kreuzberg süd-ost

die katastrophenchronistin

nur eine Stunde

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Genau eine Stunde hatten wir zusammen und wir haben sie genutzt.

Eine Stunde im Leben, mit allen Möglichkeiten, die diese kurze Zeitspanne eröffnete, eine Stunde, in der wir alles ausprobierten, alles was zwischen uns hätte sein können andeuteten und es dadurch wahr machten. In diesen gezählten Minuten legten wir uns einander in die Arme, im ersten Blick bereits, als Du über den Platz auf mich zukamst, unter all den anderen Menschen, schnurgerade auf mich zu, und wir uns in die Augen schauten, von weitem schon, die Ovale unserer Gesichter einander zugewandt wie die Masken der Fechter auf der Planche, während der Hund am Brunnen in die Fontäne beisst und die Gruppe dänischer Touristen ihm applaudiert.

Ein Nachmittag im September, der Staub steht golden in der Luft, leise plätschert der Brunnen, Gelächter, Rufe, der kleine Boule-Platz, ein paar alte Männer, träge wabernder Zigarrenrauch, und Du kommst auf mich zu und siehst mich an, wir beide in der gleichen Zeit, dem gleichen Tempo, slow motion, verdichtet, herausgestanzt aus dem Verschwommenen, voreinander gestellt, mitten in der Bewegung, im Leben, hier bin ich.

Ich weiß nicht mehr, ob ich Dir zugenickt habe, oder ob mein Blick sich senkte, für den Bruchteil einer Sekunde. Ich frage mich, ob ich Deine Hand nahm und unsere Finger sich ineinander verschränkten, als Du schließlich vor mir standest, noch immer auf den Planken, die Dich zu mir geführt hatten, an diesem Spätsommernachmittag. Ich weiß es nicht mehr, aber ich glaube, wir berührten uns nicht, obwohl es so selbstverständlich gewesen wäre, als Deine Augen in die meinen tauchten und das Spiel begann.

Hast du als erster gesprochen oder war ich es? Was haben wir gesagt, wie klang Deine Stimme. Ich weiß, wie es war, wie es sich anfühlte, in der Wärme, im Licht, in Deiner Anwesenheit, doch beim Versuch sie mit Worten zu fassen verliert sich die Erinnerung, sie erzittert, wie das spiegelnde Wasser, in das ich meine Hand tauche. Dein Bild verblasst und mit ihm unsere Zeit. Die Tür zu ihr ist lange schon verschlossen. Sie war und bleibt.

Das Unvermittelte, das Augenblickliche war es, da sein, einfach so, ohne Umschweife. Zusammensein, mittendrin. Kein Vorwort, kein Vorspiel.

Ich sehe Dich im Gegenlicht, Dich als Ganzes, Deine Kontur. Eine Art Parka trugst Du – der Abend würde kühl werden, die ersten Vorboten des nahenden Herbstes – neben Dir der alte graue Hund, mit wackligen Hinterbeinen, während der meine am Brunnen in der Fontäne spielt.

In den letzten Sonnenstrahlen des ausklingenden Tages wirst Du mich zum Lachen bringen, eine Stunde lang. Du wirst mir erzählen, wie Du Deinem Hund die Angst vor hinkenden Menschen genommen hast, damals, als er noch jung war, wie Du nachts mit ihm spazierengingst und einen Freund batest Euch entgegenzukommen, humpelnd, im langen dunklen Mantel, in einem Park, am anderen Ende der Stadt. `So!´, Du machst ein paar Sätze rückwärts und zeigst es mir, ganz selbstvergessen hinkst Du mir entgegen, bucklig wie der Glöckner von Notre Dame. Der alte Hund schaut Dich an, mit schief gelegtem Kopf und trüben Augen, und ich sehe Dich und lächle, so nah bist Du, als wäre dies nicht unsere erste Begegnung und die letzte dazu. Als würde ein lange vorbereitetes Stück nun endlich zur Aufführung gelangen und wir sind Protagonisten und Publikum zugleich, einer dem anderen, und viel mehr als das, sind wir Komplizen in der Zeit. Ein Stück, uns auf den Leib geschrieben, den Menschen, die wir sind, in diesem Augenblick, in dieser Stunde, die uns geschenkt wurde, die uns an diesen Ort führte, und die uns mit wenigen Requisiten alle Möglichkeiten eröffnete, in unserem schmalen Korridor.
Zwei Menschen, zwei Hunde, der Brunnen, der Platz, im September.

Damals gab es die beiden Silberpappeln noch, ein Tor. Zwischen ihren langen Schatten, in dem Streifen des spätnachmittäglichen Lichtes, stehen wir voreinander und spielen. Du Dich, ich mich.

Und während ich lächle und hin und wieder lachend den Kopf in den Nacken werfe, führst Du unser Stück auf, tanzt auf dem gleißenden Band, der immer schmaler werdenden Bühne, unserer Planche, in die Erschöpfung, den letzten Akt.

Einen Spazierstock gebe ich Dir in die Hand, in meiner Phantasie, und Du bewegst Dich um ihn herum, wie um eine Achse. Zeiger und Ziffernblatt. Elegant schnürst Du, setzt Fuß vor Fuß, schleichst katzenhaft vor und zurück, einem geheimen Takt folgend, den linken Arm ausgestreckt, während du erzählst und fabulierst, die Handfläche zum Himmel, das Licht fängt sich in Deinen Locken.

Ich sitze auf den Stufen zum Brunnen, zwischen den alten Pappeln, und schließe die Augen, die Sonne bricht sich bunt in meinen Wimpern, Du bewegst Dich, ich atme, ich spüre Dich näher kommen, Deine Lippen murmeln mit dem Wasser, ich höre Dich nicht mehr, aber ich kann Dich fühlen. Durch meine Lider schimmert rot das Netz feiner Adern.

 

 

 

 

 

 

Bild: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/26892417 (Rumtreibär)

trivia

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Was bist du denn so aggressiv/ ich bin doch nicht aggressiv!

Geraune, Gesilbe, reden ohne zu sprechen. Text.
Gehässiges Einanderbeklatschen, gönnerhaft grün vor Neid, von Herzen.
Am Morgen schon das Selbstgemachte im Töpfchen -Schau, was ich kann. – Chapeau!

Künstlerscheiße in Dosen,  warum bin ich bloß so aggressiv?, Ausdruck von Lebensenergie.
Das Innerste nach außen kehren (cloaca).

Was geht mich das eigentich an, die Berufenen und Gerufenen.
Guckmal, guckmal, ich bin ein König, denn ich trage eine Krone. – Kotau!

/

Die große Rutsche aus Plastik, ein billiges Getüm wie Gedärm (gedärmengleich), der Erreger Toxoplasmosiiiii, der die Maus dazu bringt der Katze hinterherzulaufen, um sich fressen zu lassen, auf dass der Kreislauf niemals enden möge. Never ever!
Selbst die  Ameise beisst sich fest, ganz oben am Halm, um gepflückt zu werden, vom Vogel, den der Kater reisst. Willenlos.

Tirilier

Leidenschaft, soviel Leidenschaft, Passion und Emotionen, lebe deinen Traum, aber lebe! In der vollendeten Trivialität, ohne Hügel und Gräben, nicht einmal Abgrund. Gewalt – oder war´s Gewaltigkeit?- und Sehnsucht, Worte, Worte, Grütze, atemverschlagend stark.
Ich rutsche.

Mit Getöse nichts erleben, rätselhaft und nebulös flüstern, Geheimnisse beschwören, wo Nichtigkeit waltet und hallt. Langeweile. Betulichkeit.  Eifernde Ödnis, ergriffen von der eigenen, unendlichen Empfindsamkeit. Widmen, verehren (verachten).
Mitunter klabauternd.

/

Die Bambergerin, die in Oxford zur Intellektuellen wurde, beim Studium des Querulantismus mit Schwerpunkt Petitionswesen. Vereint (Schwesterlichkeit!) antreten gegen das Bild-Girl, das angestaubte  PinUp aus dem Pleistozän.
(Männer sollen nicht auf Brüste onanieren, wenn Frauen das nicht wollen, nur wenn Frauen das wollen, dann sollen Männer auf Brüste maturbieren dürfen. Gibt es denn keine Tabletten gegen sowas. Reproduktion ist so gestern, wie Schamhaar. Kommt aber wieder. Wächst nach).
Der Dachdecker, zwischen zwei Atemzügen, sein Brustkorb eng vom Teer, blättert das Blättchen ohne Tittengirl und wischt sich ein Manga zur Entspannung auf den Screen.

Die Nächste (gender studies), merkt, dass sie was weiß, ist wie gelähmt, und befreit den Tampon von der pink tax; warum sollte er schlechter dastehen als Trüffel und Hundefutter? Frauen werden diskriminiert, wo man hinschaut (Brüste und Gesäß, Lippen, schöne Haare); das Schwein hat mir hinterher gepfiffen!
Wie ein klammer Umzugskarton (Wollpullis, Regal, Flur) steht man im Aufzug, mit marmorierter Haut, und keiner schaut, nicht einmal hier, wo sonst niemand ist; ob man sich mal ins Treppenhaus stehlen sollte, wenn der Nachbar herunterkommt, im Negligé, und dann ein wenig seufzen, mit den Hüften.

Am Ende stöhnt man ganz allein in seiner Kemenate und wünschte (wisch).
Wie selbsterniedrigend kann man sein!
Internalisierter Sexismus halt.

Zuviel Durchblutung schadet nur, egal wo.

 

 

 

 

 

Bild: Von Michael Albov – Michelle L’ Amour, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2410368

direct road to the vergrätztheit

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Wäre ich ein überkronter Zahn, querulierte auch ich am Wochenende, um im Flutlicht des Behandlungszimmers meinem Schattendasein zu entfliehen.

Am Ende ist es aber gar nicht der Zahn, sondern Herpes Zoster, der für Pein und allgemeines Krankheitsgefühl verantwortlich ist. Die in Kirgisien ausgebildete Notdienst-Ärztin ist überaus freundlich und attraktiv dazu, der Blick durch Isolierglas auf den Mehringdamm überraschend schön, die Sprechstundenhilfen angenehm- ich werde zu dieser Praxis wechseln. Wofür samstäglicher Schmerz doch gut sein kann.

Auf dem Rückweg gehen wir, ich trotz schönsten Wetters sibirisch vermummt, den tosenden Damm entlang (es gibt einfach zu viele Autos in der Stadt), schräg rüber zur Teppich-Domäne, die inzwischen Poco heisst und demnächst wahrscheinlich zu Hotel Excelsior Superior International aufsteigen wird. Der gesamte Kiez rund um das Hallesche Tor ist am Aufstreben, die fortschreitende Verdrängung auch hier unübersehbar.
Als wir bei der AGB ankommen, bezieht dort gerade eine keifende Frau Position. Sie stellt sich vor den Eingang und brüllt ihre Misere in die Welt. Keiner schaut sie an, wie jeden Tag (und wie immer die Frage, was in ihrem Leben geschehen sein mag). Drinnen schützen drei Sicherheitskräfte die Einrichtung. Auch das wird Geschichte sein, sobald der soziale Brennpunkt erst einmal befriedet ist.

Im Grimm-Zentrum, so erzählt mir  V., wurden mittlerweile die, lange Zeit geduldeten, Obdachlosen aus der Lounge vertrieben. Mehr und immer mehr waren es geworden, die Ruhe der Studierenden nicht länger gewahrt, unhaltbare Zustände. Jetzt leben sie unter der nahegelegenen Brücke.
Armut ist so lärmend und häßlich.

Auch unter der Leipziger Straße ist die Gruppe der nichtseßhaften Männer verschwunden, bereinigt der windgeschützte, düstere Durchgang, in dem sie ihr Lager aufgeschlagen hatten. Selbst der, mit eingetrocknetem Zement, gefüllte Eimer, in dem noch der hölzerne Rührstab steckte, ist weg. Ich hatte mich über die Jahre an ihn gewöhnt. Nun werde ich ihn mir jedes Mal in seine angestammte Ecke denken, wenn ich dort am Wasser entlang, Richtung Kreuzberg gehe, und mich mehr denn je fragen, was es mit ihm auf sich hatte. An die Gesichter der Männer kann ich mich nicht erinnern. Bärte trugen sie, allesamt, und Lumpen.
Armut macht so gleich.

Am Abend sitzen wir in der Küche und essen zusammen. Wegen des wunden Gaumens war Nahrungsaufnahme in den letzten beiden Tagen nicht möglich. Der Eine schneidet mir das Brot in kleine Würfel, die ich in greisenhafter Manier vorsichtig in den Mund stecke. So geht es.

Fiebrig fühle ich mich und sehr müde. Über die Mediathek schauen wir noch gut zwei Stunden lang den hochgelobten Barschelfilm. 80er. Angorapullover und Depeche Mode. Eine Sexszene, wie man sie zu dieser Zeit nicht im Staatsfernsehen gezeigt hätte. Gute Besetzung, allein Edgar Selge und Fabian Hinrichs sind es wert reinzuschauen (wann habe ich zum letzten Mal fern gesehen?). Zwei Stunden halte ich durch, dann siegt der Herpes und vor lauter Erschöpfung laufen mir die Tränen. Der Eine bringt mich ins Bett, zieht mich aus und deckt mich zu. Bald darauf legt er sich zu mir.
Beim Einschlafen denke ich an die Obdachlosen und den Eimer.

 

 

 

 

 

Bild: By Assenmacher (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

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Beim Nichtsmachen bleibt nichts ungemacht

 

insgeheim

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Ist das heilbar?,
will ich noch rufen, als mir das schlierige Zeug schon zäh ins Gesicht schwappt, während sie sprechen, den Mund voller Unrat schweige ich und schlucke schwer.
Wie jemand, der sich beim Sudoku amüsiert, lauthals lachend die Kästchen ausfüllt, dabei vielleicht sogar gestikuliert, beim Lesen die Lippen mitbewegt, den Finger immer auf der Zeile.

Ist das heilbar? frage ich mich und niemand anderen, weil sonst gleich der nächste Schwall mich träfe und ich es doch schon weiß. Nur um zu kränken, früge ich, zur Unterscheidung, zur Grenzziehung. (Ist denn keine Peitsche zur Hand?, sagst du. – Zu intim, zu intim!) Der Unheilbare blutet wie nix Gutes und sudelt. Man wird es nicht los. Nie wieder.

Auch das bleibt in der Welt, vermischt sich zu einem Teig aus Horn und Schweiß, den niemand kneten, geschweige denn backen (will). Wie das früher gerochen haben muss, schon ehe man Perücken trug und sich in den hohen Flure entleerte. Man erkannte sich am Geruch, wenn der eine dem anderen ins Dunkle griff, ohne Umschweife, so stelle ich es mir vor. Die Stirn nur beim Blick ins Licht gerunzelt. Keine Worte, keine Versprechen. Einvernehmliches (oder abwehrendes) Grunzen, dumpf, den Finger zwischen den Lippen.

Ist das heilbar, murmele ich und freue mich insgeheim.

 

 

 

 

 

Bild: Flickr commons (keine bekannten Bildrechte, kein Nachweis)

it´s all in your mind

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Ludwig von text art garage hat mir ein paar Fragen zum Thema Sex gestellt und ich habe mir überlegt, wie ich darauf antworte, ohne mich zu entblößen. (Danke für´s Nominieren).

So:

Welche Alternative bietet schlechter Sex / wobei: was könnte das sein?

So ziemlich alles scheint mir eine Alternative zu „schlechtem“ Sex zu sein. Essen, schlafen, schreiben, was auch immer. Entweder “guten” Sex, oder keinen. Ich möchte bei etwas so Intimem aber gar keine Noten verteilen. Akrobatik und Technik interessieren mich nicht besonders. Sinnlichkeit, Subtilität, spielerische Ernsthaftigkeit, Zugewandtheit, Empfindsamkeit, Empfänglichkeit, Rhythmus, Respekt, Hingabe und der gegenseitige unbedingte Wille sich Freude zu schenken, machen Sex schön und aufregend (gut).
It´s all in your mind.

 

Geht Geist und Sex zusammen?

Zur Verführung braucht es zumindest rudimentäre kognitive Fähigkeiten. Insofern ist ein Minimum an Geist hilfreich. Erotik und Sinnlichkeit finden sehr viel im Kopf statt (s.o.). Auch dafür ist es gut man hat einen und weiß ihn zu nutzen. Eine tiefe geistige (und seelische) Verbundenheit ist die Grundlage, auf der Sexualität für mich überhaupt erst interessant wird und zu Erfüllung und nicht „nur“ zur Befriedigung körperlicher Bedürfnisse führt.

 

Wenn Sex die schönste Nebensache der Welt ist was könnte dann die Hauptsache sein?

Liebe. Zu Mensch, zu Tier, zum Baum, zum Leben an sich.

 

Was bewirkt das Lesen dieser 3 Buchstaben in Ihnen?

Wenig bis nichts. Ich bin nicht auf Knopfdruck erregbar. Es braucht mehr als ein paar Schablonen, Stichwörter, Schlüsselreize, Attrappen um mich zu stimulieren und Sex, als Wort, ist nun tatsächlich bis zur Unkenntlichkeit verbraucht. So, wie z.B. auch „ficken“ das inzwischen zur Schulmädchenpoesie gehört. Sex blinkt und leuchtet hilflos und erbärmlich aus jeder schäbigen Ecke, spreizt seine Beine in St. Pauli und anderswo. Das Wort interessiert mich schlicht nicht (mehr). Es ist mir fremd. Da zuckt nichts, außer vielleicht ein wenig Überdruß und Ekel, als hätte man sich an etwas, eigentlich sehr Köstlichem, heillos überfressen.


Nennen Sie drei Klischees?

Sex-Klischees? Sowas wie „Wie die Nase des Mannes…“ oder Blondinen-Klischees?

 

Was hat Schreiben mit Sex zu tun?

Erst vorgestern schrieb ich eine kleine erotische Skizze, die ich selbst ganz anregend fand, die aber in erster Linie Arbeit war. Wenn mir danach ist, schreibe ich über Sinnlichkeit. Über Sex, als nackten, spritzenden Austausch von Körperflüssigkeiten, sollen andere schreiben. Ich kann wenig anfangen mit blanker Nacktheit und freigelegten Genitalien, ohne den Kontext von Verführung und Hingabe. (Ausgenommen die Texte Batailles. Wenn er über “Sex” schreibt, dann geht es um Leben und den Tod, um alles. Das ist magisch, verstörend, elementar. Das geht mich an).

Um auf die Frage zurückzukommen: man kann über alles sschreiben. Auch über Sex. Die Verbindung zwischen Sex und Schreiben ist etwa so, wie die zwischen Kartoffelpuffern und Sex, oder zwischen Wagenhebern und Feinstrumpfhosen.

 

 

 

 

 

 

 

Bild: RAW 103/365 Grünzeug auf der Reeperbahn
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

Muschi

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C. sitzt am Tisch, einen Arm lässig über die Rückenlehne des Stuhles gehängt. Mit dem anderen öffnet er sein Hemd. Ich tue es ihm gleich.
Halbaufgeknöpft und mit gekipptem Becken sitzen wir auf unseren Stühlen, dazwischen der Tisch.
Seine Augen sind dunkel, die Pupillen nicht zu erkennen.

Er nimmt die schmale Streichholzschachtel vom Tisch und dreht sie zwischen zwei Fingern ohne sie anzusehen. MUSCHI steht darauf.

Ich rutsche ein wenig auf dem Stuhl nach vorne.

 

 

 

 

 

 

Bild: K.Günter Sturm (Bildausschitt von Geflecktblättrige Flämmlinge (Gymnopilus penetrans) Lamellen
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/
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