K1

Auf Twitter steht K1 für das erste Kind einer Familie. K2 für das zweite, K3 für das dritte usf.
In Zeiten wie diesen aber wird als K1 jemand bezeichnet, der engen Kontakt zu einem corona-positiv getesteten Menschen hatte (welcher, in meinem konkreten Fall, zuvor allerdings noch bei gleich 4 Schnelltests im Abstand von jeweils 12 Stunden negativ getestet wurde, weshalb ich mich überhaupt nur auf diesen engen Kontakt eingelassen hatte).



Warten auf den PCR-Test und bis dahin kolibriesk hin und her flattern zwischen des Lebens Nektar und dem Duft der Gruft. (Hoffend, dass mein Katastrophenglück mich auch dieses Mal nicht im Stich lassen und nach tiefem Fall am Grunde des Schachtes ein weicher Heuhaufen mich auffangen wird).


Du weisst, ich liebe das Leben

Protagonist*innen

Die Filmemacherin hat Augenbrauen wie gemalt. Sie ist groß und schlank und könnte mir glatt als jüngeres Körperdouble dienen, wenn nicht sie die Besetzung auswählen würde.
Im Test 16 personalities ist sie Advocat, während ich Protagonistin bin. Auf Tinder lässt sich mit solchen Angaben trefflich vorsortieren.
Sie sagt: Ein Viertel für einen Tag, und spricht von Rationen (?). Ich höre: Ein 1/4 für ein´ F**k und sage schulterzuckend: Aha.

Die Filmemacherin hat vor einiger Zeit eine Kurzdoku über mich gedreht. Am Besten haben mir der gemeinsame nächtliche Gang über die Schillingbrücke und ein Besuch in der Sanitärabteilung des Baumarktes gefallen, wo ich einen sehr langen Duschschlauch kaufte, der mühelos bis zum Waschbecken meines winzigen Bades reicht, in dem ich mir seither bei Zeitmangel die Haare waschen könnte, was ich niemals tue. One fine day.

Die Filmemacherin hat außerdem eine Doku über einen Schornsteinfeger bei der Arbeit und bei seinem interessanten Hobby gedreht. Die Bilder von den Dächern der Stadt und dem waagrechten Rauch im stahlblauen Winterhimmel haben mich nachhaltig beeindruckt.
Auch ihre nächste Doku verspricht, interessant zu werden. Allerdings gestaltet sich, pandemiebedingt, die Suche nach Protagonis*innen schwierig. Verraten darf ich leider nichts, doch wenn es gut läuft, öffnen sich der talentierten Filmfrau bald ganz neue Perspektiven.

Die Dokumentarfilmerin ist anmutig und schön wie ein Schwan auf morgendlich nebligem See.



Mammatus

Mitte Februar schon fing der diesjährige April an. Doch Orkänchen Klaus ging nach 5 schwefeligen Minuten die Puste aus und es folgten beeindruckende, brustartige Wolkenformationen. Das Patriarchat kann einpacken.

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Das Klein/ Klein der Missgunst und der Eifersucht amüsiert mich, weil es am Ende in das genaue Gegenteil dessen mündet was die Zeternden m´ as-tu-vus sich ersehnen. Stattdessen: Einsamkeit, Isolation und manchmal auch ein wenig Hohn oder bedauerndes Kopfschütteln.

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Über Umwege bin ich mit einer ehemaligen Dozentin in Kontakt gekommen, einer Frau vor der ich mich wegen ihrer spitzen Eckzähne insgeheim immer gefürchtet hatte und die jetzt gerne einen Posten mit mir besetzen würde, der möglicherweise zu meinem episodischen Fleißanfällen passen könnte, zu diesem Zeitpunkt aber vollkommen indiskutabel ist. Ungeimpft kann und werde ich nicht mit Menschen arbeiten und ob mir nach der Pandemie Menschen überhaupt noch etwas sagen bzw. ich ihnen noch das notwendige Interesse entgegen bringen kann, weiss ich nicht.

 

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Vor einem Jahr fuhr der Bekannte zum letzten Mal mit dem Bus von der Küste in die Hauptstadt.
Sechs Monate später kaufte er sein Rückfahrticket. Seitdem haben wir genau ein Mal telefoniert. Schriftlich sind wir in Kontakt und bei jeder größeren Aufgabe, die ich alleine bewältige, denke ich an ihn und wie gerne ich ihm erzählen würde, wie stark und souverän ich geworden bin. Doch zum Stark- und Erwachsensein gehört auch, die Dinge mit sich allein auszumachen, ohne sich hinterher kopftätschelndes Lob abholen zu wollen. 

 

Bild: twitter@rike_tweet, 11. März 2021

Die Wildkamera zeigt vorwiegend Bilder der umherstromernden Nachbarskatze, ab und an ist ein Müllmann in orange zu sehen, oder der Hausmeister, der den Hof fegt. Nachts Lichter vom Nachbargrundstück, die aussehen wie zornige Augen. Nur auf einem der Fotos steht ein in Laken gehüllter Mensch in der Dunkelheit. Passend dazu lacht es seit einigen Tagen im nächtlichen Treppenhaus und ich fühle mich an die Gruselclowns erinnert, die vor Jahren für Schrecken sorgten.

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Wilhelmine erzählt von ihrer Corona-Impfung durch einen Gynäkologen und von den rotgesichtigen Bundeswehrsoldaten (Kameraden) die sie zuvor in Empfang nahmen und die ihr im Anschluss Gesellschaft leisteten, um unerwünschte Impfreaktionen melden zu können.
Schon Tage ehe sie wusste, dass sie geimpft werden würde, ahnte ihr Impfarm bereits was kommen würde und fing zu schmerzen an, so wie das Eislauf-Knie meiner Mutter sich kurz vor jedem Wetterumschwung bemerkbar machte.
In der freudigen Erwartung meiner eigenen Impfung zeige auch ich inzwischen erste körperliche Reaktionen bzw. Nebenwirkungen, die zum Glück (waschzettelgemäß) sehr moderat sind.

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Wenn ich irgendwann soweit bin, wieder Lust auf zeitraubende Maniküre zu haben, werde ich auch meine Blogtexte wieder bebildern.
Vorher muss ich noch den Garten mit heute beim Baumarkttermin gekauften Hornveilchen, Tausendschönchen, Bartnelken und anderen Frühblühern bepflanzen und den Samen der Indianerbanane zuerst kühlen, dann vorziehen und schließlich aussetzen, außerdem die gesamte Wohnung putzen.
Die ersten 16 Fenster sind schon geschafft (12 fehlen noch).

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Die Idee mit den eingesprochenen Blogtexten ist übrigens nicht vergessen. Es hapert derzeit noch am Equipment (und dem nötigen Geld für ausreichende Qualität).

Zuordnen

Irgendwann war der Nachbar Zuhause und ich konnte das Mikrofon abholen, das natürlich Schrott war und zurück ging.
Der Argentinier wollte mit einem Digitalrecorder aushelfen, dann aber doch nicht.
Der Impftermin ist vereinbart, meine Impfung könnte aber noch an der Wahl des Impfstoffs scheitern, denn Biontech, wie von meinen Ärztinnen wegen schwerer Impfreaktionen meinerseits empfohlen, darf nicht an jüngere Menschen verabreicht werden und in einem Land in dem ein mobiler Impfbus nicht eingesetzt wird, weil ihm keine eindeutige Postleitzahl zuzuordnen ist, enden Abweichungen von der Regel auch mal tödlich.

Im Garten tut Alles, als gäbe es keine Pandemie. Die neongelben Tulpen, der lila Lauch und die pinken Hyazinthen schieben sich unbekümmert aus der Erde und zwischen den getrockneten Weinblättern hervor. Die Vögel bauen geschäftig ihre Nester im hohen Ahorn. Amseln balzen mit gefächertem Schwanz unter kahlen Büschen. Der Eichelhäher ist zurück und auch die Elstern tschäckern wieder laut und drohend, wenn die Katzen durch das Unterholz schleichen. Bloß der alte Fuchs ist verschwunden. Hoffentlich nur einen Block weiter gezogen.

März ist der Geburtsmonat meiner Mutter. Mai ist ihr Sterbemonat. Zwischen Frauentag und Muttertag. Ich bin trauriger als ich erwartet hätte, höre Michel Petrucciani, denke dabei natürlich an Roger Willemsen, denke auch an den Kanzler und denke an den Bekannten, den ich nach 6 Monaten endlich wieder gesprochen habe, woraufhin ich Ohrensausen und Fieber und Gliederschmerzen bekam, weil ich möglicherweise empfindsamer bin als ich glaube, auch wenn nichts mehr so spitz und brennend und tödlich ist wie früher.

Murnau fehlt mir, und wäre ich fancy, nennte ich es MurNow und spannte damit den Bogen zwischen meinen beiden Heimaten: der Mauerstadt und dem Alpendorf.
Beim Einschlafen gehe ich alle Wege dort nach und lande stets am Seeufer oder im Moos.
An Hercule muss ich denken, den Stier, dessen warmes, eingeklemmtes Ohr wir unter dem breiten Lederriemen hervorzogen und der uns lange noch hinterher sah, aus seinen schönen braunen Augen.

Einem Stier darfst du nie den Rücken zukehren, sagt das Pferdemädchen, immer wieder passieren tödliche Unfälle, weil die Besitzer nach Jahren unvorsichtig werden und für einen Moment die Gefahr vergessen.

Siegfried und Roy auf dem Lande.

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Keine Papierhandtücher in die Papiertonnen werfen!!, steht auf dem laminierten Zettel über den Papiertonnen.
Irgendwer hat den Knöterich von der Brandmauer gerissen. Kahl ist die Wand, der Putz bröckelt, schlecht für die Amseln und die Tauben, denn auch die Linde wurde durch starken Rückschnitt unbebrütbar gemacht.

Im unratverdreckten Hausgang hängen Fotos unserer überquellenden Mülltonnen und von den Dreckhaufen davor, daneben ein Beschwerdeschreiben der Berliner Stadtreinigung. Ich nicke und grummele und denke an die Nürnbergerin, die zwischen meckern und nölen (Berlin), grummeln und granteln (Oberbayern), sowie motzen (Franken) unterscheidet.
Passend dazu lese ich später, dass Markus Söder Olaf Scholz bei der Ministerpräsidentenkonferenz angemotzt habe. Er sei nicht Gott und nicht Kanzler und schaue überdies schlumpfig drein. Wo er Recht hat.

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Der ganze Blogzirkus hat mir übrigens unverhofft neue, für mich sehr wertvolle Kontakte beschert, deren Knowhow mich ein riesiges Stück nach vorne gebracht haben. Manchmal spielt das Schicksal über Bande und ich hebe dankbar die Hände. Denn: gestern Nachmittag noch schlure ich traurig und voller Impfneid an der Arena, dem Biontech-Impfzentrum in Treptow vorbei und überlege, ob ich das rettende Impfufer wohl noch erreiche, oder ob das Virus den Wettlauf gewinnen und mich vorher einebnen wird. Am frühen Abend dann, bei der Heimkunft, wartet eine erfreuliche Nachricht in meinem Postfach: meinem Härtefallantrag wurde stattgegeben, ein Impfcode geht mir umgehend per Post zu.
Schluchzend vor Freude sitze ich die nächste halbe Stunde am Küchentisch und noch beim einsamen Abendessen überrollt das Glück mich wellenweise.

Nachts träume ich, ich stünde mit nacktem Oberkörper und grünspanigem Nixenschwanz auf dem Dreifaltigkeits-Friedhof, den Blick auf die verwitterte Steinfrau mit den welken Nelken im Schoß gerichtet, als von hinten zwei kühle schlanke Frauenhände sich sachte unter meinen Armen hindurch nach vorne schieben und meine Brüste fest umfassen. Die unerwartete Berührung trifft mich wie ein Schlag. Zitternd drehe ich den Kopf zur Seite und küsse mit geschlossenen Augen fremde, sehr weiche Lippen.

Wenn der Nachbar das Paket irgendwann herausgibt, bin ich Besitzerin eines Mikrofons und werde mein Blog nach und nach bei Anchor einsprechen, um es auch für blinde Menschen erlebbarer zu machen und damit Ihr alle mal meine Stimme zu hören bekommt.