Keimende Hoffnung und fliegender Rost

Wem das hier alles zu düster klingt, das gibt es auch, sogar im Novemder:

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und weil wir den 30. November haben, wird das heute ein 2 in 1 Beitrag. denn Frau Tonari ruft, wie jeden Monat, zur Rostparade und ich möchte dieses schöne Fundstück dazu beisteuern:

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Ein Kreuzberger Konvolut, gesehen in der Waldemarstraße im Frühsommer.

Einen schönen Tag Euch allen!

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Jeden Tag zieht sich die Schlinge ein bisschen enger. Bis die Zunge verlernt zu sprechen und träge sich drückt an den Gaumen, eine Banane zu zerdrücken im Sinn; Urnahrung, sofern niemand laktierte, was niemand tat (sonah). Die einzige echte (wollt ihr die totale) Autonomie. As long as it lasts, über´n See über´n See. Verweigerung. Widerstand.  Selbstbehauptung bis zur Selbstauflösung. Anderswo verhungern die Menschen. Diese schreckliche Hoffnungslosigkeit ringsum und das Leben so gleichgültig wie ein Plexiglastisch auf Hochflorteppich. Oder gleich drei davon, ineinandergeschachtelt, eine Matrjoschkalüge, vielfältig wie nachwachsende Haifischzähne. Solche Mütter gab es nie.
Regressiv und aggressiv. Mir doch egal und ihr werdet schon sehen. Wer nicht arbeitet der soll auch nicht essen.  Sozialschmarotzer sagen die einen und machen Menschenversuche per Abstimmung salonfähig. Erst die Dementen, dann die Behinderten. Später alle, die es sich nicht leisten können (frei zu sein). Am Ende steht jeder auf seiner Seite des Zaunes. (Gated oder arrested). Betrübt wiegen wir unsere gepflegten Köpfchen, betroffen zeichnen wir eine Petition, frustriert fressen wir Zimtsterne.

 

 

 

 

 

Bild: telmo 32, enter, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/

 

Die Höfe der Wende (1)

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Love you darling, hauchst du am Schluss ins Mikrofon, danach ist es still. Eine Weile noch horche ich dem Klang deiner Stimme nach, dann ziehe ich den Zündschlüssel und steige aus. Weit spannt sich der Morgenhimmel. Mauersegler stürzen in die Häuserschluchten. Love you darling.

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Der Durchgang ist mit Pappe ausgelegt und aus dem Treppenhaus riecht es nach Keller und altem Holz. Hinten im Hof stehen zwei Bierbänke neben einem Schuttcontainer. Oben im zweiten Stock hängt ein Käfig im offenen Fenster. Der Gesang der Kanarienvögel vermischt sich mit den trägen Beats unseres Blasters und steigt an den Hauswänden entlang hinauf ins ewige Blau.

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Wer bist du eigentlich, fragst du mich, nachdem du dich wie ein Affe das Baugerüst hinab gehangelt hast und mit einem Satz vor meinen Füßen gelandet bist, mit deinem schlaksigen Körper. Eine Selbstgedrehte im Mundwinkel stehst du vor mir und am liebsten möchte ich beide Arme ausstrecken, sie um deine unbekannten Hüften schlingen und mit geschlossenen Augen in deinen Bauch hineinatmen. Stattdessen greife ich nach meinem Weinglas und führe es an die Lippen.
Eine Gräfin! rufst du jetzt mit übertrieben wienerischer Färbung und setzt dich viel zu nah neben mich. Ich kann dein Waschmittel riechen und deine Haut.

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Als wäre es immer nur Sommer gewesen in jenen Jahren. Und so war es auch.

 

 

 

 

 

Bild: Piktorio, Hinterhof, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/

Das Wahre, das Schöne und das Geile

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Weißt Du, was das Geile ist?
, frage ich und erstaunt blickst du von deinem Buch auf.
Nein, ich weiß nicht, d-a-s Geile ist, antwortest du und ein amüsiertes Lächeln spielt um deine Lippen.
Also das Geile ist, sage ich und hole tief Luft, denn ich weiß inzwischen selbst nicht mehr, was das Geile überhaupt war, so ungewohnt ist mir mein eigenes Reden. Das Geile ist, wiederhole ich, um Zeit zu gewinnen, und suche und greife nach Worten, den erstbesten, irgendwelchen, während du meinen holprigen Versuchen mit hochgezogenen Augenbrauen aufmerksam folgst. Das Geile ist nämlich, wiederhole ich mich und versuche unterdessen im Kopf die Geschichte weiter zu spinnen, die ich dir gleich ersatzweise auftischen könnte, die mir am Ende aber leider weder besonders unterhaltsam noch in irgendeiner Weise geil gerät.

Nachdem ich fertig bin, schaust du mich noch eine Weile erwartungsvoll an und nickst, als du merkst, dass nichts mehr kommt.
Das Wahre, das Schöne und das Geile, sagst du schließlich und streichst mir mit der Hand über das Haar.

 

 

 

 

 

 

Bild: Frank Janowski, Ballerina Projekt Dresden, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/

Vom Schreiben, vom Leben und vom Glück (ein Award)

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Sabine, formerly known as Rock´n´Roulette, hat mich für den Liebster Award nominiert.
Das freut mich ganz besonders, weil wir beiden uns schon seit unseren Bloganfängen kennen, sich unsere Wege immer mal wieder verlieren und dann doch wieder kreuzen, so, wie jetzt. Herzlichen Dank für die Nominierung und die interessanten Fragen, liebe Sabine!

Und hier meine Antworten:

Wie fühlt sich Glück an?  Warm (happines is a warm puppy).

Warum? Es gibt kaum etwas Schöneres, als eine warme Hand im Nacken oder auf der Stirn zu fühlen, den warmen Bauch eines Welpen zu streicheln, am flaumigweich duftenden Kopf eines Kindes zu riechen, ein vibrierendes Meisenkind in der Hand zu halten, das warme Blut durch die Adern fließen zu spüren, zu leben. Wärme ist Leben ist Glück.

Wo warst du zuletzt am liebsten? Die schönsten Tage des Jahres verbringe ich alljährlich in den Alpen. Dieses Mal in Murnau. Es gibt nichts, was mir soviel inneren Frieden und Ruhe gibt, wie die blaue Silhouette der Berge, ihre stille Erhabenheit und die unvergleichliche Luft. Am Abend oben auf dem Feldweg zu stehen und auf den vergoldeten See zu blicken, ist für mich ein unbeschreibliches Glück.

Was war 2016 für dich? Es ist das Jahr, in dem meine Mutter gestorben ist und die Welt ins Strudeln geriet.

Was wirst du mitnehmen, was hast du gelernt? Ich habe gelernt Abschied zu nehmen und zu verzeihen. Meine Erwartungen dem Leben anzupassen und nicht umgekehrt. Und ich habe gelernt, dass das, was man am wenigsten erwartet jederzeit geschehen kann. Die wichtigste Lektion des Jahres ist: nicht warten, nicht aufschieben: the future is now.

Was hältst du vom NaNoWriMo? Das hat irgendwie mit ganz viel schreiben in ganz kurzer Zeit zu tun, oder? Dazu müsste ich mir erst mal eine fundierte Meinung bilden. Grundsätzlich ist es wahrscheinlich ganz gut ein Konzept zu haben, mit dem man sich zum Schreiben motivieren kann. Ich brauche das aber eigentlich nicht, denn ich muss sowieso jeden Tag schreiben, weil mir sonst was fehlt. Da ich keine Botschaft habe, nicht berühmt werden will, kein Buch veröffentlichen möchte, im Grunde meines Herzens faul und ohne jeden Ehrgeiz bin, es außerdem lieber überschaubar und familiär mag, reicht mir sowohl mein Output, als auch die Reichweite meines Blogs. Alles andere wäre mir viel zu anstrengend und trübte nur meine Freude. Um die allein geht es mir aber beim Schreiben. Sie ist mir Motor und zugleich Belohnung (neben den vielen klugen und freundlichen Kommentaren natürlich).

Wie funktioniert Schreiben für dich? Wenn es gut läuft schreibt es mich  (écriture automatique) und ich bin nur das Medium, das den Stift hält,  bzw.das Diktat über die Tastatur auf den Bildschirm bringt. Manchmal ist Schreiben auch Arbeit, bzw. eine Übung. Dann feile ich, denke nach und korrigiere, suche Synonyme oder Antonyme, denke über Alliterationen nach, verknappe meine Sätze systematisch, streiche wertende Adjektive usw. Heraus kommen dann meist die Texte, die technisch einwandfrei, aber für mein Empfinden vergleichsweise blutleer und kalt sind, also keine Seele haben. Gute Texte schreiben sich wie im Vollrausch und hinterher bin ich erschöpft und überrascht , was ich da zustande gebracht habe. Wenn ich dem Kopf zuviel Raum lasse und plane, wird das nix.

Happy End oder realistische Sachlichkeit? Meine Texte sind selten fiktiv, deswegen gibt’s nur ein Happy End, wenn es ein Happy End im `richtigen´ Leben gab (insofern  also eher realistische Sachlichkeit). Als Katastrophenchronistin geht fast jedem glücklichen Ende ein spektakulär anstrengendes Vorspiel voraus, das Happy End ist daher eher so etwas wie erleichtertes Aufatmen, die Ruhe nach dem Sturm, die Freiheit des nothing-left-to-do, oder das Trümmerfeld mit seinem Versprechen bzw. der Hoffnung des Neuanfangs.

Worüber würdest du am liebsten alles wissen wollen? Am allerliebsten möchte ich über gar nichts alles wissen. Ich liebe Geheimnisse, ich liebe es immer weiter lernen zu können, in allen Bereichen. Ich möchte nicht an einem Ende ankommen. Mich interessieren Fragen und weniger die Antworten darauf. Antworten müssen neue Fragen aufwerfen, sonst wären sie eine Sackgasse, in der alle Entwicklung endet. Ich bezweifle aber ohnehin, dass man über irgendetwas alles wissen kann. Ich würde trotzdem gerne mein Wissen in dem einen oder anderen Gebiet vertiefen, z.B. über Geschichte, Architektur, Biologie u.a.m.

Wenn du eine Sache ändern könntest – was wäre es? Könnte ich nur eine Sache ändern, dann würde die G. nicht an Krebs sterben. Und wenn ich noch etwas ändern dürfte, dann wäre ich nicht krank.
Global gesehen wären natürlich ganz andere Dinge wichtig, ich verstehe die Frage aber jetzt einfach mal nur auf mich und meinen Kreis bezogen.

Wenn du eine Sache bewahren könntest – was wäre es? Mein Vertrauen, meine Liebe.
(Liebe ist Wärme ist Leben ist Glück).

 

 

 

Müsik zum Glück: Eric Satie, Gnossienne no. 5 (überirdisch schön!)

(youtube-Direktlink)

Dieses Mal reiche ich den Liebster-Award nicht weiter. Sollte aber jemand Lust haben, die Fragen zu beantworten, kann er/ sie dies sehr gerne in der Kommentarspalte tun, oder im eigenen Blog.
Ganz herzlichen Dank nochmal an the fabulous Rock´n`Roulette!

Bild: Johann Ebend, Fliegender Teppich, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/
 

patient

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Wenn es nicht zwingend nötig ist, lege ich mich ungern fest. Habe ich beispielsweise eine Zugfahrt ins Auge gefasst, bleibe ich beinahe bis zum Schluss mit der Abfahrtszeit vage und vertrödele mich dann durch vorsätzliche Prokrastination und exzessives Cappuccinotrinken, bis der Magen reisekrank ist, noch ehe ich ihn auf die Schienen gebracht habe. Das mache ich solange, bis ich endlich in Zeitnot bin, mein Puls gefährlich  trommelt, ich nur noch in einem irrem Stakkato denken und handeln kann, bis zum Wahnsinn beschleunigt zum Bahnhof rase, wo ich in allerletzter Minute oder Sekunde den Bahnsteig erreiche und mit dem mahnenden Pfiff des Schaffners in den Zug stolpere. Im Bordlokal angekommen falle ich vollkommen erledigt in den Sitz, mein Mund ist von der Aufregung staubtrocken und ich muss mich bei ein bis zwei Cappuccini für den Rest der Fahrt von den unsäglichen Strapazen erholen.
Noch ungerner (ja), als mich auf eine genaue Reisezeit festzulegen, warte ich im Bahnhof. Ich hasse es, an einem zugigen Gleis zu hocken und gemeinsam mit anderen auf die Schienen zu glotzen, oder in die Ferne zu starren, ob der Zug nun endlich kommt. Das ist wie Schlange stehen, nur eben nebeneinander. Und Schlange stehen ist wie Stau und Stau ist Mord.

Vorwärtsgang/ Rückwärtsgang / kloink/ krach/ bumm/ schepper/ 


Dann lieber Hektik. Oder Umwege in Kauf nehmen. Meinetwegen auch große. Hauptsache nicht stehen bleiben. Niemals. Don´t stop til you get enough.

Nur in der Notaufnahme von Krankenhäusern bin ich geduldig (patient). Da warte ich beinahe schon gerne, weil mir das immer noch besser erscheint, als dranzukommen und eine furchtbare Diagnose zu erhalten. Lieber sollen die anderen erstmal verarztet werden. Die sind eh schlimmer dran als ich. Wie zum Beispiel der junge schlaksige Typ, der sich, in heller Panik und fast wahnsinnig vor Schmerz, auf dem Boden des überfüllen Flures windet, beide Hände gegen eine unfassbar dicke Wange gedrückt und die blutrot unterlaufenen Augen verdreht, wie ein enzephalitisches Rind. Sehr Leid tut er mir.
Später kommt raus, dass es sich um eine allergische Reaktion auf eine Zahnkrone oder eine Wurzelfüllung handelt und der Zahn, oder was auch immer, sofort entfernt werden muss, weil sonst ein anaphylaktischer Schock  droht. Angesichts seines Elends nehme ich mir vor zu sparen, um in Zukunft  nur noch Platin oder Titanium in meinem Mund verbauen lassen zu können. Hoffentlich halten die vorhandenen Wurzelfüllungen still.
Der alten Dame, mit der dicken blutigen Nase und der aufgeplatzten Lippe, die in ihrer Wohnung gestürzt ist und nun seit Ewigkeiten, schlimm zugerichtet, auf einer Liege im Flur wartet, lasse ich auch gerne den Vortritt. Sie wird wahrscheinlich stationär aufgenommen und sorgt sich. Wer wird bloß die Miezi füttern, fragt sie weinend mit ihrem geschundenen Gesicht.
Der Obdachlose neben mir erzählt, dass er einen Schlaganfall hatte, seit dem Morgen unbehandelt hier herumsitzt und großen Durst verspürt. Möchten Sie ein Bier, fragt ihn der mitfühlende Unterfranke. Nein, lieber Wasser. Der Unterfranke bringt ihm das Ersehnte und da es sonst nichts zu tun gibt, schauen wir dem Mann beim Trinken zu.
Drei Stunden später kleben die Zungen aller Mühseligen und Beladenen am ausgetrockneten Gaumen. Da fassen der Unterfranke und ich uns ein Herz, werfen unser Geld zusammen und kaufen im klinikinternen Kiosk überteuerte Getränke, die wir an die Bedürftigen weitergeben. Nur die Prinzenrolle teilen wir nicht. Die essen wir ganz alleine auf und der Unterfranke grunzt dabei, als würden wir gerade first class speisen. (Lecker, Schnucki!)

Nach 6 Stunden des Wartens werde ich schließlich ins Sprechzimmer gerufen, doch da geht es mir, frisch gestärkt durch Speis und Trank, wieder blendend. Es wird noch zwei Jahre und manchen Zwischenfall dauern, bis endlich ein Notarzt mein Herz auf frischer Tat ertappt, ich eine Diagnose erhalte und das Thema Hypochondrie (zumindest diesbezüglich und vorerst) vom Tisch ist. Dieses Mal aber tätschelt der junge Arzt, der aussieht wie Jamiroquai mit einer sehr schlimmen Frisur, gönnerhaft meine Schulter und sagt: Tja, Frau X., der Schwindel ist eine große Wundertüte. Anschließend schickt er mich mit einer launigen Bemerkung über meine Glitzersocken nach Hause.
Draußen im Flur ist die alte Frau verschwunden. Ich hoffe der Sozialdienst kümmert sich um die Katze.
Eigentlich sollte dieser Text davon berichten, wie ich in einem liegengebliebenen ICE bei Lehrte auf Klawdia traf und sie zuerst meine und später dann die Chauchat des Argentiniers wurde.
Diese Geschichte muss ein andermal erzählt werden. Sie wäre sicher sehr lesenswert geworden. Nicht zuletzt, weil Klawdia eine hinreißend schöne und erotische Frau, mit der Anmut und der gefährlichen Konzentration einer lauernden Katze, ist.

 

 

 

Bild: Murfomurf, little lurker, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/

Solkatten (lose yourself to dance)

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Was der Oktober nicht gebracht hat, holt jetzt der November nach: Sonne!
ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen wunderbaren, sonnigen Sonntag!
Im Hause tikerscherk wirft ein freudiges Ereignis seine goldenen Schatten voraus: Mitsouko kommt!

Mehr dazu in den nächsten Tagen.

Und jetzt: tanzen!

 

Daft Punk, Lose yourself to dance

(youtube direktlink)

aftermath

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Kann mir egal sein, kann mir alles so egal sein, wenn andere dumme Sachen sagen und schreiben und lügend sich wie ein Sonstwas auf die Brust trommeln – keine Tiermetaphern bitte – und die Einfalt ihnen zu Füßen kniet und fraglos ihren fulminant fumben Führern folgt. Es gibt hierzulande Menschen, die sind so unflätig, wie das politische Handeln und Denken Trumps postfaktisch ist, um auch mal dieses modische Wort zu gebrauchen.

Sagt man das eigentlich noch? Modisch? Modern? Unmodern? Ist die Moderne nicht längst vorbei, so fragst und referierst du im Liegen auf dem Rücken in die Nacht hinein, während ich versuche meine Atemzüge unregelmäßig erscheinen zu lassen und dabei unaufhaltsam die Schräge herunter rutsche, derweil deine Stimmbänder unermüdlich weiter arbeiten neben mir, der Kehlkopf auf und ab springt und der Duft deiner Creme, mit der du nachts deine Haut zu pflegen pflegst, in meine Nase steigt.

Nichts mehr voneinander zu erwarten, ist weit mehr als Kapitulation. Sich dreinfügen. Jemanden so sein lassen, wie er ist, sich vielleicht noch an der Rinde reiben, dann und wann, wenn es gar zu sehr juckt, statt den Baum zurechtstutzen zu wollen. Licht und Schatten verteilen sich gemäß unseres Wuchses und so streben wir manchmal eben auch voneinander weg um beieinander bleiben und uns betrachten zu können.

 

 

 

 

 

 

Musik zum Text: Portishead, Sour Times

(youtube-Direktlink)

Bild: Baijg, Stadtzicht, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/