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5. Juli 2015 § 2 Kommentare

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Du bist so wunderbar, Berlin (14)

4. Juli 2015 § 3 Kommentare

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Sommerloch und Saure-Gurken-Zeit. Vor allem aber träges Echsengehirn. Deswegen weiterhin fotografierte Eindrücke aus der Hauptstadt.

Dieses Mal: zwei Detailaufnahmen des Pimmel-Hauses an der Holzmarktstraße neben dem Yaam, direkt am Ufer. Nur noch eine Frage der Zeit, bis es abgerissen wird und ein Investor sich auf dem Gelände austoben darf. Damit in the meanwhile during the meanwhile meanwhilst bis dahin niemand dort wohnen möchte, oder gar auf die Idee kommt das Gebäude zu besetzen, und um die Bausubstanz möglichst schnell in Grund und Boden zu wirtschaften, wurden vor 2 Jahren sämtliche Fensterscheiben eingeschlagen.
Ab und an sieht man auf dem Dach noch ein Grüppchen Unerschrockener mit Selbstgedrehten, roter Fahne und jungen Gesichtern Richtung Westen auf den Alexanderplatz blicken, in die untergehende Sonne.

Ein Baum

3. Juli 2015 § 4 Kommentare

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Zwischen den Plattenbauten an der Heinrich-Heine-Straße geht eine kühle Brise. Der Hund und ich bleiben stehen und halten die Nase in die Luft. An meinem Handgelenk hängt eine Tüte. Frische Pampelmuse, Wassermelone, Ananas. Verzehrfertig und eisgekühlt.

Es ist Sommer.

Im Schatten der Kirche sitze ich, hinter im Rücken die Don-Bosco-Einrichtung, vor mir, auf dem Kirchhof, deren eingezäunter Spielplatz mit der riesigen Kastanie.
Mein Patenbäumchen hat es leider nicht geschafft. Zwei Jahre nach seiner mutwilligen Ringsumschälung und trotz meiner Rettungsaktionen, ist die Krone vertrocknet und tot. Der Baumlack und die Mullbinde zum Schutz gegen weiteren Vandalismus haben nichts genützt.

Nur unterhalb der Stelle an der das Stämmchen lädiert wurde, wachsen einzelne dünne Zweige nach. Überall ist Leben.
Doch sie werden ihn nicht stehen lassen. Nicht so versehrt, nicht vor dem Tauthaus, nicht an diesem Luisenstädtischen Platze. Nicht in dieser Welt.
Wäre ich eine Bishnoi, würde ich mein Leben für ihn geben. So aber bedaure ich bloß was er nicht werden durfte: kein großer Baum in dessen Zweigen Vögel brüten, Eichhörnchen turnen, Spatzen schimpfen und Amseln singen. Keine Akazie mit zerfurchter Rinde wie ein Sauerteigbrot, mit traubigen, duftenden Blüten und fedrig- grünem Laub.
Niemand wird V + K in den dicken Stamm ritzen, niemand wird sich in seinem Schatten küssen. Kein Mensch wird seine Krone leise rauschen hören im Wind.
Und kein Flüchtling wird von einem herabfallenden, morschen Ast erschlagen werden, wie Ödön von Horvarth vor 77 Jahren in Paris.
Vielleicht ist das der eigentliche Sinn dieser missglückten Baumrettung.

Malaisen

2. Juli 2015 § 9 Kommentare

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Mein neuestes Interessengebiet: Katzenernährung mit nur einer Proteinquelle, denn auch die Felinen können an Morbus Crohn erkranken.
Im Augenblick schwanke ich noch zwischen dem verschreibungspflichtigen Futter aus Pferdefleisch und den Single-Protein Sorten Büffel, Känguru oder Strauss.

Wenn Sie jetzt denken: anderswo verhungern die Menschen und den Griechen geht es bald schlechter als deutschen Haustieren, dann haben Sie Recht.
Wie ich den Fleischkonsum der Katzen und des Hundes mit meiner Vegetarier-Moral vereinbaren kann, weiß ich auch nicht so genau.

Morgen soll es übrigens sehr heiß werden. Selbst an der Küste.
Wer einen Obdachlosen in der Sonne schlafen sieht, möge ihm bitte etwas zu trinken reichen und sich vergewissern, dass er keine ärztliche Hilfe benötigt.

Rost-Parade (2)

30. Juni 2015 § 6 Kommentare

Ab wann spricht man eigentlich von Tradition?
Ich jedenfalls gedenke aus meiner Teilnahme an der, von Frau Tonari initierten, Huldigung des Rosts in Form einer Parade eine Tradition werden zu lassen. Ich liebe Rost.

Hier gleich zwei Bilder aus Travemünde, aufgenommen im Juni.

Rost, stufenweise:

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Sommer

29. Juni 2015 § 16 Kommentare

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Totleben

22. Juni 2015 § 17 Kommentare

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Wer denkt sich all die Werbeslogans aus, die mir ständig ins Auge springen, über den Sehnerv in mein Gehirn gelangen und sich als großes Fragezeichen, als schwammartiges, dunkles Gallert in direkter Nachbarschaft zu nützlichem Wissen einnisten?

Der flatulierende, geschwätzige Nachbar, der sich beim Leeren des Briefkastens von der Seite nähert.

Nach einem aufreibenden, anämischen Tag fahren wir durch den Westen Berlins in Richtung Stadtautobahn. Regentropfen laufen am Seitenfenster des Wagens herunter und zerfließen auf dem Dichtungsgummi zu einem schmalen, leicht gewölbten Horizont in dem die graue Silhouette der Welt sich als Miniatur spiegelt.
Während ich die sich ausdehnende und wieder verflüchtigende Spur meines kondensierenden Atems auf der Scheibe beobachte, steuert der Unterfranke das Auto sicher durch den Verkehr. Das Gebläse läuft, mich fröstelt. Bald Juli und noch immer will es nicht warm werden.
Im Fond des Wagens maunzen die drei Katzen in ihren Transportkörben. Eine fängt an, die nächste stimmt ein und so immer im Wechsel, ein jämmerlicher Reigen zum Takt des Dieselmotors. Bald sind wir wieder Zuhause.
Als wir durch die Schloßstraße fahren beginnt auf meinem biographischen Atlas eines der vielen Fähnchen zu flattern. Ich erinnere mich: an der Seitenbegrünung dieser Tankstelle hat Töle zum ersten Mal, nachdem sie von Lanzarote kam, auf Berliner Boden ihre Blase entleert. Sechs Jahre ist das schon her.

Hin fahrt die Zeit

Gleich nach der Tanke passieren wir ein Sanitärfachgeschäft. Ein schönes Bad ist kein Zufall, steht auf einer der Schaufensterscheiben.
Natürlich nicht, wie könnte es? denke ich bei mir und habe sogleich eine Szene vor Augen, in der die tüchtige Hausfrau einer anderen Frau stolz ihr Badezimmer zeigt.

Oh, das ist aber ein schönes Bad! Ist das Zufall? fragt der Besuch.
Nein, das ist Absicht, antwortet die Hausfrau.
Wie ist das nur möglich! Unglaube in der Stimme des Gastes.
Es wurde so geplant!
Das ist ja fantastisch! Wer macht denn sowas?
Das macht Klimpel, Ihr Badausstatter in Berlin-Steglitz!

Undsoweiterundsoweiter in der Weise einer Dauerwerbesendung.
(Ob ich mich um meine geistige Gesundheit sorgen muss?)

(Ipalat! Ipalat!)

Inzwischen sind wir auf die Stadtautobahn gefahren, das beständige Tröpfeln hat sich zu einem splatternden Regenguss gesteigert und ich verfolge den flotten Tanz der Scheibenwischer auf der Frontscheibe. (Wie Josephine Baker, mit die Hände an die Knie).
Im Rückspiegel sehe ich einen LKW sich dunkel heran schieben. Mordhorst steht auf seiner Stirn.
Ein einprägsamer Name für ein Transportunternehmen. Mindestens so gut wie Totleben, der oxymoronöse Name eines Generals sowie eines nach ihm benannten Inselforts, über das es einmal ein Feature beim Deutschlandfunk gab, dessen Regie ein Wolfgang Rindfleisch führte.
Überhaupt: ulkige Namen. Einer nach dem anderen fiele mir da ein und immer noch weitere, je doller ich grabe und je schwächer ich mich fühle.
Doch um nicht vollends ins Banale oder wahlweise Hysterische abzugleiten und weil sich die Erde inzwischen unbeirrt weiter gedreht und es sich nicht so entwickelt hat, wie wir das von Herzen gewünscht und mit vereinigten Kräften herbeizuführen versucht haben, ende ich diesen zerfransten Text, der einfach keine Form annehmen möchte.

Die Ausbeute des gesamten Tages waren 42 Milliliter Blut.
Sie konnten das kleine zarte geliebte Leben nicht mehr retten.

 

 

Foto: Matthias Ripp, Longing, CC-Lizenz, bestimmte Rechte vorbehalten
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