Okula girls

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Am Abend sitzen wir mit dem Kanzler in der Küche. Blut läuft ihm aus dem Mundwinkel, während er frei asoziiert, sich in Fahrt redet, abschweift und ausschweift und jeden Gesprächseinstiegsversuch des Bekannten mit ausgestrecktem Arm abwehrt. Ein Halbsatz und schon weiss er Bescheid.
Papa, dir läuft Blut aus dem Mund, sage ich.
Mit einer nachlässigen Handbewegung wischt er das dunkle Rinnsal weg und redet weiter. Es gibt nur eine Wahrheit; Leibniz. Das weisst du ja.
Die Scheisskirche und was er ihr am meisten verübelt: ihr Beten für Frieden, dem keine Taten folgen. Seine persönliche Evolutionstheorie, für die er gerne eines Tages einen Nobelpreis einheimsen würde, setzt den Menschen an die Spitze allen Seins, macht ihn zu einem Gott und gleichzeitig zum Ziel sämtlicher Entwicklungen der Vergangenheit.
Seine Suche nach Geborgenheit, nach Aufgehobensein in der Welt geht auch nach dem Kirchenaustritt im vergangenen Jahr unvermindert weiter.
Die Evolution macht uns alle zu Brüdern, sagt er, wir sitzen ganz vorne auf der Lok und das weite Land mit seinen wunderbaren Möglichkeiten öffnet sich vor uns.

Wegen des riesigen Blutflecks auf dem Kopfkissen hat er der Dame an der Rezeption 20 Euro gegeben, erzählt er am Morgen. Sie wollte nur 10 Euro, aber er befand 20 Euro für richtig.

Nachdem der Kanzler abgereist ist, packen der Bekannte und ich den maladen Hund ein und machen bei allerschönstem Märzenwetter einen Gang zum Marheinekeplatz, wo wir auf den Stufen neben der Kirche pausieren und hinüber blicken, zu dem Treiben vor den rotweiß gestreiften Flohmarktständen, die den Platz wie eine intakte Kinderwelt voller Eiscremwagen und Blechtrommeln aussehen lassen.
Inzwischen ist es so warm geworden, dass ich meinen Schal ablegen und meine Jacke öffnen muss. Der Frühling ist nun also wirklich auch in Berlin angekommen.

Der Rückweg führt uns durch die Fontane-Promenade über die Urbanstraße und vorbei an kleinen, sonnenbeschienen Backsteinhäuschen, die noch vor wenigen Jahren zum Urban-Krankenhaus gehörten und in denen nun eine wohl behütete und gut betuchte Eigentümer-Community, vis-a-vis des riesigen grauen Betonkastens, lebt. Eine Welt, so unwirklich wie der Timmendorfer Strand.

Am frühen Abend ruft der Kanzler aus Frankfurt an. Seine Rückfahrt war gut, doch leider wartete er am Hauptbahnhof vergeblich auf die U-Bahn. Schließlich bestellte er sich ein Taxi. Einer Mitwartenden, die das gleiche Ziel hatte, bot er an, sie mitzunehmen, doch sie lehnte ab.  Zuhause vor dem Badezimmerspiegel wusste ich dann warum, erzählt er lachend, mein ganzes Gesicht war blutverschmiert.

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Jörg Kantel, Kirche am Marheinekeplatz, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

Obacht

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Ein Lichtblick: die Sonne scheint.
Außerdem: 20 Meter am Stück ist der Hund gestern gelaufen. Die Rute aufgestellt, stakste sie vergnügt über den Platz. Irgendwann brachen die Hinterbeine weg und ich musste sie nach Hause tragen. Trotzdem: ein Anfang (innerhalb dieses langen Endes).

Judith Hermanns Sommerhaus, später. Immer wieder hat man mir das Buch ans Herz gelegt. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür und es gefällt mir außerordentlich gut. Der kühle Sound der 90er in Berlin. Dazu ihr lakonischer Erzählstil.
Ich bin sicher: mit einem wutroten Korallenarmbändchen, geerbt von der russischen Großmutter, hätte auch mein Leben einen anderen Verlauf genommen.
Den erschossenen Großvater haben eine Protagonistin und ich gemein.

Das Tonnengewicht auf meinen Schultern macht es sich gemütlich. Der Anwalt steht in den Startlöchern. Zum Glück hab ich eine Rechtschutzversicherung. Das entlastet. Wir werden sehen ob es nützt. Der Bekannte unterstützt mich mit sachlichem Verstand.
Am liebsten möchte ich immerzu umarmt werden oder schlafen, heute am Weltschlaftag. Man kann nicht alles haben.

Der Hundenachbar sagt: Achtung, die Haschbrüder haben ihre Spritzen ins Gebüsch geworfen!
Ich bedanke mich für den wertvollen Hinweis.

Immer Obacht! ruft er mir hinterher.
Ich weiss.

 

 

 

 

 

 

Der neue WordPress Editor mit seinem beep beep boop boop-Gehabe kann nicht mal Absätze aufrecht erhalten. Kaum veröffentlicht, sind die wohlweise bedachten Pausen perdu. Der WP-Admin, der alte Hase, der kann das.

 

 

 

 

 

 

Bild: Hermes Marana, day 49, flickr
Lizenz: https://www.flickr.com/photos/hermesmarana/6902452341/in/faves-139247418@N03/

3 (auf einer Skala von 1-10)

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Die Agrarwissenschaftlerin hat ein Gemüsebeet auf der Terrasse angelegt, das sie mit viel Hingabe beackert. Da kommt ein Mann in den Garten geschlendert und sticht sie vor meinen Augen nieder. Ihr Blut fließt auf die frischen Pflanzen, verklebt die ersten Keimblätter und ich stehe mit hängenden Armen und offenem Mund drinnen in meinem Aquarium, derweil der Mörder mit suchendem Blick weiter durch den Garten streicht. Es ist Nachmittag, kein Kind im Sandkasten, nur eine Katze stromert am Zaun entlang. Zum Glück bloß ein Traum.

Die Berichterstattung über den Fall gibt Rätsel auf. Wo waren die Eltern des Täters zum Tatzeitpunkt? Hat der 19Jährige tatsächlich ganz allein ein Haus bewohnt? Was hatte ein Beagle, der bei den Fahndungsaufrufen gezeigt wurde, mit all dem zu tun. Wieso und für wen könnte es von Relevanz oder von Interesse sein, dass die Eltern des Mörders (angeblich) Hartz-IV- Empfänger sind.
In irgendeinem Posting zum Thema bedankt sich einer von der Natürlich-hat-wieder- nix-mit-nix- zu-tun-Fraktion bei Frau Merkel. Er muss die Kanzlerin tatsächlich für allmächtig halten. Aus Mutti wurde Gott.

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Das Internet ist in heller Aufregung über den BBC-Reporter in dessen home-office, während einer Live-Übertragung, die beiden Kinder hereingehopst und -gerollt kamen. Man ist noch nicht sicher, ob er ein Guter oder ein Nicht-ganz-so-Guter ist und ob man ihn verurteilen oder zumindest doof finden sollte, weil er das ältere Kind ohne hinzusehen weggeschoben und unterdessen versucht hat das Interview fortzusetzen. Alles in allem einigt man sich aber dann doch darauf, dass er ein lieber Papa ist, weil er a) Zuhause arbeitet und b) durch ein Schmunzeln verraten hat, dass er seine Kinder lieb hat.

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Der Bekannte hat schlechte Laune, behauptet aber er hätte gute Laune oder mindestens normale, also mittelmäßige, Laune. Doch seine Gesichtszüge verraten ihn und das liegt nicht allein an der Schwerkraft a.k.a. Erdanziehung.
Auf einer Skala von 1 bis 10?, frage ich ihn. 3, ist die Antwort, man kann nicht allezeit ein Hoch erwarten. Doch, das kann man. Erwarten ist ja eine Art Hoffen, wenn es um´s Glück geht, und ohne Hoffnung ertrüge man das alles überhaupt nicht ist alles viel schwerer. Außerdem ist 3 nicht mittel sondern mickrig.

Zugegeben, es war blöd, dass ich den Bekannten mit falschem Namen angesprochen habe. Ich finde aber Papa wäre weitaus schlimmer gewesen. So hat der Unterfranke mich früher manchmal genannt, versehentlich. Also Mutti natürlich, nicht Papa. Das hat mir damals auch die Mundwinkel in den Keller gezogen und die Laune auf 3 gedrückt. Zumindest beim ersten Mal. Heute ist Mutti ja quasi Gott oder wenigstens allmächtig, da würde es mir vielleicht weniger ausmachen ihren Namen zu tragen.

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Was sonst? Der Bärlauch schiebt sich aus der Erde. Die Katze kotzt Blut. Der Tierarzt schimpft mit mir und sagt: Das liegt am Katzengras, das hätten Sie ihr nie geben dürfen. Und ich sage: Aber ich habe doch extra in Ihrer Praxis angerufen und die Kollegin gefragt, ob das Katzerl Gras haben kann und sie hat gesagt, gar kein Problem, natürlich darf sie das. Und da antwortet der Tierarzt: Ach so, da sind meine Kollegin und ich aber verschiedener Meinung, ich lehne Katzengras für Kurzhaarkatzen grundsätzlich ab, das kann zu schweren Magen- und Kehlkopfverletzungen führen. Seufzend zücke ich mein Portemonnaie. Wieviel macht´s denn?
Er wird es auf die Sammelrechnung setzen, wie immer. Ich bedanke mich.
Auch der Hund hat schon bessere Zeiten erlebt. Mit schwachen Hinterläufen und tiefschwarzen Augen torkelt sie durch die Wohnung. Mehr als 10 Meter am Stück ist grad nicht. Draußen muss sie weiterhin getragen werden. Aber soll ich Ihnen mal was verraten? Ich gewöhne mich langsam daran. So ist es eben. Schwerer fällt es mir derzeit, Tag für Tag die selben Dinge zu erklären, und mir die Eigenarten und Empfindlichkeiten jedes einzelnen Menschen in meinem Umfeld genauestens einzuprägen, diese stets abrufbereit zu haben, und mein Verhalten auf´s Allerperfekteste darauf abzustimmen, weil sonst die 3 oder Schlimmeres droht. Bin ja auch nur eine fehlbare tikerscherk mit reichlich Gepäck auf dem müden Rücken.

Trotzdem: Frühling!

Musik:

(youtube direktlink. Bilderbuch, Bungalow)

 

 

 

 

Bild: Alexander von Halem, Emilio, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

medium rare

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Der Kanzler fährt mit den beiden Frauen und dem Jungen in den Süden. Sie will sich verabschieden. Vom Meer, vom Sand, vom Horizont. Dem Kind eine Erinnerung schaffen.

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Oben auf der Markise baut die Amsel ihr Nest. Die Katzen schauen zu, schmal ihre Pupillen, wie Todesschlitze.
Darwin-Award, sagt der Eine schulterzuckend, wer so dumm ist wird eben keine Nachkommen haben. Natürliche Auslese.

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Hinter dem Bethanien, neben einem Mülleimer, liegen die abgenagten Wirbelsäulen zweier großer Tiere inmitten der Habseligkeiten eines Sandlers, wie ihn die Doktorandin nennt. Wenige Schritte entfernt lebt eine Gruppe osteuropäischer Menschen, vorwiegend Männer, unter einem Treppenabsatz. Ihr Quartier haben sie mit Planen vor den Blicken und dem eiskalten Wind abgeschirmt. Ab und an hört man sie zetern, hinter Brettern und Plastikwänden. Nachts, wenn der Mariannenplatz leer ist, finden sie sich in dem kleinen Rondell zusammen und trinken auf ihre Freundschaft und auf die Zukunft, den fernen Planeten.

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Frühling. Der erste zarte Schimmer zeigt sich an den kahlen Ästen, die Farben kehren zurück.
Der Hund trägt bereits seine Sommerfrisur. Leichtfüßig tänzelt er durch den Park, die Nase im Wind, ein freundliches Schwanzwedeln hier und da. Auch Hunde pflegen nachbarschaftliche Beziehungen.

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In den Cafés halten die Flaneure blinzelnd ihre Winterblässe in die Sonne. Ein auffälliger Bartschwund hat stattgefunden in den Monaten der Häuslichkeit, ansonsten immer noch tiefsitzende Röhrenhosen und ausgemergelte Gesichter mit sparsamer Mimik.

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In letzter Zeit, ein aufmerksamer Kommentator bemerkte es bereits, frage ich mich immer häufiger, ob ich noch schreiben soll. Alles scheint gesagt. Leben und Tod und Teufel und Universum. Und Liebe natürlich. Variationen hier und da. Befindlichkeiten, Geplapper. Sinnlos und laut. Alle reden viel zuviel und sagen viel zuwenig, ohne Pause, ohne Verstand und ich mittenmang.
Fellpflege nennt das der Kanzler. Gegenseitiges verbales Lausen. Plaudern, über das Wetter reden, zusammen sitzen in der vertrauten Geborgenheit der Herde.

Verzweiflung, nenne ich es. Labern gegen das Vergehen und gegen die Hoffnungslosigkeit.
Gefühlsverkatert bin ich. Es gab derer zuviele in den letzten Monaten. Nicht das kleine Einmaleins, sondern das Große. Tausend mal tausend. Die riesigen Themen, das, was die Welt zusammenhält oder auseinanderfallen lässt, zumindest die meine.
Mit Hochdruck arbeite ich an meiner Gesottenheit. Inzwischen liegt sie bei medium rare.
Es tut weh, wenn sich das Fleisch von den Knochen löst.

(Wer schreibt der atmet)

 

 

 

 

 

Bild: Kenneth Parker, Family
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Quinquillieren

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Übrigens ist draußen Frühling. Das Leben hungert und giert nach sich selbst.
Die weisse Katz hat einen Vogel gefangen, ihren ersten, seit sie bei mir ist.
Ich kann das Tötungsvorspiel nicht mitanschauen, geschweige denn sie dafür loben, entwinde ihr den Vogel unverletzt und bringe ihn in Sicherheit (ein schöner Ort, diese Sicherheit).
Seitdem sucht sie an der Verluststelle nach ihrer Beute, die längst wieder irgendwo da oben im Geäst sitzt und zwitschert.

„Das Lebendige ist das, was ein Interesse an sich selbst hat, das um sich besorgt ist und dementsprechend reagiert. Und das berührt uns: Weil wir nämlich selber lebendig sind und diese Sorge um die eigene Verletzlichkeit teilen.*

So ist es.
Ich bin froh, dass er noch bei uns ist, der kleine Spatz, und wir alle unversehrt diesen schönen Maientag erleben dürfen.

* Aus einem Interview mit dem Biologen und Philisophen Andreas Weber in der Zeit: http://www.zeit.de/2015/14/leben-biologie-philosophie-andreas-weber

Postfaschistische Hure, oder Die vergletscherten Flanken des Pik Schokalskowo

liftarn-Dark-haired-woman-with-bangsKennen Sie sich aus mit Postfaschismus?, fragt die Frau, als sie von hinten an uns herantritt und legt dabei eine Hand auf M.s Schulter.
Sie spricht mit einem weichen Akzent, den ich nicht einordnen kann. Eine Französin vielleicht?
Nein, sagt M. freundlich und ich staune wie entspannt sie bleibt.
Nein? die Stimme hat jetzt mehr Nachdruck und auch der Griff wird fester.
Sie kennen sich nicht aus mit Postfaschismus?
Am Ende des Satzes schreit sie beinahe und die Stimme droht ins Hysterisch-Schrille zu kippen. Wortlos dreht M. ihre Schulter aus der Umklammerung und wir gehen weiter ohne uns umzudrehen. Die Frau lässt nicht locker. Keifend  läuft sie uns, inzwischen mit sich überschlagender Stimme, hinterher, und ich glaube ein leichtes Zittern darin zu hören,  als würde sie jeden Augenblick in Tränen ausbrechen. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie sie wild gestikulierend mit den Armen herum fuchtelt.

Sie kennen sich nicht aus?  Sie kennen sich nicht aus? Nein? Sie postfaschistische Hure! Sie Hure! Sie instrumentalisieren Andere! Das machen Sie!
Sie postfaschistische Hure!

Schweigend gehen M. und ich weiter und lassen die erzürnte Frau hinter uns am Boule-Platz zurück.

Ein Frühlingstag in Kreuzberg.

Foto:<a href=“https://openclipart.org/detail/16044/Dark haired woman with bangs“><img src=“https://openclipart.org/download/16044/liftarn-Dark-haired-woman-with-bangs.svg&#8220; /></a>

Drosophila

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Frühling, Himmel, Sonne.
Seidenweicher Flow.
Nut und Feder.
Geöffnete Türen, Nachmittagsdösen.

Lust.

Nur Obstfliegen, die kleinen Malaisen.
Verweilen auf der Scholle, ehe sie schmilzt:

ich kann schwimmen.

Photo: jon feinstein, creative commons 4.0 https://www.flickr.com/photos/jonfeinstein/

Dahinter liegt der Winter

Tosender Verkehr. Feinstaub tanzt im Licht der tiefstehenden Sonne. Wir laufen die Leipziger Straße entlang, an den Ostplatten vorbei, Richtung Westen, dem Feuerball entgegen.
Eine hagere Dreißigjährige mit schwarzen langen Haaren, Strichen statt Augenbrauen und pinken Wangen kommt uns entgegen. Sie trägt weiße Stilettostiefel und bewegt sich wie eine Catcherin. Ihr Gesichtsausdruck ist feindselig.
Eine die nachtritt, wenn jemand gestürzt ist, denke ich.
Am Museum für Kommunikation dudelt es mir von links ins Ohr. Gleich neben der Rampe zum Eingang ist ein kleines Bronzegehirn in den Gehweg eingelassen. Niemand bemerkt es.
-Ich würde dich noch lieben, wenn du nur noch ein Gehirn in einer Plastiktüte wärst
, hat er gesagt.
Ein Stückchen weiter verkauft ein Drive-Thru Hawaiianischen Kaffee. Drunter geht es nicht.
Eine Zeit lang stand hier ein vollautomatisches, elektrifiziertes Musterhaus. Jetzt ist die Rasenfläche leer. Eine der Scheiben, die sie vom Gehweg trennen, ist durch einen Steinschlag oder Schuss zersprungen.
Dahinter liegt der Winter.
SAMSUNGDas zwei Blöcke umfassende Einkaufszentrum ist fast fertig. 250 Geschäfte. 76.000 qm.
Das zerbombte Wertheim soll, in neuem Gewand, wieder auferstehen. Das größte Kaufhaus Europas. Natürlich.
Shopping is coming home. Das Leipziger- Platz- Quartier.
„Schon bald kann man von der Mohrenstraße überdacht bis zum Potsdamer Platz laufen, eine Mall verbindet den Leipziger Platz mit der Piazza, gibt den Blick frei auf den Bundesrat.“
Großartig!
Quartier, Mall, Piazza und ein Schloss, im Herzen der Hauptstadt aller Totalitarismen.

SAMSUNGAm Potsdamer Platz werden Schlager gespielt und Regenbogenfahnen geschwenkt. Gegen die Homophobie in Russland.
Ich denke an Edathy.
Bei Balzac bestelle ich mir einen koffeinfreien Cappuccino zum Mitnehmen.
-Decaf to go?
-Ja, meinetwegen.
Der Obdachlose freut sich über Kaffee und Bagel. Schrippen gibt es hier nicht.
Ein Döner liegt auf der Rasenfläche vor den Potsdamer- Platz- Arkaden. Wie kommt der hierher?
Kein Döner ohne Kiez.
Töle findet ihn sofort. Ich hoffe es war Lammfleisch. Rind und Huhn verträgt sie nicht. Morgen werde ich es wissen.
Hinter der Tergit-Promenade geht eine Treppe Richtung Anhalter Bahnhof. Richtung Kreuzberg.
Daneben eine lang gezogene Rampe, auf der kürzlich ein junger Moslem, Anfang Zwanzig, seine Jacke ausbreitete und Richtung Westen betete.
Sein Freund stand neben ihm und erschoss jeden glotzenden Passanten mit zwei ausgestreckten Fingern und Beatboxbumm.