Sex und Moral

Bundesarchiv Bild 183-J0421-2271, Gera, Turngr...

„Um ihr Studium zu finanzieren, bot sie ihre Reize feil, wie man früher gesagt hätte: Jed fand, dass dieser veraltete Ausdruck besser zu ihr passte, als der angelsächsische Begriff „Escort Girl“.
Sie nahm zweihundertfünfzig Euro die Stunde und einen Aufpreis von hundert Euro für Analverkehr. Er hatte gegen diese Tätigkeit nichts einzuwenden und schlug ihr sogar vor, erotische Fotos von ihr zu machen, um die Präsentation ihrer Webseite zu verbessern. Obwohl Männer oft eifersüchtig auf die Exmänner ihrer Geliebten sind, obwohl sie nicht umhin können, sich jahrelang und manchmal bis zu ihrem Tod beklommen zu fragen, ob es für ihre Geliebte nicht besser war mit dem anderen, ob der andere nicht besser im Bett war, akzeptieren sie im Allgemeinen sehr leicht, ohne die geringste Anstrengung, all die Dinge, die ihre Frau früher im Rahmen der Prostitution getan hat. Sobald eine sexuelle Betätigung an eine finanzielle Transaktion gebunden ist, wird sie entschuldigt, als harmlos angesehen, und durch den uralten Fluch, der auf der Arbeit lastet, gewissermaßen geheiligt.“

Michel Houellebecq, Karte und Gebiet