Schöner wär´s wenn´s schöner wär

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Man kann sich das alles gar nicht ausdenken, was hier so läuft. Hätte mir bei meiner Geburt jemand die Liste der Katastrophen, Widrigkeiten, Unbillen und Schmerzen vorgelegt, die ich abzuarbeiten habe, hätte ich vermutlich den Kopf geschüttelt und dankend abgelehnt. Da bleibt ja kaum noch Zeit für Entspannung und Glück, hätte ich gedacht, wie soll ich das bloß tragen?
Was ich nicht hätte wissen können:  1 Tropfen Glück wiegt einen ganzen See von Kummer auf und einmal erlebte Freude setzt ein Zeichen der Hoffnung und leuchtet den Weg durch düstere Zeiten.

Ich hab keine Lust hier von meinen aktuellen Katastrophen zu berichten. Es ist ernst und ich nehme es ernst. Das Schlimmste: ich habe keine Kontrolle darüber wie es weitergeht.
Doch so, wie ich schon immer überzeugt davon bin,  eines Tages den Jackpot im Lotto zu gewinnen, glaube ich, dass ich auch dieses Mal wieder mit Schürfwunden und ein paar Prellungen davon kommen werde (bildlich gesprochen). Ich hoffe es zumindest.

Das Harmloseste im Reigen der Nervereien und daily hassles ist noch, dass der Kontaktbereichsbeamte, der für unseren Block zuständig ist, sich mit mir und meinem 80 jährigen Nachbarn treffen möchte, um endlich eine uralte Fehde beizulegen. Der betagte Herrn piesackt mich, seit ich vor 17 Jahren in „seine“ Straße gezogen bin. Das reicht von Denunziationen bei der Polizei wegen abgelaufener Agbasuntersuchungen, bis hin zu tätlichen Übergriffen.  Jetzt hoffe ich, dass der alte Querulant nicht auf die Idee kommt, mir beim Ortstermin nächste Woche Batteriesäure oder so, ins Gesicht zu schütten. Zutrauen würde ich es ihm, so sehr, wie er mich zu hassen scheint. Mein Schicksal, oder was immer für den aktuellen Schlamassel verantwortlich ist, ist nicht gerade in Bestform, mich vor Angriffen zu schützen.

Mein Vorsatz weniger zu jammern, ist auf dem Prüfstand.

 

 

 

 

 

Bild. Groundhopping Mersburg, International dog race, Großer Preis von Gelsenkirchen, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/

Dezember halt

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Am Morgen um 5.30 h bastelt der pensionierte Hausmeister (facility manager) am hausinternen Feueralarm herum, der bereits in der Nacht zuvor sämtliche Mieter im Pyjama auf den Plan, also ins Treppenhaus, gerufen hatte. Macht ja nichts, die Bauarbeiter sind fast fertig mit dem Lärmen, da fehlte mir direkt etwas, beinahe verstörend ruhig war es geworden in unserer Straße. Zudem soll Schlafentzug eine heilende, antidepressive Wirkung haben. Ich fühle mich schon viel besser.

Zur Katastrophenbilanz des Dezembers zählt außerdem die Chuzpe einer Anwältin mir ihre private Korrespondenz mit einer ihr nahestehenden Notarin zum sagenhaften Vorteilspreis von 230 €/ Std. ergebnislos in Rechnung zu stellen und mich bezüglich der eigentlich gestellten Fragen an eine nicht genannte andere Stelle zu verweisen. Naja.

Ein Lichtblick immerhin ist der Klimawandel und die daraus resultierenden aktuellen Badetemperaturen. Wetter online zeigt das Bild einer Gruppe käsiger Nackedeis am Strand, mit Nikolausmütze nebst Weihnachtsbaum. Mir kommt das gerade recht. Noch mehr Kälte, als der eisige Lebenswind und die dunkle Jahreszeit mir ohnehin schon entgegenblasen, ertrüge ich nicht und was soll das Gejammere überhaupt, wir haben schließlich eine Einigung beim Klimagipfel erzielt: irgendwann soll alles gut werden, irgendwie, ganz bestimmt. Das ist fest eingeplant, in den Lauf der Dinge.

Da all mein Wollen und Tun im Augenblick vergeblich erscheint und jede Anstrengung zu einem nur noch heftigeren Rückschlag führt, der wiederum in einen neuen Fieberschub mündet, habe ich mich besonnen und mir vorgenommen an den einfachen Dingen des Lebens zu arbeiten. Heute sind meine Hüften dran.
Folgerichtig begann ich den Tag mit dem Verzehr eines Brownies, der meinen love handles mehr Zuwachs bescheren soll (um auch als Weihnachtsparanoikerin dieses wunderbare Wort einmal zu verwenden). Bis jetzt ist noch kein Effekt zu sehen. Vorsorglich werde ich später noch eine Tafel dunkle Nuss nachlegen.
Der, durch die Schokoladen-Fett-Mischung, rasch nach oben schnellende Zuckerspiegel trocknete die Tränen im Handumdrehen und bescherte (!) mir darüber hinaus geistige Zustände, bei denen ein riesiges Rudel Lemminge sich über die Straße in Richtung der Klippen schob, mitten in Kreuzberg, an einem der kürzesten Tage des Jahres.
Das macht Hoffnung.

In 6 Tagen, so habe ich errechnet, ist Weihnachten, 2016 nicht mehr weit, und trotz der gram-induzierten Lethargie habe ich heute den ersten Termin für das neue Jahr in meinem Kalender notiert. Dieses Mal werde ich mich einem männlichen Anwalt anvertrauen, der, neues Jahr, neues Glück, alles in Ordnung bringen soll  wird. Dann ist auch gleich schon wieder mein Geburtstag, der zweite, und der  liebe Frühling webt anderswo in der Welt bereits fleißig an seinem blauen Band, welches die Zugvögel bei ihrer Rückkehr hinter sich herflattern lassen werden, bald, sofern sie, was das Universum verhüten möge, nicht irgendwo unterwegs an einem Strommast verenden.

Alles wird gut werden im neuen Jahr. Das habe ich ganz fest eingeplant.

 

 

 

 

 

 

Bild: Hans-Werner Scheller
Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/de/deed.en