Vorschein kamen auf denen ich mir die Füße blutig lief, und wie ich vor lauter Liebe all die Jahre über mein unnennbares Leiden schwieg.

Herausgekommen ist eine Erzählung wie jene, die wir einmal für die Versicherung verfassten, als wir schildern sollten, wie es zu dem Treppensturz mit Gehirnerschütterung kommen konnte. Damals waren es die Hände, die viel zu schwachen Hände und Handgelenke, die angesichts des hohen Alkoholpegels und der Physik, a.k.a as Hebelwirkung, den Dienst versagten und für das harte rückwärtige Aufschlagen mit dem Schädel auf einer Marmorstufe sorgten. Ob die Versicherung des Gastgebers letztlich gezahlt hat, weiß ich nicht mehr. Aber wieso sollte sie? Geht es doch auch immer irgendwie um die Schuldfrage und die lag ganz klar bei Herrn Tuborg und Herrn Binding und unserer schlaflosen Jugend und ganz gewiss nicht bei der Allianz.

Was meinen aktuellen, noch zu überarbeitenden, Bericht anbelangt kann ich eines beschwören: ich bin völlig schuldlos krank. Wenn´s jemand war, dann die Gebrüder Grimm.

 

 

 

 

 

 

Bild: flickr, Horizont, dmytrok
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/