wicked game

Die Tage sind lang, hell und staubig.

Ich esse eiskalte, filettierte Grapefruitschnitze (bittersweet) und schlafwandele unter dem weichen Sprühregen meines Pumpsprays durch den glühenden Kiez.

Der neue Rechner vibriert beim Laden wie eine Maus und ich erinnere mich, wie der Kanzler laut aufschrie, als ich ihm in einem längst vergangenen Leben eine meiner Mäusebabies auf die Hand setzte. Ich lachte.
Später stand ich in meinem Zimmer mit dem in die Dachschräge eingepassten knallroten Einbauschrank, in dessen Inneren sich eine Steckdose befand, die es mir ermöglichte meinen Kassettenrecorder darin anzuschließen und im Dunkeln, unter meiner Kleidung sitzend, Musik zu hören. Ich stand also vor dem Spiegel der alten Waschkommode, betrachtete meine Beine, unten donnerte der Bus vorbei, hörte Don´t stop till you get enough und tanzte dazu.
Eines Tages würden auch diese Beine alt und fleckig sein und ich würde sterben. Wie traurig das war.

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In der Apotheke wird ein Mittel gegen Scheidenpilz mit dem Slogan Au revoir Scheidenpilz beworben. Unter dem Aufsteller zwei Ping-Pong-Schläger mit dem Aufdruck des Herstellerlogos. Hm?

Im Grunewald brennt es.
Der Bekannte, der immer mehr zu einem Unbekannten verblasst, was er ehrlicher- und selbtgewählterweise und sehr zu meinem Gram, stets war und sein wollte, da half alles Bitteln und Bettln nichts, hat in 3 Tagen Geburtstag und ich frage mich, ob ich trotz des Kontaktabbruchs gratulieren kann und soll, oder besser nicht oder erst recht.

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Der Krieg geht weiter..

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Auf dem Mariannenplatz beschimpfen Menschen andere Menschen, weil sie Rassisten sind. Die Rassisten beklatschen die Schimpfenden, geben ihnen Recht und werden auch dafür beschimpft.

Ich treffe Jeff mit seinem Hund, wir gehen eine Runde und versuchen, wie immer vergeblich, ins Gespräch zu kommen.
Am New Yorck schrammelt das kiezbekannte Trio auf Gitarre und Bass herum, der Oberbayer singt mit dünner Stimme Wicked Game und ich liege wieder in der fränkischen Provinz auf dem Operationstisch, Kopfhörer in den Ohren und höre in der Ferne die Chirurgen anzügliche Witze erzählen. Unterdessen hat der Anästhesist sich in Diego Maradona verwandelt und hält den Beutel mit meiner Eigenblutspende durch schnelle Stoßbewegungen der Oberschenkel in der Luft. Chris Isaac jammert weiter und ich dämmere langsam davon.

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