Leinenzwang

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Seit dieser Woche gilt überall in Berlin die Anleinpflicht. Ausgenommen davon sind lediglich ausgewiesene Auslaufgebiete. Wer seinen Hund trotzdem frei laufen lassen möchte, muss einen Sachkundenachwis erbringen.
Das Tier sollte dafür bestimmte Grundkommandos beherrschen, ohne Mucken an Kitas, Joggern, Briefträgern, Radfahrern usw. vorbei gehen, darf nicht an der Leine ziehen und muss sich insgesamt tadellos benehmen.

Wurde Zeit. Wenn jetzt noch der einzelne Hund ab einem bestimmten Gewicht und einer festgelegten Köpergröße einen Wesenstest durchlaufen muss, statt ihn pauschal einer Liste zuzuordnen, die Hundesteuer entsprechend ins Uferlose zu schrauben und auf diese Weise dafür zu sorgen, dass die Tierheime voll sind mit den sogenannten Listenhunde, die wegen der bekannten Verurteilungen und Vorverurteilungen nur schwer vermittelbar sind, dann bin ich sehr zufrieden.
Gut gefällt mir auch, dass jeder Hundehalter von nun an ausreichend Kotbeutel mit sich zu führen hat. Es geht mir schon lange auf den Zeiger mitverantwortlich gemacht zu werden für die Deppen, die die Exkremente ihres Haustieres mitten auf dem Gehweg liegen lassen und dafür sorgen, dass jeder andere Hundehalter in Misskredit gerät.

Wer eine Kampfhunddiskussion mit mir anfangen möchte möge bitte weiter ziehen.

29 Kommentare zu “Leinenzwang

  1. Ach ja, und wenn doch alle, die lobenswerterweise die Kotbeutel benutzen, selbige auch noch in die Mistkübel werfen täten und nicht in den See, in den Bach, neben dem Gehweg aufgereiht, in die Wiese…Leider muß ich gestehen, daß uns vor Jahren, als es noch keine Kotbeutelstationen gab, auch mal ein Mißgeschick passiert ist: unsere längst verblichene geliebte Rosi (Cockerspanielin) ereilte eines Vormittags, als wir über den gerade blitzeblank gesäuberten Hamburger Fischmarkt gingen, ein heftiger Drang, sich einer riesigen Wurst zu entledigen, meine Güte, mitten auf dem Fischmarkt, und wir hatten nix dabei, nichtmal ein Taschentuch, wir sind schnell mit heftig schlechtem Gewissen von dannen geschlichen! Liebe Grüsse

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    • Uuuh, das war Euch sicher sehr peinlich.
      Ich hab nach ähnlichen Erfahrungen inzwischen immer etwas dabei, und wenn die Tüten ausgehen fische ich im nächsten Papierkrob herum und hole eine alte Zeitung raus. Wenn der Hund allerdings Durchfall hat nützt das auch nicht viel.
      Die Sache mit den benutzten Tüten ist schwierig. Ich lege die Tüten manchmal im Rinnstein ab, wenn weit und breit kein Papierkorb zu finden ist, und wegen der Flaschensucher stopfe ich sie inzwischen nicht mehr in die Müllbehälter sondern lege sie daneben.

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  2. Wie viele ihrer Leben haben deine Katzen an der Installation schon ausgehaucht? ;O

    Wesenstest ab bestimmter Größe/Gewicht seh ich etwas skeptisch, besser gleich für alle denk ich mir, weil das ein vernünftiges Training für Tier und Mensch voraussetzt. Auch nicht unproblematisch (Omma ihr ihre „Fußhupe“ wegnehmen will ich ja nicht), zumindest aber weniger willkürlich. Sonst: *unterschreib*.

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    • @ Stony

      Die Katzen sind intakt. Allerdings hat mein Bruder sich kürzlich einen Finger komplett durchbohrt, als er mir half das Ding wieder an die Wand zu nageln und dabei mit Wucht gegen einen der Spieße schlug. Das hat vielleicht geblutet!

      Die Gewichtseingrenzung beim Wesenstest zielt darauf ab, dass erst ab einem bestimmten Gewicht (meinetwegen 10 kg) ein Hund eine Beißkraft aufbringen kann, die überhaupt etwas anrichten kann. Ein Hund beißt ja frontal, also mit den Reißzähnen zu, und die schaffen es beim 5-kg-Hund
      nicht mal ein Wiener Würstchen oder ein hartgekochtes Ei abzubeißen.

      Da ist es dann auch beinahe egal ob der Hund bösartig ist oder nicht.
      Wenn ein Hund auffällig wird muss er sowieso zum Test.

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      • Autsch! Ich hoffe, daß ihm das eine Lehre war, ähhh, daß es ihm besser geht… ;)

        Danke für entkräften meiner Zweifel; soweit sich das auf die Beißerchen bezieht finde ich es durchaus sinnig. ‚Eigentlich‘ möchte ich zwar bei meiner Haltung bleiben, – aus den Gründen die Dinah und du weiter unten besprochen habt (FACK) – da dieses wohl aber nicht so einfach umzusetzen ist, wäre die Regelung die dir vorschwebt begrüßenswert, angesichts der leidigen ‚Alternative‘ die der Listenscheiß darstellt.

        Hast mich rumgekriegt überzeugt.

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  3. Folgende Fragen, weil ich nicht in Berlin ansässig bin:
    a) worin besteht der „Sachkundenachw[e]is“?
    b) was sind Auslaufgebiete – bzw. wie viele gibt es davon in Berlin?
    Ein Link wäre toll, dann lese ich es nach :-)
    Danke Dir.

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    • @Raul

      Danke für Dein Interesse an dem berlinspezifischen Thema.

      Als Sachkundenachweis gilt der Hundeführerschein.
      http://www.bhv-net.de/hundefuehrerschein.html

      Zu den Auslaufgebieten: auf einer Fläche von 890 qkm soll es 35 Plätze geben. Die Plätze, die ich kenne, sind fast ausnahmslos entweder schattenlose Sandgruben oder verschlammte Brachen ohne Wasser, Mülleimer oder Kotbeutelstation.
      Für viele, insbesondere kleine Hunde, ist es zudem sehr stressig mit wildfremden anderen Hunden auf einem kleinen Platz herumtoben zu sollen. Meine macht das jedenfalls nicht.
      Ich gehe mit ihr so oft ich kann in den weitläufigen Tiergarten oder andere große Parks und lasse sie dort laufen.

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  4. Ich find´s auch super. Hatte damals mit meinem spanischen 45-Kilo-Schäferhund eine Begleithundeprüfung gemacht. War ca ein Jahr trainieren in der Hundeschule und es hat ihm unglaublichen Spaß gemacht, was mir wiederum unglaublichen Spaß gemacht hat. Man kann Hunden einfach klasse zeigen, was man von ihnen will, ohne ständig an der Leine zu zerren oder wütend ihren Namen zu plärren. Außerdem hat die Hundeschule dafür gesorgt, dass wir viele Jahre ein tiefenentspanntes Miteinander hatten und er nie Stress mit einem anderen Rüden machte. Ist also nicht nur für die Besitzer und andere Berliner gut, sondern entstresst auch das Leben des Hundes. Verstehe nicht, warum sich da jemand drüber aufregt, man mag doch, dass es seinem Tier maximal geht. Und auch wenn´s abgedroschen ist: aber oft behören halt auch die Hundebesitzer in die Hundeschule.
    Und ja, ein Hoch auf die Kacktüte!

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    • Volle Zustimmung von A-Z.
      Hundeerziehung ist auch ein guter Schlüssel um im zwischenmenschlichen klare Grenzen setzen zu lernen.
      Wenn ich dem Hund eine gute „Chefin“ bin, sorge ich dafür, dass er ein entspanntes Leben hat. Nur der unsichere Hund beisst.

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  5. Unbedingt altdeutsche Schäferhunde oder Wolfsspitze. Wobei Wolfspitze einfach gerne mal Kläffer sind.
    Altdeutsche Schäferhunde hingegen lagern genüßlich im Hof, hören das Auto vom Herrchen schon auf drei Kilometer, lassen sich von Kindern am Schwanz durch die Gegend ziehen – aber wehe einer versucht der Familie Leid anzutun. Da kannste jeden Pit-Masif-Molosser-Bull dagegen in die Kinderkrabbelgruppe stecken. Außerdem sind diese sogenannten Kampfhunde dumm wie Brot.

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    • Dass die sogenannten Kampfhunde dumm wie Brot sind kann ich nicht bestätigen. Im Gegenteil- sie haben oft den typsichen Terriercharme und -witz.
      Wolfsspitze zeigen ein starkes Verteidigungsverhalten, was in einer dicht besiedelten Stadt zum Problem werden kann, wenn der Hund nicht gut erzogen ist. Mag sie aber auch sehr gerne.

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  6. Es gibt nichts grausameres, als einen Hund an der Leine zu halten. Zum Wesen eines Hundes gehört seine natürliche Unruhe. Er läuft wie ein Kind vor und zurück, nach links und rechts, seine feine Nase meldet ihm fortwährend Neuigkeiten, deren Überprüfung keinen Aufschub duldet, während wir wie mit dem Lineal gezogen den Gehweg entlang schleichen.

    Und den Kotbeutel würde ich ans Finanzamt schicken, schließlich bezahlst du ja für den Hund ;o)))

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  7. Volle Zustimmung. Ändern wird sich trotzdem nicht viel, bedenkt man, wie rigoros die (bisherige) Leinenpflicht in Parks durchgesetzt wurde…
    An sich finde ich ja, der verantwortungsvolle Hundehalter sollte je nach Situation entscheiden können, ob der Hund frei rumlaufen darf oder nicht. Wie blöd durchgehender Leinenzwang ist, fand ich letzten Sommer raus, als der Hund zu schwerhörig wurde, um Kommandos aus der Ferne wenigstens wahrzunehmen, geschweige denn zu befolgen. Da blieb nur noch der Grunewald….

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  8. Es wird sich leider ÜBERHAUPT NICHTS ändern – egal wie viele Verordnungen und Gesetze (zudem noch mit abenteuerlichen Ausnahmeregelungen versehen) dieser Senat erlässt, solange es kein Geld für Personal (Ordnungsamt) gibt, das die Kontrolle der Einhaltung durchführt.

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  9. Das heißt, man kann durch Berlin gehen ohne dauernd mit gesenktem Blick zur Tretminenvermeidung den Anblick der Gegend zu versäumen?
    Dann komm ich nochmal….
    Sogar hier im dörflichen Bereich wird angeleint. Auf dem Land ist es eher das Problem, dass der Hundekot auf den Kuhweiden als Parasitenüberträger gilt.
    Und dass die Hunde manchmal einen halben Tag nicht wiederkommen, und ein bißchen wildern waren in der Zwischenzeit.

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  10. Was die Kotbeutel angeht, braucht man die wirklich? Wie wär’s mit einem Stück Zeitungspapier. Aufheben, einrollen und in den nächsten Mülleimer werfen. Kann doch nicht so schwer sein.

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