Gefunden werden

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Nach dem Essen hat sie Herzschmerzen.
Aus dem Badezimmerspiegel schauen sie die Augen ihrer Mutter an.
In der Wanne hockend steckt sie den Duschkopf in den Mund, bis die Mundwinkel einreissen.
Sie dreht den Hahn ganz auf.
Später nimmt sie einen Schluck Putzmittel.
Auf dem Boden tummeln sich die Silberfischchen.
Im Flur fällt sie um.
Sterben will sie nicht.

Sie legt die Zeitschrift auf den Tisch, zieht die Perücke vom Puppenkopf und setzt sie auf.
Aschblond. Dann bestellt sie einen Bordeaux.
Sie raucht und er schaut ihr dabei zu.
Später sind ihre Mundwinkel dunkel vom Wein.
Am nächsten Tag steht er vor ihrer Tür.
Der Adressaufkleber auf ihrer Zeitschrift.

Sie schreibt einen Brief und faltet ihn zu einem Flieger.
Auf ihrer Reise hält sie ihn zwischen den Händen.
Bei Tisch saugt sie die Nudeln mit dem Mund ein.
Sie zieht die Lippen rot nach.
Später treffen sie sich am Ufer.

Bild: Sascha Kohlmann, flickr, Tisch und Stühle
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Begegnung

Ich gehe durch den Wald. Bei einer Steinbuche bleibe ich stehen.
Die Zweige und Äste am Fuße des Stammes zerbreche ich in viele kurze Stöckchen und Stäbchen, die ich auf dem dunklen Waldboden für den zufälligen Wanderer anordne. Möglicherweise wird schon bald ein Wildschwein die Nähe des Baumes suchen, und sich an dessen aufgebrochener Rinde die Flanke reiben.

Ich sitze in der kleinen Schenke am Waldrand. An der Wand hängt ein Bild des Bayernkönigs, die Stofftischdecken sind blau gewürfelt.
Der Mann am Nebentisch entleiht meinen Salzstreuer. Wir kommen ins Gespräch, in dessen Verlauf ich Zucker auf meine Untertasse streue und mit den Fingern Buchstaben in die dünne Körnerschicht male.
Die Kellnerin räumt unser Geschirr ab.
Wir zahlen und gehen.