Einschlafen, aufwachen

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Obama hat Chelsea Manning begnadigt, lese ich dir vor, als wir schon m Bett liegen. Wir sind beide erstmal sprachlos. Was für eine schöne Überraschung. Lange hätte sie bestimmt nicht mehr durchgehalten.

Man wird Obama vermissen, sagst Du. Ein besonders starker Präsident war er ja nicht. Aber wenn man das Vorher und das Nachher bedenkt. Relativ halt.

Chelsea Manning kommt frei. Das ist mal eine gute Meldung.

Und was passiert jetzt mit Assange? Der hatte sich doch zum Tausch angeboten.
Ist der eigentlich paranoid oder hat er tatsächlich etwas von den USA zu befürchten? Und wenn ja was? Was würde ihn in Schweden erwarten? Und ist es klug sein Leben auf unbestimmte Zeit in einer Botschaft zu verbringen, bloß um nicht anderswo eingesperrt zu werden.
So reden wir und spekulieren und während wir plaudern, wird erst Deine Zunge schwer und dann meine und wir schlafen ein. Wahrscheinlich mitten im Satz. Chelsea Manning kommt frei, denke ich noch, während mein Boot schon übersetzt.

Beim Erwachen sieht die Welt dann wieder aus wie man sie kennt. Harte Schatten.
Holm wurde abgesägt, hier wie dort.
Witzfiguren wie Don Alphonso fahren mit teuren Autos und Filzhut um den See, um den See und haben Meinungen.
Die Grünen treten mit Özdemir und Göring-E. an.
Die AfD will den totalen Sieg.

Was soll man sagen.

Ich esse jetzt Nüsse. Das wärmt und macht fett und lenkt das Bewusstsein auf andere Problemzonen.

Guten Abend.

 

 

 

 

 

Bild: Marc Nadal, Ciudadanos, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

El corazón es agua

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Neulich hab ich versehentlich etwas geliked, was ich keinesfalls hätte liken wollen und sollen. Als mir retrospektiv dämmerte, dass ich da etwas ganz und gar missverstanden haben musste, schon weil, so glaubte ich mich dunkel zu erinnern, unter den Mitlikern sich einer befunden hatte, der einen martialisch anmutenden Adler als Gravatar verwendete, welchen ich später und andernorts als das Emblem eines Reichbürgers identifizierte, machte ich mich auf die Suche nach dem falschen Like, um es zu eliminieren, doch ich fand es nicht mehr. Nun habe ich einen Fleck auf der Weste und dabei war´s wirklich ein Versehen. Möge Gott verhüten, dass ein Screenshot mich eines Tages überführt.

Gestern hatte der Fersehmoderator Geburtstag und gestern feierte auch Chelsea Manning ihr Wiegenfest, wie die Mutter des Fernsehmoderators dieses Ereignis zu nennen pflegte. 29 ist sie geworden und noch 29 Jahre hat sie als Gefangene vor sich. Wie kann sie das überstehen.

Große Raupen mit bündelweise Papiereinkaufstaschen am Handgelenk, der Umwelt zuliebe, fressen die Auslagen der Geschäfte kahl. Auch heute, am 4. Advent. Läuft.

Wogende Menge, wogendes Gras.
Oben auf dem Gerüst rauchen die Bauarbeiter einen Joint. Der Osteuropäer kostet ein Viertel weniger als der Deutsche. Wenn er runter fällt wird´s aber genauso teuer.

Vieles ist sehr hässlich, von nahem betrachtet.

Der Winter hat die Sättigung aus allem heraus gezogen

Neurotisch oder exzentrisch. Das ist noch unentschieden.

In der Ferne höre ich das Grollen der Artillerie. Feindbilder aufrecht erhalten.

Ich weiß nicht wo ich hingehöre und welche Fragen die richtigen sind.
Die Meinungen gehen mir aus.

Ich sollte einen Boulevardreporter anrufen und meine Lebensbeichte in sein Diktiergerät sprechen. Nur, dass ich nicht berühmt und herunter gekommen bin wie Ben Becker, der sich sogar an der Bibel versuchte und dafür zahlende Zuhörer fand.
Nicht einmal eine berühmte Frau bin ich, Scarlett Johansson zum Beispiel. Deren Lebensbeichte würde man wohl hören wollen, während man ihre Lippen betrachtete.
Alternativ: sich oben im Kirchturm verrammeln und Böller zünden. Damit würde man nationale, wenngleich namenlose Bekanntheit erreichen. Zeitgeistruhm.

Der Hass kommt von allen Seiten und Haubitze ist auf einmal gar kein lustiges Wort mehr, auch wenn es so klingt. Überall ist Krieg und man weiß nicht, ob es wirklich ein siebenjähriges Mädchen gibt, das aus den Trümmern twittert oder nicht.

Es gab Zeiten, da war Propaganda ein schwarzweißes Plakat. Inzwischen durchwebt das Hasslurex alles und glitzert glaubwürdig (verbesserungswürdiges Adjektiv) dazu.

(All that glitters, isn´t that gold)

Der Reichsbürger bezieht Strom und Wasser aus dem Ausland, sagst du, und schickt Fäkalien zurück.
Muss man ein Haus auf eigenem Grund und Boden besitzen, um Reichsbürger zu sein , oder genügt schon eine Mietwohnung?
frage ich mich und dann dich und du zuckst mit den Schultern.

Die Dinge sind kompliziert.

 

Aber: tolle Raben und köstliche Kekse- danke, danke, danke!

 

 

 

Bild: Lua Zemenis, „El corazon es ague“, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/