but different

Ich liege auf dem Bauch, einen dünnen Schal über dem Kopf ausgebreitet, und greife in den warmen Sand. Von dem Badetuch neben uns höre ich ein tiefes Stöhnen und ohne hinzuschauen weiß ich, dass sie jetzt soweit sind: der Ältere nimmt den Jüngeren gerade von hinten.
Zuvor hatte er sich in einem ausgedehnten Ritual und unter lustvollen Beschwörungen einen Cockring angelegt, seine glatt rasierten Hoden fest nach unten gezogen, dann den muskulösen Hintern seines Gefährten mit kräftigem Griff eingeölt und dabei den Anus mit beiden Daumen vorgedehnt. Währenddessen vergewissert er sich mit einem zufriedenen Grinsen, dass M. Ihm bei seinen Vorbereitungen zusieht und er wird nicht enttäuscht. Wie gebannt sitzt M. neben mir, unser Gespräch ist angesichts des Treibens längst verstummt, und ich frage mich, ob er gleich das Handtuch wechseln und mitmachen wird. Mir soll es Recht sein. Vielleicht erspart uns das den nachmittäglichen Besuch im Café Mozart oder das allabendliche Cruisen.

Vorne an der Bude tanzt unterdessen immer noch der rotgesichtige Engländer zu den schepperndem Klängen des gnadenlosen Hard Trance Techno, der sich wie spitze Metallschrauben in die mittägliche Gluthitze bohrt und das leise Rauschen des tiefblauen Meeres übertönt. Seine Beine treten wie aufgezogen, auf der Stelle, ein Jogger auf Speed an einer roten Ampel, die blauen Augen blicken entzündet und stumpf aus dem verbrannten Gesicht. In der linken Hand hält er eine Zigarette, die rechte umfasst die Bierflasche. Dann und wann legt er den Kopf in den Nacken und nimmt einen tiefen Zug.

Hinter der mobilen Bar dröhnt ein Dieselgenerator und bläst seine giftigen Abgase in Richtung der schwulen Community, die sich hier, weit entfernt vom Heterostrand mit seinen Sandburgen, Silikonbrüsten und bunten Schirmen, wie auf einem Brutfelsen, eng zusammengedrängt hat.
M. und ich liegen mittendrin. Es ist Anfang Januar.

Morgen, an meinem Geburtstag werden wir in den Nordwesten der Insel nach Agaete fahren.

 

 

 

 

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