comédie kreuzbergienne


Um 4 Uhr morgens erwache ich mit starkem Herzklopfen. Schweißgebadet ringe ich nach Luft.
Mein Traum: Bushido plant, zusammen mit 4 Komplizen, einen brutalen Überfall auf Irgendwen. Beim Gießen der Pflanzen auf der Dachterrasse werde ich zufällig Ohrenzeugin dieses Komplotts.
Das ist Mord, was ihr da vorhabt!, werfe ich Bushido vor, der der Anführer der Gruppe zu sein scheint. Er dreht sich maliziös lächelnd um, mustert mich geringschätzig und antwortet in süffisantem Ton: Nein, das ist Notwehr.
Hohoho! Seine Freunde lachen laut.

Dieser Traum kann unmöglich verantwortlich für meinen Zustand sein, denke ich. Ist ja nix passiert, außer martialischem Getue.
Der Hypochonder in mir macht mich darauf aufmerksam, dass ich innerlich zittere und mein Gehirn sich kalt anfühlt, so als hätte ich Amphetamine gezogen. Außerdem ist mir schwindlig.
Wenn das mal nicht was Schlimmes ist. Was richtig Schlimmes.

Bumm, bumm, bumm, schlägt das Herz.

Angst steigt auf. Atemnot.
Schwachsinn, höhnt der innere Arzt. Spät ins Bett, Rotwein im Kopf, schlecht geträumt, da kann man sich schon mal elend fühlen. Hangover. Normal.
Aha? Ist das so? Deswegen auch das kalte Hirn, ja?, hakt der Jammerlappen nach.

Bamm, bamm, bamm

Psycho. Das ist psycho. Panikattacke., entgegnet mein Arzt.
Was soll das denn heißen?
Was weiss ich? Vielleicht hast du Probleme.
Ne. Nicht mehr als sonst auch.
Siehste.
Bin doch nicht psycho. Und Panik hab ich auch keine. Warum auch?
Nein, hast du nicht? Sieht aber so aus. Herzklopfen, Atemnot, Schweißausbruch, inneres Zittern.
Hab halt schlecht geträumt.
Und so furchtbare Angst vor dem bösen Bushido bekommen? Armes Purzelchen!
Spar dir mal deine bescheuerte Ironie! Möglicherweise hab ich Schlafapnoe?
Na, das müsste aber schon mal jemandem aufgefallen sein, wenn dir nachts sekundenlang die Luft wegbleibt.
Wie soll das denn jemandem auffallen, der auch schläft? Außerdem hab ich das vielleicht erst seit heute.
Gut. Du hast Schlafapnoe. Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit würde schon passen…Holste dir ein Sauerstoffgerät, dann wird das kalte Hirn auch wieder besser belüftet.
Mach mal halblang! Ich schlaf doch nicht mit Maske und Schlauch am Kopf!
Wieso nicht? In deinem Zustand.
Weil. Zustand..?
Dann nicht. Musst du dich halt weiter schlecht fühlen. Im schlimmsten Fall: notschlachten.
Lustig. Außerdem fühl ich mich ja gar nicht immer schlecht, sondern nur heute Nacht.
Prima. Was redest du dann für einen Stuss von was ganz Schlimmem? triumphiert der Arzt.

Dem Hypochonder fällt nichts mehr ein.

Schweigen.

Inzwischen hat sich mein Herzschlag normalisiert. Entspannte Atmung. Nur der Kopf fühlt sich weiterhin kalt an.
Ungeheiztes Schlafzimmer. Draußen Minusgrade.
Ich schalte die Glotze an.
Im Ersten rattert der Glacier-Express von Zermatt nach St. Moritz.
Im Führerstand fahren wir mit, durch die beeindruckende Berglandschaft.
Tiefe Schluchten, liebliche Täler, imposante Brücken und immer wieder Tunnel. Lichtdurchflimmerte Bilder, wechseln sich mit wohlig-erdiger Dunkelheit ab.

zuckel
ruckel
schaukel
ratter
ratter
ratter
rrr

Das leise Rumpeln lullt mich ein, und ich falle in einen tiefen traumlosen Schlaf, aus dem ich erholt erwache.

Manche Dinge sollte man nicht allein zergrübeln, sondern besser gleich mit seinem Arzt besprechen.

3 Kommentare zu “comédie kreuzbergienne

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