Der Kulissenschieber poliert die Gegenwart und der kleine Adel parkt seine himmelblaue, chromglänzende Vespa auf dem Gehweg (formally known as Bürgersteig), schlendert, den Helm auf dem Kopf, lässig am Plebs vorbei; rosa Poloshirt, rosa Asics, gelangweilter Seitenblick.
You saw me turn into a dog


Manchmal vergisst die Zimmerin wie achtsam sie im Innersten ist, schließt die himmelblauen Augen und weist mich mit geballten Fäusten und erhobener Stimme zurecht (Dampf tritt aus ihren geblähten Nüstern).
Das kleine Mädchen auf der Straße indes beschenkt sie mit ihrem zuckersüßesten Lächeln inklusive kindgerecht schiefgelegtem Kopf. Ich denke an meine Mutter und drehe mich weg.

Dem Bekannten fällt es leicht, lieb zur Katze zu sein. Menschen hingegen sind ein anderer Schnack und gehören beim leisesten Anflug einer geahnten/ unterstellten/ empfundenen Zurückweisung ohne jede Erklärung und unter Ablehnung eines reinigenden Gespräches in die Kältekammer, den vertrauten, sicheren Ort, verklappt. Vorsichtshalber wird der Kontakt ohne Erklärung und bis auf weiteres auf Eis gelegt, aka abgebrochen, um ihn, sobald der erste Zorn verflogen ist, in Form von Twitter Favs langsam wieder aufleben zu lassen.
Geräuschlos schluckt mein großes Vakuum auch diese Grobheit. Irgendwo in den Eingeweiden rumpelt es leise nach. Ich greife zu Pantoprazol und gehe spazieren.

Ein interessanter Weg, dieses Leben.



Ah, fuck, tut mir Leid

Vieles bleibt zäh und mühselig und selbst der Kauf des überfälligen Rechners stellte sich als echte Aufgabe heraus (Stichwort Doppelabbuchung bei Geldnot) und gelang am Ende doch noch. Dass der alte Drucker nicht auf das neue Gerät ansprechen würde, weil nicht airprintfähig, hatte ich nicht mit einkalkuliert. Ein kompatibler und bezahlbarer Ersatz ist leider nicht in Sicht. Den neuesten Scheiß (6 Monats-Abos auf Instant Ink) will ick nich und koof ick nich (wovon auch). Also wieder mit USB (erstmal Adapter besorgen) und Copy Shop arbeiten und reichlich Lebenszeit auf unnötigen Wegen verprassen.

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Die B. ist nach beinahe einem Jahrzehnt wackeren Kampfes gestorben. Am Abend ihres Todes glühte die Kirche auf dem Platz schön wie selten. Ein Gruß, eine letzte Verneigung. Adieu.
Wir waren keine Freundinnen, die B. und ich. Gleich unsere erste Begegnung war wegweisend für die Jahre die ihr folgten. Wenige Stunden nach dem verheerenden Hausbrand klopfte die mir noch unbekannte Frau an meine Türe und schob sich, zusammen mit der baskenmützentragenden Karikatur eines Architekten grußlos an mir vorbei, in meine vom Löschwasser zerstörte Wohnung. Meine Frage, wer sie überhaupt sei wischte sie mit einer Handbewegung beiseite. Das sei jetzt nicht wichtig, das machten wir später.
Später kamen dann allerdings Briefe in denen sie mich trotz meines konsequenten Siezens weiterhin duzte und mir Vorwürfe für dies und das und jenes machte. Zum Beispiel, dass die gesamte Hausgemeinschaft allein und nur meinetwegen hatte frieren müssen, weil ich am Tag der geplanten (aber nicht kommunizierten) Inbetriebnahme der Heizung nicht in meiner Wohnung (sondern bei der Arbeit) war.
Die Toillettentür im Gemeinschaftsrau ließ sie beim Pinkeln offen stehen.
Ungezählte Therapiestunden verwendete eine andere Hausbewohnerin für die Bewältigung der komplizierten Beziehung zur B. und wir alle vermissen jetzt ihren Gesang im Treppenhaus und auf der Straße.

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Der Unterfranke plant, eine Gemüseplantage in seinem Garten anzulegen. Sich durch Selbstversorgung mit Kartoffeln, so groß wie die bei Mac Donalds. wappnen gegen den kommenden kalten Winter und den zu erwartenden horrenden Gaspreis.
Ich versuche, mir nicht zu viele Sorgen zu machen.

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Der Supreme Court hat das Abtreibungsrecht in den USA gekippt. Die Staaten dürfen jetzt wieder frei entscheiden, ob sie Abtreibung unter Strafe stellen. Alabama fackelt nicht und verhängt lebenslänglich für eine Abtreibung, und zwar selbst dann, wenn die Frau vergewaltigt oder missbraucht wurde. Darüber hinaus bekommen die Täter das Recht auf Umgang mit dem erzwungenen Kind.
Der Supreme Court stärkte außerdem das Recht eines jeden Amerikaners Schusswaffen verdeckt tragen zu dürfen.


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Die Ärztin ruft an, um eine Angelegenheit mit mir zu besprechen.
Wie geht´s, fragt sie zur Begrüßung und eben noch lachend, kämpfe ich plötzlich und ganz unerwartet mit den Tränen.