Schöner wär´s wenn´s schöner wär

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Man kann sich das alles gar nicht ausdenken, was hier so läuft. Hätte mir bei meiner Geburt jemand die Liste der Katastrophen, Widrigkeiten, Unbillen und Schmerzen vorgelegt, die ich abzuarbeiten habe, hätte ich vermutlich den Kopf geschüttelt und dankend abgelehnt. Da bleibt ja kaum noch Zeit für Entspannung und Glück, hätte ich gedacht, wie soll ich das bloß tragen?
Was ich nicht hätte wissen können:  1 Tropfen Glück wiegt einen ganzen See von Kummer auf und einmal erlebte Freude setzt ein Zeichen der Hoffnung und leuchtet den Weg durch düstere Zeiten.

Ich hab keine Lust hier von meinen aktuellen Katastrophen zu berichten. Es ist ernst und ich nehme es ernst. Das Schlimmste: ich habe keine Kontrolle darüber wie es weitergeht.
Doch so, wie ich schon immer überzeugt davon bin,  eines Tages den Jackpot im Lotto zu gewinnen, glaube ich, dass ich auch dieses Mal wieder mit Schürfwunden und ein paar Prellungen davon kommen werde (bildlich gesprochen). Ich hoffe es zumindest.

Das Harmloseste im Reigen der Nervereien und daily hassles ist noch, dass der Kontaktbereichsbeamte, der für unseren Block zuständig ist, sich mit mir und meinem 80 jährigen Nachbarn treffen möchte, um endlich eine uralte Fehde beizulegen. Der betagte Herrn piesackt mich, seit ich vor 17 Jahren in „seine“ Straße gezogen bin. Das reicht von Denunziationen bei der Polizei wegen abgelaufener Agbasuntersuchungen, bis hin zu tätlichen Übergriffen.  Jetzt hoffe ich, dass der alte Querulant nicht auf die Idee kommt, mir beim Ortstermin nächste Woche Batteriesäure oder so, ins Gesicht zu schütten. Zutrauen würde ich es ihm, so sehr, wie er mich zu hassen scheint. Mein Schicksal, oder was immer für den aktuellen Schlamassel verantwortlich ist, ist nicht gerade in Bestform, mich vor Angriffen zu schützen.

Mein Vorsatz weniger zu jammern, ist auf dem Prüfstand.

 

 

 

 

 

Bild. Groundhopping Mersburg, International dog race, Großer Preis von Gelsenkirchen, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/

Reling

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Der befreundete Anästhesist schickt mir eine Empfehlung zur Medikation vor, während und nach der Narkose, weiterzureichen an den behandelnden Kollegen. Sein Rat: von allem so wenig wie möglich. Außerdem möge man „auf alle möglichen kardialen Überraschungen gefasst (…) sein, und sich von allen Seiten Glück und eine glückliche Hand wünschen (…) lassen“.
Da kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen.

Vor den zu erwartenden Schmerzen habe ich gar keine Angst. Die lassen sich wegatmen. Ich beherrsche die Technik der Flucht nach innen, an einen sicheren Ort, von dem aus ich so ziemlich alles ertragen kann. Ruhig und hell ist es dort und ich bin stark und unverwundbar. Es ist mir möglich aus meinem Körper herauszustreten und mich vor Unbill zu schützen, solange ich mich mit meiner Seele an mir selbst, meiner inneren Reling, festhalten kann.

Angst habe ich allerdings davor, dass genau dieser Rückzugsort mir durch die passagere Psychose, die ich jedes Mal nach einer Narkose durchlebe, zeitweilig abhanden kommen könnte. Dass aus meiner Seele wieder ein hauchdünnes Flatterband ohne Substanz und ohne Hafen wird, dass ich mir selbst verloren gehe, irgendwo auf dieser Reise und ich erst mühselig und über Wochen und Monate die versprengten Teile einsammeln und zusammensetzen muss.

Ich fürchte mich davor, dass mir ein Gruselclown im Krankenhaus erscheint, dass ich von Paranoia gejagt aus dem Fenster springen möchte, dass ich ohne Kurzzeitgedächtnis ziellos in meinem Wahn herumschippere (für mein Umfeld übrigens nur während der ersten zwei Tage nach der Op bemerkbar) und, dass ich nicht mal Valium zur Beruhigung bekommen werde, weil ich auf Benzodiazepine paradox reagiere, nämlich mit manischen, exhibitionistischen Anwandlungen (note to myself: schöne Unterwäsche einpacken, für den Fall).

Gleichzeitig freue ich mich, dass ich dann wohl hoffentlich schon übernächste Woche beschwerdefrei bin, und, dass ich im Krankenhaus endlich werde schlafen können, ohne ständig auf das Atemgeräusch des Hundes, oder das Gluckern in ihrem Bauch lauschen zu müssen.
Töle wird, und das macht mich besonders glücklich, während meiner Abwesenheit von dem Einen versorgt werden, trotz allem, ebenso wie die Katz.
Das ist eine so schöne Wendung, dass mir alles andere auch nicht mehr soviel ausmacht, und wenn ich dann noch daran denke, wieviel Unterstützung ich von den lieben befreundeten Netzfrauen bekomme, dann möchte ich beinahe frohlocken und bin schon gleich wieder ganz zuversichtlich und vergnügt. Danke, danke, danke!

Den geborstenen Wassertanks in der Welt möchte ich zurufen: Seid Ihr noch ganz dicht?

Und überhaupt sende ich prophylaktisch schon mal ein paar Grüße rund um den Globus, den ich auf meinem Kurztrip zu bereisen gedenke.

Mit etwas Glück krieg ich sogar Propofol verabreicht und werde damit einen wunderbaren Rausch erleben! Falls ja, kriegt Alice bei Interesse einen kleinen Erfahrungsbericht dazu.

Montag Vormittag geht’s los. Ich wünsche meiner Leserschaft ein erholsames Wochenende, beware of the Gruselclowns und haltet Euch immer schön an der inneren Reling fest, dann kann Euch nichts passieren.

 

 

 

 

Bild: Alexandr Shepchenko, Француз is a Clown, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/

Vergnügungssüchtig

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Wenn meine Familie das liest, werde ich enterbt: ich habe mich tatsächlich an eine Heilerin gewandt, die meinen Hund retten möge. Schaden kann es nicht und ich glaube sowenig an solche Dinge, wie ich nicht an sie glaube. Beides gleichermaßen, nämlich ganz und gar nicht. Und wie gesagt: es schad ja nix. Ob es wohl bitte helfen könnte?

Heute Morgen begrüßt mich der kleine frisch gewaschene Hund seit langem mal wieder ausgiebig. Das gesamte Ritual, inklusive der Jagd nach der Plüschkrabbe, die ich der Einfachheit halber Ball nenne.

So sollte man es im eigenen Leben auch halten: alles was Spaß macht heisst Ball, ganz gleich, wie sich die Vorlieben im Laufe der Zeit wandeln mögen: den Ball in der Luft halten, werfen und fangen. In stetem Wechsel. Manchmal leider auch Prellball.

Potsch!

Die Sonne scheint und wenn alles gut läuft schaffe ich es heute doch noch an den See, meinen See, ehe die neue Woche mit ihren Herausforderungen heranschwappt. Übers Wasser gehen.

Die Chemo des Hundes beginnt in zwei Tagen, morgen noch ein langer und letzter Zahnarzttermin, den Rest der Woche widme ich den Nebenwirkungen bzw der Heilung von Tölchen. Alles ist in die Wege geleitet, das wäre doch gelacht.

Laut lachen musste ich gestern Abend – oder war es schon Nacht? – als ich von meinem beginnenden Asthma als Reaktion auf meine Katzen, bzw. auf das Zuviel von Allem, berichte und zur Antwort gefragt werde ob ich vergnügungssüchtig sei.

Sicher doch!

Zum See werde ich einen kleinen Tischtennisball mitnehmen.
So lange er auf dem Wasser schwimmt mache ich mir keine Sorgen.

 

 

 

(ist das ein Körper? )

 

 

Bld: diàda, flickr
Lizenz: Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0)