Mattress Mistress

Nach der letzten Hunderunde, es ist  fast zwei Uhr nachts, kehren wir nach Hause zurück.
Vor der Haustüre steht eine jener spanischen Dreadlock-Hippiepunk-Mädchen, die mit Bussen, Wohnwagen und Hunden angereist sind, und vor dem Rauchhaus auf dem Bethaniendamm in größeren Gruppen herumlungern. Sie trägt ein kurzes Röckchen, abgetragene Springerstiefel, jede Menge Armreifen, Nieten hier und da, und traumfängerartige Deko in ihren knotigen Dreads. Die Schläfen sind stoppelig ausrasiert, ihre Stimme, wie erwartet heiser und rauchig. Ob wir vor etwa 2 Wochen eine Matratze auf den Gehweg deponiert hätten, versehen mit einem Zettel. „Mattress for one night“, fragt sie auf englisch.

matratze no. 13

matratze no. 13 (Photo credit: dev null)

Das kann ich klar verneinen.
Sie insistiert. Irgend jemand müsse die Matratze aber vor die Tür gelegt haben. Sie wolle diese Person finden. und mit ihr sprechen. Ob ich eine Idee habe?
Nein, hab ich nicht. Ich meine mich zu erinnern, dass zwei Häuser weiter eine Matratze, zusammen mit anderem Gerümpel  lag, aber sicher weiss ich es nicht. Inzwischen schmeissen alle ihren Müll vor die Tür, dem sie großspurig einen Zettel „zu verschenken“ beilegen, weil sie keine Lust haben ihn zum BSR-Hof zu schleppen. Erstaunlicherweise findet oft selbst siffiges  Zeug  in kürzester Zeit neue Besitzer.
Sehr merkwürdig finde ich allerdings, dass sie um diese Uhrzeit so dringend das Gespräch darüber sucht.
Sie wohne in einer Gruppe mit 10 Menschen, erklärt sie schließlich, und jeder habe in der letzten Zeit einmal eine Nacht auf der Matratze geschlafen.
Prima. Schön habt ihr´s, denke ich, und weiter?  Ich bin müde und möchte in mein Bett.
„Everybody of the group has flees now“, erklärt sie mit rollendem r und vrowurfsvollem Gesichtsausdruck.

Oh.

(Ich tippe auf Wanzen. Die sollen wieder groß im Kommen sein)