Bittere Asche

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Wir wollen nicht spalten – wir wollen versöhnen, vertöchtern, veronkeln, vertanten, verneffen und vernichten

(Peter Glaser)

 

 

Das Wort Versöhnung bekommt einen ganz neuen Klang, wenn ausschließlich der Sohn (also mein Bruder) der Seebestattung der Mutter beiwohnen darf, weil der Mutterbruder, auch Onkel genannt, mutmaßt, die beiden hätten sich (nach über 20 Jahren)  wahrscheinlich doch noch irgendwann versöhnt, wenn nur der Mutter nicht die blöde Demenz dazwischen gegrätscht wäre.

Die Vorsilbe „ver“ deutet zwar oftmals auf etwas negatives hin – verloren, verirrt, verwirrt– in diesem Falle soll es aber wohl was Gutes sein, die onkelseits gestattete Versöhnung des Sohnes mit der toten Mutter.

Vertöchtern gibt’s leider nicht, das sehen der Duden und das Leben (und der Onkel) nicht vor, und deswegen müssen die beiden Töchter sich dem letzten Willen der Mutter beugen und an Land bleiben, während deren Asche verstreut wird.
Ihre völlige Auslöschung wollte sie, nichts sollte mehr von ihr übrig bleiben, um uns Kindern keinen Ort der Trauer zu geben. Das war ihr letzter Wille.

Ich glaube ich werde nie wieder im Meer schwimmen können, ohne Angst zu haben mich an ihr zu verschlucken.

 

 

 

 

 

 

Bild: Uwe, Die Rückkehr
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