1000 Fragen an mich selbst (491-590)

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Wenn mir sonst schon nix einfällt, womit ich die werte Leserinnenschaft unterhalten könnte, befrag ich mich einfach wieder mal selbst.
Ich hab leider keine Ahnung mehr, was ich auf die letzten knapp 500 Fragen geantwortet haben könnte, und wahrscheinlich würde ich heute über manches schon ganz anders denken. Nicht nur das Jahr ist im Wandel, mein Leben ist es ebenso und jeden Morgen erwacht ein anderer Mensch in meinem Bett, als der, der sich am Vorabend zur Ruhe gelegt hatte.

Los gehts:

491. Kommt es dir so vor, als wäre das Gras des Nachbarn immer grüner?
Nö. (Eigentlich müsste hier ein lahmes Witzchen über das Gras im Görli stehen)

492. Welchen gesunden Snack magst du am liebsten? Ich snacke meist sehr fettig oder süß.

493. Wie fest ist dein Händedruck? 6,5 auf einer Skala von 0-10.

494. Schreibst du häufig etwas auf, damit du es dir besser merken kannst?
Selten. Wenn ich mir mal was aufschreibe, vergesse ich sowieso meist wieder, dass ich mir was aufgeschrieben hatte.

495. Worauf hast du zuletzt mit Ja geantwortet?
Wollen wir jetzt essen oder später? (hahaha)

496. Welche Mahlzeit am Tag magst du am liebsten? Ich esse meist nur Abends, und dann sehr gerne und viel.

497. Schläfst du manchmal beim Fernsehen ein? Nein. ich hab keinen Fernseher und schaue auch kein Netflix oder dergleichen.

498. Wie stark ist deine Sammelleidenschaft? Ich empfinde keine Leidenschaft beim Sammeln. Mir gefallen skurrile Sachen.  Ab und zu klaube ich etwas von der Straße auf oder finde was auf dem Flohmarkt, das ich meiner Sammlung abwegiger Dinge hinzufüge. Nach einer Weile verschenke ich aber das Meiste wieder. Schöne Steine oder Kastanien vom Wegesrand bringe ich für NB mit.

499. Hältst du dich immer an den Plan, den du gemacht hast? Selten. Pläne schmieden gibt mir die Struktur, die ich brauche, um mich für oder gegen etwas zu entscheiden. Meist lebe und handle ich ziemlich blindlings nach vorne, verliere unterwegs den Faden, finde aber problemlos einen neuen.

500. Welches Kunstwerk hat dich stark beeindruckt? Muss ich drüber nachdenken. Mich beeindrucken, bzw. bewegen, vor allem musikalische Kunstwerke. Und architektonische.

501. Lässt du dich gern überraschen, wenn du essen gehst? Solang kein Tier sein Leben lassen musste und wenn keine Linsen oder rote Beete oder Glibberpilze drin sind, kann man mich gern überraschen.

502. Was war die beste Entscheidung deiner beruflichen Laufbahn? Meinen Job im Krankenhaus hinzuwerfen.

503. Wie heisst deine Lieblingsblume? Ich habe keine spezielle Lieblingsblume. Ich mag aber zum Beispiel Ranunkeln sehr gerne, große Dahlien, Rosen, Hortensien in allen Variationen. Den schönsten Strauß der letzten Jahre, habe ich im Sommer auf dem Feld gepflückt.

504. Glaubst du, dass man dich hypnotisieren kann? Das Metronom in meinem Kopf (Keller) tickt zu schnell und laut, um mich hypnotisieren zu können.

505. Was musst du endlich wegwerfen? Nix! Ich hab im letzten Winter/ Frühjahr so ziemlich alles weggegeben, was sich im Laufe der Jahre angesammelt hatte. Das fühlt sich so gut und leicht an wie ein luftiger Kurzhaarschnitt.  Noch mehr wegzuraspeln ergäbe eine Besitzstandsglatze.

506. Welche Stadt im Ausland würdest du gern besuchen? Tokio.
507. Trägst du häufig Lippenstift? Ich hab einen großen Mund, der keine Betonung braucht. Falls ich mir aber doch mal die Lippen nachziehe, ist NB sehr irritiert.

508. Wie trinkst du deinen Kaffee am liebsten? Als Cappuccino (mit Hafermilch)
509. Gehst du gelegentlich auf einem Friedhof spazieren? Ja. Ich besuche oft und gerne Friedhöfe.  Manchmal treffen NB und ich uns auf einem der vielen schönen Berliner Gottesacker. Dann sitzen wir gemeinsam auf einer Bank und lauschen der Stille der Toten.

510. Wie viel gibst du maximal für eine gute Flasche Wein aus? Ich trinke und kaufe keinen Wein (mehr).
511. Wie würdest du deinen Kleidungsstil beschreiben? Leger, zeitlos.
512. Was ist wahr geworden, wovon du als Teenager geträumt hast? Ich hab ein Haus eine Wohnung, ein Äffchen eine Katze und ein Pferd einen Hund.  Mit Donald hat es leider nicht geklappt.

513. In welchem Meer bist du zuletzt geschwommen? Im Atlantik.
514. Kochst du oft Fertiggerichte? Ich esse öfters Tiefkühlgemüse.
515. Wo fühlst du dich geborgen? In der Gegenwart geliebter Menschen und in St. Nikolaus in Murnau.
516. Was ist dein Schönheitsgeheimnis? Wenn ich entspannt bin, bin ich schön. Gilt wahrscheinlich für so ziemlich alle Menschen. Also: locker machen!

517. Bist du manchmal streng mit dir? Nicht mehr so wie früher.

518. Welche Geschichte wird schon seit Jahren immer wieder in deiner Familie erzählt? Kleine banale Geschichtchen, die nicht lohnen, hier erzählt zu werden.

519. Wann bist du zuletzt den ganzen Tag an der frischen Luft gewesen? Am 5. August.
520. Wie schön schreibst du noch mit der Hand? Nicht besonders. Ich hab keine Übung mehr.
521. Welcher Dokumentarfilm hat dich beeindruckt? Letztes Jahr wurde ein kurzer Dokumentarfilm über mich gedreht. Das Ergebnis hat mich wirklich beeindruckt.

522. Machst du in der Regel das, was du willst? Ja, innerhalb der vorgegebenen finanziellen Grenzen und Abhängigkeiten.
523. Wie weit hast du deine Vergangenheit hinter dir gelassen? Ich hab meine Vergangenheit in großen Teilen niedergeschrieben und sie damit archiviert.
Den inneren Schlüssel zum Archiv habe ich in die Spree geworfen.

524. Was solltest du eigentlich und wirklich nicht mehr tun? Fällt mir nix sein. (Zu schnell antworten, vielleicht).
525. Magst du klassische Musik? Im Allgemeinen nicht. Im Besonderen ja.
526. Wie aufgeräumt ist es in deinem Kopf? Meinen Kopf muss man sich wie eine verwinkelte Villa bei Nacht vorstellen. Hier und da streift ein zufälliges Licht die Wände und das Mobiliar. Im Keller tickt ein Metronom.

527. Welches Gedicht magst du sehr? Zuviele, um hier eine Auswahl treffen zu wollen.

528. Bist du ein guter Verlierer? Wenn ein guter Verlierer Jemand ist, der achselzuckend das Feld räumt, dann ist er kein guter Spieler. Ich bin weder das eine, noch das andere.

529. Wer sollte dich spielen, wenn man dein Leben verfilmen würde? Cate Blanchett oder Naomi Watts bitte.
530. Wie viel Zeit brauchst du, um dich für einen festlichen Anlass zu stylen? Eine Minute, um mein Gesicht einzucremen und mir einen Zopf zu machen. Wenns richtig festlich sein soll, klebe ich mir Wimpern an und trage Ohrringe.

531. Wer hat für dich Vorbildfunktion? Meine schon lange verstorbene Großmutter und ihre Schwester.
532. Würdest du etwas stehlen, wenn du nicht dafür bestraft würdest? Mir ist die Frage zu abstrakt. Durch meinen Lebensstil und mein Konsumverhalten stehle ich jeden Tag.

533. Hättest du gern eine andere Haarfarbe? Bin ganz zufrieden mit meinen Haaren, auch wenn sie hier und da anfangen, zu erblassen (siehe unten).
534. Was ist der grösste Unterschied zwischen dir und deinem Partner? Es wäre kürzer und einfacher die Gemeinsamkeiten zu benennen. Wir unterscheiden uns in so ziemlich allem.

535. Wo isst du zu Hause am liebsten? In the kitchen, am großen Tisch.
536. Wenn alles möglich wäre: Welches Tier hättet du gern als Haustier? Ich hätte gerne mal kein Haustier mehr, irgendwann.
537. Auf welche Frage wusstest du in letzter Zeit keine Antwort? S.o.

538. Was ist in deinen Augen die grossartigste Erfindung? Antibiotika

539. Wenn du emigrieren müsstest: In welches Land würdest du auswandern? Hätte ich denn die Wahl, wenn ich müsste? Ich würde versuchen auf dem Landweg irgendwo hin zu kommen, wo die Menschen freundlich zu Mensch und Tier sind.

540. Nach welchen Kriterien suchst du einen Film aus? ich glaub, das hab ich schonmal irgendwo zusammengefasst. Hier nochmal: der Film muss in der Jetztzeit spielen (die für mich Mitte/ Ende der Siebziger beginnt), es gibt mindestens eine weibliche Hauptrolle. Es wird nicht übermäßig viel, bzw. musicalartig gesungen, die Handlung spielt vorwiegend in geschlossenen Räumen. Es werden elektrische Geräte benutzt. Der Film darf nicht zu brutal sein. Bisschen Spannung, bisschen Geist, bisschen Flirt wäre nett. Keine Komödie.

541. Führst du Tagebuch? Nicht mehr.

542. Welche Personen sind auf deinem Lieblingsfoto abgebildet? Auf meinem Lieblingsfoto sind keine Menschen.
543. Hast du häufig unnötigerweise Schuldgefühle? Selten.
544. Was magst du am Sommer am liebsten? Das Leben im Freien.

545. Auf was kannst du am leichtesten verzichten? Ich glaub ich kann auf das Meiste ganz gut verzichten.
546. Wie häufig gönnst du dir etwas? Jeden Tag. Heute war´s ein Kreppel.
547. Mit welcher Art von Fahrzeug fährst du am liebsten? Zug.
548. Wovon bist du glücklicherweise losgekommen? Vom Rauchen.

549. Woran denkst du morgens zuerst? Die Katz braucht ihre Spritze!
550. Was hast du vom Kindergarten noch in Erinnerung? Die Diakonisse Schwester Anna. Den großen Walnussbaum. Das Laternenfest. Den Blick auf den Taunus und den Mittagsschlaf auf Pritschen. Außerdem den Igel im Sandkasten.

551. Welchen Wochenendtrip oder welche Kurzreise hast du gerade geplant? Nichts konkretes. Reisen schmutzt.
552. Bist du ein Landmensch oder ein Stadtmensch? Ein Stadtmensch, der das Land liebt.

553. Mit welcher Person, die du nicht persönlich kennst, fühlst du dich verbunden? Es gibt ein paar Menschen, denen ich in den sozialen Medien begegnet bin, mit denen ich mich verbunden fühle.
554. Was gibt dir in schweren Zeiten Halt? Freunde, Familie, Hund und Katz. Allgemein: Zuspruch und Zuneigung.
555. Bist du gut zu dir selbst? Meistens schon.

556. Was bedeutet Freundschaft für dich? Vertrauen, Wärme, Loyalität.

557. Wer hat dich in letzter Zeit überrascht? Niemand.
558. Traust du dich, Fragen zu stellen? Klaro.
559. Hast du Dinge vorrätig, die du selber nie isst oder trinkst? Manchmal Bier.
560. Setzt du dir Regeln, die du dir selber ausgedacht hast? Klaro, wer sonst.
561. Bedauerst du etwas? Klaro.

562. Welchen Zeichentrickfilm magst du am liebsten? Ich schaue keine Zeichentrickfilme.
563. Was würdest du deinem Kind gern fürs Leben mitgeben? Hab kein Kind. Hätte ich eines, würde ich ihm gerne Selbstvertrauen und Zuversicht mit auf den Weg geben. Ich würde versuchen es zu unterstützen, ein solidarischer, großherziger und uneitler Mensch zu werden.

564. Welches Buch hast du in letzter Zeit mit einem tiefen Seufzer zugeklappt? Keines,
565. Würdest du gern wieder in einer Zeit ohne Internet leben? Nein.
566. Wann hast du zuletzt ein Bild ausgemalt? Das weiss ich nicht mehr.

567. Wer war deine Jugendliebe? Eric.
568. Für wen hast du zuletzt Luftballons aufgeblasen? Ich habe noch nie für Jemanden Luftballons aufgeblasen.
569. Wie würden andere Personen deine Wohnung beschreiben? Keine Ahnung.

570. Mit wem stöberst du am liebsten in Erinnerungen? Mit Freundinnen und mit meiner Schwester.

571. Wie viele Stunden am Tag verbringst du vor dem Computer? Im Winter einige, im Sommer wenige.
572. Verschweigst du deinem Partner manchmal Sachen, die du gekauft hast? Wieso sollte ich.
573. Wen oder was benutzt du als Ausrede, um etwas nicht machen zu müssen? Ich brauche keine Ausreden.

574. Gehst du gern ins Kino? Nein.
575. Wie grosszügig bist du? Ich teile mit Freude. ich schenke mit Freude.
576. Was versucht du zu vermeiden, weil du Angst hast? Fliegen (Höhe im Allgemeinen).

577. Was ist deine neueste harmlose Leidenschaft? Jeden zweiten Tag eine Tüte Treets.
578. Was würdest du auf dem roten Teppich tragen? Burka.
579. Wie geht es dir wirklich?

So entre nous? Hihihi!

580. Worauf hast du zuletzt schweren Herzens mit Nein geantwortet? Auf eine Urlaubsanfrage.
581. Wie kannst du es dir selbst leichter machen? Indem ich mich entspanne und auf Sicht fahre.

582. Worum weinst du insgeheim? Um mein Kind.

583. Hast du jemals einen Liebesbrief geschrieben? Ja.
584. Hast du jemals einen Liebesbrief erhalten? Ja.
585. Spendest du regelmässig für einen guten Zweck? Ja. Ich hab drei Dauerspenden am Laufen (kleine Beträge leider nur) und spende ansonsten, wenn ich Geld übrig hab, für weitere gute Zwecke.

586. In wie vielen Weltstädten bist du gewesen? Nicht so viele. Vielleicht zehn.
587. Welchen Modetrend von früher findest du heute lächerlich? Männerhandtaschen und Minipli. Über Buffalos und Ballonseidenklamotten müssen wir nicht reden.

588. Ist deine Grundeinstellung positiv? Glaub nicht. Aber der Trend geht langsam dahin wo das Licht ist.
589. Wie reich wärst du gern? Reich genug, um meinen Wohnort frei auswählen zu können, und keine Angst haben zu müssen, dass die Waschmaschine kaputt geht.

590. Darf man lügen, um jemanden zu schützen? Klaro.

 

 

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Bild: siehe https://kreuzbergsuedost.wordpress.com/2019/02/19/1000-fragen-an-dich-selbst-1-20/

Égoïste!

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Falls mir je mein Handy abhanden kommen sollte, können die Finder (die Findenden) schön herumrätseln was es mit der Kreuz 70 Spielkarte in der transparenten Schutzhülle auf sich hat.

Nichts , sagte ich, die ich unbemerkt von hinten an sie heranträte, und griffe mit langem Arm nach der Fundkarte. Gar nichts, raunte ich vieldeutig und ließe die Karte mit einer sorgfältig einstudierten, schlangenartigen Handbewegung im Ärmel verschwinden.

Die Finderinnen zeigten sich unbeeindruckt von meiner Performance und die Kunde von der Karte verließe weiterhin nicht den Mariannenkiez, wo sie mir irgendwann in diesem Sommer vor die Füße geflattert war.

Gestern, gerade war ich am La-Piadina-Laden vorbei geschlurft, wo ich rein zufällig den lieben Unterfranken traf, der dort saß und eine Pizza (mit Schinken!) aß,  kam ein Strauß Rosen an eben jener Kartenfundstelle aus dem Fenster und vor meine Füße geflogen.
Gerade wollte ich mich vor den Augen der Speisenden bücken, um die wunderschönen Blumen aufzuheben und sie der rettenden Vase in meiner Wohnung zuzuführen, als ich mich eines Besseren besann und wenigstens diese Botschaft für den eigentlichen Empfänger liegen ließ.

Mich wundert

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Fünf lange Wochen habe ich meine Ängste und meine Müdigkeit weggeschlafen und die Spur neu eingestellt.  NB hielt derweil Zuhause die Stellung, versorgte Tigerin und Pflanzen, leerte den Briefkasten und füllte die Wohnung mit seinen klugen Gedanken.

Fünf heilsame und glückliche Wochen.

Kaum zurück hat das Katastrophenleben mich wieder.
Ein Rechtsstreit steht ins Haus.
Mich wundert, dass ich so fröhlich bin.

Titel hier eingeben

Wenn es heute läutet, ist es meist nicht in meinem Kopf. Wenn es kracht, ist es manchmal nur mein Knie. Wenn es weint bin´s immer seltener ich (eher schon das quengelnde Nachbarkind, das mir früh am Morgen ins Walkie Talkie funkt und kräht. -Wozu braucht die Frau überhaupt ein Walkie Talkie? -Too long, you would not read it).
Wenn keine Antwort kommt, ist es weiterhin das große Schweigen mit seinen wechselnden Protagonistinnen. Heute: die Alpen.

//

Vor einem Jahr, denke ich, als mein Blick auf den Laternenfuß mit dem verwaisten Fahrradschloss fällt, vor einem Jahr genau, es war ein heißer Augustnachmittag, so wie heute, hat mir die Malerin hier, an dieser Stelle, die grausame Geschichte des armen Berliner Dackels erzählt, von der ich lieber niemals erfahren hätte. (Ob man den Täter je gefasst hat?)

Dass ich mir Dinge derart situationsabhängig merke, wundert mich schon lange nicht mehr. Erstaunlich finde ich hingegen, dass der Nachbar am Mittag aus einem Polizeiauto mit Rosenheimer Kennzeichen steigt.
Und zwar als Fahrer. Im Adidas-Jogginganzug. Dabei ist er Landwirt.
Sein kleiner Hund patrouilliert unterdessen routinemäßig die Straße auf und ab. Die Fellzeichnung mit den steilen Augenbrauen lässt ihn grimmig aussehen. Der tippelnde Gang und das aufgeregte wie grundlose Dauerschwanzwedeln indes wirken töricht und unbedarft, was man von seinem Besitzer, der in geducktem Gang und sich verstohlen umblickend ins Haus schlüpft, nicht behaupten kann.

Mit offener Fahrertür steht der Streifenwagen in der Hofeinfahrt.

 

Den ganzen Tag erlebe ich solche Mikrogeschichtchen. Manche drehen sich nur um einen dicken Apfel, der an einem winzigen Ästchen hängt. oder um grün schillernde, wunderschöne Käfer, die ich aus einem Ameisenhinterhalt, der sie das Leben gekostet hätte, rette. Andere handeln vom einzigen Blatt eines ansonsten kahlen Baumes und sind genau genommen gar keine Geschichten sondern eher Gleichnisse. Dem Grunde nach wahrscheinlich sterbenslangweilig (außer für mich).
Doch aus jedem dieser Bilder, ließe sich mit etwas Engagement und Geschick eine interessante Story spinnen, wenn nicht der Aufwand des Schreibens wertvolle Zeit binden würde, in der ein weiteres Dutzend solcher Erlebnisse verloren gingen.

(Experience, sagt der Engländer. Vivencia, weiss der Spanier)

So könnte ich, wenn ich anstatt zu prokrastinieren fleißig schriebe, schwerlich von meinem topfitten Hund berichten, wie er mit fliegenden Ohren im trommelnden Galopp den Feldweg entlangprescht, und den auch die unvermeidlichen Funktionsradfahrer, die mit ihren schotterspritzenden Mountainbikes (mit E-Motor) im Vorbeibrettern zeternd auf die Hundeanleinpflicht hinweisen und, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen und nebenbei mich und den verfluchten Drecksköter zu erziehen, voll auf das liebe Tölchen draufhalten. (Wo doch Hunde bis Kniehöhe gemeinhin als Fußhupen gelten, aber jetzt auf einmal eine Gefahr für Wald und Flur darstellen).

Denn statt unangeleint spazieren zu gehen und eben diese Dinge zu erleben, säße ich jetzt am Küchentisch unserer Unterkunft, vor mir ein Gemälde Gabriele Münters, neben mir ein Fenster mit Blick auf einen Malvenstrauch, und schriebe über in der Vergangenheit liegende Eindrücke, wie etwa die Landung der ersten Störche, die trächtigen Kühe auf der Weide, die im Schatten eines Baumes lagern und wiederkäuen, über die beiden Fohlen, eines davon mit Karpfengesicht, und ihre blondbeschweiften Mütter. Darüber, wie die Gastgeberin mich am Abend vor dem Haus mit ausgebreiteten Armen, glückseligem Lächeln und den Worten „Ich bin jetzt Königsmutter“ begrüßt und mir einen Zeitungsartikel zeigt, in dem ihr Sohn abgebildet ist. Von den nächtlichen Wieseln, die mit ihren kleinen Pfötchen über das Dach unserer Hütte trippeln schriebe ich. Vom Blätterwerk des alten Gartens und vom klaren Wasser des Sees, von den Hühnern vor der Kirche und von der Sandkuhle in der sie baden, von der Baustelle am Bahndamm, der Eichenallee und dem Moos und vom rätselhaften Verschwinden des alten Ziegenbocks.
Das brave Tölchen läge währenddessen zu meinen Füßen, zuckte mit den Beinen und erträumte sich all die Dinge die sie  hätte sehen und all die kleinen Tieren die sie hätte aufspüren können, wenn ich statt auf den Monitor zu schauen und die Finger über die Tastatur tanzen zu lassen, meinen großen  Hut aufgesetzt, das Walkie Talkie geschnappt hätte und durch den Garten in Richtung Feld davon marschiert wäre.

 

//

 

Die Nacht über hat es stark geregnet. Am Morgen, es ist noch dunkel, erwache ich vom hektischen Gebimmel der nahegelegenen Kapelle. Für einen kurzen Augenblick habe ich Angst etwas Schlimmes könne passiert sein. Doch dann fällt mir wieder ein wo ich bin.

 

Während die  Katatstrophenchronistin urlaubt, setzt die Apokalypse aus.

 

 

 

 

 

 

Zwetschgen

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Vielleicht sind mir nicht die Worte abhanden gekommen sondern bloß das Bedürfnis, die Außenwelt weiterhin an meinem Innenleben teilhaben zu lassen. Mich darzustellen, gehört und verstanden werden zu wollen.

Heute sind es Bilder, die ich wie Kiesel aus dem Wasser fische, sie herumzeige und ein paar Meter weiter wieder ins Nass zurückwerfe. Von Belang nur während der kurzen Zeitspanne, die sie in meiner Hand liegen. Danach nicht mehr als Erinnerung und weiter nicht der Rede wert.

Was in mir vorgeht, was mein Leben bestimmt, hat nicht die Dringlichkeit der vergangenen Jahre. Die großen Beben liegen hinter mir. Kraft sammeln für die nächste Welle.

Ich weiß, dass hier (auch) Menschen mitlesen, die mir nicht nur nicht geheuer sind, sondern vor denen ich mich auch hüte. Manche haben mich im Laufe meines Lebens verletzt, andere bloß gekränkt, zwei haben mich verraten, ein weiterer wird es noch tun. Um das zu wissen, braucht es keinen Propheten oder besondere Antennen. Die Kenntnis der universellen Schmierwurstigkeit des Neiders und des Enttäuschten, dessen dornengekrönte Ikone zu Fall gekommen ist, reicht vollkommen aus. Mitleid ist nicht Mitgefühl. Es ist, ganz im Gegenteil, oft nichts anderes als Verachtung oder eine bizarre Mischung aus sublimiertem Selbstekel und übersteigerter Selbstherrlichkeit. In other words:      .

 

Der Hahn kräht auf dem Mist. In der gekiesten Auffahrt stehen Kälbchen in Plastikiglus. Die Ohren gespitzt, die neue, fremde Welt in sich aufzunehmen: der Ruf der Mutter aus dem Stall, das helle Zwitschern der Rauchschwalben, wenn sie im schnellen Flug durch die Lüfte jagen. Das blecherne Scheppern der Äpfel, die in eine Schubkarre fallen. Das Tuckern eines Dieselmotors. Regenprasseln, Wind. Abendliche Stille und nächtliche Ruh.

Nur neunzig Tage werden die Kälber haben, sich ein Bild von dieser Welt zu machen. Einige dürfen sechs oder sieben Jahre bleiben. Doch keines von ihnen wird an Altersschwäche sterben.

 

Die Apfelbäume im Garten tragen weniger Früchte, als im letzten Sommer. Die Wiese, auf der beinahe nur noch Löwenzahn wächst (scheußlich, würde der Kanzler sagen, dem ebenso, wenn auch aus anderen Gründen, die Worte ausgegangen sind) ist noch grüner als gewohnt und die Pflaumen sind angesichts mangelnder Alternativen allesamt verwurmt.
Oma Gustl, die Mutter meines verstorbenen Zahnarztes, hätte bestimmt noch einen Kuchen daraus gebacken, nachdem sie die halbierten und entkernten Früchte auf ein gezuckertes Blech gelegt hätte, um die Würmer aus dem gelben Fleisch zu locken. Am nächsten Morgen hätte sie das Obst in ein Sieb gegeben, abgewaschen und die Hälften auf dem sehr dünnen Teig verteilt.

Der Gedanke an das zuckrige Blech mit den sich windenden Würmern ekelte mich und machte mich gleichzeitig traurig. Mir taten die Tiere Leid und insgeheim hoffte ich, Oma Gustl würde sie, statt sie im Abfluss hinunter zu spülen, im Müll entsorgen, wo sich gewiss neue Nahrung für sie fände. Vielleicht, so hoffte ich, entwickelten sie sich auf der örtlichen Müllkippe zu Schwärmen bunter Schmetterlinge, die im nächsten Frühjahr zu den Obstbäumen ihrer Geburt zurückkehren und dort, wie schon ihre Vorfahren (Väterväter), für verwurmte Früchte sorgen würden.

Einem Teil der Würmer, davon war ich überzeugt, war die Süße der Heimatfrucht genug gewesen. Sie hatten das Obst nicht verlassen und fanden nun den Tod im Ofen von Oma Gustl, die uns später mit ihren krummen Fingern und den dunkel geränderten Nägeln ein Stück des lauwarmen Kuchens auf den Teller legen und dazu einen Kakao oder ein Glas trüben Apfelsaft servieren würde.
Die gebackenen Würmer, so stellte ich mir vor, traten in Oma Gustls Küche ihre letzte Reise, durch meinen Körper, der ihnen zu einer Art Krematorium wurde, an, ehe ihre Überreste dann doch noch den Weg in die Kanalisation fanden und sich später im Fluß und schließlich im Meer verloren.

Am Ende unserer Besuche klaubte Oma Gustl für ihren Enkel und dessen besten Freund, meinen Bruder, jeweils eine Silbermünze aus ihrem gut gefüllten Kellnerportemonnaie und fragte „Is des´n Rischtische?“ Meist waren es Richtige, doch manches Mal beförderte sie auch einen unbekannten Silberling hervor, beäugte ihn von beiden Seiten, kam zu keinem Ergebnis und wurde dafür von den beiden Jungen lachend geneckt. Schließlich  hielt jeder von ihnen ein Zwei-Mark-Stück in der Hand. Wir Mädchen gingen leer aus.

Oma Gustl betrieb ein in linken Kreisen beliebtes Café im Frankfurter Nordend.
Nach ihrem Tod erbte ihr Enkel das große Mietshaus aus der Gründerzeit und erhöhte, so hörte man, zuerst einmal allen Parteien kräftig die Miete, was ihn selbst in die komfortable Lage versetzte mit hochgelegten Beinen an seinem Punk-Fanzine herumtippseln, und sich auch sonst ganz seinen Hobbies widmen zu können.

Geschichten, alles nur Geschichten. Weit weg, wie die Scholle auf der ich geboren wurde, und das Eis, so lese ich, ist inzwischen vollständig geschmolzen.
(Was verschwunden ist, lässt sich weder suchen noch finden. Ein beruhigender wie auch beunruhigender Gedanke. Vergeblichkeit (die kleine Schwester der Endlichkeit) als Trost und Abgrund).

Und sonst?
Ich schlafe gut und tief. Die pulsierende Ader an der Schläfe scheint harmlos zu sein. Das Moos ist weit, die Berge hoch, die Luft ist frisch, der Himmel tiefblau und selbst die Brezn aus dem Aldi-Backautomaten schmecken besser als jedes Gebäck in Berlin, ausgenommen die Kunstwerke des Belgiers, den ich mir lieber als Franzosen vorstelle und der backen kann wie kein Zweiter in der Hauptstadt, dem allerdings sein aufbrausendes Gemüt und seine unzuverlässigen Öffnungszeiten im Wege stehen, eine wirklich große Karriere zu machen (die ihm offenkundig sowieso nichts bedeutet).
Das hiesige Rockerpärchen wohnt noch immer neben der Autowerkstatt. Er trägt weiterhin einen langen weißen Bart und schraubt an seinem Motorrad herum. Als Satteltasche dient ihm ein alter Scout-Schulranzen und seine schwarze Lederjacke hat Fransen. Seine Frau sitzt auf einer Bank, streichelt den Hund und blinzelt zufrieden in die Sonne.

Wir rufen nicht die Polizei, wir rufen die Familie, steht am Eingang ihres Häusls.

//

Mensch, prima, sagt die Filmemacherin, als wir antiquierte Redewendungen austauschen. Ich kontere mit: Echt klasse!

Alto, Alta

Immer wenn ich versuche, faul zu sein, kommt irgendetwas dazwischen. Zum Beispiel Planung und Vorbereitung einer Reise.

Auf meinem Rechner befinden sich Dutzende angefangener Texte.
Sie tragen Titel wie Chronische Tachinose oder El idiota eres tu.
Natürlich wird keiner von ihnen dem Ernst der Lage und der Leichtigkeit i.S.v. Gewichtslosigkeit des Lebens gerecht.

In meinem Küchenschrank liegt eine ausgetrocknete Zitrone.
Wieso sie, anders als alle ihre Vorgängerinnen, keinen Schimmel angesetzt hat, weiss ich nicht. Gerne hätte ich etwas zu Herrn Ackerbaus einzigartiger Mould-Sammlung beigetragen.

 

Und sonst?
Der Grat auf dem ich mich bewege, lässt mich ob der Aufstiegshöhe bzw. der Falltiefe jubeln und erschaudern. Alles eine Frage der Perspektive.

 

Der Unterfranke schickt ein Foto vom Zugspitzengipfel.
Noch drei Tage bis zu den Alpen.

Ereignisse mit mehreren Lichtquellen

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Als noch Himmel war

 

Stalinbauten und rauschender Verkehr. Die Iller fehlt, die Berge fehlen, das Waldstück zwischen Rubi und Oberstdorf. Der Bachlauf mit den schwarzen Salamandern, der holzverkleidete kleine Bahnhof, tieffliegende Spatzen in der hohen Halle und vielversprechende Auslagen beim Bäcker, die sich am Ende als fades Zuckerwerk entpuppen, mit dem ich später, auf dem Rückweg, eine Spur in den Wald legen werde.
Auf dem Bahnsteig eine siebenköpfige Familie, alle mit dem gleichen Shirt. Die Goldschmiedin kommt à la minute. Vom Allgäu geht es nach Oberbayern und ehe sich jetzt Irgendwer anschickt, mir zu gratulieren: ich schwelge nur.

 

 

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Safttropfen versickern in meiner Kleidung. Dr. Beckmann wird es richten.

Wie auf den Bildschirmen an Geschäftseingängen, läuft der innere Monitor mit: ich sehe mich zwischen den Riegelbauten, der Hund neben mir, meine Tasche als Schurz. (bei Schurz denke ich – dank früher MAD-Lektüre – an Roger Moore und dann erst an die Carl Schurz und noch später an den Pfarrer Britz und Lass die Micky Maus raus als beinahe prähistorisches Grafitto an der Kirche gegenüber und dann denke ich an dich– weiterhin zusammenhangslos (Notiz für mich selbst).

 

 

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Hinter dem Freiluftkino wälzt das Tölchen sich beherzt auf dem Rasen. Als ich zu ihr hin stürze, ist es bereits zu spät. Der fettige Odeur des toten Meerschweinchens klebt in ihrem staubigen Fell.

Die grillende Familie gleich nebenan schaut zu, wie ich, nah an der Brechgrenze, meinen Hund beschnuppere und am liebsten an einen Baum binden würde und dann doch unter den Arm klemme und unter zischenden Flüchen nach Hause stapfe. Die Kinder lachen.

 

 

 

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Bei Höhlenausgrabungen stieß man auf Knochen von Menschen neben Knochen von Großkatzen. Die menschlichen Gebeine waren abgenagt, die der Katzen unversehrt.
Ein paar Schichten darüber fand man abgenagte Katzenknochen neben unversehrten Menschengebeinen.
Carbonspuren belegten: irgendwann zwischen diesen Zeitschichten war das Feuermachen erfunden worden.
Rollentausch durch Fortschritt.

 

 

 

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Der Kanzler ist auf dem Weg nach Spanien. Der Verkehrsfunk meldet schwerste Unfälle auf der avisierten Route. Der Unterfranke, der im Falle eines Unfalles des Kanzlers (qua notgedrungenem Sanitäter-Einverständnis) schon vor langer Zeit zum Hiob bestimmt wurde, ruft zu ungewohnter Stunde an, druckst am Telefon herum und zögert und will nicht mit der Sprache heraus und ich halte die Luft an und überlege, ob ich sofort bewusstlos werden oder Herzrhythmusstörungen bekommen und in haltloses Weinen ausbrechen soll, oder ob ich besser erst nachfrage, was denn um Himmels Willen passiert sei. Mit angstvollem Herzen entscheide ich mich für Letzteres. Joke, was ist los?

Doch der Unterfranke sagt nicht was los ist und schweigt einfach weiter und mein Herz setzt kurz aus und mir wird bang und immer banger. Und während es in meinem Kopf dröhnt und die Angst mir die Kehle zuschnürt, höre ich auf der anderen Seite ein beklommenes Räuspern, lautes Ein- und wieder Ausatmen und mit schweissnassen Händen und kurz vor der Ohnmacht wiederhole ich meine Frage, dieses Mal beinahe flehend: Joke, was ist denn los?

Und der Unterfranke atmet noch einmal tief ein und ich spüre, wie schwer es ihm fällt, und dann sagt er: Ich habe eine Abmahnung bekommen.

Und ich sage: Gott sei Dank!