Beinahe

Bild+LKWWie beinahe jeden Tag, erbarmte mein Vater sich mich mit dem Auto in den Kindergarten zu fahren, während meine Mutter ihre Haare ondulierte und anschließend ihr aufwändiges Augen-Make-up fertigstellte. Da wir spät dran waren, drängelte mein Vater ein wenig und schloss draußen vor dem Haus rasch die Beifahrerseite des alten Renault auf. Ich stieg ein, zog die Tür hinter mir zu und drückte mich in das graue Velourspolster in das wir Kinder über die Jahre kleine Löcher gepopelt hatten durch die man während längerer Fahrten den Schaumstoff pulen konnte, um wenn man auf der Rückbank saß, zu versuchen die so gewonnenen, kleinen Stückchen durch das Rostloch im Fahrzeugboden zu drücken. Wie immer roch es im Auto nach kaltem Rauch und der Aschenbecher war voll mit den lippenstiftverschmierten Kippen meiner Mutter.
Mein Vater ließ den Motor an, wartete auf eine Lücke im lärmenden Berufsverkehr, der sich durch unseren Stadtteil schob, und riss hastig das Lenkrad nach links als diese sich auftat. Nachdem der Wagen mit allen vier Rädern auf der Straße und an der Mittellinie gelandet war, schlug er rasch nach rechts ein, um die steil abfallende, enge Kurve zu nehmen, die sich fast unmittelbar anschloss und in den alten Ortskern des ehemaligen Dörfchens führte. Durch die ruckartige Lenkbewegung neigte sich der Wagen so schnell zur Seite, dass es mich gegen die Beifahrertüre warf die unerwarteterweise nachgab und meinen kleinen Körper auf die Straße entließ wo er fast mittig auf der Fahrbahn landete, so dass die quietschenden Räder des nachfolgenden LKW links und rechts meines Kopfes zum Stehen kamen.