Pädagogik

Gestern entdeckte ich im Spamordner meines Email-Accounts folgende Mail:

Hallo, ich habe etwas, das Ihnen gehört.Wenn Sie es wiederhaben möchten kontaktieren Sie mich unter dieser Email-Adresse.

Unterschrieben von einer Frau mit skandinavischem Namen.

Tatsächlich hatte ich Vorgestern mein Portemonnaie mit Karten, Ausweis und natürlich auch mit Geld verloren.
Das wäre noch zu verschmerzen gewesen, wenn das kleine hübsche Lederding nicht ein ausgefallenes Teil aus einer Manufaktur in Buenos Aires gewesen wäre.
Die Aussicht wenigstens dieses Schmuckstück und eventuell meine Karten wieder zu bekommen, stimmte mich zuversichtlich.
Ich antwortete unter Angabe meiner Nummer und wartete auf Kontaktaufnahme.
Die nordische Frau meldete sich am Abend. Wir glichen den Inhalt des Portemonnaies ab. Alles, wirklich alles war noch drin.
Meine Freude über ihre Ehrlichkeit wehrte sie ab.Sie habe ihren beiden Kindern bloß zeigen wollen, wie man sich richtig verhält.
Um mich vollends zu beschämen, brachte mir kurz darauf ihr Mann, begleitet von den beiden Kindern, das geliebte Stück vorbei.
Ich bedankte mich herzlich, und um den Lerneffekt bei Mutter, Vater und Kindern zu verstärken, überreichte ich ihm eine kleine Zusammenstellung von Suchtmitteln für die ganze Familie: Wein, Mozartkugeln, Bonbons und 2 nagelneue Stoffpüppchen.
Drei Stunden später, es war fast Mitternacht, erhielt ich eine überschwängliche Dankesmail, auf die ich wiederum mit einer noch viel dankbareren antwortete.
Dann kam nichts mehr.