Jesus, Donald, Liebe

Eine Freundin von mir war als Kind in Jesus verliebt. Wie es dazu gekommen ist, weiß sie selbst nicht mehr, immerhin wuchs sie in einem religionsfernen Haushalt auf.
Aber sie liebte Jesus mit Inbrunst, betete Abends zu seinem Vater, und besuchte regelmäßig die Messe.
Sie wusste, dass Jesus gestorben war, es folglich niemals etwas werden würde mit ihnen, aber gerade diese Unerreichbarkeit befeuerte ihre Liebe umso mehr.
Bei mir war das so: Religion spielte im Elternhaus eine Rolle, denn Onkel und Großvater waren Pfarrer und meine beiden Elternteile sind im Glauben erzogen worden. Der Vater als protestantischer Pfarrerssohn, die Mutter als Schülerin im Erziehungsorden der Ursulinen.
Bei soviel religiösem Hintergrund konnte meine erste Liebe nicht Jesus gelten, sondern nur einem, dem es so erging wie mir, und der so fühlte wie ich: Donald Duck.
Ich las jedes Micky-Maus-Heftchen und sämtliche Lustige Taschenbücher, und liebte diese Ente wie einen leibhaftigen Menschen. Meine Gefühle musste ich vor meiner Familie geheim halten, denn ich ahnte, dass ich dafür ebenso Spott ernten würde, wie für meine Pläne Banjo spielen zu lernen.

Magical Donald Duck

Magical Donald Duck (Photo credit: JD Hancock)

Mein größter Wunsch war es, irgendwann einen Mann zu treffen, der so war wie Donald.
Mein Wunsch sollte erfüllt werden.