so geht Tagebuchbloggen

Ironie versteh ich nicht, Pünktlichkeit steht mir nicht, nachts durchschlafen ist nicht.

Manchmal ist alles ganz schnell ganz falsch und dann wieder vollkommen in Ordnung. Stimmungen und Menschen, eine Gemengelage (das Wort schreib ich gerade zum ersten Mal in diesem Leben).

Bei der Fülle der Aufgaben und der Vollzeitbeschäftigung, die sich daraus entwickelt hat, tauchen die netten und bezaubernden Gesten all derer die in den vergangenen Wochen helfen wollten wo keine Hilfe möglich war, noch immer nur verschwommen und am Rande meines Gesichtsfeldes auf. Im Fokus stehen die schmierigen Reste des dicken Fettkloßes, den wegzuschaffen wir ohne Unterlass und voller Widerwillen beschäftigt waren. Manche, manches, manchen und manchem, ein Satz, den zuende zu formulieren den Rahmen

Eine interessante Begegnung mit einer blinden Frau hatte ich heute. Als ich ihr von den Katzen erzähle, fängt sie laut zu lachen an. Ich weiß nicht welches Bild sie sich macht, ob sie sich überhaupt eines macht. Meine Kindesblindheit war ja eine, die die Welt schon gesehen und für jedes Wort eine bildliche Entsprechung im Kopf hatte. Dem Blinden von den Farben reden, der Blinden von den Katzen. Ganz gleich, wie sie sich die Geschichte, die sie hört, vergegenwärtigt, die Vorstellung macht sie sehr fröhlich.

Kreuzberg bleibt unhöflich

Als ich das Haus verlasse, fährt er mich beinahe um, der Nazinachbar. Mit Blickkontakt.

An anime stylized eye.

Muss er noch üben.
Komme ich kurz darauf am Trinkertreff vorbei, schleudert einer seinen Zwergenhund gegen die Wand.
Einmal, zweimal. Polizei gerufen.
Nach Platzverweis kommt er zu mir, der Volltrunkene, und wünscht mir den völligen Unfalltod, mir Schlampe.
Der jetzt auch?
Vor der Kirche hat einer einen Baum gekillt. Ringsum die Rinde abgeschält und runtergerissen.
Hat ihm vielleicht den Hungertod gewünscht, den völligen.

Kreuzberg bleibt unhöflich.

Oranienplatz-susan