Der Hausmeister geistert frühmorgens mit einem Laubbläser ums Haus. Nebenan singen wieder die Kinder und Wokilein hat nahtlos in ihren Wach- und Kläffmodus zurück gefunden. Von den Zimmerpflanzen haben 3 meine Abwesenheit nicht verkraftet, alle anderen sind gewuchert, die Wire Plant hat sogar geblüht und trägt jetzt kleine Früchte.
Auf der Heimfahrt mit den zwei Sachsen-Anhaltinerinnen checke ich die Wahlergebnisse und schweige darüber. Unsere Reise endet trotzdem mit Tränen. Am Morgen weckt mich der Laubbläser (s.o.).
In der ersten Woche meines Urlaubs bekam ich endlich eine Diagnose für meine anhaltenden starken Schmerzen. Zwei Erkrankungen reichten nicht. Jetzt sind meine Peinigerinnen zu dritt und ich befinde mich noch im halbseligen Stadium der Leugnung.
Am Mittwoch wird auch am Alpenrand der Sommer sich verabschieden und ich zähle schon jetzt die Tage bis zu meiner Rückkehr in meine zweite Heimat.
Zweieinhalb Wochen dauerte es, bis die Erholung einsetzte, jetzt endlich schlafe ich tief und traumlos .
Zwischenzeitlich hatte ich den Impuls, noch einmal über das Ende der Verbindung mit Leandros zu schreiben. Aber wahrscheinlich bildet Schweigen uns besser ab als Worte.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich ihn nie wirklich kennen gelernt habe, den Mann, der mir erst nach zehn Jahren seine Adresse verriet und mir ein Video schickte, das seine Wohnung in der Stadt am Meer zeigte.
Ich habe niemanden aus seiner Familie oder seinem Freundeskreis jemals getroffen. Unser gemeinsames Leben spielte sich allein in Berlin und meinem Umfeld ab.
Vielleicht sind wir uns begegnet, um die Tode unserer Eltern zu erleben und zusammen zu bewältigen. Ich möchte glauben, dass es so war.
Mission accomplished
/ Die Schönheit dieses Ortes überwältigt mich dieses Mal mehr als in den Trauerjahren. Was mich im vorvergangenen Sommer bedrückt hat, wie beispielsweise die sogenannten Nutztiere auf der Weide, kann ich dieses Jahr besser hinnehmen.
In meinem Kopf entstehen auch endlich wieder Gedanken, die über das Notwendige, die pure Alltagsbewältigung hinausgehen. . Meine Hände sind weiterhin zu träge, sie aufzuschreiben. Unterdessen erlebt auch meine Verben-Verliebtheit eine Renaissance. Besonders Ü-Verben mit p und l, wie bspw . schlüpfen, lüpfen, tüpfeln, bringen meine linguistische Seele zum Lächeln.
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Am heißesten Tag des Sommers, wo der Nino seine Jacke auszieh‘n mag, liege ich im Garten, lausche dem Wispern der Bäume, derweil Isaac den Äpfeln zusieht, wie sie mit einem dumpfen Geräusch aufschlagen und sich den Wespen zum Fraß anbieten.. Unsere Hauswinkelspinne Maxi unter Menschen hat leider das Zeitliche gesegnet. Tot hängt sie an einem Faden und wird von einem torkelnden Weberknecht verspeist (verwertet, würde der Makler sagen).
Von Montag bis heute war ich jeden Tag bei einem anderen Arzt. Heute in der Radiologie vom UKM. Alle sind freundlich und unkompliziert.
Nächste Woche MRT und Kardiologie. Mir geht’s gut, ich kläre Malaisen, die in Berlin von der Hausärztin ignoriert wurden und hier auf interessierte Ohren stoßen, die mich ernst nehmen.
Wie in nur 24 Stunden so vieles von mir abfällt. Die Enge, die Schwere, die Bitterkeit, das Unversöhnliche,
Und wie das Quirlige und Verspielte, das Fohlenhafte in mir wiedererwacht und aus den Augenspiegeln des Gegenübers mir als Echo zurück geworfen wird.
Herzliche Begrüßungen, das Gefühl des Angenommenseins und familiärer Geborgenheit, wie bei dem Pfarrersonkel und seiner lieben Frau in den Monaten vor dem Abitur.
Früh waren wir in Berlin gestartet, hatten unterwegs ein paar Stunden durch Stau und Vergesslichkeit verloren, als am Abend am Horizont endlich die ins Himmelsblau zerlaufende Wolkenkette auftaucht, diesige Fata Morgana und Vorbotin des Alpenmassivs, der gigantischen steinernen Slomo Welle, des Jahrtausende andauernden Orgelstücks..
Robbengatter denke ich unpassenderweise, innerlich jubilierend und Verzückungsrufe ausstoßend: Das Licht, das Licht!
Einige Kilometer und Kurven später taucht rechterhand überraschend nah das Ester- das Ammer- und im Hintergrund das Wettersteingebirge auf, davor das samtene Moos, und wir schalten einen Gang herunter, der alte Diesel surrt im goldenen Abendlicht und ich stehe wieder mit im Garten meiner Großeltern in Kassel, bin 5 Jahre alt und singe so laut ich kann dem Tagesende entgegen, erfüllt von der Hoffnung und Zuversicht meine Familie im fernen Frankfurt werde mich hören und zurück nach Hause holen.
Bist du mit der Alpenbahn gekommen?, höre ich jetzt den Kanzler in seinem Krankenbett sagen, und ich schaue in seine hellbraunen Augen und auf seinen langen hageren Körper, das belegte Brot in den schaufelgroßen Händen, die Fingernägel wappenförmig und im Hintergrund die Dächer Bornheims im Spätsommerglast. Ein Moment, von dem ich weiß, dass er mich nie mehr loslassen wird.
Es geht mir gut, Vitalwerte hin oder her. Nur 3 Minuten muss ich am Nachmittag an die Beatmung und die sengende Hitze vertrage ich problemlos.
Wie ein Kormoran nach dem Tauchgang steht die schwarz gekleidete Frau mit abgewinkleten Armen auf der Brücke und lässt die Luft ihre Achseln trocknen. Unten im Engelbecken suchen derweil Hunde vergeblich nach frischem Wasser im Bassin des Indischen Brunnens. Jemand hat Blumen in die Hände der Göttin und einen Kranz um ihren Hals gelegt.
Nicht weit entfernt gleiten die wenige Wochen alten Schwanenkinder mit ihren Eltern über das Wasser. Schildkröten dümpeln umher und im Schatten der großen Weide hält ein Reiher geduldig Ausschau nach silbrigen Fischlein, Überwuchert sind die Rosenspaliere und die neu errichtete Mauer wurde längst durch traditionsbewusste Sprayerinnen in ihren all time classic Zustand zurück versetzt.
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Am Morgen finde ich eine Notiz an mich selbst:.
Beiläufige Entschlossenheit des starken August
steht dort, und vor meinem inneren Auge sehe ich Wilhelmine, wie sie eine Hand lässig auf ihre Hüfte gestützt mit der anderen einen Sieg im Armdrücken erringt.
Haste dich verkalkuliert und willst oder kannst nicht zurück auf Null, verlass dich auf deinen inneren Navi. Er wird die Route neu berechnen.
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Bei der Hitze gehen nur Gazpacho, Glasnudelsalat, Grapefruit und Eis.
Am Sonntag bei vorausorakelten 41 Grad lässt sich eigentlich nur siechen.
Mitleid empfinde ich jetzt schon mit den Fusion-Besucherinnen und mit jenen, die dort arbeiten und Pommes frittieren (müssen).
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Unerwarteterweise gehen die Nacktschnecken weder an Gewürz-Tagetes noch an Löwenmäulchen.
freufreufreu
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Dopamin Shopping:
Warenkörbe füllen, virtuelle Zahlungen leisten, Sendungen verfolgen und niemals Waren erhalten. Das scheint derzeit Mode in Süd- Korea zu sein.
Ich betreibe Warenkorb-Hoarding seit immer und die größte Freude ist das Löschen derselben, nachdem sich die Gier nach unnützem Tand zuverlässig binnen weniger Tage gelegt hat. 
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Als man noch physische Tonträger kaufte, gab es einen begrenzten Zeitraum innerhalb dessen man eine coole Platte erwerben musste, ohne sich als gestrige Spätzünderin zu blamieren.
So ähnlich ist es mit zwischenmenschlichen Beziehungen-
Ist der Zeitraum verstrichen innerhalb dessen sich eine Umarmungsbegrüßung hätte etablieren können, fühlt es sich awkward an plötzli(ch) damit anzufangen.
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Ich hoffe sehr, dass uns das Dickicht erhalten bleibt. So sehr.
Trampelpfade jenseits angelegter Wege nennt man im Englischen desire paths.
Am Oranienplatz wurde den füßisch geäußerten Wünschen der Bürger*innen (Bürgenden) durch zusätzliche diagonale Wege Rechnung getragen.
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Futur 2, die abgeschlossene Zukunft der Doom-Apologeten oder Nostalgiker.
Beispiel: Du wirst vergeblich nach mir Ausschau gehalten haben.
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In Sachsen-Anhalt liegt drei Monate vor der Wahl die CDU der in Umfragen haushoch führenden AfD in den Armen (Hihi Brandmauer).
Im Europaparlament gab es heute einen Vorgeschmack auf unsere faschistisch-trumpistische Zukunft: mit einer Mehrheit der Völkischen und Konservativen (CDU) wurde für die Einrichtung von Konzentrationslagern (Return Hubs) in Drittländern gestimmt, in denen ausreisepflichtige Geflüchtete künftig eingesperrt werden. Begleitet wurde die Abstimmung von den Rufen der siegesgewissen Barbaren: Send them back!
Passend im Ton der heutige Aufmacher der BILD:
Politik greift durch Jetzt geht’s ans Geld der Sozialschmarotzer
Wir sind keinen Steinwurf entfernt von „Volksschädling“ und „unnützem Esser“.
Unterdessen wird Elon Musk zum weltweit ersten Billionär und besitzt nun mehr als die ärmeren 48 % der Weltbevölkerung.
Am Engelbecken wachsen Gräser auf einem von rot-weißen Absperrungen begrenzten Sandhügel, im Garten wuchern die Schlingpflanzen. Das Leben giert nach sich selbst.
Auf dem Gymnasium war ich für ein paar Wochen Trainerin einer Mädchen-Fußballmannschaft. Wie ich zu dieser Aufgabe gekommen bin, erinnere ich nicht. Unsere Trikots waren rot, das weiß ich noch. Etwa um diese Zeit beging mein Klassenlehrer Suizid. Seiner bayerischen Mutter schrieb ich noch ein paar Mal. Sie schickte mir Kärtchen mit Bibelsprüchen. Johannes, so hieß er, fuhr ein goldenes Käfer-Cabriolet, nannte mich Shirley, entdeckte mein Sprachtalent und stärkte mein Selbstbewusstsein.
Manchmal rückt alles ganz weit weg und wird dadurch wieder sichtbar.
Eine Gruppe schnatternder Touristinnen spaziert frontal in mich hinein. Scusi aus multiplen Mündern.