la grue jaune

Am Morgen schnürt eine Frau im langen, schwarzen Kleid über das Dach des Zuges. Ihre Bewegungen ein Fruchtbarkeitstanz.
Bald nach dem Aufstehen lege ich mich wieder hin. Obstbäume vor dem Fenster.

Nachts höre ich Dokus. Nach wenigen Minuten bricht die Verbindung ab und ich schlafe ein.

Gegen 6 Uhr das helle Läuten der nahegelegenen Kapelle. Im Garten brennt Licht für die Heimkehrer. Ich schließe die Augen und öffne sie als ein regelmäßiges Scheppern die Stille zerschlägt. Jemand wirft Äpfel in eine Schubkarre.

Auf dem Hof ist keine Stimme zu hören.

 

Am Nachmittag erhebe ich mich noch einmal aus dem Bett. Nach einem Becher kalten Morgenkaffees ziehe ich einen roten Rock über und gehe durch das Dorf. Die Sonne scheint auf den See, die Bergspitzen liegen im Nebel. In einem düsteren Nadelwäldchen steht ein schwarzer Holzverschlag. Verborgen allen die nicht von ihm wissen. Ich horche auf Klopfzeichen oder Wimmern und gehe rasch weiter. Wieder zirpen die Zikaden und die Sonne sticht und schmerzt. Ich will mich abstützen und finde keinen Halt. Mit geschlossenen Augen stolpere ich davon. An der nächsten Biegung höre ich die alte Frau und hebe vorsichtig ein Lid. Als sie mich sieht, stellt sie sich vor ihren Schäferhund und redet beruhigend auf ihn ein. Ihre Stimme klingt blechern. Auf Eierschalen schleiche ich an ihr vorbei.

 

Ein Schnipsen und es hört auf

 

Vor der Kurve das heisere Horn der Lokomotive. An den Gleisen steht ein Mann und sagt: Mit dem Hut sehen Sie aus wie Gabriele Münter.

Nonnenmacher

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Der Weg führt uns über abgeerntete Felder. Hell stehen die Weizenstoppeln, wie ausgebleichte Knochen.
Ein Schmetterlingspaar tanzt durch die Lüfte. Es riecht nach Gülle.
In der Ferne erhebt sich dunkel der Wald.
Hier und da ist ein Hochsitz zu sehen.

Dem Weiler vorgelagert sind Obstbäume, Weiden und Tierställe. Die einzige Straße ist menschenleer. Am Wegesrand stützt ein morscher Birnbaum sich auf einen Brennholzstapel, Heuballen liegen herum, ein halbabgeerntetes Maisfeld steht zwischen zwei Häusern und überhaupt ist hier alles in heimeliger Unordnung, liegt kreuz und quer umeinander, ist lidschäftig, wie der Franke sagt und die grunzenden Schweine haben sich in der Ortsmitte zu einem schmutzstarrenden, zufriedenen Haufen zusammen gefunden.

Durch den 12-Häuser- Weiler führen zwei Wanderwege. Für die sommerlichen Ausflügler gibt es gleich drei Gaststätten, in denen sie Zungenwurst, Jostabeer-Kuchen oder Kochkäseschnitzel essen und ihren Durst mit Faust-Bier löschen können. Eine ältere Dame bestellt einen sauer Gespritzten, der ihr im Gerippten gereicht wird.
Heimat, oh Heimat.

Vor einiger Zeit, so erzählt der Freund, habe ein ortsansässiger Bauer bei ihm die Förderung zur Einarbeitung einer landwirtschaftlichen Hilfskraft beantragt. Es handelte sich bei der Person um eine Transsexuelle, die den steinigen Weg einer Geschlechtsumwandlung vom Mann zur Frau gegangen war, und in Zukunft, an diesem gottverlassenen Ort, die Kastration der Schweine vornehmen wollte.

David Lynch hätte es sich nicht besser ausdenken können.