Kontur

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Ob ich ihm einen anderen Namen geben dürfe, habe ich ihn damals gefragt.
Jenen, den ich von Beginn an im Kopf hatte, wenn ich an ihn dachte.
Den ich als Anrede über die Briefe setzte, die ich ihm schrieb und
den ich vor dem Absenden unwillig durch den eigentlichen, seinen Rufnamen, ersetzte, bis zu jenem Tag, an dem ich ihn bat, ihn so nennen zu dürfen, wie er heißt.

Damals siezten wir uns noch.

Er zog sich den Namen über wie einen Handschuh und ich formte die beiden Silben, die erste hell und spitz, die zweite dunkel ausklingend, und empfing ein tiefes, fragendes Ja als Echo.
Wie sich herausstellte war es der Name seines Großvaters, den ich ihm zugedacht hatte und der ihm so gut passte, weil es seiner war. Aufgeschnappt zu einer Zeit in der seine Silhouette als vage Andeutung zwischen anderen hervor zu schimmern begann.

Männlich, klug, elegant, weitsichtig, dezent, siegreich und weich. Das war er.

Ich ahnte nicht, wie die Dinge sich fügen würde.