Scheiß-sms

retro telefon
Eigentlich sollte ich ja was über das Elend misslingender Kommunikation schreiben. Das ist mein Auftrag nach soviel Aufregung. Wegen nichts.
Aber: gehabte Schmerzen hab ich gern und heute ist zum Glück nicht gestern und wenn ich in Rätseln spreche, dann soll das so.
Aber um es wenigsten grob zu umreissen und die Leserschaft vor großem Unheil und Kummer zu bewahren, sei immerhin soviel verraten:

Sms sind einfach Mist, wenn man damit wichtige oder ernste Botschaften vermitteln will (und Emoticons aus Gründen des Purismus für die private Kommunikation ablehnt). Selbst Glückwünsche können dann wie Ironie klingen und Wärme wie Kälte.
Wenn man dazu auch noch zu stulle oder zu stolz ist um die so geschürten Missverständnisse durch einen beherzten Griff zum Hörer und ein entrüstetes „Hä?“ aus der Welt zu schaffen und sich statt dessen immer weiter hinein frisst in seinen Gram und sich dabei selbst unermesslich bedauert und eisig schweigt, während die Türen zum Glück weit offen stehen wie Scheunentore, dann gehört es einem eigentlich nicht besser.

Manchmal aber ist eben doch Weihnachten und Liebe in der Welt und vielleicht sogar der Heilige Geist und dann kommen sie zu einem, die erlösenden Worte, die augenblicklich von jedem ganz und gar abwegigen Gedanken und Zweifel befreien und am Ende fällt man sich in die Arme und alles ist eitel Wonne und man verspricht sich in Zukunft nicht mehr derartig verquer zu kommunizieren und zu denken.

Will sagen: ich bin sehr erleichtert und froh.

Kamikaze oder Schlingernde Fische

English: Ny Carlsberg Glyptothek, Copenhagen. ...

Ajax begeht Selbstmord. (Photo credit: Wikipedia

(Teil I  > Save Our Souls. oder schluchzende Fische)

Am nächsten Morgen komme ich nur schwer aus dem Bett, trinke zwei große Instantkaffee -schwarz- hobele mir unter der Dusche mit dem Rasierer ins Schienbein, und blute anschließend wie ein Schwein. Erst mittags komme ich los. Trotz reichlich Platz im Auto, reise ich mit minimalem Gepäck.

(Entsagung, Askese, Aufopferung/
Stabat mater dolorosa/ Gewissensbisse bei allem, was nicht Mangel ist/ Woanders verhungern die Menschen)

Das Auto ist vollgetankt und springt problemlos an. Zwei Mal in den letzten Monaten, hat der Marder im Motorraum gewütet und dabei Zündkabel und Kühlwasserschlauch zerbissen. Es gibt viele hier draußen,  und sie werden gejagt.
Mitten im Foyer der neurologischen Klinik haben sie sogar einen gefangen, und anschließend in die Tierversuchslabore im Keller gebracht.
Er war auf unerklärliche Weise in den rundum verglasten Patio mit der einsamen Pinie geraten, und schließlich von zwei Männern, in weißer Schutzkleidung, mit einem Käscher gefangen worden.
Ich kam zufällig dazu, als sie gerade versuchten das verschreckte Tier vom Baum zu holen. Auf der eleganten Sitzgruppe unmittelbar vor dem Glashof, unterhielt sich eine Frau, mit langen, wulstig-roten Narben auf dem kahlen Schädel, völlig unbeteiligt von dem was gerade geschah, mit ihrem Besucher.
Schon vor ein paar Tagen war sie mir wegen ihres merkwürdig verformten Kopfes aufgefallen.
Der Krankengymnast erklärte mir, dass ihr Gehirn nach einem operativen Eingriff geschwollen war, und ein Teil des Knochens, der normalerweise die Stirn bis zu den Schläfen bedeckte, in einer Knochenbank gelagert würde, bis er wieder eingesetzt werden könne.
Bei der Vorstellung, mit einem ungeschützten, nur von Haut ummantelten Hirn unterwegs sein zu müssen, zog sich mir der Magen zusammen. Sofort hatte ich die Vision offenstehender Küchenschranktüren und den grauenhaften Folgen einer kurzen Unachtsamkeit.

Jede Verletzung, bei der ein Fremdkörper in Gewebe eindringt und es durchstößt, erschreckt und ekelt mich. Messerstiche, Munition, Splitter.
Dann schon lieber stranguliert oder mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen werden, ertrinken, ersticken. Sauber und unversehrt von außen.
Außen hui, innen pfui, wie meine Mutter sagen würde. Meine Mutter.

Inzwischen bin ich durch die halbe Stadt gefahren, und nehme in Heidingsfeld die Ausfahrt zur Autobahn.
120 km bis Frankfurt.
Die Strecke geht durch den Spessart und führt mich vorbei an Orten wie Rohrbrunn, Weibersbrunn und Mespelbrunn. Letzteres berühmt für sein Wasserschloss.
A.s Verehrer könnte erklären, wie diese Ortsnamen entstanden sind.
Keine Ahnung, wo sie diesen verknöcherten Typ, mit der Kopfhaltung eines fliehenden Huhnes, aufgegabelt hat.
Kürzlich erzählte er ihr und mir vom etymologischen Ursprung alter Flur- und Siedlungsnamen. Das Suffix -ach, zum Beispiel, verweise immer auf einen Fluss. So wie in Eisenach, oder Schwarzach. Culm, kulm oder col bezeichne einen Berg, eine Anhöhe, während die Endung -hart einen Wald benenne. Spessart, der Spechtswald.
Das wusste ich schon von meinem Vater, der regelmäßig, auch gerne mitten in einer Unterhaltung, das Standardwerk der deutschen Etymologie, den Wasserzieher, hervorholte und uns belehrte.
Manchmal kotzten mich seine Ausführungen an. Besonders dann, wenn ich gerade im Erzählfluss war, er mir mit der unnötigen Unterbrechung die Pointe versaute und zudem sein totales Desinteresse an dem, was ich zu sagen hatte, zeigte. Form vor Inhalt.

Als das hagere Huhn uns in die Etymologie der Siedlungsnamen einführt, stößt es bei A. auf stirnrunzelnde Langeweile. Aus Mitgefühl eile ich ihm mit ein paar Fragen zu Hilfe, die er aber eher unwillig beantwortet. Schließlich bin ich nicht das Korn, das er picken möchte. Vor den Kopf stoßen will er mich auch nicht. Weiß man ja: Freundinnen als Türsteherinnen zum Paradies.

-Vielleicht sollte man manchmal einfach gleich mit offenen Karten spielen, denke ich, ehe einer sich verrennt und unglücklich wird.

Das Huhn hat keine Chance. Heute nicht, morgen nicht und überhaupt niemals. A.wird ihn aber nicht aufklären. Ist doch peinlich, wenn man jemandem erst einmal unterstellen muss, dass er scharf auf einen wäre. Wahrscheinlich streitet er es ab, und schon steht man da und weiß nicht was man sagen soll.
Ich denke an den Galan. Der würde mir fehlen, wenn er weg wäre, obwohl mir seine übertriebene Verzückung lästig ist, wenn er, wie neulich erst, mit großen Worten und Gesten vor mir auf die Knie fällt. Im Supermarkt. Auch peinlich.
Die Trennung von C. liegt erst wenige Monate zurück. Auch meine Mutter ist noch nicht lange weg. Kurz nach dem Infarkt meines Vaters hat sie heimlich gepackt und ist verschwunden. Einfach so, ohne Nachricht.
Überall lose Enden, denke ich, während der Nissan durch den schattigen, kühlen Spessart gleitet. Auf dem Sitz neben mir kauert das kleine Getüm in seinem Körbchen und maunzt. Ich drehe das Radio auf und wechsle wegen des schlechten Empfangs zu Cassette. Der Sound bleibt miserabel, die Boxen in den Seitentüren scheppern, die Katze klagt noch lauter.
Gitarrengeschrammel, der unverkennbare Sound von Hüsker Dü.

Hey little girl, do you need a ride?
Well, I’ve got room in my wagon why don’t you hop inside
We could cruise down Robert Street all night long
But I think I’ll just rape you, and kill you instead

Als ich aus dem Wald heraus fahre, öffnet sich vor mir das schönste Tal des Spessarts, und gleich darauf führt meine Lieblingsbrücke mit einer leichten Linkskurve über eine tiefe Schlucht.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück
Für einen Moment schließe ich die Augen und atme tief ein. Eine große Traurigkeit und die Sehnsucht nach einem intakten Leben überkommt mich, Schmerz drückt sich aus dunklen Tiefen wie eine dicke, zähe Teerpaste nach oben, und wickelt sich wie eine Anaconda um meinen Brustkorb. Die Nase geht zu; mit geöffnetem Mund versuche ich meine Tränen weg zu atmen. Die Augen schwimmen.
Ich trete das Gaspedal durch.180 km/h, Seitenwind. Der Nissan fängt an zu schlingern, die Katze schreit. Wütend schlage ich gegen ihren Korb. Sie soll ihr verfluchtes Maul halten, das Scheißvieh!
Sofort tut es mir leid. Was mache ich da?
Jetzt schüttelt es mich so sehr, dass die Straße verschwommen vor mir liegt.
Ich könnte das Lenkrad loslassen. Bei der nächsten Kurve wäre alles vorbei. Ich würde in die Leitplanke brettern und abstürzen, oder von einem nachfolgenden, schwer beladenen LKW zermalmt werden. Sekundentod.
Das würde meinem Vater den Rest geben.
Ich löse den Gurt.

You’re the cutest girl I’ve ever seen in my life
It’s all over now, and with my knife

Eine Weile noch heule ich weiter, bis ich vollkommen leer und erschöpft bin. Kurz vor Aschaffenburg fallen mir beinahe die Augen zu. In das hiesige Museum für alte Sportwagen wollte der Fernsehmann auch unbedingt mit mir gehen.
Wie vieles andere, haben wir es immer wieder vertagt.
Bis zum Offenbacher Kreuz ist es nicht mehr weit. Danach fährt es sich wie von selbst. Heimweg.
Als ich ankomme, schaue ich auf die Uhr im Auto, die ganzjährig Sommerzeit anzeigt.
Eine Stunde von Haustür zu Haustür. Rekord.
Mein Vater kommt raus, wundert sich, das ich so schnell da bin, und nimmt mir den Weidenkorb mit der Katze ab.
Die nächsten drei Tage verbringe ich nur mit ihm. Koche für ihn, rede mit ihm, tröste ihn. Treffe niemanden sonst. Auch nicht C., den Fernsehmann.
Ich habe ein neues Leben angefangen, dort in der kleinen Verwaltungsstadt, in der ich solange in der Klinik lag. Mit meinem alten Leben will ich nichts mehr zu tun haben.

Nachts schlafe ich im Arbeitszimmer, unter dem gerahmten Plakat der New Yorker Bauarbeiter, die in schwindelnder Höhe auf hängenden Stahlträgern sitzen und frühstücken.
Immer wieder kommt mein Vater in den Raum, weckt mich und setzt sich an meine Bettkante.
-Kannst du mir was Gutes sagen?
-Es ist gut, dass sie weg ist, ihr habt euch sowieso nur zerrieben! Sie ist es nicht wert, dass du ihr nachweinst. Wenn es Liebe gewesen wäre, würde man nicht einfach so gehen und alle Konten abräumen. Du brauchst sie nicht. Erinnere dich, wie entspannt du warst, als sie im Krankenhaus lag. Du hättest sie doch auch am liebsten verlassen. Deine Trauer ist irrational. Jetzt fängt das schöne Leben an!
Mein Vater schreibt alles auf, was ich ihm sage. Damit er es nachlesen kann, wenn ihn die Einsamkeit und die Trauer anfallen, und er in seinem Gedankenkarussell kreist, bis ihm schwindelt.
Keine Stunde später steht er wieder neben meinem Bett und ist tief verzweifelt. Er hat das Notizbuch in der Hand und bittet mich ihm zu erklären, wie ich was gemeint habe, und warum es gut ist, dass sie gegangen ist.
So geht das 3 Tage lang. Tagsüber fühlt er sich besser, aber Nachts, wenn der ausgehöhlte Geist um Schlaf ringt, und die Lider einfach nicht geschlossen bleiben wollen, wenn es ruhig wird auf den Straßen, wenn der gewohnte Atemzug neben ihm fehlt, wenn ihn diese ganze Sinnlosigkeit des Lebens, des In-die-Welt-Geworfenseins, diese unabänderliche Einsamkeit umzingelt und sich wie ein schwerer Stein auf seine Brust legt, dann hält es ihn nicht auf dem Laken. Dann muss er reden. Wenn schon mal jemand da ist, in dem großen Haus, in dem wir früher zusammen gelebt haben und das er jetzt alleine bewohnt.
Ich bin froh, dass er nach seinem schweren Herzinfarkt und der Reha in Bad Orb überhaupt wieder arbeiten kann. Beschäftigt sein, abgelenkt sein, sich durch Sachlichkeit und Routine sedieren. Über Wasser halten.

Als ich ihn im Frühsommer in der Reha besuchte, war ich selbst noch Patientin in der Uniklinik in Würzburg, und fuhr heimlich mit dem Galan und dessen beige-braunem 1er Golf nach Bad Orb.
Bad Orb, der Ort, in den jedes Frankfurter Schulkind einmal auf Klassenfahrt geschickt wurde, und wo ich im Wald, der ans Schullandheim angrenzte, eine ganze Kiste voller verstörender, pornografischer Fotos gefunden hatte. Die Lehrerin war sehr ernst, als ich sie ihr zeigte, und kurz darauf kam die Polizei und durchkämmte das Waldstück. Ich schämte mich sehr. Damals war ich 8 Jahre alt.

Ich erlebe meinen Vater verändert, als ich ihn an diesem Nachmittag, bei schönstem Wetter, in dem kleinen Kurort besuche. Resigniert. Er redet über den Betrug, mit dem die Romantik Vorstellungen vom richtigen Leben nähre, denen keine Wirklichkeit je gerecht werden könne. Die Verheißung, hinter deren prächtigen Toren das Nichts lauerte. Die Jagd nach dem Glück, das man in einem Menschen zu finden hofft, dieser Mann für diese Frau, die Ernüchterung.
Jeder Schlager, jedes Gedicht künde von dem Großartigen, das einen erwarte, wenn man nur auf den richtigen Menschen treffe. Die Blaue Blume am Wegesrand. Gib´s auf, gib´s auf!
Er erzählt mir auch, wie sehr es ihn erschüttere, dass er sich nicht mehr auf seinen Körper, auf seine Gesundheit verlassen könne. Er war doch immer der Robuste der drei Brüder.
Der Infarkt ereignete sich nur wenige Tage nach einem Belastungs-EKG, das ihm uneingeschränkte Herzfunktionen bescheinigte. Das Vertrauen in seine eigene Unverwundbarkeit sei jetzt weg.
Geht mir nicht anders, denke ich, schweige aber und höre ihm zu. Es gelingt mir, so zu tun, als könne ich das Tonnengewicht seiner Trauer problemlos auf meine Schultern packen. Ich muntere ihn sogar auf, und fahre am Abend wieder zurück nach Würzburg, in mein Zimmer auf der Station 2 Nord, wo mir Schwester Silvia noch eine Kanne Fencheltee kocht.

Zwei Tage vor seinem Infarkt hatte er mich im Krankenhaus besucht. Allein, wie immer. An diesem Tag sagte ich ihm, wie dankbar ich ihm bin, dass er mich in all meinen Entwicklungen immer unterstützt und mir vertraut hat, dass ich meinen Weg gehen würde, auch wenn dieser nicht gerade ist und mehrere Anläufe erforderte. Es war ein besonders herzliches Treffen, in dessen Verlauf ich ihm sogar sagte, wie gerne ich ihn habe.

Als ich Frankfurt am späten Sonntagnachmittag verlasse bin ich erschöpft von soviel Trauer und den ständigen Schlafunterbrechungen. Es fällt mir schwer zurück fahren, aber Montag habe ich wieder Vorlesungen, und ich bin mit meiner Kraft am Ende.
Die Rückfahrt durch den Spessart tut mir gut, die Katze schläft in ihrem Korb, und als ich in Würzburg ankomme, rufe ich Ida an, um mit ihr nach Grombühl zu fahren und etwas zum Kiffen zu besorgen. Sie hebt sofort ab.

-Hallo?
-Ja, ich bin´s. Was machst du gerade?
Mit dem, was dann kommt, habe ich nicht gerechnet.
-Wo warst du? herrscht sie mich an.
-Äh, ich war bei meinem Vater.
-Wieso hast du mir nicht Bescheid gesagt?
-Ich sage doch nie Bescheid, wenn ich mal 3 Tage weg fahre. Außerdem hattest du Frühdienst.
-Und die Katze hast du allein gelassen?
-Nein, die habe ich mit genommen, wie immer.
-Hast du niemandem gesagt, dass du wegfährst?
-Doch, der A.
-Du bist so ein Arschloch!
-Hä, was´n los?
-Du bist so rücksichtslos und egoistisch, ich hab keinen Bock mehr auf dich!
Fieberaft überlege ich, ob ich irgend etwas getan habe, was sie so in Rage bringen konnte. Mir fällt absolut nichts ein.
-Jetzt hör aber mal auf! Was hab´ ich denn gemacht?
Plötzlich zittert Idas Stimme. Die harte, coole Ida, die aussieht wie Frida Kahlo mit dem ironisch-bohrenden Augen Salman Rushdies, weint.
Ich bin platt.

-Was ist denn passiert? Ist irgendwas mit Edo? Idas Freund ist Gelegenheits-Junkie, der mit Taxifahren seinen Stoff finanziert und immer häufiger auch in ihre Tasche greift.
-Nein, was soll mit dem sein! Ich habe mir Sorgen um dich gemacht. Wir haben dich überall gesucht.
-Wieso denn? Wer denn?
Sie erzählt mir, dass der Galan völlig außer sich, bei ihr auf Station erschienen sei. Von einem Klassenkameraden, der im gleichen Haus wie ich wohnte, hatte er erfahren, dass die Feuerwehr mit der Rettungsleiter in meine Wohnung eingestiegen sei, und mich schließlich auf einer Bahre, oder in einem Sarg, da war er sich nicht sicher, rausgetragen habe. Das hatten andere Nachbarn bestätigt. Jeder erzählte, was er über mich wusste. Dass ich so zurück gezogen lebte und viel alleine war, dass ich keine Kontakte aufnahm, und dass man mich immer wieder durch die Rohre im Badezimmer schluchzen hörte.
Ida und der Galan hatten dutzende Male versucht mich telefonisch zu erreichen, waren dann zu meiner Wohnung gefahren, und fanden dort zwei dicke Blutstropfen vor meiner Türe.
Sie hatten gegen die Tür gehämmert, die Katze gerufen, waren anschließend sämtliche Krankenhäuser abgefahren und hatten bei Polizei und Feuerwehr angerufen. Ohne Ergebnis.
A.s Nummer hatten sie genau so wenig, wie die Privatnummer meines Vaters.
Der Galan hatte sich schwere Vorwürfe gemacht meinen schlimmen Zustand nicht erkannt zu haben, als wir uns zwei Tage zuvor noch kurz gesehen hatten. Das schwule Pärchen erzählte ihm von meinen Tränen und dem endlos läutenden Telefon. Alles passte zusammen.
Nach dem Gespräch mit Ida rufe ich beim Galan an. Er ist nicht Zuhause, und ich hinterlasse eine Nachricht.
Zwei Stunden später klopft er an meine Tür. Als ich öffne bleibt er kurz stehen und schaut mich mit rot geäderten Augen an. Dann drückt er mich so vorsichtig, als würde ich sonst kaputt gehen.
-Sowas darfst du nie wieder machen, sagt er leise,  ich bin so froh, dass du noch lebst!
-Ich auch.
Zusammen rauchen wir eine Tüte und hören Musik.
Spät in der Nacht geht er nach Hause.

Musik zum Text: Hüsker Dü, Diane