Heiraten

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Ich soll den Unterfranken fragen, wenn ich heiraten will, sagst du und ich sage das will ich aber nicht, frage ihn aber doch und er sagt: Soll das jetzt ein Heiratsantrag sein, und ich sage Ja, und er sagt auch Ja, und fügt: aber nur sehr ungern hinzu. Geritzt, sage ich, ich sag dir dann bescheid, wenn´s soweit ist und er zieht ein Gesicht und sagt: Ok.

Wer wollte nicht auch ein so romantisches Leben führen wie ich? Die Antwort ist ganz leicht: du nicht auch und der Unterfranke auch nicht.

 

 

 

 

 

 

Bild: Hannes Mauerer, Lämmer am Deich, flickr
Lizenz:https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

Fidel

 

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Die Stimmung wie knirschender Kies an einem nebelkalten Tag.
Kein Erdbeerrot, kein Veilchenblau.

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Ich frage G. an welcher Hand man den Ehering trägt. Sie lacht und streckt mir wedelnd ihre schlanken Finger entgegen.
Links, wenn man es ernst meint. Sie trägt ihn rechts.

G. ist es auch, die an der Kaufhauskasse auf die Frage ob sie Treuepunkte sammele in Gelächter ausbricht.
Gewiss nicht!

Und G. erklärt mir, wie man Veilchen und Männertreu auseinander halten könne.
Ganz einfach: Männertreu hat viel kleinere Blüten.

 

 

 

 

 

Rot und weiß

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Rot bin ich im Gesicht die Sonne.
Rot ist meine Bluse das Blut das mir ins Gesicht schießt von der Sonne.
Die kleine Laterne an der Hauswand. Irgendwo in Neukölln in einem anderen Leben.
Im Biergarten. Mir ist schlecht. Zum ersten Mal seit 7 Jahren esse ich Fleisch. Schweinenackensteak. Und ich rauche. Nach 3 Jahren wieder.
Mein Bruder und seine Frau streiten sich indem sie meinem Freund Komplimente macht und mit ihm anstößt.
Mit meinem Bruder stößt sie nicht an.

Eres una persona muy amable.
Bin ich komisch, bin ich eifersüchtig? Krankhaft? Ist das komisch? Kommt mir komisch vor.
Mir auch.

Das letzte Mal hat sie sich einem Anderen auf den Schoß gesetzt. Rittlings.

Stell dich nicht so an, du bist krankhaft eifersüchtig.

Inzwischen schläft sie mit meinem Exfreund, wie auch mit ihren Exfreunden und deren Freunden und den Exfreunden meines Bruders.

Geht mich das etwas an? Sie sind längst geschieden.
Wie ein Gorillababy sieht sie aus, hat er gesagt, ehe sie aus Mexiko nach Karlshorst kam. Im Garten mit der eingegrabenen Yuccapalme.
Wie soll die den Winter überstehen?
Die grabe ich wieder aus.
Das geht nicht.
Achso.

Die Parties dort. Jeder mit einer mitgebrachten Latina an der Hand.
Kennen wir uns nicht aus Quito?
Nein, ich glaube aus San José.
Schönen Ohrring hast du da. Woher?
Danke
, sage ich, den habe ich in Santa Monica, in Kalifornien gekauft.
Ah, man kommt rum! Nordamerika, Gringos.

A. schmult mir in den Auschnitt.
Mach mal: Patricia Hearst darf alles.
Guck, ich kann einen viereckigen Mund.

Genau so!

Später schenkt er mir das Foto auf eine Tasse gedruckt. Gesicht und Brüste von oben.
An den Schläfen 3 graue Haare.
Grauchen, sagt er zu mir, Eselchen.

Dabei wartet das Grauchen Zuhause, zusammengerollt. Fast 16 Jahre haben wir zusammen verbracht.
Mit ihm nur sieben.
Solange rauche ich bald nicht mehr.
Vielleicht ziehe ich woanders hin.
Vielleicht wird sowieso alles ganz anders. Von innen nach außen und von außen nach innen.
Während der Sonnenfinsternis sitzt die Katze draußen und schaut ins Licht, das Schwindende.

1999 schwiegen die Vögel im Garten in Schnellmannskreuth und Schinken und Haxe wälzten sich im Lehm.
Jede Menge dürre Katzen. Krank und struppig. Die Mutter rettet sie alle, sagt das Mädchen. Aber die Mutter ist nicht da und das Mädchen ist 17 und trägt ein weißes Kleid und will Schauspielerin werden. So herzerfrischend ist sie und so echt.

Bild: „Clothes line“ von w:User:Evil Monkey – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY 2.5 über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Clothes_line.JPG#/media/File:Clothes_line.JPG