in the early morning (*.txt)

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Hüte dich vor mir,
die Daumen am Sternum vorbei und tiefer.
Seeanemonen,
voll Eisen und Blut, so schwer.
Hüte dich vor mir,
en la mangeant.
Hüte dich vor mir,

entre mes reins

Vorsicht,
zwischen zwei Seufzern.
Ich pass auf.

Weiter, nur weiter.

shaft, shaft, shaft, shaft

 

 

Dieser Text ist Teil dieses Projektes. (Stichwort: Acht)

By Minnou (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Es rostet

Ständig und immer setzt alles überall Rost an.
Fluchrost, wie meine Großmutter gesagt hätte.
Frau Tonari sammelt die Korrosion und ein Mal pro Monat stellen Blogger im Rahmen der, von ihr ins Leben gerufenen Rost-Parade, ihre Fundstücke vor.
Eine schöne Idee, wie ich finde.
Heute mache ich auch mal mit.
Voilà:

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Ein verrostetes korinthisches Kapitell an der Eingangstüre zum Großbeerenkeller in Kreuzberg 61. Aufgenommen im vergangenen Sommer (etwas, unscharf, ick weeß).

Gerade wird dort aufgewertet saniert, mal sehen, was von der Patina übrig bleibt.

#Limerick-Parade

Berlin, störrischer Esel
Eine Bloggerin aus Berlin,

die war äußerst reimaffin.
Ihr Kommentariat,
das schritt gleich zur Tat
und zauberte Limericks hin.

Ja, ich weiß, es holpert. Deswegen: denkt Euch bitte selbst Limericks, ganz gleich zu welchem Thema, aus und nutzt meine Kommentarspalte zum Veröffentlichen oder stellt die Limericks auf Euren Blogs ein. Ruft zum Mitmachen auf und verweist (bitte mit Link) auf diesen Beitrag.
Ich sammle das Ganze dann hier und veröffentliche später alle Limericks in einer Zusammenschau.
(Frau Montez, bitte machen Sie mit, ich weiß, dass Sie überaus begabt sind!)
Bin sehr gespannt, was hier zusammen kommt!

(Der Ortsname in der ersten Zeile wäre schon prima, ist aber nicht zwingend. Als Ort käme vielleicht auch Bett, Büro etc. in Frage).

Eine Reimanleitung und eine Sammlung von Limericks findet Ihr hier oder bei Wikipedia.

 

 

 

Foto: „Bundesarchiv Bild 183-S25043, Berlin, störrischer Esel“ von Bundesarchiv, Bild 183-S25043 / CC-BY-SA. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-S25043,_Berlin,_st%C3%B6rrischer_Esel.jpg#mediaviewer/File:Bundesarchiv_Bild_183-S25043,_Berlin,_st%C3%B6rrischer_Esel.jpg

Die Welten der Anderen (6)

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Es ist wieder soweit. Ich habe gesucht und gefunden. Da ich inzwischen über 300 Blogs verfolge, übersehe ich sicher ständig ganz tolle Beiträge. Es möge sich also bitte niemand übergangen fühlen.
Hier nun eine kleine und ziemlich organische Auswahl der letzten Wochen.

summacumlaudeblog, 38 (Melancholie und Diagnosen)
Ein Pathologe und die Rückschlüsse, die er aus dem toten Körper zieht.
Ein später Gruß aus Stalingrad.
Ich mag wie und was summacumlaude schreibt. An das Blogbild werde ich mich wahrscheinlich nie gewöhnen. Zu organisch.

robotinabox, An das sich im Bus über meinem Einzelsitz gebeugt küssende Pärchen:
Eine Autistin regt sich über das speicheltropfende Pärchen auf, dass sich hemmungslos vor und über sie hinweg küssen muss.
Ein interessantes Blog. Allein das „About“ ist sehenswert

Beves Welt, Frankfurt – Mein Frankfurt
Meistens nevt ihn die Stadt. Zuviel Geld, zuwenig Rock´n´Roll.
Das war mal anders. In den 70er und 80er Jahren. Da gab es noch

…das Frankfurt der Straßenkinder, der Gastarbeiter, der unaufgeregt hässliche Alltag an einem tristen, regnerischen Novembermorgen. Grüneburgpark, Stadtbad Mitte, Trambahn, Bunker, Flohmarkt. Niemand mochte Frankfurt. Man konnte an den Main gehen und traf keinen Menschen. In der Kneipe in der Großmarkthalle hingegen saßen sie, die Trinker, die Nachtschwärmer, die Einsamen. Endstation Sehnsucht. Und die Eintracht holte Titel, Spieler posierten in Pelzmänteln vor S-Klasse Daimler, die Junkies versorgten sich an der Taunusanlage inmitten der Banker mit Stoff, das Bahnhofsviertel war das Bahnhofsviertel. Frankfurt war räudig, aber ehrlich.

Ein schönes Bild einer besonderen Stadt zeichnet Beve da und findet auch im Heute noch gute Gründe sie zu lieben.
Ach, Frankfurt…

Die Freaks und ich, #weilwirdichlieben
Die Berliner und die Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG). Eine ganz besondere Liebe, die vor allem gekennzeichnet ist von Faszination und Ekel. Kein Wunder, denn von Kotze über Kacke bis zum Stormtrooper ist hier alles dabei.
Hab sehr gelacht, danke Karo! Jenau so isses.

dr. benways laboratorium, Adrenalin, PTBS und die Suche nach der Wahrheit
Krieg. Wie ist das in einem Meer aus Adrenalin zu schwimmen und sozusagen high on war zu sein?
Der Krieg ist erotisierend. Er ist Angst, Neugier, Tötungstrieb, Lebensintensität- ein Rausch.

„Der Kampf ist nicht der Ort, an dem man stirbt – obwohl auch das geschieht -, sondern der Ort, an dem man herausfindet, ob es einem gegeben ist, weiterzuleben. Die Kraft dieser Offenbarung möge niemand unterschätzen. Und niemand unterschätze das, was junge Männer einsetzen, um das Spiel noch einmal mehr zu spielen.“

Ich dachte immer Krieg wäre a mans world, aber natürlich gibt es auch weibliche Kriegsreporter und Soldaten. Unvergessen, zum Beispiel, die 2014 erschossene Kriegsreporterin und Pulitzerpreisträgerin.Anja Niedringhaus.
Ein faszinierender Text, den ich der Leserschaft dringend ans Herz legen möchte.

Muetzenfalterin, Die Tür
Die Muetzenfalterin schreibt über den Tod ihres Vaters. Darüber wie sie ihn als kleines Mädchen erlebt und wie sie es nicht schafft ihr eigenes Leben vor der Tür des Sterbezimmers zu lassen.
Schon zu Beginn des Textes schwingt eine grausame Unentrinnbarkeit mit.

Ich bin grausam. Wenigstens mitleidslos. Wie Schneewittchens Mutter wäre ich in der Lage dem Jäger zu befehlen, mein Kind mit sich zu nehmen und nur mit seinem Herzen in der Hand zurückzukehren.

Ein Beitrag, den ich mehrmals lesen musste und der mir sehr ans Herz geht.

Fritz vs. everything, Das Buch Geburtstag. Oder: Happy Birthday heisst, Du bist Luft für mich!
Wer sich auf facebook be- und entfreundet, weiß, dass die Geburtstagsglückwünsche dort nichts anderes sind als Ausdruck vollkommener Gleichgültigkeit. Fritz erklärt, was das Setzen eines oder mehrerer Ausrufezeichen über das Verhältnis des Gratulanten zum Jubilar aussagt.
Überhaupt mausert sich Fritz zu einem meiner Berliner Lieblingsblogs.
Reinschauen!

Mein Leben als Auftragsmörderin, Der Tag, an dem die Welt mich an die Kriminalität verlor
Sie hat klein angefangen und wurde schließlich zum Profi in Sachen Kriminalität.
Dass sie es damit sogar zur Grimme-Preisträgerin gebracht hat tut nix zur Sache.
Ein taufrisches Blog – ich freue mich auf weitere Beiträge.

Die Welten der Anderen (2)

800px-Pigeon_wingtipsAuch in der vergangenen Woche sind mir wieder ein paar Texte aufgefallen, die ich der interessierten Leserschaft gerne vorstellen möchte. Viel Spaß beim Lesen!

Fritz vs. everything, Berliner Momente-Tipps zum Süd-Ost-Sprint
Fritz bezwingt sie alle. Im Süd-Ost-Sprint. Mitten in Berlin. Sagenhaft!

berlinpankowblogger, Ballon gefunden?
Ole Krüge veröffentlicht eine Karte auf der die Ballonfunde der Lichtergrenze verzeichnet sind. Immerhin ist einer über Münster hinaus gekommen. Wer will kann sich eintragen.
Alle anderen können gucken.

Und weil ich gerade dabei bin, reiche ich auch gleich noch zwei Texte nach, die sich mit dem
9. November 1989 beschäftigen.

Greta und das Leben, 25 Jahre
Greta erzählt, was das Ereignis für sie als Pfarrerstochter in der DDR bedeutete und bilanziert. Ohne den Mauerfall wären ihre beiden Söhne gar nicht auf der Welt. Gut, dass es anders gekommen ist. Mit den beiden steht sie dann auch an der Lichtergrenze bei der East Side Gallery, erklärt ihnen, wie das war und zeigt ihnen ein Stück Mauer.
Wie immer sehr schön geschrieben.

Suomalainen päiväkirja, Vor 25 Jahren
Wie Greta, war auch Karen zur Zeit des Mauerfalls 13 Jahre alt, und auch sie lebte in der DDR.
Heute ist sie in Finnland und erinnert sich sehr genau wie das damals war mit dem Reisen, den Westpaketen, der Schule, dem ganzen Leben kurz vor und nach der Wende. Unbedingt lesen!

Die Schrottpresse, Linksdrehendes Gedicht am Dienstag
Hurra, Hurra, die Schrottpresse ist wieder da, und mit ihr auch das Gedicht am Dienstag. Dieses Mal linksdrehend mit #Taschengate.
Dada lebt!

Kopenhagener 46, Persiflage
Da wird einem der Sanierungsopfer der Kopenhagener 46 von der Mieterberatung eine neue Wohnung vermittelt, und beim Unterschreiben merkt er noch, wie er beinahe vom Regen in die Traufe geraten wäre.

Wie die Städte der Zukunft aussehen werden, zeigt die Süddeutsche im Kulturteil. Wohntürme, die als Investitionsobjekte und Zweit-oder Drittsitze der Schwerreichen in allen Metropolen entstehen, und den Pöbel da unten am Boden mit herrlich erfrischendem Schatten versorgen werden.
Für Berlin ist auch ein solcher Turm geplant. Direkt am Alexanderplatz. Nur die BVG, die Berliner Verkehrsgesellschaft, muckt noch ein wenig.

Der Kiezneurotiker, Ach hört doch endlich auf
Hat er Recht, der Kiezneurotiker? Ist ganz Deutschland inzwischen vollkommen entpolitisiert und jeder Widerstand zwecklos, Politbloggen mithin reine Zeitverschwendung?

Der Verfasser (alias Informer) erinnert sich an seinen Großvater und erzählt, wie er zum Schreiben kam. Vom Schreiben I
Schön!

Der Kiezschreiber präsentiert seine Berliner Reisenotizen. Die liegen irgendwo zwischen anheimelnd und deprimierend. Melancholisch nennt man das, glaube ich. Ich mag das.

 

Vernetzt euch: Nighttalk mit dem Sittenwächter

Der folgende Text ist Teil einer zirkulären Vernetzungsaktion von 9 Blogs:
heute um 10 h hat jeder von uns einen Beitrag ins Netz gestellt, in dem es einen Link gibt, der zum nächsten teilnehmenden Blog führt, so dass sich am Ende der Kreis schließt, und die geneigte Leserschaft wieder bei dem Blog ankommt, bei dem sie angefangen hat zu lesen.
Ich bitte alle Leserinnen und Leser bei unserer Aktion mitzumachen und dem Link im Text zu folgen, im nächsten Text dann ebenso, bis ihr am Ende ankommt.
Viel Spaß!
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Es gibt Phasen in meinem Leben, da muss ich es mir so richtig geben.
Aus mir unbekannten Gründen tue ich dann vorsätzlich Dinge, die mir zuwider sind.
Das war schon immer so.
Beispielsweise verabscheute ich als Jugendliche Oliven.
An besonders selbstquälerischen Tagen, bestellte ich mir beim Italiener einen Salat mit extra viel Oliven, in dem ich dann blind herumstocherte.
Hatte ich eine auf der Gabel, musste ich sie, meiner selbst aufgestellten Regel folgend, gründlich zerkauen und runterschlucken, was mich große Überwindung kostete. Unterdessen freute ich mich schon auf den nächsten Bissen, von dem ich mir mehr Glück erhoffte.
So ähnlich geht es mir, wenn ich mich in schlaflosen Nächten durch das Fernsehprogramm zappe, und die Fernbedienung erst beiseite legen kann, wenn die schlimmste aller aktuell laufenden Sendungen über den Bildschirm flimmert.
Meine Favoriten sind dabei schlecht synchronisierte Dauerwerbesendungen,
ntv-Reportagen über Riesentrucks, Flugzeugträger oder Staudämme,
RTL-Formate, bei denen Nachbarn sich gegenseitig verklagen oder Zöllner Koffer durchsuchen, und schließlich noch US-amerikanische oder deutsche Komödien.
Bei den beiden letztgenannten halte ich selten länger als zwanzig Minuten durch.
Aus masochistischen Impulsen heraus, habe ich mir schon das eine oder andere Musikantenstadl angeschaut und mich dabei vor Unbehagen gewunden.
Der Gipfel der Selbstgeißelung allerdings ist die Sendung Nighttalk mit Domian, die wochentags um 1 Uhr nachts auf WDR läuft.
Der dauergrinsende Radiomoderator Jürgen Domian sitzt, meist im kumpelhaft karierten Hemd und mit Kopfhörern auf den Ohren, vor einer pink beleuchteten Wand mit weißem Porzellanelch im Hintergrund, und fordert seine Zuschauer auf ihm via Telefon Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen.
Manchmal sind die Themen vorgegebenen, so wie: Glück im Unglück, Diese Nacht werde ich nie vergessen, oder Ich schäme mich für meinen Partner, anderntags ist freie Themenwahl.
Das, was dort Nacht für Nacht passiert ist haarsträubend glech in mehrerer Hinsicht.
Denn, nicht genug damit, dass die redseligen Anrufer überhaupt ihr Privatleben vor Domian und seinem Publikum ausbreiten, holen sie sich dafür auch noch Belehrungen, Rügen, Ermunterungen und moralische Vorhaltungen vom guten Onkel ab.
Und bei der Moral, da kennt Domian sich aus.
Ganz klare Vorstellungen hat er da.
Ohne Wenn und Aber.
Seitensprünge gehen zum Beispiel gar nicht.
Einen Mann, der regelmäßig Pornos konsumiert, obwohl er in einer festen Beziehung steckt, schickt er zur Therapie, sieht den Sexualgestörten aber auf einem guten Weg, weil er Reue zeigt.
Jemand der sich in zwei Menschen verliebt hat, muss augenblicklich mit offenen Karten spielen, und sich entscheiden. Eine Frau mit mehreren Sexaffären möge bitte Ordnung in ihr Kuddelmuddel bringen.
Genau richtig hingegen hat eine Tochter gehandelt, die, entgegen ärztlichem Rat, der Mutter nach einem Schlaganfall die Magensonde entfernen ließ, um sie
12 Tage lang verhungern zu lassen.
Das war ja schließlich kein Leben mehr.
Domian kennt sich aus, in allen Bereichen, hat jede Menge Meinung und hält damit nicht hinterm Berg.
Mit tugendhafter Gesinnung und der lächelnden Selbstverliebtheit des Gerechten, wertet, urteilt und richtet er auf Zuruf, und die Ratsuchenden lauschen seinen, mit erhobenem Zeigefinger vorgebrachten, Verkündungen und bedanken sich unterwürfig für die moralische Maßregelung des über alles erhabenen Sittenwächters.

Moral Compass

Moral Compass (Photo credit: psd)

Es hat schon etwas Voyeuristisches,
nachts im Bett zu liegen und sich den Seelenstriptease fremder
Menschen, sowie Domians neunmalkluges Geschwafel anzuhören.
Meine Gefühle schwanken zwischen Ekel und Faszination, wenn der vor Offenheit strotzende Moderator den nach Wahrheit, Trost oder Tadel dürstenden nächtlichen Desperados,
leicht lispelnd, seine Weltsicht überhilft und am Ende alle geläutert sind.
Wie ein Spanner, schaue ich durch das
Schlüsselloch und sehe Dinge, die mich nichts angehen.
Die niemanden etwas angehen als die Betroffenen und ihre Nächsten selbst.
Manchmal schlafe ich bei dem Geplapper ein, oft jedoch bleibe ich bis zum Schluss dabei und bin froh, wenn die Peinlichkeit endlich ein Ende hat.
Dann fühle ich mich so befreit, als dürfte ich endlich ein paar viel zu enge Schuhe ausziehen, die ich mir freiwillig angezogen habe.