Parke bene

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Es sind nicht viele Dinge, die mich rückblickend plagen.
Das meiste erscheint mir ganz richtig, so wie es war.
Nur einmal, da haben die Kinder ein anderes Kind in der Tiefgarage eingesperrt. Es hat geweint und ich habe ein Stück entfernt gestanden und nichts unternommen und nichts gesagt. Nur geschaut, obwohl ich wusste, dass das falsch war.
Bald darauf kam ein Auto, das Gitter fuhr hoch und das Kind war wieder frei. Trotzdem weinte es, weil es zu spät nach Hause kommen würde.
Meinen Eltern habe ich nicht davon erzählt.

 

 

 

txt, das vierzehnte Wort: Gewissen

 

 

 

 

 

17 Kommentare zu “Parke bene

  1. Deine Gedanken kann ich gut verstehen, ich habe auch so eine „Kleinigkeiten“, die ich nicht vergesse, noch aus der Grundschulzeit. ich kann nur sagen, du musst dir selbst verzeihen.
    Einen lieben Abendgruß sendet
    Marlis

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    • Danke für Deinen Kommentar.
      Wahrscheinlich hat Jede/r Erinnerungen an unrühmliche Handlungen.
      Ich habe mir verziehen, aber manchmal habe ich die Bilder im Kopf und es tut mir immer noch Leid für dieses Kind.
      Es war ja mehr als das Eingesperrtsein, es war vor allem eine Ausgrenzung.

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  2. Kinder sind oft nur Beobachter und haben oft Angst selber Opfer zu werden. Sie akzeptieren auch, was andere Kinder tun. Kinder denken, es muss so sein.

    Überall sehen Kinder, das Strafen ausgeteilt werden und wissen einfach nicht, dass dies nicht so sein sollte.

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    • Bei mir halten sich die Momente der Scham in Grenzen, aber die paar Bilder die mich immer wieder verfolgen reichen schon.
      Selbst wenn ich mir zugestehe ein Kind gewesen zu sein, erschreckt es mich trotzdem, was so in mir „steckt“.

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  3. Ich kann’s auch verstehen. Ich hatte mal eine so ähnliche Situation und damals, ich war etwa 8, fand ich es richtig. Ich machte ja nicht mit, ich stand ja nur da.

    Das war bei uns so: S. hatte panische Höhenangst. Wirklich. Alle Kinder freuten sich beim Jahrmarktausflug aufs Riesenrad und sie hatte so Angst, dass sie psychosomatisch reagierte. S. hatte auch große Angst vor dem Aufzug. Wir anderen fuhren immer, das ging schneller. Nun mussten wir eines Tages einen Projektor aus dem Lehrerzimmer holen, vier von uns, zwei andere Mädchen, S. und ich. Der musste natürlich per Aufzug in den 2. Stock. Kurz davor fielen uns die Folien oben runter. Ich hob sie auf, hatte aber nicht gesehen, dass da schon die nächsten runterfielen. Die zwei anderen schoben den Projektor in den Aufzug und sagten zu S. sie soll nur dabei stehen, er fährt nicht. Zuerst dachte ich auch, sie steht in den Schranke, dass wir reinkönnen. Dann habe ich gesehen wie eine der anderen beiden den Knopf drückte. Ich tat nichts. Sie schrie auch sofort als die Tür zuging. Aber ich bin einfach da gestanden und hielt diese Folien und hatte im Kopf, dass ich es ja nicht war. Mich hat auch später keiner dafür drangekriegt. Was mir aber lange auf dem Gewissen gelegen hat (allerdings erst Jahre später), wie fertig S. oben ankam. Dass ich, die selber genügend „Hänseleien“ derart abbekommen hatte, nichts dagegen gemacht habe. Ich hatte sie oben noch nichtmal beachtet, nur die Folien weggetragen. Nicht mal einen Lehrer wegen der Kotze geholt oder irgendwas. Das konnte ich mir erst vergeben, als mir Jahre danach jemand aus ihrer Familie sagte, dass sie wusste, dass die zwei sowieso nicht auf mich gehört hätten, es hätte für sie alles noch schlimmer gemacht, wenn ich einen Eingriff versucht hätte.

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    • Wie lange diese Erlebnisse nachwirken und wie detailgetreu Du Dich daran erinnerst.
      Es nützt nichts: man muss sich das einfach verzeihen und versuchen es zu vergessen. Dort, wo eine Entschuldigung möglich ist kann man sich vielleicht auf diese Weise entlasten.

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      • Das sehe ich auch so. Bei ihr war es nicht möglich mit einer Entschuldigung als direkte Handlung, dafür gab es was anderes, das für mich genau so gut funktionierte. Als mir die Situation als Erwachsene zum ersten Mal vor Augen stand, richtig mit der schreienden S. „Hilfe! Helft mir! Helft mir doch, ich sterbe!“ – die hatte also extreme Angst – und allem war ich in der Inventur wie sie in der Suchthilfe verstanden wird und zuerst dachte ich, dass mir diese Erinnerung sagen wollte „Siehe da, böse, hinterlistige dergl“, dann fiel mir aber ein, was mir ja später ihre Angehörigen gesagt haben und dann änderte sich das in meinem Kopf zu „Es war genauso okay wie es war“, denn wenn ich in dem Moment irgendwas getan hätte, selber gerufen, versucht zeitgleich über die Treppe nach oben zu kommen (unmögliches Unterfangen), ich hätte alles nur noch schlimmer gemacht, weil in so einer Paniksituation natürlich der kleinste Trigger, die „nächste Runde“ in Gang setzen kann.Abgesehen davon hätten dann vielleicht die anderen zwei nachgelegt. Bei uns war – glaube ich – durch den Kontext dieser Schule und den sehr strikten Rollenbildern vieles unproportional, im guten wie im schlechten Verhalten. Es hat also nicht gereicht „bis eine/r heult“, der oder die hatte zu kriechen. Und wenn dann eine/r so eine Schwäche hat…

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