Ochsenhunger

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Dem Mann am Telefon erzählte ich ich trüge einen schwarzen, hautengen Catsuit mit durchgehendem Reißverschluss und einer schmalen Kette um die Hüften, ich konnte hören, wie seine Knöchel weiss wurden, als er die Hand zur Faust ballte, also erzählte ich weiter. In der Hocke säße ich, die Kniee weit auseinander und zöge ganz langsam den Zipper herunter. Dann legte ich auf.
Ein paar Wochen später erreichte mich ein Paket mit allerlei Gaben. Darunter eine New York Times, die ich von vorne bis hinten durchlas, doch ich fand keinen Hinweis. Er hatte es mir mit gleicher Münze heimgezahlt.

Ein anderer trug den Namen eines Waldtieres und nachdem ich ihm von meinen schweren Botten, dem Tanktop und dem Minischottenrrock erzählt hatte, schickte er mir ein feines silbernes Kettchen mit Kügelchen daran. Er schrieb es täte ihm Leid, er besuche regelmäßig Swingerclubs, seine Frau wisse nichts davon, und auch mich wolle er nicht belasten mit diesem Geheimnis.

Der Dritte und Letzte rief mich von einem Parkplatz aus an, wo er mit Unbekannten verabredet war. Flüsternd erzählte er mir was dort in der Dunkelheit vor sich ging. Dann legte er auf.

Von ihm habe ich nie wieder gehört. Doch ich erinnere mich noch an seinen Namen: Marek.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Vizero, Vollmondparken, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/

Je suis sex-appeal

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Mit dem Sommer lässt sich vieles erklären. Zum Beispiel gute Laune, Musik und Nagellack. Üblicherweise naturbelassen leuchten die Nägel derzeit in Chanelrot oder in chicem Metallicblau /(Chic geworden durch eine chemische Reinigung)/, wie der alte 7er-BMW, der lässig an mir vorbeischippert, irgendwo in Mitte.

Vor dem Café Einstein am Gendarmenmarkt sitzt eine Brünette im kurzen cremefarbenen Kleid. Ihre Haut ist golden, Haare und Beine lang, und in den schlanken Fingern hält sie eine gelbe Rose. Neben ihr sitzt ihr Mann, lehmfarbener Anzug, hellblaue Seidenfliege, ein Geck durch und durch, und starrt jeder Vorbeistöckelnden mit unverhohlener Lust hinterher. Souverän übergeht seine Frau das unziemliche Verhalten und schlägt ihre Beine in vollendeter Anmut übereinander.
Eine Lotusblüte.

Als die beiden später in Richtung Französischer Dom davon gehen, läuft er drei Schritte hinter ihr und betrachtet genüsslich ihren runden Po, der sich unter dem leichten Stoff abzeichnet.

Lunsen will er, denke ich, heimlich, und nicht mit vertragsmäßiger Einwillligung.
Es ist viel zu einfach, wenn das Begehrte verfügbar ist.
Sie weiss das und sie spielt mit.

Ich erinnere mich, wie mich der Fernsehmoderator vor Jahren gegen den Arm knuffte, als ich einem Mann hinterherstierte, der mit federnden Schritten und schönen Unterarmen die Straße vor uns überquerte.
Wir saßen zusammen im Auto, es war Sommer und ich hatte meine nackten Beine auf dem Armaturenbrett abgelegt, mein Rock war nach oben gerutscht, die Bluse weit aufgeknöpft. Hin und wieder warf der Moderator einen Blick auf mich und seufzte, derweil ich die vorbeiflanierenden Körper bewunderte, deren sommerliche Haut meine Phantasie beflügelte.

So ähnlich geht es vielleicht auch dem Gecken, der, in der Blase seines Begehrens gefangen, gar nicht bemerkt, dass alle Welt ihn beobachtet.
Oder es ist ihm einfach egal, überlege ich weiter, und dieser Gedanke macht ihn mir auf einmal sehr sympathisch.

 

 

 

 

Musik zum Text: Katerine, Francis et ses Peintres – Je suis sex-appeal (J.Sablon)

(youtube Direktlink)

 

 

 

 

 

Bild: Thomas Hawk, flickr, Hubba Bubba
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/

trivia

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Was bist du denn so aggressiv/ ich bin doch nicht aggressiv!

Geraune, Gesilbe, reden ohne zu sprechen. Text.
Gehässiges Einanderbeklatschen, gönnerhaft grün vor Neid, von Herzen.
Am Morgen schon das Selbstgemachte im Töpfchen -Schau, was ich kann. – Chapeau!

Künstlerscheiße in Dosen,  warum bin ich bloß so aggressiv?, Ausdruck von Lebensenergie.
Das Innerste nach außen kehren (cloaca).

Was geht mich das eigentich an, die Berufenen und Gerufenen.
Guckmal, guckmal, ich bin ein König, denn ich trage eine Krone. – Kotau!

/

Die große Rutsche aus Plastik, ein billiges Getüm wie Gedärm (gedärmengleich), der Erreger Toxoplasmosiiiii, der die Maus dazu bringt der Katze hinterherzulaufen, um sich fressen zu lassen, auf dass der Kreislauf niemals enden möge. Never ever!
Selbst die  Ameise beisst sich fest, ganz oben am Halm, um gepflückt zu werden, vom Vogel, den der Kater reisst. Willenlos.

Tirilier

Leidenschaft, soviel Leidenschaft, Passion und Emotionen, lebe deinen Traum, aber lebe! In der vollendeten Trivialität, ohne Hügel und Gräben, nicht einmal Abgrund. Gewalt – oder war´s Gewaltigkeit?- und Sehnsucht, Worte, Worte, Grütze, atemverschlagend stark.
Ich rutsche.

Mit Getöse nichts erleben, rätselhaft und nebulös flüstern, Geheimnisse beschwören, wo Nichtigkeit waltet und hallt. Langeweile. Betulichkeit.  Eifernde Ödnis, ergriffen von der eigenen, unendlichen Empfindsamkeit. Widmen, verehren (verachten).
Mitunter klabauternd.

/

Die Bambergerin, die in Oxford zur Intellektuellen wurde, beim Studium des Querulantismus mit Schwerpunkt Petitionswesen. Vereint (Schwesterlichkeit!) antreten gegen das Bild-Girl, das angestaubte  PinUp aus dem Pleistozän.
(Männer sollen nicht auf Brüste onanieren, wenn Frauen das nicht wollen, nur wenn Frauen das wollen, dann sollen Männer auf Brüste maturbieren dürfen. Gibt es denn keine Tabletten gegen sowas. Reproduktion ist so gestern, wie Schamhaar. Kommt aber wieder. Wächst nach).
Der Dachdecker, zwischen zwei Atemzügen, sein Brustkorb eng vom Teer, blättert das Blättchen ohne Tittengirl und wischt sich ein Manga zur Entspannung auf den Screen.

Die Nächste (gender studies), merkt, dass sie was weiß, ist wie gelähmt, und befreit den Tampon von der pink tax; warum sollte er schlechter dastehen als Trüffel und Hundefutter? Frauen werden diskriminiert, wo man hinschaut (Brüste und Gesäß, Lippen, schöne Haare); das Schwein hat mir hinterher gepfiffen!
Wie ein klammer Umzugskarton (Wollpullis, Regal, Flur) steht man im Aufzug, mit marmorierter Haut, und keiner schaut, nicht einmal hier, wo sonst niemand ist; ob man sich mal ins Treppenhaus stehlen sollte, wenn der Nachbar herunterkommt, im Negligé, und dann ein wenig seufzen, mit den Hüften.

Am Ende stöhnt man ganz allein in seiner Kemenate und wünschte (wisch).
Wie selbsterniedrigend kann man sein!
Internalisierter Sexismus halt.

Zuviel Durchblutung schadet nur, egal wo.

 

 

 

 

 

Bild: Von Michael Albov – Michelle L‘ Amour, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2410368

Muschi

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C. sitzt am Tisch, einen Arm lässig über die Rückenlehne des Stuhles gehängt. Mit dem anderen öffnet er sein Hemd. Ich tue es ihm gleich.
Halbaufgeknöpft und mit gekipptem Becken sitzen wir auf unseren Stühlen, dazwischen der Tisch.
Seine Augen sind dunkel, die Pupillen nicht zu erkennen.

Er nimmt die schmale Streichholzschachtel vom Tisch und dreht sie zwischen zwei Fingern ohne sie anzusehen. MUSCHI steht darauf.

Ich rutsche ein wenig auf dem Stuhl nach vorne.

 

 

 

 

 

 

Bild: K.Günter Sturm (Bildausschitt von Geflecktblättrige Flämmlinge (Gymnopilus penetrans) Lamellen
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

el argentino

Foto

Das zweite Mal treffe ich den Argentinier auf dem Brückenfest. Es ist kurz vor dem großen Sturm, der Himmel violettschwarz, und der Ballonverkäufer neben den schweren Pfeilern der Hochbahn hält mit ausgestrecktem Arm und verzweifeltem Gesichtsausdruck, die sich unruhig gegeneinander drängenden Bienen und Einhörner fest, die hypernervös, startbereit, sich aufbäumend, nach oben preschen wollen, weg nur weg von hier, und öffnet die Hand in der Sekunde, als der erste Donnerschlag den Himmel erschüttert. Sofort reisst es die Ballons fort, nach oben, ins Schwarz, die herniedersausenden Böen schubsen und boxen das bunte Treibgut durch die Lüfte, erste schwere Tropfen treffen auf den staubigen Asphalt, meine Brustwarzen stellen sich schmerzhaft auf. Leuchtend heben die Ballons sich gegen den dunklen Himmel ab, Bienen, Ernies, Berts und Einhörner.

 

 

 

 

 

schwelen

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Sich nach außen stülpen. Bis zum Äußersten gehen. Sich verausgaben in rasender Übereinkunft.
Die kleinen Ausschläge in den Falten der großen versenken.
Beben.

Unkontrollierte Verschwendung. Ziellose Ekstase.
Der Wurm im Fleisch. Das Gehäuse.

Hacerse viejo. Selbstverzehrender Schwelbrand.

Ponerse muerto

Alpen zu Mittelgebirgen, Felsen zu Sand. Fleisch zu Staub.
Ein Wimpernschlag, Vergeblichkeit (nicht Sinnlosigkeit).
Leben, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Nicht kämpfen, nicht kapitulieren. Nicht unterscheiden.

Zeit verschlingt Leid.

/Der Fuchs auf dem Mittelstreifen, ein Schatten nur. Verhungernde Welpen, Beute. Der verkohlte Uhu am Strommast. Verbunden.

Nicht eingreifen.

Asche. In der Gleichgültigkeit gleich.

Aufgeknüpft am Todestor.

 

 

 

 

 

Bild: http://photozou.jp/photo/show/216071/231615116

Neue Beiträge sind nicht nur gut für die Statistik, sie verdrängen auch den letzten Beitrag von seiner Pole-Position und sorgen mitunter für bessere Stimmung

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Der Eindruck verdichtet sich zur Gewissheit: die Bauarbeiter kommen nur deshalb jeden Morgen zur Arbeit, um einmal mit dem Kabinenlift aufs Dach zu fahren, von dort ein paar Ziegel und Latten unter lautem Gepolter herunter zu schmeissen, auf diese Weise treffsicher alle noch schlafenden Bewohner der umliegenden Häuser zu wecken und alsdann beschwingt und laut redend das Gerüst hinabzusteigen und zum zweiten Frühstück nach Spandau oder Grünheide zu fahren, von wo sie erst am nächsten Morgen um 6.30 h oder 7 h voller Tatendrang wieder zurückkehren- pünktlich zum Wecken.

Besonders lästig ist dieser ungebetene Service, wenn man eigentlich erst um 8 h aufstehen müsste und gleich um eine ganze Stunde betrogen wird, die man irrtümlicherweise in den sorgsam errechneten Mindestnachtschlaf einkalkuliert hatte, weil man jeden Abend zu müde oder zu stulle ist, sich an das morgendliche Lärmdesaster zu erinnern und ihm Rechnung zu tragen.

Unter dem Gerüst sammelt sich einstweilen Müll, in meinem Herzen Groll gegen die Arbeiterklasse.

Freundin A. hingegen gerät schon ins Ekstase, wenn sie nur hört, dass irgendwo Bauarbeiter oder Handwerker zugange sind. Wird die Nachbarswohnung für neue, solvente Mieter saniert, so schmiegt sie sich mit dem ganzen Körper und voller Inbrunst an die Wände ihrer Wohnung um möglichst nahe und auf Tuchfühlung mit der malochenden Männlichkeit zu sein. Gentrifizierung ist für sie pure Erotik.

Nicht auszudenken, sie wohnte in meiner Straße und jeden Morgen weckten sie die Geräusche der Arbeiter. Ich bin fast sicher, sie würde sich nackt und bei geöffnetem Fenster ins Bett legen und einen vorbei kletternden Dachdecker bitten sie zuzudecken.

 

 

 

Bild: https://www.flickr.com/photos/abuaiman/12071085003/in/photostream/
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/

Florett

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Wie gerne ich mit ihm raufen möchte, boxen, in die Seile fallen, zurückgefedert werden und wieder zu Boden gehen. Immer weiter, bis ich nicht mehr kann. Erschöpft und frierend. Auf dem Parkett sitzend, den Rücken an die Wand gelehnt, mit verbundenen Augen. Er liest mir etwas vor und ich klappere mit den Zähnen dazu.

Die Stimme vibriert sich durch den Raum, propellert auf mich zu, erwischt mich, streift den Hals, die Brust, die Hüfte. Jedes Wort ein Schmiss.

Fechten. Wie gut der Sport ihm steht. Den Gegner mit ausgestrecktem Arm und Eleganz auf Distanz halten. Überhaupt: komm mir nicht zu nah. Ganz unaufgeregt, souverän selbstbewusst.
Es gibt nichts Attraktiveres.