Unzählbar

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Orgelreis steht auf der Plane des schwarzen LKW, der an uns vorbeifährt, und ich muss lachen. Weil ich immer über ungewöhnliche Namen lache. Eine Schwäche.
Idiot, sagt die Malerin, die neben mir spaziert. Ich hab nicht mitbekommen um wen es geht und frage sie, wie oft sie in ihrem Leben schätzungsweise schon Idiot gesagt hat. Das liegt im hohen sechsstelligen Bereich, ist nach kurzem Überlegen ihre Antwort.
Es gibt soviele Idioten, die kann man gar nicht mehr zählen, sage ich und jetzt ist es an ihr zu nicken.
Uncountable wie Sand sind sie, die Idioten, ergänze ich und sie brummt zustimmend.

Es ist heiß, der Frühling hat von Frost auf Grill umgestellt, Erdbeerhäuschen schießen aus dem Boden und überall flanieren nackte braune Beine. Kann ja nur Solarium, in so kurzer Zeit, denke ich, den hechelnden Hund unter dem Arm. Es ist schon ein mühseliges Geschäft mit bepelzten kranken Tieren in der Glut der Mittagshitze unterwegs zu sein.
Die Malerin und ich haben das Idioten-Thema für´s Erste beendet und uns jetzt auf´s Jammern darüber verlegt, dass nirgends Schatten sich fände und der Scheitel uns glühe und beinahe unerträglich dies sei. In Wahrheit mag ich es sehr gerne, wenn die Kopfhaut mir brennt und die Hitze sich schwer auf meine Schultern legt, doch ich möchte nach dieser anstrengenden Woche nicht unser einträchtiges Gemecker unterbrechen und so wettern wir lustig weiter. Harmonie ist alles.

Hinter den Riegelbauten in der Annenstraße setze ich den Hund endlich und ausnahmsweise ohne Fressschutz ab und lasse sie ein wenig durch´s Gras stiefeln. Keine zwei Minuten bis ein Schulbrot zwischen ihren Zähnen klemmt und ich sie anherrschen muss, damit sie es fallen lässt. Funktioniert tadellos. (Nicht auszudenken!)

Nachdem der Maulkorb wieder am Tier dran ist, passiert das, was immer passiert, nämlich dass jeder zweite Passant, ausnahmslos Männer, sich bemüßigt fühlt, mich auf meinen Hund anzuquatschen. Und sie tun es auf die immergleiche unangenehme Weise. Die Jüngeren sagen: Hö, hö, Hannibal Lecter! und die Älteren schnarren mit unverkennbarem Biertimbre:  Du bist ja´n janz Jefährlicher, wa? Die Witzigsten fügen, generationsübergreifend, noch weitere Bemerkungen hinzu, etwas in der Art wie „dein süßes Frauchen willste vateidijen. Recht haste.“
Und ich denke: Uncountable
.

Wir stratzen weiter durch die seelenlose Neubausiedlung, die sich von der Alten Jacobstraße bis hin zur Leipziger zieht. Dort angekommen schaffen wir es trotz zügigen Schrittes nur bis in die Mitte der Straße auf die winzige Verkehrsinsel, den schmalen lebensrettenden Betonstreifen, dann zeigt die Ampel schon wieder Rot und wir stehen inmitten der Plattenbauten und der erbarmungslos flimmernden Hitze, während vor und hinter uns der wütende Verkehr auf jeweils vier Spuren vorbeidonnert. Diese Kreuzung ist immer wieder auf´s Neue eine große psychische Herausforderung, die wir nur mit lauthalsem Gezeter über misanthrope ampelschaltungenplanende Idioten unbeschadet überstehen.
Als wir die tosende Leipziger überquert haben, kommen wir auf den ruhigen Hausvogteiplatz. Ein rothaariges Mädchen mit langem, geflochtenen Zopf kreuzt unseren Weg. Sie sieht aus wie ein Engel, trägt ein lindgrünes Kleid auf ihrer Alabasterhaut und ich freue mich an ihrem traumgleichen Anblick und denke: jetzt kann nichts mehr schief gehen.
Die Malerin versucht noch halbherzig mich zu überzeugen, dass das Mädchen sicher nicht freiwillig einen so langen Zopf trägt, dass ganz bestimmt der Zwang ihrer strengen Eltern dahinter steckt, doch ich wehre ihr Geunke ab, überzeugt davon, dass das Mädchen auf eigenen Wunsch so hinreissend aussieht.
An der Friedrichstraße flammt unser eben eingeschlafenes Gemecker noch einmal auf, wir schimpfen traditionsgemäß über die Touristen die in Sandalen und mit offenem Mund herum und natürlich immer im Weg stehen, doch sobald wir an der Mall of Berlin vorbei, aus den steinernen Ministergärten herausgetreten und endlich in die Kühle des Großen Tiergartens eingetaucht sind, wo es ruhig und grün ist, vergeht uns das Gezeter. Beinahe schlagartig ist es ruhig geworden, hoch und friedlich stehen die schattenspendenden Bäume, Blüten säumen die Wegesränder und Wasserläufe und verschwunden sind die Unzählbaren. Nur vereinzelt noch treten sie in Form von rüpelhaften Radfahrern auf. Doch man möchte ihnen nichts mehr hinterher rufen, weil im Schutze des Grüns aller Ärger verflogen und nur noch Freude ist.
Weiter westlich dösen die Schildkröten auf ihrem querliegenden, vermodernden Stamm, Enten ziehen ihre Bahnen über´s Wasser, aus dem Blätterdach zwitschert und tschilpt es und fernab von Lärm und staubiger Hitze spielen die beiden Hunde, toben wie die Welpen am Fuße der fedrigen Mammutbäume, jagen sich im Rhododendronhain durchs Unterholz und quer durch den raschelnden Farn und schließlich springen sie in einen brackigen Tümpel, wo sie sich ekstatisch im kühlenden Schlamm wälzen. Nach einer Weile kommen sie zu uns herüber gerannt und schütteln sich dort erst kräftig, auf dass auch unsere Beine schwarz gesprenkelt seien und wir alle zusammen ein faulig stinkendes Rudel bilden mögen.
Auf dem Nachhauseweg trage ich ein glückliches, dreckiges und sehr erschöpftes Tölchen in meinen besudelten Armen. Mein leichtes Sommerkleid ist voller Flecken und ich bin sehr froh.
Seit ihrer Diagnose habe ich sie und mich nur selten noch so zufrieden und ausgelassen erlebt.

 

P.S.: Soeben erreicht mich eine Mail der Vermieterin, die zumindest nach Waffenstillstand klingt, wenn nicht nach mehr. Y!

 

 

 

 

Bild: Ross, Funnell, The Tiergarten, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

Exekutive Bayern/ Röllbach

Es st spät, als wir endlich mit dem Bus in Röllbach (einem Dorf im Spessart, unweit von Miltenberg) ankommen.

Wir fahren durch den Ort, nehmen den Feldweg Richtung Wald, lassen sämtliche Häuser hinter uns und stellen das Wohnmobil unter einer Gruppe alter Bäume, auf festem Grund ab.
 Im Sommer trifft sich hier die Jugend, um im Schutze einer Marien-Skulptur das Rauchen, Trinken und Jungsein zu genießen. 
Inzwischen ist es fast Oktober. Nachts wird es auf weiter Flur schon frostig kalt. 
Und so ist das Interesse am Zechen im Freien, dem Faible für´s Trinken in geschlossenen, verqualmten Räumen gewichen.


Wer weiß, vielleicht sitzen sie jetzt alle im örtlichen Schützenverein.

Kaum haben wir die Seitentür des Spielmobils aufgeschoben, springt Töle schon aus dem Bus und nimmt instinktiv Witterung auf.
 Sie schnuppert gebannt den Feldweg entlang zur benachbarten Koppel. Der Duft von Pferdeäpfeln entschädigt für die anstrengende Fahrt. 
Auf den abgeernteten Stoppelfeldern riecht es nach Gülle, Mäusen, Hasen und Füchsen. 
Mein Freund dreht sich eine Zigarette.

Wir stehen in der Stille der Nacht, atmen tief ein und schauen dem Rauch hinterher, wie er nach oben steigt und sich in der Dunkelheit verliert.
 Es ist windstill. Der nächste Autobahnanschluss ist weit weg. 
Nur die Flugzeuge, die sich dem Frankfurter Flughafen nähern, grollen und blinken von weitem über der nächtlichen Idylle des fränkischen Dorfes.
 Langsam spazieren wir zurück zum Ortskern, beobachten den manischen Zickzack-Kurs von Töle, und freuen uns als wir den Hof unserer Freunde betreten, deren Hund pflichtbewusst anschlägt.

Lange haben sie auf uns gewartet. Die Flaschen sind kaltgestellt, ein Teil schon geleert. 
Unter ländlichem Sternenhimmel werfen wir den Grill an und schlürfen fröstelnd wärmende Getränke.
 Gegen 3 Uhr beschließen wir die Nacht zu beenden, um am nächsten Tag taufrisch für den Geburtstag meines Patenkindes zu sein.
 Der Junge schläft tief, und ahnt nichts von dem Mountainbike, das wir mitgebracht haben.

Angeschickert machen wir uns auf den Weg zu unserem Bus. Durchs Dorf, übers Feld. 
In vollem Galopp nehmen wir die leichte Steigung Richtung Wald.
 Unser Gastgeber stürzt mit seinem Fahrrad in einen Bewässerungsgraben. 
Die Hunde springen ausgelassen um ihn herum, bellen in die dunkle Nacht und nießen kopfschüttelnd vor Lebensfreude. 
 Am Wohnmobil angekommen, reissen wir die Türen auf, setzen uns ins Fahrzeuginnere, öffnen eine Flasche Rotwein und ich koche mir auf dem Gasherd Wasser für eine Wärmflasche. Es ist sehr frisch geworden und mich fröstelt. Wir wickeln uns in billige Discounterdecken.
 Ein Glas noch, dann geht es ins Bett. Ganz sicher. Morgen ist ja Geburtstag.

Es ist schön, dort zu sitzen, zu trinken, zu reden, der klaren, kalten Stille zu lauschen und auf das Gestern, Heute und Morgen einer uralten Freundschaft anzustoßen.

Erst spät bemerken wir, dass ein Fahrzeug sich dem Bus nähert, und mit Abblendlicht direkt auf uns zuhält.
 In unseren fröhlich-benebelt-erschöpften Hirnen blubbern zeitlupenartig winzige, wohlwollend wabernde Fragezeichen empor, flackern wie ein Irrlicht, das selbstgenügsam nach keiner Antwort am inneren Firmament sucht auf, und zerfallen in der Euphorie des Augenblicks in winzige funkelnde Moleküle, so wie

… wie irgendwas.


Egal was. 


Was ist hier eigentlich los?

Langsam klickert es in unseren Köpfen, die innere Sanduhr rieselt, und wir ernüchtern schlagartig:

für eine Flurbegehung durch den Landwirt scheint es etwas spät, 
die Jugendlichen haben nur Mopeds, und unterliegen ohnehin dem Hordenzwang. 
Die redlichen Siedler liegen längst im Bürgerkoma.

Wer sonst könnte also um diese nachtschlafende Zeit zwischen brachem Feld und dunklem Wald unterwegs sein?

Die Lichter des Wagens nähern sich.

Langsam wird es merkwürdig.
 Was machen wir bloß, wenn Killer im Anmarsch sind? Niemand wird unsere Schreie hören…

Wir bleiben im Bus sitzen. Das Fahrzeug kommt frontal vor uns zum Stehen, die Vordertüren öffnen sich und zwei Männer steigen aus. 
Geblendet bleiben wir sitzen, starren in die Lichtkegel, die Hunde bellen.
 Jetzt bewegen die beiden sich auf uns zu. Ich erkenne die Silhouette einer Uniform.

Gott sei Dank! Es sind bayerische Polizisten!

Herzlich willkommen! Sie ahnen gar nicht, wie sehr wir Sie vermisst haben!“

möchte ich Ihnen erleichtert entgegen rufen, unterdrücke diesen Impuls aber und warte darauf, was als nächstes geschieht.

Grüß Gott, die Fahrzeugpapiere und ihre Ausweise, bitte!“

Ein routinierter Griff, in die Tasche.

Bitte schön.“

Während der eine zum Dienstwagen zurück geht, um die Daten abzugleichen, frage ich den anderen, wie es eigentlich kommt, dass sie zu so später Stunde hier aufkreuzen.

Gab es Beschwerden?“ möchte ich wissen.

Wir sind die bayerische Polizei; wir schauen unter jeden Stein.“ antwortet er mir mit einem selbstbewussten Lächeln.

Haben wir irgendetwas falsch gemacht? Ist es nicht erlaubt hier zu stehen?“

Junge Frau, es ist so: in Schweden ist alles erlaubt, außer es steht ausdrücklich da, dass es verboten ist.
In Deutschland ist alles verboten, außer es steht ausdrücklich da, dass es erlaubt ist.“

Eine gelungene Zusammenfassung der bürgerlichen Gesellschaft Deutschlands, deren in Paragrafen gegossene, neidverrammelte Engstirnigkeit, das beklemmende Gefühl eines zu eng geschnürten Korsetts hinterlässt.
 Das Empfinden keine Luft mehr zu bekommen.

Also ist es verboten hier zu stehen.“

Der Polizist nickt.

Ich atme tief ein und erkläre ihm, dass wir allesamt zuviel getrunken haben, um das Wohnmobil von diesem Ort zu entfernen.
 Das versteht er und selber wegfahren mag er es auch nicht.

Nachdem unser Freund sich als Einheimischer ausweisen kann, erteilen die Ordnungshüter uns die Erlaubnis, noch bis zum nächsten Tag zu bleiben und verabschieden sich mit einem freundlichen:

Gute Nacht, die Herrschaften!“
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Danke, für diese schönen Stunden,


Danke, für diesen ganzen Tag;


Danke, daß Du mich hast gefunden


Heut’ in Freud und Plag’.

Exekutive Bayern/ Schweinfurt

Nachdem Töle sich die Beine vertreten hat, und der Bus halbwegs aufgeräumt ist, verlassen wir den Rasthof Frankenwald bei Rudolphstein und setzen unsere Fahrt Richtung Westen fort.
Das Spielmobil tut sich schwer. 
Immer wieder muss es zur Maximalgeschwindigkeit (101km/ h) getriezt werden, um sich mit röhrendem Motor die nächste Steigung zu erkämpfen, wobei der Schub durch die Gesetze der Schwerkraft schnell verloren geht, und wir mit 50 km/h den Berg hochzuckeln. 
Die schwer beladenen 12- Tonner, die sich von hinten heranschieben, blenden fluchend auf und würden uns gerne mit einem Wildfänger von der Piste räumen, wie einst die Widlwest-Lokomotiven kreuzende Bisons.
 Lang dauert es nicht mehr, bis der liebliche Teil des bayerischen Vogtlandes sich vor uns öffnet, und die Welt wieder weit erscheint.

Ich erinnere mich an eine Zugfahrt von Berlin über Fulda nach Würzburg.
 Mir gegenüber saßen zwei Herren mit reichlich Gepäck, die eben von einer China-Reise zurückkehrten. 
Mit hängenden Schultern und müden Augen, referierten sie erschöpft und mit monotoner Stimme von den Unbillen ihrer Asienreise. 
Bis der ICE Hessen verließ und nach Franken einfuhr. 
Ein müder Blick aus dem Fenster. Die Stimmung änderte sich schlagartig.
 „Herrliche Landschaft, wunderbares Gemüt!“ entfuhr es dem jüngeren der beiden, und die Gesichtszüge strafften sich. Sein fränkisches Herz schlug höher.
 So weit war er gereist, so nahe lag das Glück.

Wir nähern uns Bayreuth (Wagner). 
Lassen Kulmbach rechts liegen (Gottschalk).
 Vorbei an Bamberg (Bamberger Reiter). 
Über Haßfurt, durch die Haßberge. (?)

Inzwischen ist es dunkel geworden, und wir fahren auf die erste Tankstelle in Schweinfurt.
 Dank seiner ausgeleierten Blattfedern schaukelt der Bus, behäbig wie ein Kamel, über die Ablaufrinne vor der Tanke, und wir steuern die linke Zapfsäule an. 
Zu meinem Erstaunen wimmelt es hier nur so vor biertrinkenden Skinheads.
 Live-Musik dröhnt an unsere Ohren.

Als meine Begleitung aussteigt, kommt ein grün-weißer BMW rasant angeschossen, bleibt quer vor uns stehen, die Türen springen auf und zwei Polizisten stürzen auf meinen Freund zu, der sich erstaunt umschaut, im Glauben, dass jetzt die Glatzen dran sind.

Mitnichten.

Wie schon auf dem Rasthof Frankenwald, müssen wir unsere Papiere zur Kontrolle vorlegen, und werden (nach ergebnisloser Prüfung) aufgefordert den Beamten Zutritt zu unserem Bus zu gewähren.
Töles Knurren quittiert der Dienstältere mit einem jovialen Auflachen, und bittet mich den Hund festzuhalten. 
Na klar.
 Unseren Einwand, unlängst kontrolliert, danach ewig mit Aufräumen beschäftigt gewesen zu sein (weil sonst alles klappert), und inzwischen erheblich im Verzug zu sein, wollen sie nicht gelten lassen. Vielmehr scheint diese Behauptung das Interesse der Ordnungshüter erst richtig anzufachen.
 Handschuhfach, Sonnenblende, Aschenbecher, Kühlschrank, Taschen, Hundekorb, Chemietoilette. Das Gleiche nochmal, nur gründlicher.
 Am Ende ist nichts mehr an seinem Platz.
 Töle wird allmählich nervös und knurrt immer bedrohlicher. Auch die ungeahnte Chance aus den überall verteilten Klamotten eine Schlafstätte zu bauen, kann ihre Stimmung nicht heben.

Ich frage den jüngeren der Uniformierten, woher eigentlich die Musik und die kahlköpfige Kundschaft kommen. 
Er freut sich über mein Interesse am lokalen Geschehen, und erklärt mir gut gelaunt, dass unweit ein Konzert der Böhsen Enkelz, einer Coverband der Böhsen Onkelz stattfindet.
 Der Ältere, inzwischen sichtlich gereizt, unterbricht das Gespräch und fordert uns auf Jacken- sowie Hosentaschen zu leeren. 
Irgendetwas muss sich doch finden lassen!
 Mein Freund wird aufgefordert aususteigen, die Arme nach oben zu strecken, und sich vor dem Bus abtasten zu lassen.
 Mich dürfen sie nicht anfassen. Ich befürchte, dass als Nächstes weibliche Verstärkung herbeigefunkt wird, und wir noch mehr Zeit verlieren.

Nur ein Wagen voller Afrikaner könnte jetzt helfen, denke ich.

Aus irgendeinem Grunde lassen die Beamten dann doch von uns ab, und wir dürfen die Reise fortsetzen.
 Vielleicht hat die Musik im Hintergrund sie wieder ein bisschen fröhlicher gestimmt.


Die Ordnungshüter verzichten darauf weitere Personenkontrollen unter der einheimischen Bevölkerung vorzunehmen, und setzen ihre nächtliche Patrouille durch die Straßen Schweinfurts fort.

Exekutive Bayern/ Hof

Wir fahren mit dem Spielmobil nach Unterfranken um Freunde zu besuchen.

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Da Töle sich dringend die Beine vertreten muss, verlassen wir am Rasthof Frankenwald die Autobahn. 
Kaum ist das Tuckern des Dieselmotors verklungen, kommt ein grün-weißer BMW hinter unserem Bus zum Stehen. 
Die beiden Polizisten steigen aus, setzen ihre Dienstmützen auf und ziehen angelegentlich die Hosen am Gürtel in Form.
 Ich beobachte durch den Rückspiegel, wie sie sich von links und rechts dem Fahrerhaus nähern und dabei mit fachmännischem Kennerblick das Fahrzeug auf Mängel prüfen. Rost am Schweller, fehlende AU oder TÜV? 
Ich kurbele das Fenster herunter und begrüße sie, noch ehe sie mich ansprechen können.


„Guten Tag!“

„Grüß Gott, Ausweis und Fahrzeuchbabiere bitte!“

kommt die Antwort in breitestem Fränkisch.
 Der Beamte verschwindet mit den Papieren, derweil sein Kollege weiter um das Wohnmobil herumschleicht und mir unterdessen immer wieder ernste Blicke zuwirft. 
Nach kurzer Zeit erhalten wir die Papiere zurück.

„Alles soweid in Oddnung. Haben Sie Drogen oder Waffen dabei?“


„Nein, haben wir nicht.“ 


(Was denkt der sich eigentlich? Erwartet er im Ernst, dass wir antworten „Selbstverständlich Herr Wachtmeister! Allerfeinster Stoff aus Berlin,-was brauchen Sie denn?“)

Wir würden uns trotzdem gernemol in Ihrem Fahrzeuch umschaun.“

Nur zu.

Ich öffne die Schiebetür und gewähre den Herren Eintritt.
 Töle fängt an zu knurren, als die Uniformierten den Wagen betreten und ihr Werk beginnen.
 Handschuhfach, Aschenbecher, Kühlschrank, Bettkasten, Hundekorb, Taschen, ja selbst die Chemietoilette ist verdächtig und wird untersucht.

Der Hund knurrt sich blinzelnd in den Schlaf, während die Ordnungshüter allem auf den Grund gehen.


Nichts gefunden, nicht mal einen Löffel.


„Ich darf Sie bidden ihre Hosendaschn zu leern.


Als wir uns anschicken dem Wunsch Folge zu leisten, hält einer der Männer inne. 
Er schaut aus dem Fenster auf den Parkplatz, gibt seinem Kollegen ein Zeichen und die Herren verabschieden sich hastig.


„Alles soweit in Oddnung! Gude Weidäfatt.“

Sprachlos starren wir den beiden hinterher, wie sie entschlossenen Schrittes zu einem PKW eilen, aus dem gerade eine afrikanische Familie mit Kleinkind entsteigt.
 Wir schauen uns an und fangen an aufzuräumen.