so long

Blöd, wenn eine versehentlich angehängte Datei offenbart, dass die Absenderin mein Blog liest (und sogar auszugsweise herunterlädt) ohne je dazu eingeladen worden zu sein. Eine Vertrauensperson hat meine Blogdidentität klammheimlich und entgegen meines ausdrücklichen Wunsches verraten und mir damit den Schutz der Anonymität genommen, den ich zum Schreiben brauche.

 

Dieses Blog ruht, bis ich mich entschieden habe ob es hier künftig nur noch Muffinrezepte gibt, ob ich die unbefugten Eindringlinge mit spermatösen Enthüllungsstories anwidere, ob ich ihre eigene Lebensgeschichte zum Gegenstand meiner Erzählungen mache, ob ich tue als sei nichts geschehen oder ob ich unbekannt verziehe.

 

Ich find’s nicht in Ordnung, was da gelaufen ist.

 

So long

Links

14646551553_57ee8a37ae_z

Hier drei Links zu drei Texten, die mir gut gefallen haben.
Mir fehlt grad die Quatsch- und Erzähllaune, sonst würd´ ich noch was dazu schreiben.

Berlin verlassen. So fühlt sich das an:   http://heike-hellebrand.de/bleib/

Wie schreiben ist, steht im Sudelheft  http://sudelheft.blogspot.de/2016/01/so-ist-schreiben.html

Deutsche Filme mit deutschen Schauspielern, die englisch sprechen. Ich lache immer noch :  http://frauruth.de/rueckkehr-nach-montauk/

Ich wünsche gute Unterhaltung allerseits!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild: vertical vertigo, flickr, Remy Saglier
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

pastel de nata

12853578823_60636ea3e7_z.jpg

Die Kindergärtnerin muss Dienst haben, denn nebenan singen sie Bruder Jakob. Ist ihr Mann dran sind´s die Drei Chinesen. Ein Lied, das die Koreanerin nicht mag, weil die anderen Kinder sie anstarrten, wenn es gesungen wurde.

Ich beobachte einen Jungen dabei, wie er dem Gruppenaußenseiter die Mütze vom Kopf reisst, ihm in die Augen schaut und die Mütze in den nassen Dreck wirft. Erschreckend sein harter, verächtlicher Blick. Die Erzieher bekommen nichts mit davon.
Paradoxe Interventionsfantasie: den Übeltäter bei den Armen packen, zwei-, drei Mal im Kreis herum wirbeln, dabei fröhlich Huuuiiii! rufen und nach dem Absetzen des Tunichtguts ungerührt ins Haus zurück spazieren.
Manchmal fällt es schwer die Füße still zu halten.

//

Ein sturzbetrunkener Mittdreißiger fliegt aus einem Club, geht wutentbrannt zum nächstgelegenen Taxistand und trommelt mit den Fäusten auf einen der dort wartenden Wagen ein. Es gelingt dem Fahrer nicht, den Tobenden zu stoppen und so tippt er mit der Stoßstange leicht gegen dessen Beine. Der Randalierer fällt um, knallt auf den Kopf, steht wieder auf und hämmert weiter. Das Ganze wiederholt sich einige Male – trommeln, umfahren, aufstehen, weitermachen – bis der Fahrer endgültig die Beherrschung verliert und den Betrunkenen kurzerhand überrollt. Mit schweren Kopfverletzungen und gebrochener Hüfte kommt der Randalierer in die Klinik.

F: Wo geschehen?
A: In Kreuzberg süd-ost.

//

Die neue Katze bevorzugt Futtersorten mit schlimmen Namen.
My star is a foodie, Schmusy und miamor. Zum Beispiel.
Ich kaufe das Futter inzwischen nur noch online – ohne Zeugen, ohne Schmach – und räume es klammheimlich und scheuklappenbewehrt in die entlegensten Schränke in den hintersten Winkeln der Wohnung. Den Müll trage ich des Nächtens nach draußen, nachdem ich die Umverpackungen bis zur Unkenntlichkeit zerstückelt habe.

Der Paketbote jammert jedes Mal, wenn er die schweren Futterkartons in meine Wohnung schleppt. Ich entschädige ihn mit 5 Euro, der Hälfte der Ersparnis des Online-Einkaufes. Win/win.

//

Der Hund ist schlagartig wieder so krank, dass er vor die Tür getragen werden muss. Sie kann kaum stehen, ist verwirrt und zittert am ganzen Körper. In der Tierlinik tippt man auf eine zusätzliche neuromuskuläre Erkrankung. Myasthenia gravis vielleicht.
Ruhe, Ruhe, Ruhe.
Erst der Hirntumor, jetzt das. Ich mache mir große Sorgen.
Hoffentlich ist das nicht der Anfang vom Ende.

//

Nach 5 Tagen Krankheit ist immerhin der Bekannte von seinem Lager aufergestanden. Nicht mal die Zigaretten schmeckten ihm noch und besorgniserregend grau war er im Gesicht. Der Dauerhusten hat uns beiden schlaflose Nächte, ihm Muskelkater und beinahe einen Sixpack-Bauch beschert.
Die intensive räumliche Nähe war sehr schön. Entgegen der gewohnten Askese gab´s täglich Kuchen. Der Bekannte ist Katholik und damit von Haus aus viel sinnesfreudiger als wir selbstgeißelnden, entsagungsversessenen Protestanten. Leider vergisst er das oft und ich muss ihn erst wieder daran erinnern. Heute werde ich seinem Gedächtnis mit pastel de nata, gekauft beim fabelhaften  Double Eye in Schöneberg, auf die Sprünge helfen.

//

Die totgesagte Sonne scheint in den Garten. Zeternd sitzen die Spatzen im Bambus und lassen sich vom Wind hin und her schaukeln. Die Kohlmeise wetzt den Schnabel am Ginkgo, pickt rasch ein Körnchen und fliegt davon.
Tölchen liegt unter meinen Stuhl und fiept kaum hörbar.
Wir leben.

 

 

 

 

 

 

 

Bild: di.fe88, flickr, Spiegelung
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

fading

24261132756_1260c29608_z31981997654_87b879b8d6_z.jpg

Schwerfälliges Schreiben in staksigem Gang. Das Beinheben des urzeitlichen Reptils. Der Schritt in den feuchtklammen Farnwald.
Die Langsamkeit eines sich vorwärts schiebenden Gletschers.
Der schmelzende Eisberg in Abgeschiedenheit und Stille.

Das Alphorn, das die Zeit noch fand, geduldig seinem Echo entgegen zu warten.
Von Felswand zu Felswand.
Das gemütlich knatternde Modem. CompuServe. The outback.
Verschwindende Zeit, fading.

We formerly used our knuckles for knocking

Ein Satz nach vorn in die Häuserschlucht.

Die Schönheit der slow motion, die Eleganz des schnellenden Pfeiles.

aus der Ruhe handeln.

Stille finden und hören.

 

 

 

 

 

Bild 1: Torres del Paine. Icebergs sur le Lago Grey, flickr, Guillaume Baviere; Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/
Bild 2: Briar Craft, sword fern, flickr,
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/

Andernorts

Beweisen, dass man kein Robot ist.

20170205_130849-1.jpg

Ich hab´s nicht geschafft und musste um ein neues Bild bitten.
Kennzeichnet nicht allein die Einsicht in mein Versagen mich schon als Nichtrobot?

 

 

(Wer hier auf richtige Texte wartet- das tue ich auch. Das Leben spielt derzeit anderswo seine schrägen Melodien. Die Vögel immerhin, sie zwitschern wieder)

Toben in Versalien, oder Im Halbschatten der Erde

Bildschirmfoto 2017-02-10 um 20.33.07.png

Dem Universum bin ich vollkommen gleichgültig. Das hat mit sich und den schwarzen Löchern, den Sternengeburten und Sternentoden und seiner eigenen Ausdehnung genug zu tun. Sein Interesse an der Laus, die ich mit meinen Schuhen zermalme, dem ertrinkenden Kind im Mittelmeer, den Erfrierenden vor den Grenzzäunen, den Verhungernden in der Welt, dem gestrandeten Wal, dem Zicklein auf der Schlachtbank, der aussterbenden Tierart, Gina-Lisa Lohfink vor Gericht und Donald Trump im Machtwahn ist immer genau gleich. Nämlich Null.

Das Universum schickt mir weder Zeichen noch Wunder noch Flammen oder Wasser. Keine Erdbeben oder Engel, keinen Hass und keine Liebe. Nur schwarze eisige Gleichgültigkeit.
Das Universum spielt nicht und es trauert nicht. Um niemanden und um nichts. Auch nicht um dich oder um mich. Sowenig, wie die Zeit dies tut. Sie schreitet voran und davon und über uns hinweg und ist noch da, wenn wir alle längst verschwunden sind.

Arme Laika.


Wie sieht´s aus?,
frage ich den Bekannten nach dem Aufstehen.
Geht so.
Untergang?
Noch nicht.
Was passiert?
Trump ist vor Gericht unterlegen und tobt in Versalien.

Wir lachen trocken.

Isn´t that a bit unfitting for a president?
It is. So sad.

Schweigen.

Auf Dauer ist diese Karikatur wirklich zu anspruchslos. Sad, terrible, it´s true, fake hair  ein Toupet obendrauf und außenrum orangefarbene Haut gespannt. Nicht schwieriger als ein Hitlerbärtchen (Hitlerbärchen schrieb ich zuerst) mit Seitenscheitel und sich überschlagender Stimme.

Universum, ich fühle mich unterfordert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild. Z S smoke, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/