Regen und Sonnenschein

27. Mai 2015 § 13 Kommentare

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Das Schicksal ist nicht nur Verhängnis, Tod und Siechtum, sagt der Eine.
Für diesen Satz, zu diesem Zeitpunkt, könnte ich mich direkt nochmal in ihn reinverlieben.
Zum Glück ist es nämlich auch Begegnung, Liebe, Licht und all die anderen wunderbaren Dinge.

Eine kleine Freude in diesen Tagen ist die Anfrage des Deutschen Literaturarchivs Marbach, ob man mein Blog dort langzeitarchivieren dürfe.

Klaro!

Für das Kommentariat bedeutet dies, dass alles, was hier so an Meinungen geäußert wird und wurde ebenso im Archiv landet.
Es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel Verhängnis, Tod und Siechtum.

Der Mann im roten Kleid

24. Mai 2015 § 15 Kommentare

20150523_210004Vielleicht erzähle ich von dem barfüßigen Mann im roten Kleid und den sechs Stunden Wartezeit in der Notaufnahme der Charité ein anderes Mal.
Ich bin der Katastrophen so müde.
Schön war, trotz der Aufregung, der Weg dorthin. Vorbei am wummernden Carnival of Subcultures über die rote Spree zum glühenden Postbahnhof. Ein Abend wie ein Versprechen.

Der heruntergekommene Wartesaal, der Getränkeautomat, die Tomatensuppe mit Milchschaumhaube. vielsprachige Anweisungen vor der Triage. Ein schlaksiger Pfleger, der nach Gutdünken vorsortiert, während sein Kollege mit offenem Mund in den Rechner starrt, die Hand auf der Maus.

Dass wir die Frage, wie wir unterwegs sind wahrheitsgemäß mit BVG beantworten, katapultiert uns direktemang ans hinterste Ende der Warteliste.

Die Morgenfrische, viele Stunden später, entschädigt ein wenig für die vertane Zeit. Kühl und verzaubert liegt die erwachende Stadt im ersten Licht. Selbst der Hauptbahnhof sieht schön aus im pudrigen Schimmer.

Zuhause fallen wir bleischwer ins Bett. Die Kirchenglocken am Mariannenplatz läuten den Pfingstsonntag ein.

Gestern vor Kaiser´s

22. Mai 2015 § 8 Kommentare

20150521_143007-1 20150521_143011 20150521_143021 20150521_143023 20150521_143025 20150521_143026 20150521_143046-1 20150521_143048 20150521_143049 20150521_143212 20150521_143223 20150521_143234 20150521_143236 20150521_143322Ein Mann, ein Hund, ein Board.

Manne sein Milljöh, oder Fass adé (.txt*)

20. Mai 2015 § 14 Kommentare

533px-Mops-drawing

Hack ma jedacht, wennick ma nochma n Hund holen tu, dann nenn ick n Fass.
An besten wär dit ja, wenna dann ooch kujelrund wär, wie´n Fass ehmt.
Ick meene jezze nich fett oda so, sondern so von Natur aus vollschlank, wie man ja imma jerne sajen tut, wenn Eene anne Hüften und übahaupt, vastehnse?
N Mops wär son Hund, zun Bleistift, haha. Un der Mops, den tät ick dann nich Otto oda so nenn, sondern Fass.
Und dann froick ma heute schon, wie ick dann, wenn mir Eeena irjendwie komisch komm tut, wejen de Mülltonnen oda so, wie ick dann den Köta, also den Mops rufe und „Fass!“ zu ihm sahre un wie ick dann dem Andan inne Oogen kieke und ern Riesenschreck kriecht, weila denkt, meen Hund tät ihm jezze anne Waden jehn, wa?
Und dit würdick zu jerne so machn.
Un wenna dann eenes Tahres vastürbt, der kleene Fass, dann krichta ne Beerjung vom Feinsten. So mit alm Pipapo, da lass ick ma nich lumpn, wa. Un in sein Grabstein lass ick Lebawürste rinmeisseln, un Schinkn un dit janze Programm. Un als Übaschrift oben drüba steht dann in jroßn Lettan: Fass adé. Vastehnse? Adé, dit sacht ma doch so in Westdeutschland bei de feine Pinkels, wemma sich vaabschieden tut.
Fass adé steht also da, über die Würste, un da könnse sich in hundat Jahr noch anne Birne kratzn und sich frahrn, was dit nu zu bedeutn hat un se komm doch nich druff.

Schade is nur, dass ick keen Hund mehr inne Wohnung halten darf, wa? Schon lange nich mehr. Früja jing dit noch, aba heute kieken se schon schräch, wemma den Müll inne falsche Tonne reintut. Un dit is wirllich n Jamma. Vadient hättenses nämlich, die neujn Nachbarn.
Dit eenzig Jute daran ist wiederum, dasser dann wenigstens ooch nich sterben muss, der kleene Fass, wenn er jar nich erst da is. Dit spart ma n Haufn Kumma un Jeld un noch mehr Ärga.
Un so is dit im Lehm. Ma muss nur jenau hinkiekn, dann sieht ma ooch dit Jute im Schlechtn un den tieferen Sinn in Alm.

Aba schön wärs schon jewesn.

Dieser Text wurde geschrieben für dieses Projekt (Stichwort: Fassade) und ist zugleich eine Hommage an Manfred Dumke

Bild: gemeinfrei „Mops-drawing“. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mops-drawing.jpg#/media/File:Mops-drawing.jpg

Du bist so wunderbar, Berlin (13)

19. Mai 2015 § 11 Kommentare

20150509_200000Auch dafür liebe ich Litfaßsäulen.

Fox on the run

17. Mai 2015 § 15 Kommentare

fuchs-crw_9649Grauenvolle Schreie reissen mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf.
Eine Katze, da ist eine Katze in Not!
Was ist los? Hat der dicke Kater es endlich geschafft ein Stromkabel durchzubeissen und krepiert nun zuckend, mit dem Maul an der Leitung hängend, in der Küche?
Oder sollte ich, gegen jede Gewohnheit, ein Fenster gekippt haben und die Katze stirbt den kehlkopfzermalmenden Strangulationstod, wie so viele Katzen? Oder habe ich vielleicht nicht mitbekommen, wie Quinho nach der letzten Hunderunde aus der Wohnung geschlüpft und in den Garten gelaufen ist?
Mein Herz schlägt wild. Panik! Ich muss sie retten!
Mit trockenem Mund und am ganzen Körper schlotternd stürze ich, den durchdringenden Schreien folgend, in die Küche, schalte das Licht an und sehe die Katzen erstarrt auf dem Tisch sitzen. Vollzählig.
Das Klagen kommt von draußen, von ganz nah und es ist so erbärmlich und laut, dass es nicht nur mich am anderen Ende der Wohnung aus dem Schlaf geholt hat. Auch über mir brennt jetzt Licht und die Nachbarn blicken hinter ihren Erkerfenstern und Balkontüren in den dunklen Garten.
Ein Katzenkampf klingt anders, denke ich, hier ist es eine einzelne Katze, die um ihr Leben ringt.
Ist sie irgendwo eingeklemmt, hat sie sich verletzt, hängt sie mit einem Lauf, oder schlimmer noch: mit ihrem Halsband, am Zaun fest?
Ich schnappe mir Taschenlampe und Schlüssel, greife nach meinem Handy (wozu eigentlich? Feuerwehr? Verstärkung?) und eile in den Durchgang zum Hinterhof.
Mit zitternden Händen öffne ich die schwere Tür, drücke sie in den Schnapper und leuchte nach rechts, in die Richtung aus der die Schreie kamen.
In diesem Augenblick springt eine graue Katze mit weißen Hinterbeinen aus einer Nische neben dem Keller hervor und rennt in großen Sätzen an mir vorbei. Gleich hinter ihr taucht nun auch ein Fuchs, der Fuchs, auf, verharrt für ein paar Sekunden, schaut mich an, und schiesst plötzlich, mit fliegenden Beinen, der Katze hinterher, die längst in der Dunkelheit verschwunden ist.
Ratlos stehe ich noch einen Moment, frage mich was zu tun ist und leuchte mit spärlichfahlem Schein in die Schwärze zwischen den Häusern. Hoffentlich hat sie es geschafft, die Katze. Hoffentlich findet der Fuchs etwas anderes zu essen und hoffentlich kann er seine Jungen gut versorgen. So viel Hoffentlich und soviel Adrenalin.

Zurück in der Wohnung streichle ich den aufgewühlten, schwanzwedelnden Hund, stecke mir ein englisches Lakritztoffee in den Mund, lege mich völlig überdreht ins Bett, ziehe dort noch ein paar Algerische Patiencen auf dem Tablet und schlafe erst sehr spät wieder ein.

Die mittägliche Recherche im Netz ergibt ein ganz neues Bild: Füchse erlegen normalerweise keine Katzen. Viel lieber wollen sie mit ihnen spielen, worauf die humorlose Feline äußerst unwirsch reagieren kann.

(Mal ehrlich, kann man diese Geschichte für einen erweiterten Morgengruß halten?)

(u.A.w.n.g.)

Foto: http://photoblog.hildania.de/2007/12/13/fuchs/

Das gezeichnete Ich

16. Mai 2015 § 4 Kommentare

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Zwei Plakate an denen ich seit Tagen vorbeikomme. Und jedes Mal lösen sie eine lange Gedankenkette aus:
Benn, Nationalsozialismus, unwertes Leben etc.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf einen der Anwärter für den diesjährigen Grimme-Online-Award (Publikumspreis) hinweisen:

Wer darf leben? In leichter Sprache

Ich habe schon abgestimmt. Vielleicht findet die Leserschaft den Beitrag der Zeit genauso gut und wichtig.

Möglicherweise wird die Präimplantationsdiagnostik in Zukunft den eugenischen Abtreibungen zuvorkommen.
Wie ich das finde, muß ich wahrscheinlich nicht erklären.

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