Zusammenwirken

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I woke up and saw the light of dawn through the cracks in the Venetian blinds. It came up from so deep in the night that I had a feeling like that of vomiting up myself, the terror of coming into a new day with its same presentation, its mechanical indifference of every time: consciousness, a sensation of light, opening my eyes, blinds, dawn.
In that second, with the omniscience of half-sleep, I measured the horror of what astounds and enchants religions so much: the eternal perfection of the cosmos, the unending rotation of the globe on its axis. Nausea, the unbearable feeling of coaction. I am obliged to bear the daily rising of the sun. It´s monstrous. It´is inhumane. Before going back to sleep I imagined (I saw) a plastic universe  *

 

 

Wäre es mir gegeben an Gott zu glauben, ich täte es und legte mein ganzes Herz darein. Wie viel einfacher erscheint es mir, hätte alles Hadern ein Gegenüber, jede Regel Jemanden, der darüber wachte, jedes Sehnen ein Ziel und jeder Schmerz seinen Trost. Überall fände sich Halt in einer beseelten Welt, in der jeder Halm und jeder Lichstrahl von einem höheren Willen, Wesen und einer allumfassenden Liebe zeugte.

Stattdessen

April. Der kleine Junge fährt mit seinem Dreirädchen unter einem weiten Himmel umher. Über ihm ziehen die großen Wolkenschiffe vorbei, dunkel ihr Bauch und schnell ihr Flug, Wind kräuselt die Pfützen, eine Öllache schillert im Sonnenlicht.
Ein alter Mann ist der Junge geworden,. Mein Vater. Seine Erinnerung ein Staffelholz.

Meine Mutter ist tot. Bald ein Jahr schon. Manchmal fällt es mir ein und ich weine. Meist fühle ich nichts dazu. Nicht einmal Erstaunen. Es ist, als säße ich auf einer Bank in einem Einkaufszentrum und schaute der Poliermaschine bei der Arbeit zu. Der Boden glänzt und bleibt doch blind.
In der Lübecker Bucht liegt ihre Urne.

In Norwegen fangen sie wieder Wale, vorwiegend Weibchen. Fast alle sind trächtig. Und so töten sie immer gleich zwei, wenn sie einen abschlachten: Mutter und Kind.

Ich finde keine Worte, wie traurig mich das macht.

 

 

 

 

 

Zyklopen

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Ich berühre deinen Mund, mit einem Finger berühre ich den Saum deines Mundes, zeichne ihn, als entstünde er aus meiner Hand, als öffnete er sich zum ersten Mal, und ich brauche nur die Augen zu schließen, um alles wegzuwischen und von vorne anzufangen, jedes Mal lasse ich den Mund entstehen, den ich begehre, den Mund, den meine Hand auswählt und in dein Gesicht zeichnet, ein Mund, ausgewählt unter allen Mündern, mit souveräner Freiheit erwählt durch mich, um ihn mit meiner Hand in dein Gesicht zu zeichnen, und durch einen Zufall, den ich nicht zu begreifen versuche, ist es ein Mund, der sich mit deinem Mund deckt, welcher lächelt unter dem Mund, den meine Hand für dich zeichnet.
Du siehst mich an, du siehst mich ganz nah an, immer näher, und dann spielen wir Zyklop, wir schauen uns immer näher an, die Augen werden größer, kommen aufeinander zu, legen sich übereinander, und die Zyklopen schauen sich an, atmen verwirrt, die Münder finden sich und kämpfen miteinander, beissen sich mit den Lippen, die Zunge leicht auf die Zähne gestützt, spielen in ihrem Innenraum, darin eine schwere Luft ein und aus geht, und ein altes Parfüm ist in ihr und ein Schweigen. Dann versuchen meine Hände in dein Haar zu tauchen, langsam die Tiefe deines Haares zu streicheln, während wir uns küssen, als hätten wir den Mund voller Blumen oder Fische, voller lebendiger Bewegungen, erfüllt von einem dunklen Duft. Und beißen wir uns, ist der Schmerz süß, und ersticken wir an einem kurzen und schrecklichen gleichzeitigen Einsaugen des Atems, dann ist dieser plötzliche Tod schön. Und da ist nur ein einziger Speichel und Geschmack nach reifem Obst, und ich fühle, wie du, an mich gedrückt, zitterst wie ein Mond auf dem Wasser.

Cortázar, Rayuela Himmel und Hölle