Leber verboten

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Ich treibe durch den dampfigen Tag und finde mich vor der Feuerwache wieder. Viele Wege führen dorthin, zu meinem Lebensretter. Ein Stück weiter am U-Bahnhof ist aus Leben verboten inzwischen Leber verboten geworden. Verboten, verboten und die Treppe steht trotzdem voller Dealer, die den Reisenden nur zwei Fuß breit zum Passieren lassen.
Psst, psst.
Von irgendwas müssen sie ja leber. Da beisst die Maus kein´ Henkel Faden ab.

Neben dem überteuerten Second-Hand-Heini mit seinen 10. 000 bunten Pumps im Schaufenster, stehe ich, den kranken, hechelnden Hund auf dem Arm, und schaue zu den Auftrags-Graffiti an der Wache. Flammen und Feuerwehrmänner. Einer von ihnen trägt eine dralle Blondine aus einem brennenden Haus. An einer Brandwand weiter links die Spuren herunterlaufender Farbe.

Einen der Sprayer lernte ich vor Jahren näher kennen.
Alles, alles hatte er unbeschadet überstanden. S-Bahn-surfen und Mauern besprühen, doch der Kopfsprung in unbekanntes Gewässer hatte ihm das Genick gebrochen, da war er neunzehn.

An der Kreuzung zur Lausitzer Straße bleibe ich stehen und lasse die Autos vorbeifahren. Ich tagträume und warte, starre ins Nichts und erinnere mich an M., mit seiner schleppenden Stimme und dem feinen Humor, seinen getapten Funktionshänden und seiner, auch im Sitzen noch, beachtlichen Körpergröße.

Da bleibt ein Auto vor mir stehen und jemand winkt. Ein gebräuntes Gesicht, ein dunkles Cabriolet, ein unsicheres Lächeln. Ich erkenne ihn erst, als er schon weiter gefahren ist. Meine Mundwinkel zucken hilflos, wie ein erstickender Fisch.
Zu spät.

Die letzten Worte, die ich ihn am Telefon sagen hörte, waren: Unsere Mutter ist heute Nacht gestorben.

Wir haben uns schon lange nicht mehr gesehen.

/

Am Abend liegt der Betreiber des kleinen asiatischen Lokals schlafend auf dem Sofa, als ich eintrete.

So rührend sein Anblick.

 

 

 

 

 

Bild: BJ Vicks, Feuerwache Kreuzberg, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/

Zweite Reihe

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Du und ich sind bei der Beerdigung meiner Mutter (oder war es Dein Vater).

Ich bin beinahe sicher, dass es meine Mutter gewesen sein muss, denn die Frauen, die in der ersten Reihe des düsteren Raumes mit rotschwarzem Hochflorteppich stehen und klagen, sind Russinnen, zumindest singen sie auf russisch und sie sehen auch so aus.

Eine große Vase steht auf dem Boden, darin befinden sich pinkfarbene, voll aufgeblühte Lilien. Ihr Aussehen ist auf eine merkwürdige Weise obszön, ihr Duft betäubend wie Aas.
Sie sind sehr lang und stehen so dicht vor mir, dass ich nicht an ihnen vorbeischauen kann um einen Blick auf den eichefarbenen Sarg meiner Mutter zu werfen.

Ich bitte die Frau, die links vor mir steht, und die ich wegen ihres Auftretens für die Anführerin der Gruppe halte, die Blumen beiseite zu stellen, doch sie hört mich nicht und lamentiert, den Blick geradeaus, singsangend weiter. Da greife ich selbst nach der Vase und schiebe sie ein Stück nach links. Augenblicklich rückt die Klagende sie zurück und blickt dabei unbeirrt nach vorne.

Während der Trauerfeier erfahre ich, dass ich im Lotto gewonnen habe. 17 Millionen. Ich kann es kaum fassen und schaue immer und immer wieder auf meinen Kontoauszug. Es stimmt. 17 Millionen steht dort. Zur Sicherheit gehe ich sofort zum Bankomaten und ziehe 200.000 in Hunderternoten. Ich blättere die Scheine durch, wie ein Daumenkino. Dann lege ich mir die Bündel in den schwarzen Schoß.

So erleichtert bin ich, dass ich darüber ganz vergesse wo ich bin. Ich habe im Lotto gewonnen! Ich bin reich!
Das vertreibt zwar nicht alle meine Sorgen, aber doch einen großen Teil davon. Die Katzen können bei mir bleiben, ich kann mir die Behandlung des Hundes problemlos leisten. Doch allem voran werde ich mich nicht weiter der Missgunst meines Bruders aussetzen müssen. Ganz im Gegenteil. Ich werde dem neidgemarterten Menschen Scheine zu essen geben, bis er Muh macht und ich ihn an einem Nasenring durch die Arena führen kann, die rote.

Den weiteren Verlauf der Trauerfeier habe ich vergessen. Ich erinnere mich nur, dass Du irgendwann, nach dem soundsovielten Hin- und Herrücken, die Vase umgetreten und die Blumen auf den Boden geworfen hast. Mir zuliebe.

Was dann geschah weiss ich nicht mehr.
Ist auch nicht so wichtig, denn ich habe  im Lotto gewonnen. Da kann ich mir künftig soviele Beerdigungen leisten, wie ich will.

Ach, und Käse kam noch drin vor, in meinem Traum.
Schließt den Magen und macht dick, wenn man jeden Abend 18 reichlich damit belegte Brote isst. Zwanzig Kilo würdest Du auf Dauer zunehmen, wenn Du das nicht berücksichtigtest. Und ich hätte Dich nicht weniger gern. Weisst du ja.

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Lilien, Ting Chen, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Unschuld

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Mithin, sagte ich ein wenig zerstreut, müßten wir wieder von dem Baum der Erkenntnis essen, um in den Stand der Unschuld zurückzufallen? Allerdings, antwortete er, das ist das letzte Kapitel von der Geschichte der Welt.

(Heinrich von Kleist, Über das Marionettentheater)

Bild: bswise, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

Mittwoch-Scheune

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Als Kind war für mich Punsch und Putsch in etwa dasselbe: eine Erwachsenensache.
Für uns Kleinen gab es Matsch und Quatsch, oder Bratwurst mit Pommes. (Schranke war in unserem Teil Deutschlands unbekannt oder überhaupt noch nicht erfunden).
Manchmal gab man uns auch Uhu und Pattex, oder war´s Pritt, was so köstlich duftete, wie Sprit aus der Zapfsäule?
Neben der Chevron-Tankstelle arbeiteten Männer mit blauen Einteilern in einer Mittwoch-Scheune oder einer Dienstage-Montage-Halle? Rätselhaft.

Auch Touristen und Terroristen konnte ich nicht so recht auseinanderhalten, schließlich kannte ich keine, obwohl es viele zu geben schien, vor allem in Frankfurt, wo wir lebten. In jedem Postamt hingen Plakate, auf denen sie abgebildet waren. Schwarz-weiß-Porträts, rot eingekastelt, schön nebeneinander. Und wenn die Polizei einen Touristen gefangen hatte, wurde er durchgestrichen, wie beim Schiffe-versenken.

Als ich schon etwas älter war und mich in einer Mansardenwohnung vergnügte, tat es  plötzlich einen Knall und bald darauf hörte man das Martinshorn, bzw. eine sich nähernde Martinshornsinfonie. Der Ziegenhirte und ich warfen uns etwas über, liefen zum Fenster und schauten hinaus. Ein Tourist hatte im Haus gegenüber seine Knarre gereinigt und dabei versehentlich in die Zimmerdecke geschossen. Möglicherweise war´s auch ein Terrorist, der sich da so ungeschickt angestellt hatte (wie es die Berlin-Touristen auf der Rolltreppe tun). Oder wollte er etwa Selbstmord begehen, bei einer Partie Russisch Roulette, und war selbst dazu zu unbeholfen?

Unbeliebt schienen jedenfalls beide Menschengattungen zu sein, Terroristen, wie auch Touristen, soviel war klar. Die einen mehr, die anderen weniger.

Renitent war ich, wenn ich zu lange nachfragte oder frug, wenn ich es unbedingt wissen wollte, und zwar genau, mich für Feinheiten und Details interessierte oder Synonyme sammelte (nicht zu verwechseln mit Anonymen). Manchmal insistierte ich sogar (ohne zu wissen, was das bedeutete), wenn ich nämlich darauf bestand, dass es genauso gut Zebrastriche heissen könne. Zebrastreifen!, schimpfte meine Mutter dann, und ich weiss nicht beim wievielten Durchgang dieses Tauziehens sie die Nerven verlor. Zu Strichen kann man auch Streifen sagen, behauptete ich unbeirrt  weiter und plötzlich  gong! wackelte mein Kopf wie ein trudelnder Kegel und ich blickte in ihre zornigen Augen.
Der Preis der Renitenz a.k.a Eigenwilligkeit.

Weil sie es so schwer mit mir hatte, erwog meine Mutter beinahe täglich, mich ins Kinderheim zu stecken (Stecken? Hä, wie soll das denn gehen?), während mein Bruder für die Nervenheilanstalt vorgemerkt war.
Doch was ist eine Drohung wert, der keine Taten folgen? Nüschte!

Das hätten auch die Putschisten wissen können, die erst eine Ausgangsperre verhängen, das Kriegsrecht ausrufen und dann tatenlos zugucken, wie die Bevölkerung ihnen auf der Nase den Panzern herumtanzt.

Übrigens sind auch Putschisten Terroristen, solange sie keinen Erfolg haben. Mit der Übernahme der Macht ändert sich das. Doch so, wie es für sie ausgegangen ist, können sie jetzt nicht darauf hoffen, anderswo Asyl zu bekommen. Ihre Revolte ist gescheitert. Sie werden den gestohlenen Hubschrauber zurückgeben müssen. Persönlich.

Über den Amokläufer, der Touristen und Einheimische totfährt und nach Bekanntwerden seiner Glaubenszugehörigkeit augenblicklich  zum Terroristen erklärt wird, schreib ich nichts.

(Ich versuche hier nicht etwas zu verharmlosen und ich mache mich keinesfalls lustig über die grauenvollen Geschehnisse und die vielen Toten in diesen Tagen. Ich bin eher ungeschickt und unbeholfen im Umgang damit).

Meine Renitenz hat sich übrigens über die Jahre verwachsen, bzw. eine altersadäquate Entwicklung genommen und irgendwann war ich dann zu alt für´s Kinderheim (würden die Augen machen, säße ich heute noch auf ihren kleinen Stühlchen und äße von ihren winzigen Tellerchen, wie einst Schneewittchen, favourite Identifikationsfigur of my childhood).

Bei meinem Bruder kam es, nach Anstieg des Testosteronspiegels, zu einer Erstverschlimmerung seines Zustandes, die bis heute anhält.

Glauben Sie nicht alles, was sie hier lesen.
Ich weiss es besser.

 

 

 

 

 

 

Bild: Sludge G, flickr, Playground apparatus,Toadstool slide, Lloyd Park E17
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Hare hare, rama rama

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Ich freu mich über die unerwartete Nominierung zum Liebster Award von Lila Sumpf, einer Bloggerin aus meiner alten Heimat.
Herzlichen Dank dafür!
Einige Fragen haben mir besonders viel Spaß gemacht, bei anderen musste ich leider passen.
Hier mein Versuch:

Wie trinkst Du deinen Kaffee/Tee/Milch morgens am liebsten?
Ich trinke Cappuccino, immer nur Cappuccino. All day long. Mayo Alto heisst die (faire) Bohne und die genieße ich in großen Mengen mit supercremigem Schaum obendruff. Yummie.

Was ist wahr geworden, wovon Du als Teenager geträumt hast?
Das kann ich hier nicht verraten.

Bist Du ein guter Verlierer?
Nein, gar nicht. Zwar schweige ich normalerweise und gebe mich unberührt, wenn ich unterliege, aber ich hadere damit und es wurmt mich. Zumindest dann, wenn ich durch mein Dazutun hätte gewinnen können, ja müssen. Ich gewinne gerne und ich rede hier nicht über Hütchenspiele.

Heilt die Zeit alle Wunden?
Ich befürchte nein. Die kleinen vermag sie vielleicht zu heilen, doch die tiefen bedeckt sie nur soweit, dass sie weniger weh tun, solange niemand daran rührt. So ist es bei mir.
Das Wiederaufflammen eines alten Schmerzes habe ich gerade erst erlebt, als meine Mutter starb, über deren Weggang, vor langer Zeit, ich mich längst hinweg gekommen wähnte. Und plötzlich ist sie tot und alles tut weh.

Was machst Du mit Souvenirs, die Du bekommen hast?
Ich setze jetzt mal Souvenir mit Geschenk gleich, denn Souvenirs bekomme ich nie.
Das meiste, was ich geschenkt bekomme gebe ich irgendwann, wenn der passende Augenblick und der richtige Mensch gekommen ist, weiter. Ich muss nicht alles horten und bis an mein Lebensende mit mir herumtragen, vor allem mag ich nicht in einem angestaubten Museum der Vergangenheits- und Zuneigungsbekenntnisse leben.
Klingt lieblos, ist es aber nicht. Ich hänge mein Herz eben nur an wenige Dinge und das meist auch noch temporär.
As long as it lasts.
Die Erinnerung daran reicht mir vollkommen aus.

Singst Du im Auto immer mit?
Du meinst, ob ich spontan in den groovenden Gospelchor einstimme, der in meinem Auto wohnt und dessen Gesänge mir jedes Mal entgegenschlagen, sobald ich die Türe öffne?
Im Ernst: nein, ich höre im Auto fast nie Musik, weil ich jede Sekunde Ruhe genieße, die ich bekommen kann. Ganz selten drehe ich mal die Lautstärke auf und dann singe ich auch mit.
Am liebsten zu Tocotronic.

Ist jeder Tag ein neuer Anfang?
Für Neuanfänge reicht es meist nicht aus einfach nur morgens aufzuwachen. Manchmal allerdings schon.
Ich habe mir so einiges in meinem Leben regelrecht aus dem Kopf geschlafen und bin morgens mit dem dringenden Impuls erwacht etwas Grundlegendes zu ändern. Das habe ich dann auch getan. Das Spektrum reichte dabei vom Umzug in eine andere Stadt und dem Beenden einer langjährigen Beziehung. Dennoch empfinde ich das ganze Leben, mit seinen Brüchen, als Kontinuität. Eins ergibt sich aus dem anderen.

Welcher Geruch erinnert Dich sofort an früher?
Lustig, dass Du das fragst. Gerade gestern hatte ich ein intensives Geruchserlebnis, das mich in Zeiten zurückversetzte, in denen ich meine Klamotten noch auf dem Frankfurter Flohmarkt am Mainufer kaufte, den Hare Krishnas dort beim Singen zuhörte und selbstgedrehte Zigaretten oder Beedies rauchte, bis mir schlecht wurde. Der Geruch, der untrennbar mit dieser Zeit verbunden ist, ist der von Patchouliöl, vermischt mit dem Duft von Räucherstäbchen und Tabak.
Als gestern ein alter Mann mit Gehstock und Palästinensertuch vor mir herlief, nahm ich diese vertraute Geruchsmelange auf und sofort waren alle diese Bilder und Erinnerungen wieder da. Eine Zeitreise zum Eisernen Steg.

Wie groß ist unsere Willensfreiheit?
Da fragst Du was. Ich kann das nicht beantworten. Doch ich befürchte, unsere Willensfreiheit ist viel kleiner, als wir glauben und als unser Strafrecht voraussetzt.
Genetik, Epigenetik, Prägung, Normen, neuronale Prozesse usw. bestimmen unsere Leben zu einem großen Teil.
Manchmal frage ich, ob wir nicht alle einen unsichtbaren Schlüssel im Rücken haben, wie die Blechfrösche im Spielwarenladen, oder ob wir gar alle nur geträumt sind und unser Schöpfer bald aus seinem tiefen Schlaf erwacht.

Sagst Du immer die Wahrheit, auch wenn Du eine Person damit verletzen könntest?
Natürlich nicht. Ich bin zwar insgesamt ziemlich geradeaus, aber ich schaue schon darauf, welche Resonanzkörper mein Gegenüber hat, was meine Worte zum Klingen bringen könnten,  ob er überhaupt verstehen und voraussichtlich auch verkraften kann, was ich sage oder überhaupt wissen muss, was ich so denke.
Was „die“ Wahrheit ist, wäre auch eine gute Frage. Gibt es das überhaupt? Und wieso wird sie immer derart hoch aufgehängt, wo doch (fast) jeder den lieben langen Tag zu seinem Vorteil, oder einfach nur aus Gewohnheit lügt.
(Ich erwarte keine Antwort auf diese Gedanken)

Welche Worte möchtest Du irgendwann von jemandem hören?
Das ist ganz leicht. Ich möchte gerne diese Worte ins Ohr geflüstert bekommen:

Schnaufschnaufischnauf
schnaufschnaufischnaufischnauf

Alternativ dazu hab ich noch einen Wunsch, aber der bleibt geheim.

 

/

Ich mach´s mir leicht, modifiziere den Award nach Gusto und  übernehme sämtliche Fragen des bekannten FAZ-Fragebogens. Beantwortet sie alle, oder pickt Euch einfach 10 raus, wie beim Liebster Award eigentlich vorgesehen.

Hier sind sie:

Was ist für Sie das größte Unglück?
Wo möchten Sie leben?
Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Ihre liebsten Romanhelden?
Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte?
Ihr wichtigster Lehrmeister?
Ihr Lieblingskomponist?
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?
Ihre Lieblingstugend?
Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Wer oder was hätten Sie sein mögen?
Ihr Hauptcharakterzug?
Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?
Ihre größte Schwäche?
Ihr Traum vom Glück?
Was wäre für Sie das größte Unglück?
Was möchten Sie sein?
Ihre Lieblingsfarbe?
Ihre Lieblingsblume?
Ihr Lieblingstier?
Ihr Lieblingsschriftsteller?
Ihr Lieblingslyriker?
Ihre Helden in der Wirklichkeit?
Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?
Was verabscheuen Sie am meisten?
Welche Erfindung bewundern Sie am meisten?
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Wie möchten Sie sterben?
Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Ihr Motto?

 

Nominiert sind folgende geschätzte und bisher noch nicht von mir nominierte Bloggerinnen und Blogger
(keine Sorge: kein Kettenbrief, kein Haustürgeschäft, kein Mitmachzwang):

 
Alice Wunder
Censay
Eimaeckel
Gerda Kazakou
Madame Filigran
Frau meertau
Onkel Maike
Myriade
Pega Mund
Peggy Liebisch
ReadOn
Wildgans
Birgit von Sätze&Schätze
Uli (Café Weltenall)

Wer hier nicht nominiert ist, ist trotzdem gemeint und kann bitte in der Kommentarspalte hier mitmachen, oder im eigenen Blog.
Ich bin gespannt auf Eure Antworten!

 

 

Dank nochmal an Lila Sumpf!

 

 

Bild: Valge Gospel, Riinu Raasuke, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/

 

Burkös

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Dekristol heisst das Zaubermittel, hat weder mit Christus, noch Christo oder gar mit Svarowski zu tun, soll aber trotzdem helfen.
Seine Aufgabe ist es, mein eklatantes Vitamin-D 3-Defizit zu beheben.
Schwerster Vitamin D-Mangel, sagt die Ärztin, nur Frauen, die Burka tragen sind noch schlechter dran.
Wer nämlich seine Haut vollständig bedeckt oder hohen Lichtschutzfaktor verwendet, bildet kein Vitamin D.
Da muss man sich schon entscheiden zwischen Religion, Falten oder Vitaminen.
Ich habe meine Wahl getroffen und nehme Medikamente.

Was freu ich mich, dass es diese harmlose Erklärung  gibt, für die Kränkelei der letzten Monate. Der Hypochonder in mir hatte schon knallschwarze Visionen, an denen er mich vorzugsweise nachts teilhaben ließ. Morgens, wenn ich dann nach 5 Stunden Schlaf völlig gerädert erwachte, war ich beinahe geneigt diesen Einflüsterungen Glauben zu schenken.

Und übrigens geht es dem Hund gerade auch etwas besser.
Die Behandlung scheint anzuschlagen. Zwar bleibt der Tumor, doch seine Auswirkungen werden durch die Medikamente deutlich  gemildert

So kann es weiter gehen.
(Bitte!)

°

 

 

 

 

Bild: txmx, Wrapped Reichstag (flickr)
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

(Heimweh) Vaterseelen

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Sie sind im gleichen Jahr aus unseren Leben verschwunden, Dein Vater und meine Mutter.
Vier Jahre waren die beiden auseinander. So, wie Du und ich.

Und jetzt haben wir sie noch einmal verloren. Für immer. Im gleichen Jahr.
1 Monat und 1 Tag später als sie hat er seinen letzten Atemzug getan.

Das letzte Mal, ehe der Kontakt vollständig abbrach, sah ich meine Mutter am Kindbett meiner Schwester.
Sie war damals schon verschwunden, in einer gut vorbereiteten Nacht-und-Nebel-Aktion an den Rhein gezogen, und für die Geburt ihres Enkels noch einmal zurück gekehrt, wie eine Fata Morgana. Kein Wort wechselten wir an jenem Tag.
Mit dunkler Sonnenbrille saß sie am Fenster als ich eintrat.
Und als ich ging war sie noch immer dort. Grußlos und starr.

Eure letzte Begegnung war im Museum. Da lagen bereits Jahre zwischen Euch. In der großen Halle lieft Ihr aufeinander zu,  blicktet Euch in die Augen und schwiegt. Die Frauen an Eurer Seite ahnten nicht, dass hier Vater und Sohn aufeinander trafen. Dass es das letzte Mal sein würde wusstet auch Ihr nicht.
Und jeder verließ den Saal durch die Tür, durch die der andere gekommen war.

Wir sind heute exakt in dem Alter, in dem sie waren, als sie ihrem alten Leben den Rücken zukehrten und davongingen.

Eine ähnliche Geschichte und doch ganz anders.

Und eines Tages erhält man einen Brief vom Amtsgericht.
Darin steht, dass der Vater gestorben ist.
Du wusstest immer, dass es so kommen würde. Dass es so weh tun würde ahnten wir beide nicht. Wir hatten ja abgeschlossen mit ihnen, nach all der Zeit. So glaubten wir.

Auch den Gang in die Leichenhalle, um einen Toten zu sehen, der bereits vier Wochen dort liegt, weil seine Angehörigen erst gefunden werden mussten – wer könnte sich so etwas ausmalen.

Heute ist der Tag an dem Bruder und Schwester gemeinsam Abschied von ihrem Vater nehmen, der irgendwo, unweit der alten Heimat ein neues Leben begonnen und seine leiblichen Enkel niemals gesehen hatte. Jene der Lebensgefährtin nannten ihn Opa.

Sehen dürft ihr ihn nicht, zu weit ist der Verfall schon vorangeschritten.
Eine Hand auf den Sarg legen, sich gegenseitig in den Arm nehmen, stellvertretend.
Weinen, schweigen, nicken.
Adieu sagen.

A dieu

Und sich dann umdrehen und tapfer weiter durch das eigene Leben stapfen, das vaterlose für immer.

Ich denke an Dich, mein Herz.

 

 

 

 

 

Bild: Pep Romero Garcés, Peter Zumthor, edíficios e projectos 1986-2007
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/