there is no threat

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Am Morgen ruft die Tierklinik an. Tölchens Blutwerte sind unerwartet gut. Und das ganz ohne Medikamente. Den Rest des Tages stelle ich das Telefon stumm.
In meinem Mailfach herrscht angenehme Stille. Nur der Argentinier bittet um einen kleinen Gefallen und der Spezialfutterlieferant schickt eine Versandnachricht, unterschrieben von der Customers Happiness Managerin Annika. Im Briefkasten dann zwei mittelanstrengende Sachen. Alle wollen Daten von mir. Wer bist du, wohin gehst du und weshalb. Ich gebe sie ihnen und murre nur mäßig dabei.

Schöne Neuigkeiten und ein hinreißendes Foto erreichen mich über Whatsapp. Da entfaltet sich hoch im Norden gerade ein großes Glück und ich darf von der Ferne zuschauen und mich mitfreuen. Das ist schön und das hebt meine Stimmung ganz gewaltig.

Anderswo schmeckt der Kuchen, was mich freut. Umso mehr, weil heute auch mein Geburtstagskuchen nach einer einwöchigen Rundreise eingetroffen ist. Ich werfe zwei Pillen ein und lege los. Fantastisch!  Das Marzipanschwein, das ihn auf seiner Reise begleitet hat, macht seine Arbeit gut.
Jetzt muss sich nur noch das Amtsgericht melden und zu einer für mich günstigen Entscheidung kommen, damit endlich Druck aus dem Kessel bzw. aus meinem Leben kommt. Denn solange diese Sache nicht erledigt ist, werde ich weiterhin chronisch erschöpft im Bett herum liegen. Morgens mit Fieber wie Betty Blue und abends mit Schüttelfrost, wie – passenden Vergleich einfügen (mir schwebt etwas in der Art vor wie: mit Tüllröckchen am Nordpol).
Zur Ablenkung und weil das konzentrierte Lesen mir gerade schwer fällt, schaue ich mir Dokus auf youtube an. Am liebsten Geschichten über Geschwister. Beziehungen zwischen Zuneigung, Verbundenheit und Konkurrenz. Einerseits aus dem Leben gegriffen und mir sehr vertraut, andererseits schön weit weg und gar nicht schmerzhaft. Aufwühlende Gefühle meinen Geschwistern gegenüber habe ich nicht mehr. (Bin nicht ganzsicher, ob das so stimmt, und wenn ja, ob´s im Ernstfall so bleibt).

Als ich darüber nachdenke, welche Entwicklung wir Drei genommen haben, fällt mir auf, dass der Bruder, dessen Vulkan noch lange nicht erkaltet ist, bis heute nicht auf meine Mail zu Weihnachten geantwortet hat.
Ich frage den Kanzler ob er etwas wisse. Ja, sagt er, die Post dort arbeitet schlecht.
Drum, antworte ich so beiläufig wie möglich und lasse es dabei bewenden. Er will und er muss sowas, und anderes erst recht, nicht wissen. Soll er glauben alles in meinem Leben sei zum Besten bestellt.
Eines Tages werde ich ihm erzählen können was sich hier monatelang abgespielt hat und noch ehe er sich ans kranke Herz fassen kann, werde ich schon entwarnen und sagen:  Keine Angst, Papa! There is no threat!

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Misha Maslennikow, photographer Ekaterina Solovieva on vacation, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

Let´s talk about vegs

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Heute ist Gemüsetag bei Herrn Ackerbau und mir fällt nix ein außer Bohnen und Bohnen.
Bohnen als Fisolen im Stranizl, Bohnen als in den Himmel wachsende Wolkenbäume, jede Blattachsel eine Sprosse ins endlose Blau und als Bohnen für Doggen beim Hundemetzger in Friedrichshain.

Bohnen für Doggen, pflegte ich vor mich hinzumurmeln, wenn ich mich mit meinem Tölchen an heißen Sommernachmittagen über die Warschauer Brücke quälte. Bohnen für Doggen, stammelte meine trockene Zunge zum Takt der vorbeiratternden S-Bahn. Bohnen für Doggen, sang ich in operettenhafter Manier, als ich mit kochendem Schädel im Schatten der RAW-Mauer an der Revaler entlangschlurrte (die Mauer im Rucken war kalt, so kalt) Bohnen für Doggen tremolierte ich beim Passieren des Boxis mit dem Antifalaufstall und den standesgemäßen schwarzen Hunden, Bohnen für Doggen, sagte ich mit erhobenem Finger zu meinem Tölchen, als wir nach langer Wanderung endlich den kühl gefliesten Laden mit der beleuchteten Glastheke betraten und ich ihre Ration für den ganzen Monat zusammenkuratierte. Pansen, Euter, Lefzen, Muskelfleisch und vorab ein Stück Rinderkopfhaut.

Kiloweise kaltes Fleisch auf dem Rücken, den folgsamen Hund an meiner Seite, machte ich mich auf den Heimweg über die Bucht, das Ufer, die Halbinsel, den Park mit den nackten Bäuchen im hohen Gras.

Zurück in Kreuzberg zerfetzt ein Knall und ein weiterer den Tag (Schüsse reissen die Luft) und Bohnen durchschlagen ein Auge, einen Bauch und den Schädel der R. und von einer Sekunde zur Anderen wird aus der Kiezgröße eine Kiezmärtyrerin.
Es bleibt ein verlassener Körper, ein verlassener Mann und ein schwerverletzter Polizist.

Wenig später sitzen wir in meiner Küche und die K. schiebt mir ein kleines Bild über den Tisch. Zehn Wochen Leben schwimmen in der Dunkelheit. Eine kleine Bohne.

 

 

 

 

 

 

 

Am Abend am Hangar im Feuer eine Dose Bohnen.

 

 

 

 

 

Bid: twitter
Lizenz: unbekannt

 

 

Im Bällebad

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So, geklagt ist. Gleich zweimal. Nicht länger in der heimischen Tränenkammer, all by myself, sondern trompetenlaut vor Gericht.

Außerdem habe ich ein Darlehen aufgenommen, um weiterhin die notwendigen Behandlungen bezahlen zu können und jetzt warte ich auf eine Lösung ehe das Geld aus geht.

Normalerweise wären längst ein paar Texte fällig und in meinem inneren Kalender steht für den 14. Januar ein nicht einmal begonnener Gemüsebeitrag. Aber es hakt im Kopf und ich kann nicht schreiben. Was hier seit Monaten passiert ist anstrengend und grotesk und so verrückt, dass man es gar nicht erzählen kann, ohne selbst für übergeschnappt gehalten zu werden. Ich mag den Mist nicht auch noch hier breittreten.

Auch für Andere ist gerade Ausnahmezeit. Flughunde fallen in Australien zu Tausenden von den Bäumen und sterben. 50 Grad hat es dort. In den USA indes regnet es vereiste Leguane und die Krokodile frieren ein. Minus 78 Grad waren es dort in einer Nacht.
Wir in unserem sicheren Europa schippern derweil jemütlich vor uns hin. Aber auch das soll sich langfristig ändern, lese ich: Hochwasser.

Wetter und Klima sind irgendwie nicht das Gleiche, sind aber eng miteinander verbandelt und wer in der kalten Jahreszeit der Sonne hinterher reist, sollte diesen Aspekt im Auge behalten.

 

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Eine Familie hat ein Kitz in ihrem Hause großgezogen. Jetzt reift es zum Bock. Es steht zu befürchten, dass dieser den Hausherren in Bälde zu Rangkämpfen heran ziehen wird. Deswegen soll das Tier nun in einen Wildpark abgegeben werden.

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In das nachmittägliche Schlafzimmer sickert weißes Licht. Stimmen steigen von der Straße herauf. Die Katze macht Milchtritt auf meinem Bauch.

Ich möchte liegen bleiben.

 

 

 

 

 

 

Foto: on a road fork, Misha Maslenikov, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

the end of anarchy

 

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Gerade und grau wie ein Gewehrlauf der Weg, Menschen und Hunde und milchig der Himmel über schwarzem Wald.

Das Norovirus sich ausbreitet breiter und breiter. Die Einrichtung in der die Mutter  ihren letzten Seufzer tat, ist betroffen. Kurz setzt mein Herz aus, das tut es in den letzten Wochen.

Die Zeit nagt wie Ameisen am Apfelgehäuse. Blanke Knochen. Flackernde Augen und Leben das Leben verschlingt. Wer weiss davon solang die Knospe nur Zukunft verspricht.

Metalldrucker, Organdrucker, Flüge nach Brüssel für fuffzehn Euro, Netzneutralität in the US à Dieu. Der Kuchen ist verteilt. The end of anarchy.

Noch Undenkbareres wird kommen, wird sortiert werden bis auch die letzte Sardine in der Dose und die Gräten geschichtet sind. Vom Fließenden zum Stehenden. So ist das und es ist kein Schmerz über die getane Arbeit und die große Ruhe, die alsbald neue Blasen werfen wird. Man sagt: c´est la vie und meint tant pis.

In einem Starenschwarm hat jeder Vogel eine Handvoll  Kontakte, die er fortwährend hält. Kontakte haben Kontakte, haben Kontakte, haben Kontakte. Ob nah oder fern, die Verbindung bleibt und der Richtungswechsel eines Einzelnen zieht den Richtungswechsel seiner Gruppe nach sich, Wellen gehen durch den Schwarm, Kreise greifen ineinander, aus vielen Bewegungen wird eine.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild: bswise, Ruth Negga, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/