Messy life in tidy boxes

Lügen, denke ich, als ich die Nachricht lese, sind ja an sich eine ganz okaye Sache solange sie im Rahmen bleiben, sich auf das Notwendigste beschränken oder den Unterhaltungswert einer Räuberpistole nicht unterschreiten. Lahme Lügen gefolgt von Beteuerungen indes sind, sofern nicht Angst, Schadensbegrenzung, Aufschneidertum oder Gefahrenabwehr der Motor waren, nichts anderes als Verrat und Vertrauensbruch.
Wer würde erwarten können, dass eine wie auch immer geartete Beziehung einen solchen Betrug (unbeschadet) übersteht. Niemand.

Niemand ist in den Brunnen gefallen, Keiner hat es gesehen.

Vorzeitig

Der Handwerker kommt, zunftüblich, früher als vereinbart, dafür aber mit leeren Händen. Wie auch nicht. Wenn´s nicht so wär, wär´s nicht mein Leben und ich nicht mal mehr meine leibeseigene Statistin, denn auch die ist immerhin und immer sie selbst in der jeweils ihr meinerseits zugedachten Rolle.

Also: achselzuckend und mit expressiv zerknirschtem Gesichtsausdruck betritt der vorzeitige Handwerker meine Wohnung (Nachtigall!), hat weder Werkzeug noch Kollege dabei, und will nur nochmal eben schnell die Nischen für die neuen Heizkörper in Augenschein nehmen (lassense sich durch mich nich störn) um gleich darauf festzustellen was er vor dem Betreten der Bude bereits wusste: der Großhändler hat die falschen Heizkörpa jeliefert und ne, dit passt nich und es nützt ja auch nichts wenn wir die jezze einbaun, passen ja nich, wär nur Murks, zurück geben könne man sie dann ooch nicht mehr. Wo er Recht hat.

Gut, dass wir nochmal gesprochen haben, sagt er schließlich, um dem ganzen Elend noch eine gute Wendung zu geben, denn die letzte Info sei ja gewesen, dass die alten Heizkörper dranne bleiben und zusätzlich neue einbaut werden. Aber nein, antworte ich, in einer Wohnung mit über 30 qm Fensterfläche, 10 qm Türen, Winkeln, Nischen und runden Ecken ist kein Platz für eine zweite Garnitur Heizkörper, insbesondere dann, wenn diese nicht funktionieren.

Ist klar, sagt der Mann und nickt verständnisvoll, dann gehen wir das Ganze einfach nochmal von vorne an. Nur wann, das weiß er leider nicht. Handwerkermangel, Auftragsschwemme, Winter, Sie verstehen.
Aber ja, antworte ich, so gleichmütig ich kann, dann melden Sie sich einfach bei mir, sobald die richtigen Heizkörper eingetroffen sind und sich ein passendes Zeitfenster bei Ihnen öffnet.

Als wir an der Tür stehen und Tölchen freundlich zum Abschied wedelt, erzählt der Installateur mir noch schnell von seinem Jack-Russell-Terrier. Etwa so groß wie meine Katze sei der oder die. Aber eine ganz Liebe dafür. Wir Hundemenschen verstehen uns, zwinker, zwinker.

So schnell kann´s gehen, denke ich, als der Mann gegangen ist und ich die freigeräumten Flächen wieder in ihren gewohnten Zustand bringe. Aus -versicht wird Sekundenschnelle Verzicht, aber was soll´s, ist ja eh bald Frühling und wer kräht dann noch einer intakten Heizung.

Everything is temporary, auch der Winter, und wer zwei Jahre warten kann, hat auch genug Sitzfleisch für das dritte Jahr.

 

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Zur Kenntnisnahme:

Neben Wir sind Helden und ihrem quietschvergnügten Smashhit Amélie, den ich heute im fensterlosen Bad auf Antenne Brandenburg  Flux Fm hören musste, missfällt mir außerdem das Wort Fuckfinger, die Geste Fuckfinger und das Eis Flutschfinger.

 

– versicht

Eine kluge Stimme hat mir das Bild des in die Wüste geschickten Sündenbocks geschenkt. Das hilft.

Ich möchte die geneigte Leserinnenschaft nicht langweilen mit Katastrophen menschlicher und büroratischer Natur. Meine Altvorderen waren Nazis, die Männer in meiner Familie sind es wieder oder noch. Soweit wäre immerhin das geklärt, und wenn ich Nazi schreibe meine ich Nazi. Selber würden sie das wahrscheinlich anders nennen. Aber man darf ja nirgends mehr seine Meinung sagen in diesem mainstreamdiktierten, intoleranten System und wieso sollte man nicht stolz auf sein deutsches Vaterland sein.

Was noch?

Dem lieben Tölchen geht es erstaunlich gut. Die genauen Befunde kommen Ende nächster Woche. Ich bin guter Dinge.
Auch die Tigerin ist stabil und verschmust.

Morgen soll nun endlich die lange ersehnte und hart erstrittene Heizung eingebaut werden. Das wird laut, dreckig, ungemütlich und kalt, doch sobald die Handwerker gegangen sind und der gröbste Schmutz beseitigt ist, drehe ich alle Rohre auf und spiele drei Tage lang  finnische Sauna.
Finnisch deshalb, weil ich heute von einer solchen Sauna, die über den Müggelsee tuckert und den Fahrgästen einheizt, während diese sich durch die Panoramafenster die winterliche Tristesse ringsum reinziehen, hörte.
Berichtet darüber hat der Berliner Radiosender Flux Fm, der inzwischen ähnlich öde klingt wie Antenne Brandenburg, sich aber immerhin sehr hauptstädtisch cool dabei fühlt (fühlende Sender).

Da mein Bad fensterlos ist und ich klaustrophobisch bin, muss ich während meiner Körperpflegesessions leider durchgehend Radio hören, statt mich dem Rauschen der Rohre hinzugeben. Die Stimmen, die aus dem gelben Kasten zu mir sprechen (gelb ist meine Lieblinsgfarbe, ist mein Boden, war mein gepunkteter Zahnputzbecher, ist die Sonne, sind die Quitten, ist der Mohn) vermitteln mir das beruhigende Gefühl, dass weder Atomkrieg noch sudden outbursts of pain Lava im Begriff sind die Welt wie wir sie kennen zu vernichten, und dass bereits geplündert und gebrandschatzt wird, während ich mich noch in Form bringe, um später gepflegt zu Rossmann gehen zu können

An manchen Tagen stelle ich sogar Deutschlandfunk an und fühle mich beim Betrachten meines Gesichtes im Spiegel wie Jemand, der spielt erwachsen zu sein.

 

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Eine Mail informiert mich darüber, dass anderswo in der Welt ein Rohr geplatzt ist, was die Residents der Reichenverwahrsilos dazu zwingt, sich selbst mit eimerweise Wasser aus den Pools zu versorgen, bis Rettung naht.
Die Qualität des Wassers stelle ich mir ähnlich appetitlich vor, wie die von Erdnüssen auf Bartresen und so überkommt mich ein sehr spezielles Mitgefühl mit den Opfern dieser schlimmen Havarie.

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Weiterhin frei ist übrigens meine kortisonbesprayte Nase. Deutlich kann ich den Qualm des Nachbarn riechen, der aus dem Treppenhaus durch meine Türritzen dringt und sich mit dem Duft des frisch gemahlenen Geburtstagskaffees zu einer lange nicht mehr gerochenen End-of-century-Melange verbindet. In angenehme Gedanken versunken schaue ich über meinen Tassenrand hinweg in den großen Garten, wo aufgebrachte Spatzenhorden bereits den nahenden Sonnenuntergang herbeizetern, derweil im Kindergarten nebenan noch immer gelacht und geweint und gespielt wird.

 

(Zuversicht heisst die Droge. Wirkt ähnlich wie Lachgas und hat  eine ebenso kurze Halbwertzeit).

always on my mind

Nun weiß ich nicht ob auf der anderen Seite ein Ohr ist, meine Worte zu empfangen. Ein Wille sie zu verstehen. Ein Auge, mich zu sehen.
Was mich eine Leben lang schon begleitet ist die Musik von Elvis, den ich andernorts gerne als meinen Vater ausgebe. Noch mehr, seit der Kanzler nicht mehr greifbar ist.

Zum Gedenken an den King und zur allseitigen Erbauung:

 

 

 

(youtube Direktlink)

Beben

Als ich aus dem Schlafzimmer in den Flur trete, finde ich die
Badezimmertür halb geschlossen. Vom Zwischenboden schimmert warmes Licht herab.
Schnell ist die nächtliche Lärmquelle gefunden. Auf einem großen Haufen liegen diverse  Bildbände am Boden. Kreuzberg obenauf.

Später im Bett lausche ich dem Rauschen der Rohre und hangele mich mit leichten Gedanken zurück in den Schlaf.

Ich weiß nicht mehr was ich geträumt habe, doch als ich erwache ist es weiss hinter meinen Lidern. Ich  bleibe liegen und döse mich unserem Abschied entgegen.

 

 

Ein einziges Mal nur beherzt den Zirkel ansetzen, das silberne Tanzbein gestreckt, und sich Pirouette um Pirouette in die Weite tanzen.

In entspannter Bereitschaft warte ich, einem Regenschirm gleich.