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Die Katzen liegen auf dem Bett, jede in ihrer Ecke.

Ein Sonnenstrahl bricht durch die Wolken, ein Fallschirm sinkt in der Lichtsäule hinab.
Eine Qualle steigt auf. Alles sucht die Erdoberfläche. Nur der Fuchs verschwindet in seinem Bau. Der Jäger ist ihm auf den Fersen.

 

Die kleine Polin ist zu Besuch. Support your local punkscene, steht auf ihrem Shirt. Seit 10 Jahren kennen wir uns nun schon. Unvergessen unser erster Nachmittag in meiner Küche. Irgendwann im Herbst. Zigarettenrauch hing in der Luft und wir redeten und scherzten und ich fragte sie, wen sie wählen würde. Ihre Antwort und ihr Grinsen dazu gefielen mir und ich lachte und da fing das an mit der Freundschaft und hat seitdem nicht aufgehört.

 

Als ich die Stereoanlage abbaue, um sie in den Keller zu tragen, finde ich einen alten Rucksack. Darin ein Einkaufszettel. Kippen, sixpack, aromatics elixir, steht darauf. Lang muss das her sein. Wahrscheinlich kannte ich da die kleine Polin noch nicht einmal und wahrscheinlich war ich die Einzige in unserer Szene, die zu zerfetzten Klamotten Nobelparfums trug. Damals lebte auch die R. noch und die Bar 11 hieß Villon und der Barkeeper hatte ein Auge mehr und wir tranken uns im Madonna oder im Kloster bettreif.

Mosche komm isch ganz in Silbä

 

Auch der Kanzler verändert sich. Manchmal erkenne ich ihn nicht wieder. Gemeinsam mit dem Bruder geht er auf klandestine Veranstaltungen und ich frage mich wie der Kanzler sein Menschenbild, seine Menschenliebe, seine Offenheit und Großzügigkeit Allem und Jedem gegenüber mit seiner behaupteten Gesinnung zur Deckung bringt. Gegen den Euro zu sein ist die eine Sache, alles andere ist inakzeptabel. Ich versuche, es auf sein Alter zu schieben und doch tut es weh. Früher oder später verliert man seine Eltern und dazu müssen sie nicht einmal sterben.

 

Von der Cousine kommt eine Mail. Sie schreibt über meine Mutter und wie sie sie als Kind erlebt hat und ich begreife, dass die gesamte Familie wusste, was bei uns los war und was man mit mir machte und doch schritt niemand ein.
Merkwürdig das zu lesen. Irgendwie traurig für das Mädchen, das ich war und dem man an Fasching ein silbernes Krönchen auf den gewaltsam geschorenen Kopf setzte, um es bei nächster Gelegenheit wegen einer Lappalie in den Kohlenkeller zu sperren.

 

Wenn ich je wiedergeboren werden sollte, möchte ich ein Tier sein, das ganz allein auf einem warmen Felsen lebt und an Gott denkt. Oder ein Vogel auf dem höchsten Kran der Stadt. Oder eine Qualle.

 

 

 

 

 

Bild: diadá, flickr
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