ungeachtet

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Wer nichtsdestotrotz sagt, der sagt auch selbstverfreilich und frisst kleine Kinder.

Geplant und andernorts großmäulig angekündigt, war hier eigentlich eine Schmähschrift, oder ein Rant, wie man es nennt, wenn man es drauf hat.

Nun ist es leider so, dass mir nur jede Menge dünkelhaftes Zeug einfällt, welches mich meiner Leserschaft entfremden könnte, weil es mich überheblich, wenn nicht unsympathisch, weil engstirnig und übertrieben sprachpuristisch, erscheinen lassen könnte. Dies möchte ich vermeiden, denn ich bin eine Zauberfee. So sagt zumindest der Eine, und der weiß es, aber das tut hier nichts zur Sache und klingt möglicherweise ekelhaft selbstverliebt obwohl es fabelhaft fremdverklärt ist.

Ich verzichte also, entgegen meiner guten Vorsätze, auf die exzessive, ausufernde und ungerechte Geißelung des dümmsten aller dummen Kofferwörter, das, wie könnte es anders sein, seinen Ursprung in Berlin und Umgebung haben soll. Denn wenn irgendwo in den Sack gehauen wurde, dann hier. Schon immer. Dazu brauchte es nicht erst Bolle.

Wieso, so mag sich die Eine oder der Andere fragen, setzt sie sich überhaupt mit diesem überflüssigen und unsäglichen Wort auseinander, wenn es ihr so zuwider ist? Ist sie Masochistin, oder hat sie etwa nichts Besseres zu tun?

Beides stimmt.

Doch so war es dazu gekommen: bei einem Blick auf das Blog Neon Wilderness, der mir Aufschluss darüber geben sollte, ob ich auch in diesem Jahr wieder meine Zeit mit der Teilnahme beim txt-Projekt verplempern wollte, sah ich, dass der Reigen ausgerechnet mit einem meiner Lieblingshasswörter eröffnet worden war.

Das kann ja wohl nicht, also echt nicht, auf gar keinen Fall, sowas Bescheuertes,

dachte ich mir und mein hochempfindliches Sprachzentrum zog sich in konvulsiven Krämpfen zusammen, beinahe wie ein Wurm unter einer Wärmelampe oder eine Schnecke auf Schneckenkorn. Die Entscheidung war gefallen, noch ehe ich meine gesammelten Argumente beieinander hatte: niemals würde ich mich zu soetwas herablassen, wirklich nicht. Mein Masochismus in allen Ehren. Es gibt auch Grenzen, oder, wie der Berliner sagen würde:

dit is ma echt zu stulle.

Da mein Talent leider weder im Komischen und schon gar nicht im Ironischen begründet liegt und diese Stilmittel ohnehin nur der Sublimierung meiner tief empfundenen Abscheu dienen würden, die aber leider, wenn offen zur Schau getragen, das wohlgepflegte Feen-Image von tikerscherk beschädigen könnte (s.o.), habe ich mich zähneknirschend entschlossen beim Januar- Durchlauf des txt-Projektes 2016 auszusetzen und erst beim zweiten Wort im Februar wieder voll einzusteigen.
Bis dahin werde ich mich wohl langweilen und weiterhin die Nerven des Einen beanspruchen müssen.

Nichtsdestotrotz, und das darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, handelt es sich bei txt um ein sehr schönes Projekt, für das ich Dominik endlich einmal danken möchte: danke Dominik!

 

 

Mein Beitrag zum txt-Projekt 2016, das erste Wort: nichtsdestotrotz

 

 

 

 

Bild: Laura Loveday (Edie Sedgewick)
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/

 

 

 

 

 

Manne sein Milljöh, oder Fass adé (.txt*)

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Hack ma jedacht, wennick ma nochma n Hund holen tu, dann nenn ick n Fass.
An besten wär dit ja, wenna dann ooch kujelrund wär, wie´n Fass ehmt.
Ick meene jezze nich fett oda so, sondern so von Natur aus vollschlank, wie man ja imma jerne sajen tut, wenn Eene anne Hüften und übahaupt, vastehnse?
N Mops wär son Hund, zun Bleistift, haha. Un der Mops, den tät ick dann nich Otto oda so nenn, sondern Fass.
Und dann froick ma heute schon, wie ick dann, wenn mir Eeena irjendwie komisch komm tut, wejen de Mülltonnen oda so, wie ick dann den Köta, also den Mops rufe und „Fass!“ zu ihm sahre un wie ick dann dem Andan inne Oogen kieke und ern Riesenschreck kriecht, weila denkt, meen Hund tät ihm jezze anne Waden jehn, wa?
Und dit würdick zu jerne so machn.
Un wenna dann eenes Tahres vastürbt, der kleene Fass, dann krichta ne Beerjung vom Feinsten. So mit alm Pipapo, da lass ick ma nich lumpn, wa. Un in sein Grabstein lass ick Lebawürste rinmeisseln, un Schinkn un dit janze Programm. Un als Übaschrift oben drüba steht dann in jroßn Lettan: Fass adé. Vastehnse? Adé, dit sacht ma doch so in Westdeutschland bei de feine Pinkels, wemma sich vaabschieden tut.
Fass adé steht also da, über die Würste, un da könnse sich in hundat Jahr noch anne Birne kratzn und sich frahrn, was dit nu zu bedeutn hat un se komm doch nich druff.

Schade is nur, dass ick keen Hund mehr inne Wohnung halten darf, wa? Schon lange nich mehr. Früja jing dit noch, aba heute kieken se schon schräch, wemma den Müll inne falsche Tonne reintut. Un dit is wirllich n Jamma. Vadient hättenses nämlich, die neujn Nachbarn.
Dit eenzig Jute daran ist wiederum, dasser dann wenigstens ooch nich sterben muss, der kleene Fass, wenn er jar nich erst da is. Dit spart ma n Haufn Kumma un Jeld un noch mehr Ärga.
Un so is dit im Lehm. Ma muss nur jenau hinkiekn, dann sieht ma ooch dit Jute im Schlechtn un den tieferen Sinn in Alm.

Aba schön wärs schon jewesn.

Dieser Text wurde geschrieben für dieses Projekt (Stichwort: Fassade) und ist zugleich eine Hommage an Manfred Dumke

Bild: gemeinfrei „Mops-drawing“. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mops-drawing.jpg#/media/File:Mops-drawing.jpg

dein dir treu ergebener (*txt.)

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Synonyme für:

dein dir treu ergebener

| Bedeutung

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         den Darm leeren                 denaturieren              dahintergehen           dahintreiben            den Durchgang verhindern

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den Darm leeren, denaturieren, dahintergehen, dahintreiben, den Durchgang verhindern, dahintersteigen, daniederliegen, die andere Seite zeigen, dahinter kommen, die Ehe antragen, die Hand reichen, dahinterkommen, den Motor anlaufen lassen, dahinterblicken, danieder, Diameter, dahinter, da und dort, diametral, den Durchgang unmöglich machen

Synonym für dein dir treu ergebener – Synonyme – Bedeutung | Antonyme, Fremdwort – Gegenteil von dein dir treu ergebener

Fehlerhafte Schreibweisen und Suchanfragen

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Mein 6. Beitrag zu diesem Projekt.

Kokon (*txt.)

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Beim Absenden einer wichtigen Mail schaltet sich plötzlich mein Handy, das mit dem Laptop verbunden ist, aus. Als ich es wieder einschalte ist der 1. Januar 2000, 2:39 h.
Das Jahrtausend hat eben begonnen und mit ihm erreicht mich die sms einer Freundin aus jener Zeit, die ich durch den grundsätzlich anderen Weg, den unser Leben damals nahm, aus den Augen verloren habe. Sie möchte wissen ob meine Nummer noch stimmt und ob ich zu Ostern in Frankfurt war um dort den Geburtstag meines Vaters zu feiern.
Zwanzigster April. Daran erinnert sie sich.

Die Vorstellung noch einmal das neue Jahrtausend zu beginnen gefällt mir und die Nacht über, als ich wieder einmal nach Schlaf suche und ihn nicht finde, frage ich mich, ob gleich der Silvesterabend 1999 symptomatisch für das Jahrzehnt war, das ihm folgen sollte.

Ich verbrachte diesen Tag, damals noch ohne Hund, in einem kleinen fränkischen Dorf mit einer bewegten Geschichte, die ihm sogar ein Schloss mit einem Barockflügel von Balthasar Neumann bescherte.
Die Witterung glich an einem milden Nachmittag im November: Nebel hüllte den Wald und die Felder, die das Haus umgaben, in Stille und wir blickten durch die große Glasfront in das milchige Nichts, das das scheidende Jahrtausend bemäntelte und dem kommenden den Weg verschleierte.
Eine trübe Wasserwand. Stehende Gischt.
Meine Murmel.
Beim Rauchen auf der höher gelegenen Terrasse, eingewickelt in eine weiche Decke, fühlte ich mich wie in einem kühlen Kokon, in dem das Leben stehen geblieben war.
Es war ein helles, ein schönes Gefühl.
Eine Sekunde Stillstand im Weltenlauf.
Die dunkle Trommel drehte sich nicht, die Scholle stand einsam und ich auf ihr in diesen Stunden des Abschieds von dem Jahrhundert meiner Geburt.
fin de siècle
Drinnen flackerte der Kamin.
Wir aßen, wie meist, mit den Tellern auf den Knien vor dem Feuer und schauten den Flammen zu, die an den knisternden Holzscheiten leckten, ihre Oberfläche aufbrachen und sie Stück für Stück in lichtgraue Asche verwandelten, zu der wir beständig neue Scheite legten.
Um Mitternacht hörte man das dumpfe Grollen von Böllern, irgendwo weit entfernt, hinter dem Waldstück bei Sömmersdorf. Draußen blieb es dunkel, kein Feuerwerk erhellte den mitternächtlichen Himmel.
Das Feuer prasselte und züngelte, wir schauten uns an, zuckten mit den Schultern und waren erstaunt, wie leicht und still die Geburt eines neuen Jahrtausends über die Bühne gegangen war.
Gegen halb drei morgens gingen wir ins Bett.

Auf der Rückfahrt schien die Sonne über grauen Orten und der Zug schlängelte sich durch eine Landschaft, die die gleiche war wie immer, auch wenn die Zeit aus den Bergen Hügel gemacht hatte.
Der Nebel sollte mich für die nächsten neun Jahre begleiten.

Dieser Text ist ein überarbeiteter Beitrag von April 2014. Er ist Teil dieses Projektes.