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In der Nacht träume ich, dass ich nach Hause komme und die Vermieterin in meiner Wohnung steht, die sie während meiner Abwesenheit unbewohnbar gemacht hat. Bad und Küche liegen in Trümmern.
Anstatt sie zu fragen, wie sie sich Zutritt zu den Räumen verschafft hat, beschimpfe ich sie auf vulgärste Weise. In ihrem Gesicht zeichnet sich große Genugtuung über meine Entgleisung ab. Sie lächelt zufrieden. Erst da erkenne ich, dass sie meine Mutter ist.

 

 

 

 

Bild: diadàLizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

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Vom Anfang bis zum Ende der Corrida saß sie in angstvoller Spannung, erfüllt von Schrecken, der Ausdruck eines unüberwindlichen Verlangens war, einmal dabei zu sein, wenn einer der ungeheuerlichen Hornstöße, mit denen eine Stier in blinder Wut unablässig auf die Leere der roten Tücher einstürmt, den Torero in die Luft warf. Hier ist im übrigen zu sagen: wenn das furchtbare Tier ohne langen Aufenthalt und ohne Ende wieder und wieder unter der Capa hindurchschießt, nur einen Fingerbreit von der Körperlinie des Toreros entfernt, ahnt man das Gefühl einer totalen und wiederholten Projektion, wie sie dem physischen Liebesspiel eigen ist. Und in der gleichen Weise empfindet man hier die Nähe des Todes. Solche Folgen von glücklichen pases sind selten und entfesseln in der Menge ein wahres Delirium; die Frauen erleben in diesen pathetischen Momenten einen Orgasmus, so sehr spannen sich die Muskeln ihrer Beine und ihres Unterleibes.

Georges Bataille, Das Obszöne Werk

Bild: diadà
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

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You could see silver fillings turn
To gold and other supernormal dental happenings.

Nach der ersten Spritze war mir schwummrig, nach der zweiten schlecht. Die dritte und vierte habe ich dann kaum noch gemerkt. Gewundert aber habe ich mich, dass überhaupt soviel gestochen weden muss, wenn doch nur zwei Kronen ersetzt werden sollen. Musste aber wohl, weil die Zähne darunter noch leben. Nagut.

Ich habe keine Angst vor dem Zahnarzt, obwohl ich durchaus Gründe dazu hätte, nachdem mir vor Jahren ein Dentist im Benjamin-Franklin versehentlich (so hoffe ich), eine sogenannte Via Falsa gebohrt hat. Bemerkt hat er dies allerdings nicht und als ich laut aufschrie, während er mir den Bohrer in den Knochen statt den toten Wurzelkanal jagte, behauptete er das könne überhaupt nicht wehtun, da sei ja gar nichts mehr lebendig.

Über die Knochenhautentzündung, die wochenlangen Schmerzen, die nachfolgenden Eingriffe und den Verlust von 3 Zähnen, möchte ich weiter nicht schreiben. Gehabte Schmerzen.
Vier Spritzen also heute, und jetzt bin ich so erschöpft, dass ich gar nicht mehr über meine Kreislaufachterbahn, das gruselige Guantanamo-Besteck, den schusseligen Hospitanten vom Boys-Day, über  Silikon & Alginat und über die beachtliche Körpergröße meines Zanharztes berichten kann.
Die Behandlung hatte mit 90 min Spielfilmlänge, ich hatte keine Langeweile und das Ganze hat mich keinen Cent gekostet.

Kamma nich meckern.

 

(P.S. Das Bild hab ich im Liegen aufgenommen. Das Gemälde hängt an der Decke über dem Behandlungsstuhl. Wer reinzoomt sieht im Mund das Universum und die funkelnden Sterne).
Musik zum Text:


Lard- Can God Fill Teeth (youtube-Direktlink)

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Früher atmete es nachts unter meinem Bett. Tiefe Züge eingesogen von einer großen feuchten Lunge, einem Blasebalg.
Damals schrieb ich noch Briefe an einen Mann, dem ich nichts zu sagen hatte, wenn wir uns sahen, mit dem ich jedoch einvernehmlich schweigen konnte, nebeneinander sitzend, mit blinzelndem Blick auf die Welt.
Anfangs hatte ich in Erwägung gezogen mit ihm zu schlafen, wie ich das damals bei jedem Mann tat, den ich traf, doch ich hatte mich dagegen entschieden um nicht die Energie zu gefährden, die uns schreiben und schweigen ließ. Stattdessen schlief ich mit seinem Freund, der am gleichen Tag wie er Geburtstag hatte. Das musste reichen und auch darüber verloren wir kein Wort. Wenn wir drei uns zufällig am gleichen Ort begegneten standen wir beieinander  wie Skulpturen und kein Außenstehender hätte ahnen können was uns verband.

Irgendwann zog er nach Köln.

Damals schrieb ich ihm von dem nächtlichen Atmen unter meinem Bett und von den groben Kordeln, die der Physiotherapeut durch mein Zimmer gespannt und auf die er  längsgespaltene Möhren gesetzt hatte. Davon, wie ich an einer Blume gerochen hatte, deren Blütenstaub meine Nasenspitze gelb eingefärbt hatte und wie ich auf dem Hügel oberhalb der Stadt einen Tobsuchtsanfall bekommen hatte, weil der Physiomann darüber gelacht hatte. Ich schrieb ihm von der Briefbombe, die ich meiner Mutter eines Tages schicken würde und von der Sehnsucht, die ich nach Caracas hatte, einem Ort, an dem ich noch nie war und von dem ich nicht einmal ein Foto gesehen oder je einen Reisebericht gelesen hatte.
Es machte mir nichts aus, dass er mir niemals antwortete auf diese Geschichten. Im Gegenteil. Es zeigte mir, wie gut sie bei ihm aufgehoben waren.
In einem meiner Briefe erzählte ich ihm auch von dem Kran, dessen Ausleger die Lücke im Wald hinter dem Müllheizkraftwerk optisch verschloss wie ein Deckel, und davon, welche ästhetische Zufriedenheit mir dies schenkte. Etwas, das ich erst bemerkte, als ich es zu Papier brachte. Wie so vieles.

Vom Selbstmord der Nachbarin berichtete ich ihm, und vom tagelangen Klingeln ihres Telefons, das diesem vorausgegangen war. Davon, wie die Feuerwehrleute schließlich die Leiter an meinen Balkon anlegten und einer nach dem anderen über die Betonbrüstung stieg, um von dort nach nebenan zu gelangen, wo sie den Tod der jungen Frau feststellen würden, derweil ich im Schneidersitz auf dem Bett saß, im dünnem Röckchen und mit aufgeknöpfter Bluse an diesem schwülheißen Tag und starrte, weil ich nicht reden konnte. Aus den Boxen sprach Linton Kwesi Johnson mit tiefer Stimme zu mir und einer der Feuerwehrmänner hob verlegen die Hand zum Gruß. Die schwarze Katze indes war längst unter das Bett gekrochen, zu dem schlafenden Blasebalg, den sie weniger fürchtete als die Uniformierten.

Später besuchte der Briefeleser mich in Berlin. Er hatte inzwischen zwei Bücher veröffentlicht, über die wir nie sprachen.
Stattdessen topften wir meine Pflanzen um und hängten gemeinsam die leichten Sommerkleider auf die Leine, die ich damals trug. Manchmal rauchten wir auch oder tranken schweigend ein Bier.

An einem Abend strich er mir die Haare aus dem Gesicht. Es war das einzige Mal, das er mich berührt hat.

 

 

 

 

 

 

Bild: Manu, Sonnenbraut und Gewitterhimmel
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Bierpinsel

Einmal durch Mitte gefahren, am wachsenden BND mit seinen 100.000 Schießschartenfenstern vorbei. Gegenüber polierte Vollbartglatzen mit Tattooärmeln beim Verspeisen von Hasir-Burgern, gleich daneben das neue und viel beworbene Titanic-Hotel von denselben Betreibern wie die Burgerbude. Den als Palme getarnten Abhörmast vor der Zentrale des Nachrichtendienstes (Beamtenhumor, sagt die Malerin) hab ich nicht gesehen, zu abgelenkt war ich vom seekranken Hund, der sich auf den neuen Gap-Filler erbricht. Gutes Teil, leicht abzuwischen.

Die Chausseestraße entlang schaukeln wir weiter, draußen weht der Polarwind über die sonnenbeschienene grün getupfte Stadt hinweg (Schnee wird erwartet Anfang der Woche – wen wundert´s, nach dem Tod des Prinzen), als plötzlich der Kulissenschieber das Wedding-Bühnenbild vor die Totalitarismus-Szenerie setzt. Endlich wieder Spielcasinos, Handyläden, Ramsch und Kleingewerbe. Richtiges Leben, echtes Berlin. Auch die gute alte (denkmalgeschützte) Beamtenlaufbahn ist noch da. Leider wird sie bald Geschichte sein, der Sichtachse wegen.

Immer weiter fahren wir durch den wunderbaren Wedding towards the totally traumhafte Tegel als ein Flugzeug im Landeanflug knapp mit seinem Fahrwerk am Autodach entlangschrappt, dass die Funken sprühen und der Wagen ins Schlingern gerät. Ich ducke mich unter dem nachgebenden Blech weg, wir finden zurück auf unsere Spur. Die zur Hilfe eilenden Sanitäter können wir nur mit Mühe und durch Überfahren mehrerer roter Ampeln abhängen. Yeah! So erreichen wir Tegel. Am Saatwinkler Damm, muss ich an Herrndorf denken, der sich hier, am Hohenzollernkanal, seines Tumors entledigte. Mit einer Pistole mittenmang. Er hatte keine Wahl.
Der Anästhesistenschwager vom Lateinamerikaner hat unweit ein Boot im Wasser zu liegen, wie der Berliner sagt. Seiner Einladung dorthin bin ich nie gefolgt. Netter Mann mit giftiger Frau. Anstrengend.

In Siemensstadt am Siemensdamm zerfällt die alte Siemensbahn und die tikerscherk fährt mit dem tikermobil und dem tikermann weiter Richtung Autobahn, während der tikerhund hinten im Fong zusammengerollt auf seinem brandneuen Gapfiller schläft. Allet jut.

Die Auffahrt hochgebrettert sind wir inzwischen auf der Stadtautobahn. Uralte Werbung ruft uns von den bemalten Brandmauern neben der Piste zu. Hier ist Gestern, ich hatte solche Sehnsucht nach dir. Auch am stillgelegten ICC fahren wir vorbei, dem riesigen schlauchigen Klotz. Da sind jetzt Flüchtlinge drin, sagt der tikermann, der Betrieb als Kongresszentrum lohnte nicht mehr. Ich schlage vor das Ganze mit Bauschaum zu füllen, oder mit Betong, um es äußerlich zu erhalten, und untendrunter ein paar Heizrohre zu installieren, damit nichts kaputt geht im eisigen Winter. Man sollte eine Ausschreibung machen für die besten Füllideen, denke ich. Es könnten durchaus auch verschiedene Werkstoffe gleichzeitig zum Einsatz kommen, wobei ich Betong, wie immer, bevorzugen würde.
Und den Flüchtlingen soll man bitteschön eine schicke Unterkunft in der Innenstadt geben, zum Beispiel in Riehmers-Hofgarten, oder im halberbauten Schloss, statt sie irjendwo jwd unterzubringen.
Jetzt erreichen wir Steglitz. Als wir am Bierpinsel vorbeizuckeln jubeln wir vor Freude ob seiner ungewöhnlichen Architektur. Das Ding, von dem gleichen Architektenpaar wie auch das ICC erbaut, sieht super aus, da sind wir uns einig. Schönster 70er Jahre Brutalismus.
Wenn man das bloß wieder orongsch anpinseln und in Betrieb nehmen täte. Das wäre was. So ist das nichts und überhaupt wird heutzutage einfach nicht mehr mutig gebaut (sagt die Malerin mal wieder, deren Bruder Architekt ist).

Wie schön Friedenau ist!, denke ich, als wir die bürgerliche Idylle in Gründerzeit und Jugendstil-Pracht durchqueren, und schon sind wir am Insulaner, dem Mont Klamott aus Trümmern des Zweiten Weltkrieges, mit Sternwarte, Planetarium (sowie Freibad im Sommer), und fahren quer über die Rote Insel. Die Königin-Luise-Gedächtniskirche am Gustav-Müller- Platz ist eingerüstet und von einer Plane verdeckt. Wie ein dicker Parboiled-Knödel liegt der Sakralbau, der nichts als eine einzige wuchtige Kuppel ist, auf einem viel zu kleinen Teller zwischen den Häusern und dampft.

Ich erinnere mich an einen Friseurladen, den es mal irgendwo hier in der Nähe gab, in dessen Vitrine Kastrationswerkzeuge ausgestellt wurden und dessen Betreiber sich, so ging die Mär, in exzessiven Orgien den Mund zunähen (er trug Vollbart) oder sich die Hoden mit einem Hammer zu Matsch schlagen ließ.
Der tikermann zuckt, als ich es ihm erzähle und wir wundern uns über mancherleuts Vorlieben.

Zurück nach Kreuzberg zieht es mich nun, nirgendwo ist der Kaffee besser als Zuhause oder in der Oppelner Straße beim Neuseeländer. Ich entscheide mch für ersteres. Und während ich mir zwei große Becher in kleinen Schlucken zu Gemüte führe, ratzt der Eine nebenan im Schlafzimmer ein wenig. Sein vertrautes Nachmittagsschnorcheln gehört zur Sonntagskulisse wie die Glocken der St. Thomaskirche am Mariannenplattz.

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Bierpinsel, Markus Stöber
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

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Der Wind trägt die schwebenden Klänge des Carillons von der Uferseite zu uns herüber. Verzaubert liegt der große Tiergarten in der Nachmittagssonne. Die Beine in die Luft gestreckt schubbert der Hund seinen Rücken im Gras und schnaubt. Mein Blick geht über die Wiese zu den Sträuchern und dem kleinen Hain dahinter und wie in jedem Jahr staune ich, wie grün das Grün ist, wenn es nach dem Winter die silbriggraue Rinde der kahlen Äste durchstößt.

Ich muss an den Obdachlosen denken, der hier im vergangenen Jahr sein Lager zwischen den Bäumen aufgeschlagen hatte. Den Sommer über lag er manchmal mit geschlossenen Augen auf der Wiese, neben ihm ein altes Fahrrad. Seine anderen Besitztümer waren irgendwo im Gebüsch versteckt. Im Spätherbst, als der Nebel sich auf die Wiesen senkte, sah ich ihn einmal ein Feuer dort im Unterholz machen. Es dunkelte schon, der Park war ausgestorben und er schien sich allein zu wähnen. Auf unerklärliche Weise muss er meinen Blick, vielleicht auch meine Besorgnis, wegen der offenen Flammen gespürt haben, denn plötzlich drehte er sich um, sah mich an und legte einen Zeigefinger auf seine Lippen. Ich nickte.
Ich hoffe, dass sich das Blatt für ihn gewendet hat.

Im Rasen vor mir entdecke ich die tiefe Narbe im Gras wieder. Die Wunde, die Widmung, das Herz. Geschnitten von Unbekannt im vorletzten Sommer, als die Liebe noch blutete.
Auch damals saß ich hier, ließ den Hund seine Runden drehen und bangte mit klopfendem Herzen. Ich wusste nicht wie wir uns waren, als das Abendkonzert begann und eine kühle Stimme mir ins zitternde Ohr sprach. Die Glockentöne beruhigten mich, beinahe wie eine Heimat. Wer hätte geglaubt, dass selbst dieses Jetzt sich zu einem Gestern wandeln würde.

Alles vergeht und bleibt als Bild.

Auf der Wiese sitze ich und erinnere mich. Ein leichter Schmerz ziept an meiner Seele. Wind kommt auf, mich fröstelt. Fast menschenleer liegt der Park zu dieser Stunde, nur ein paar Radfahrer kreuzen ihn entlang der großen Alleen. Zeit für mich aufzubrechen.

Im Flora-Rondell reitet die Amazone noch immer in Richtung Osten, die Streitaxt in der Hand sitzt sie zu Pferd, das klare Gesicht zuversichtlich nach vorne gerichtet, die tiefstehende Sonne im Rücken. Gemeinsam mit ihr mache ich mich auf den Heimweg, denn es will Abend werden und lange Schatten legen sich auf den ausklingenden Tag.

Als ich auf den 17. Juni hinaustrete drehe ich mich um und werfe einen Blick in Richtung Westen, wo die Siegesgöttin auf ihrer Säule im goldenen Licht triumphiert, dahinter mirabellengelb der Himmelssaum unter sterbendem Blau.
Vorbei gehe ich an der riesigen Bronze des Rotarmisten im langen Mantel und mit geschultertem Gewehr. In seinem Rücken die Gräber abertausender gefallener Soldaten.

Die Quadriga ist nicht mehr weit.

Hinter dem Tor treffe ich dich. Du lächelst. Ein Ausdruck, der abhanden gekommen schien über den Winter. Ein seltener Gast.

Ich reiche Dir die Hand.

 

 

 

 

 

 

Bild: sczscz, Tiergarten Berlin
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

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Wenn ich eine bessere Kamera dabei gehabt hätte, könnte man jetzt sehen, wie schön im Plänterwald der Bärlauch blüht. Ein würzig duftender Teppich.
Die Hunde hatten Freude und ich mit jedem Atemzug mehr Hunger. Wer Zeit hat sollte unbedingt in den nächsten Tagen hingehen. Bald ist der Zauber vorbei.

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Um´s mal zusammenzufassen: es könnte so einfach sein, wenn es nur ein wenig einfacher wäre. Was glücklicherweise, bzw. wenn man an einen freien Willen glaubt, was ich nicht tue, ganz allein vom Menschen (und nicht etwa von Fügung) abhängt und bestimmt wird, welcher wiederum im schweren Joch seines Gemütes gefangen bzw. in selbiges eingespannt ist. Schwierig das.

Wenn man nur nicht so verflucht empfindlich und darüber hinaus übelnehmerisch und nachtragend wäre, hätte der Spassss auf Erden kaum noch ein Ende. Und der Frieden erst, was nicht zwingend das Gleiche ist und schon gar nicht das Selbe. Nicht auszuhalten so viel Gleichklang und eben deswegen auf den ersten Blick nicht weiter erstrebenswert. Ein bisschen Streit geht immer.

Man stelle sich vor wie einer dem nächsten ins Gesicht schlägt und dieser ihm als Antwort gleich noch die andere Wange —- geschenkt, man muss es nicht übertreiben mit der Nachsicht. Kleine Brötchen backen, Schritt für Schritt zum Menschenfreund. Youtube-Tutorials anschauen oder mein Blog lesen, denn ich liebe die Menschen. Knuff, knuff.

Wussten Sie schon, dass alle 2 Minuten in Deutschland ein Blogbeitrag geschrieben und alle 3 Sekunden eine Flunsch gezogen wird (sic!) Ein Missverhältnis, das zum Himmel schmollt schreit, wie weiland Kentucky, jene Chickenbräter, im Europa-Center am Breitscheidtplatz ansässig, in deren Lokal früher oft ein dauerknutschendes Pärchen herumhing, das arglose Touristen ausnahm, indem es ihnen, oben küssend und unten fummelnd, die auf dem Boden abgestellten Einkaufstüten und Taschen leer räumte, derweil ihre Opfer Flügel und Schenkel der goldbraunen Brätlinge bis auf die Knochen abnagten. Hinterher sah man die beiden oft am Klops stehen, neben all den anderen Junkies, und sich um ihre Beute zanken. Womit wieder eindrücklich belegt wäre, wie nah Frieden (knutschen) und Krieg zusammenliegen.

Aus lauter Liebe übrigens, um das Thema wechselnd gleich dabei zu bleiben und zusätzlich wieder anzuknüpfen an den Anfang dieses Textes, immer getragen von der Hoffnung, dass die werte Leserschaft, die über den Winter schlimmes ertragen musste in diesem, meinem düsteren Blogmorast, den der Frühling und später dann hoffentlich der Sommer nach und nach trockenlegen und in eine blühende Oase verwandeln werden, dass also die geduldige, treue und liebenswerte Leserschaft (die Philanthropin spricht) Freude empfindet, vielleicht auch Spaß hat, am den Dingen, die ich mir hier aus den Rippen leiere, vom Herzen schreibe und aus den Fingern sauge, aus lauter Liebe jedenfalls, habe ich mir vorgenommen Norddeutsch zu lernen, um endlich verstanden zu werden und vor allem um selbst auch besser verstehen zu können. Im Norddeutschen, so las ich im Duden, sagt man „eine Flappe ziehen“, und meint damit die oben erwähnte Flunsch. Nicht zu verwechseln mit der Fluppe, nämlich der Kippe, die der Norddeutsche schweigend und mit undurchdringlichem Blick und gerunzelter Stirn raucht, wenn es in seinem überaus klugen Gehirnkasten arbeitet.
Da der Norddeutsche vornehm ist und kein Verständnis hat für verbale und mimische Extrovertiertheiten und Extravaganzen, endet mein Sprachkurs an dieser Stelle leider schon. Wozu sprechen lernen, wenn die Antwort Schweigen ist, eine viel größere Lernaufgabe übrigens.

Irgendwann wird das Norddeutsche aussterben, glaube ich, denn wer sollte etwas lehren, was niemand spricht?  Ein Wunder, dass sich unter dieser verbal niedrigen Tide überhaupt so etwas wie Sprache entwickeln konnte.

So lasse ich diesen halbgaren und fragmentarischen Text mit einem herzlichen Moin, moin! ausklingen, nicht ohne die besorgte Leserschaft zum Abschluss noch zu beruhigen: der Segen hängt gerade im Hause tikerscherk und ab morgen wird auch wieder gesprochen.

 

 

 

 

 

Musik zum Text:

(youtube-Direktlink)

 

 

Bild: diadà
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/
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