In(to) the mood

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Nichts mitteilen zu müssen ist ein angenehmer und friedfertiger Zustand. Die meisten (meiner) Meinungen sind ohnehin den Atem nicht wert, mit dem sie in die Welt geblasen würden bzw. bei noch vorhandenem Mittteilungsbedürfnis (kann sich jederzeit ändern, jeder Zeit) geblasen werden.
Die Kinder nebenan indes, befinden sich noch in einer anderen Lebensphase (mood). Voller Inbrunst und Freude singen sie Nackedei und was ist denn schon dabei und ich höre ihnen zu und für einen kurzen Augenblick öffnet ihre Zuversicht auch mein dunkles, altes Herz und der crazy diamond scheint on und das Licht tupft freundlich sich ins graue Gemüt.

Doch dann kommt mir der Mann in den Sinn ins Gedächtnis, wie sagt man auf deutsch, einfach alle Fehler stehehn lassen und vor mich hin tippen ist ja nicht mal ne meinung oder graffito, is ja nur Zeit Vertreib,

der eines Tages anfing sein ehemals buntes Blog mit Fotos von Abgründen und Schächten zu beschicken und den ich, nachdem ich mir das eine ganze Weile ratlos angeschaut hatte, anschrieb, um ihn zu fragen, ob er eventuell Hilfe brauche.
Ja, aber nein, aber ja und vielen Dank auch, doch nicht von mir.
Nach unserem kurzen Schriftwechsel postete er wieder farbenfrohes Zeug und ich bedauerte, ihm mit meiner Mitgefühlszensur ein Ventil genommen zu haben und bestellte, seine Seelenbalance und Intimität zu wahren, das Blogabo ab, was wahrscheinlich ein noch selbstgerechterer Zug und damit noch scheißer war als meine erste Grenzüberschreitung. (Es sei an dieser Stelle bemerkt, dss ich seinem Blog im Stillen gefolgt und gleich mein erster Kontaktversuch, der in der Rolle der unaufgeforderten Seelsorgerin gewesen war).

Was ich mir mehr als alles wünsche, ist wieder Leidenschaft zu empfinden. Nicht zwingend die die Leiden schafft, aber doch die, die tief genug schneidet und heiss genug brennt, um mit dem Nachlassen der Schmerzen, für Erleichterung zu sorgen.
Stattdessen verbringe ich meine Tage in einer depressiv benommenen Starre, aus der nur die Babyfotos der Freundin oder der blühende Rhododendron im Tiergarten mich minutenweise heraus lösen können. Zu anstrengend auf so vielen Ebenen waren die letzten zwei Jahre. Zuwenig Energie ist mir gebleiben, doch unglücklicherweise reicht es noch für einen tief empfundenen Ekel und phasenweise für eine untröstliche Verzweiflung über den Zustand der Welt und die Grausamkeit und die Verlogenheit der Menschen.
Abgründe, überall Abgründe, um nicht zu sagen: Schächte.

 

(Ich sollte Drogen nehmen)