don´t give up (im Puppenhaus)

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Ämter bekleiden stelle ich mir seit jeher vor wie Papppuppen (9 Buchstaben und 6 davon p!) anziehen. Man knifft und zwackt einen Talar oder eine Robe an das gesichtslose Amt heran und schon kann die steifhüftige Darbietung losgehen.

Wenn ich nicht gerade die Weltpolitik verfolge, bin ich immer noch unterwegs in Sachen Justiz und Kriminalität und lese dieser Tage unter anderem folgendes: ein Mann googelt am Abend welche Strafe auf vorsätzlichen Totschlag steht, legt sich anschließend eine Bratpfanne zurecht und erschlägt am nächsten Morgen seine Lebensgefährtin beim alltäglichen Streit in der Küche damit. Hinterher behauptet er, im Affekt gehandelt zu haben. Wer glaubt, Tante Google würde irgendetwas für sich behalten, ist ein Dussel. Außerdem: wieso trennen Leute sich nicht, statt sich bratpfannenreif zu zanken. (Bitte nicht antworten, ich weiss warum und möchte das Thema wegen der zu erwartenden Abgründe nicht vertiefen. Die Streithähne sollten besser anfangen sich mit Politik zu beschäftigen, das macht anders unzufrieden, reifer irgendwie. Oder sie könnten ein Puppenhaus bauen, um mal einen Einblick zu bekommen).

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Nach einer halben Stunde Citizenfour meldet sich meine Paranoia und ein unheilbarer Frust über den Zustand unserer Welt. Das ist schlimmer als Dokus über das Universum, unendliche Weiten, Weltraum und Hubble. Blanker Horror. Wir brechen unseren Filmabend ab.
Snowden, den ich vorher nie hatte reden hören, ist ein so kluger, ruhiger und aufgeräumter Kopf. Ich bin voller Bewunderung, auch für das Opfer, dass er zu bringen bereit war, für sein Verantwortungsbewusstsein und für seine Reflektiertheit. Ob er seine Familie jemals wiedersehen wird?

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Den Text, der mich seit langem  am meisten anrührt, lese ich bei der hochgeschätzten dame von welt. Nicht zögern einfach anklicken und eintauchen, bitte. Das Detail mit der Kellertreppe im Weckglas wird mir ewig im Kopf bleiben. Ich plane es nachzubauen. Statt echtem Blut muss Lebensmittelfarbe reichen.

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Wer ist eigentlich merkwürdiger, derjenige, der immer wieder nachfragt, oder der, der nie antwortet.
Darüber können jetzt alle mal nachdenken. Ich aber sage Euch: don´t give up und immer weiter Fragen fragen.

Vom Schreiben, vom Leben und vom Glück (ein Award)

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Sabine, formerly known as Rock´n´Roulette, hat mich für den Liebster Award nominiert.
Das freut mich ganz besonders, weil wir beiden uns schon seit unseren Bloganfängen kennen, sich unsere Wege immer mal wieder verlieren und dann doch wieder kreuzen, so, wie jetzt. Herzlichen Dank für die Nominierung und die interessanten Fragen, liebe Sabine!

Und hier meine Antworten:

Wie fühlt sich Glück an?  Warm (happines is a warm puppy).

Warum? Es gibt kaum etwas Schöneres, als eine warme Hand im Nacken oder auf der Stirn zu fühlen, den warmen Bauch eines Welpen zu streicheln, am flaumigweich duftenden Kopf eines Kindes zu riechen, ein vibrierendes Meisenkind in der Hand zu halten, das warme Blut durch die Adern fließen zu spüren, zu leben. Wärme ist Leben ist Glück.

Wo warst du zuletzt am liebsten? Die schönsten Tage des Jahres verbringe ich alljährlich in den Alpen. Dieses Mal in Murnau. Es gibt nichts, was mir soviel inneren Frieden und Ruhe gibt, wie die blaue Silhouette der Berge, ihre stille Erhabenheit und die unvergleichliche Luft. Am Abend oben auf dem Feldweg zu stehen und auf den vergoldeten See zu blicken, ist für mich ein unbeschreibliches Glück.

Was war 2016 für dich? Es ist das Jahr, in dem meine Mutter gestorben ist und die Welt ins Strudeln geriet.

Was wirst du mitnehmen, was hast du gelernt? Ich habe gelernt Abschied zu nehmen und zu verzeihen. Meine Erwartungen dem Leben anzupassen und nicht umgekehrt. Und ich habe gelernt, dass das, was man am wenigsten erwartet jederzeit geschehen kann. Die wichtigste Lektion des Jahres ist: nicht warten, nicht aufschieben: the future is now.

Was hältst du vom NaNoWriMo? Das hat irgendwie mit ganz viel schreiben in ganz kurzer Zeit zu tun, oder? Dazu müsste ich mir erst mal eine fundierte Meinung bilden. Grundsätzlich ist es wahrscheinlich ganz gut ein Konzept zu haben, mit dem man sich zum Schreiben motivieren kann. Ich brauche das aber eigentlich nicht, denn ich muss sowieso jeden Tag schreiben, weil mir sonst was fehlt. Da ich keine Botschaft habe, nicht berühmt werden will, kein Buch veröffentlichen möchte, im Grunde meines Herzens faul und ohne jeden Ehrgeiz bin, es außerdem lieber überschaubar und familiär mag, reicht mir sowohl mein Output, als auch die Reichweite meines Blogs. Alles andere wäre mir viel zu anstrengend und trübte nur meine Freude. Um die allein geht es mir aber beim Schreiben. Sie ist mir Motor und zugleich Belohnung (neben den vielen klugen und freundlichen Kommentaren natürlich).

Wie funktioniert Schreiben für dich? Wenn es gut läuft schreibt es mich  (écriture automatique) und ich bin nur das Medium, das den Stift hält,  bzw.das Diktat über die Tastatur auf den Bildschirm bringt. Manchmal ist Schreiben auch Arbeit, bzw. eine Übung. Dann feile ich, denke nach und korrigiere, suche Synonyme oder Antonyme, denke über Alliterationen nach, verknappe meine Sätze systematisch, streiche wertende Adjektive usw. Heraus kommen dann meist die Texte, die technisch einwandfrei, aber für mein Empfinden vergleichsweise blutleer und kalt sind, also keine Seele haben. Gute Texte schreiben sich wie im Vollrausch und hinterher bin ich erschöpft und überrascht , was ich da zustande gebracht habe. Wenn ich dem Kopf zuviel Raum lasse und plane, wird das nix.

Happy End oder realistische Sachlichkeit? Meine Texte sind selten fiktiv, deswegen gibt’s nur ein Happy End, wenn es ein Happy End im `richtigen´ Leben gab (insofern  also eher realistische Sachlichkeit). Als Katastrophenchronistin geht fast jedem glücklichen Ende ein spektakulär anstrengendes Vorspiel voraus, das Happy End ist daher eher so etwas wie erleichtertes Aufatmen, die Ruhe nach dem Sturm, die Freiheit des nothing-left-to-do, oder das Trümmerfeld mit seinem Versprechen bzw. der Hoffnung des Neuanfangs.

Worüber würdest du am liebsten alles wissen wollen? Am allerliebsten möchte ich über gar nichts alles wissen. Ich liebe Geheimnisse, ich liebe es immer weiter lernen zu können, in allen Bereichen. Ich möchte nicht an einem Ende ankommen. Mich interessieren Fragen und weniger die Antworten darauf. Antworten müssen neue Fragen aufwerfen, sonst wären sie eine Sackgasse, in der alle Entwicklung endet. Ich bezweifle aber ohnehin, dass man über irgendetwas alles wissen kann. Ich würde trotzdem gerne mein Wissen in dem einen oder anderen Gebiet vertiefen, z.B. über Geschichte, Architektur, Biologie u.a.m.

Wenn du eine Sache ändern könntest – was wäre es? Könnte ich nur eine Sache ändern, dann würde die G. nicht an Krebs sterben. Und wenn ich noch etwas ändern dürfte, dann wäre ich nicht krank.
Global gesehen wären natürlich ganz andere Dinge wichtig, ich verstehe die Frage aber jetzt einfach mal nur auf mich und meinen Kreis bezogen.

Wenn du eine Sache bewahren könntest – was wäre es? Mein Vertrauen, meine Liebe.
(Liebe ist Wärme ist Leben ist Glück).

 

 

 

Müsik zum Glück: Eric Satie, Gnossienne no. 5 (überirdisch schön!)

(youtube-Direktlink)

Dieses Mal reiche ich den Liebster-Award nicht weiter. Sollte aber jemand Lust haben, die Fragen zu beantworten, kann er/ sie dies sehr gerne in der Kommentarspalte tun, oder im eigenen Blog.
Ganz herzlichen Dank nochmal an the fabulous Rock´n`Roulette!

Bild: Johann Ebend, Fliegender Teppich, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/
 

Hare hare, rama rama

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Ich freu mich über die unerwartete Nominierung zum Liebster Award von Lila Sumpf, einer Bloggerin aus meiner alten Heimat.
Herzlichen Dank dafür!
Einige Fragen haben mir besonders viel Spaß gemacht, bei anderen musste ich leider passen.
Hier mein Versuch:

Wie trinkst Du deinen Kaffee/Tee/Milch morgens am liebsten?
Ich trinke Cappuccino, immer nur Cappuccino. All day long. Mayo Alto heisst die (faire) Bohne und die genieße ich in großen Mengen mit supercremigem Schaum obendruff. Yummie.

Was ist wahr geworden, wovon Du als Teenager geträumt hast?
Das kann ich hier nicht verraten.

Bist Du ein guter Verlierer?
Nein, gar nicht. Zwar schweige ich normalerweise und gebe mich unberührt, wenn ich unterliege, aber ich hadere damit und es wurmt mich. Zumindest dann, wenn ich durch mein Dazutun hätte gewinnen können, ja müssen. Ich gewinne gerne und ich rede hier nicht über Hütchenspiele.

Heilt die Zeit alle Wunden?
Ich befürchte nein. Die kleinen vermag sie vielleicht zu heilen, doch die tiefen bedeckt sie nur soweit, dass sie weniger weh tun, solange niemand daran rührt. So ist es bei mir.
Das Wiederaufflammen eines alten Schmerzes habe ich gerade erst erlebt, als meine Mutter starb, über deren Weggang, vor langer Zeit, ich mich längst hinweg gekommen wähnte. Und plötzlich ist sie tot und alles tut weh.

Was machst Du mit Souvenirs, die Du bekommen hast?
Ich setze jetzt mal Souvenir mit Geschenk gleich, denn Souvenirs bekomme ich nie.
Das meiste, was ich geschenkt bekomme gebe ich irgendwann, wenn der passende Augenblick und der richtige Mensch gekommen ist, weiter. Ich muss nicht alles horten und bis an mein Lebensende mit mir herumtragen, vor allem mag ich nicht in einem angestaubten Museum der Vergangenheits- und Zuneigungsbekenntnisse leben.
Klingt lieblos, ist es aber nicht. Ich hänge mein Herz eben nur an wenige Dinge und das meist auch noch temporär.
As long as it lasts.
Die Erinnerung daran reicht mir vollkommen aus.

Singst Du im Auto immer mit?
Du meinst, ob ich spontan in den groovenden Gospelchor einstimme, der in meinem Auto wohnt und dessen Gesänge mir jedes Mal entgegenschlagen, sobald ich die Türe öffne?
Im Ernst: nein, ich höre im Auto fast nie Musik, weil ich jede Sekunde Ruhe genieße, die ich bekommen kann. Ganz selten drehe ich mal die Lautstärke auf und dann singe ich auch mit.
Am liebsten zu Tocotronic.

Ist jeder Tag ein neuer Anfang?
Für Neuanfänge reicht es meist nicht aus einfach nur morgens aufzuwachen. Manchmal allerdings schon.
Ich habe mir so einiges in meinem Leben regelrecht aus dem Kopf geschlafen und bin morgens mit dem dringenden Impuls erwacht etwas Grundlegendes zu ändern. Das habe ich dann auch getan. Das Spektrum reichte dabei vom Umzug in eine andere Stadt und dem Beenden einer langjährigen Beziehung. Dennoch empfinde ich das ganze Leben, mit seinen Brüchen, als Kontinuität. Eins ergibt sich aus dem anderen.

Welcher Geruch erinnert Dich sofort an früher?
Lustig, dass Du das fragst. Gerade gestern hatte ich ein intensives Geruchserlebnis, das mich in Zeiten zurückversetzte, in denen ich meine Klamotten noch auf dem Frankfurter Flohmarkt am Mainufer kaufte, den Hare Krishnas dort beim Singen zuhörte und selbstgedrehte Zigaretten oder Beedies rauchte, bis mir schlecht wurde. Der Geruch, der untrennbar mit dieser Zeit verbunden ist, ist der von Patchouliöl, vermischt mit dem Duft von Räucherstäbchen und Tabak.
Als gestern ein alter Mann mit Gehstock und Palästinensertuch vor mir herlief, nahm ich diese vertraute Geruchsmelange auf und sofort waren alle diese Bilder und Erinnerungen wieder da. Eine Zeitreise zum Eisernen Steg.

Wie groß ist unsere Willensfreiheit?
Da fragst Du was. Ich kann das nicht beantworten. Doch ich befürchte, unsere Willensfreiheit ist viel kleiner, als wir glauben und als unser Strafrecht voraussetzt.
Genetik, Epigenetik, Prägung, Normen, neuronale Prozesse usw. bestimmen unsere Leben zu einem großen Teil.
Manchmal frage ich, ob wir nicht alle einen unsichtbaren Schlüssel im Rücken haben, wie die Blechfrösche im Spielwarenladen, oder ob wir gar alle nur geträumt sind und unser Schöpfer bald aus seinem tiefen Schlaf erwacht.

Sagst Du immer die Wahrheit, auch wenn Du eine Person damit verletzen könntest?
Natürlich nicht. Ich bin zwar insgesamt ziemlich geradeaus, aber ich schaue schon darauf, welche Resonanzkörper mein Gegenüber hat, was meine Worte zum Klingen bringen könnten,  ob er überhaupt verstehen und voraussichtlich auch verkraften kann, was ich sage oder überhaupt wissen muss, was ich so denke.
Was „die“ Wahrheit ist, wäre auch eine gute Frage. Gibt es das überhaupt? Und wieso wird sie immer derart hoch aufgehängt, wo doch (fast) jeder den lieben langen Tag zu seinem Vorteil, oder einfach nur aus Gewohnheit lügt.
(Ich erwarte keine Antwort auf diese Gedanken)

Welche Worte möchtest Du irgendwann von jemandem hören?
Das ist ganz leicht. Ich möchte gerne diese Worte ins Ohr geflüstert bekommen:

Schnaufschnaufischnauf
schnaufschnaufischnaufischnauf

Alternativ dazu hab ich noch einen Wunsch, aber der bleibt geheim.

 

/

Ich mach´s mir leicht, modifiziere den Award nach Gusto und  übernehme sämtliche Fragen des bekannten FAZ-Fragebogens. Beantwortet sie alle, oder pickt Euch einfach 10 raus, wie beim Liebster Award eigentlich vorgesehen.

Hier sind sie:

Was ist für Sie das größte Unglück?
Wo möchten Sie leben?
Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Ihre liebsten Romanhelden?
Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte?
Ihr wichtigster Lehrmeister?
Ihr Lieblingskomponist?
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?
Ihre Lieblingstugend?
Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Wer oder was hätten Sie sein mögen?
Ihr Hauptcharakterzug?
Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?
Ihre größte Schwäche?
Ihr Traum vom Glück?
Was wäre für Sie das größte Unglück?
Was möchten Sie sein?
Ihre Lieblingsfarbe?
Ihre Lieblingsblume?
Ihr Lieblingstier?
Ihr Lieblingsschriftsteller?
Ihr Lieblingslyriker?
Ihre Helden in der Wirklichkeit?
Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?
Was verabscheuen Sie am meisten?
Welche Erfindung bewundern Sie am meisten?
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Wie möchten Sie sterben?
Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Ihr Motto?

 

Nominiert sind folgende geschätzte und bisher noch nicht von mir nominierte Bloggerinnen und Blogger
(keine Sorge: kein Kettenbrief, kein Haustürgeschäft, kein Mitmachzwang):

 
Alice Wunder
Censay
Eimaeckel
Gerda Kazakou
Madame Filigran
Frau meertau
Onkel Maike
Myriade
Pega Mund
Peggy Liebisch
ReadOn
Wildgans
Birgit von Sätze&Schätze
Uli (Café Weltenall)

Wer hier nicht nominiert ist, ist trotzdem gemeint und kann bitte in der Kommentarspalte hier mitmachen, oder im eigenen Blog.
Ich bin gespannt auf Eure Antworten!

 

 

Dank nochmal an Lila Sumpf!

 

 

Bild: Valge Gospel, Riinu Raasuke, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/

 

it´s all in your mind

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Ludwig von text art garage hat mir ein paar Fragen zum Thema Sex gestellt und ich habe mir überlegt, wie ich darauf antworte, ohne mich zu entblößen. (Danke für´s Nominieren).

So:

Welche Alternative bietet schlechter Sex / wobei: was könnte das sein?

So ziemlich alles scheint mir eine Alternative zu „schlechtem“ Sex zu sein. Essen, schlafen, schreiben, was auch immer. Entweder „guten“ Sex, oder keinen. Ich möchte bei etwas so Intimem aber gar keine Noten verteilen. Akrobatik und Technik interessieren mich nicht besonders. Sinnlichkeit, Subtilität, spielerische Ernsthaftigkeit, Zugewandtheit, Empfindsamkeit, Empfänglichkeit, Rhythmus, Respekt, Hingabe und der gegenseitige unbedingte Wille sich Freude zu schenken, machen Sex schön und aufregend (gut).
It´s all in your mind.

 

Geht Geist und Sex zusammen?

Zur Verführung braucht es zumindest rudimentäre kognitive Fähigkeiten. Insofern ist ein Minimum an Geist hilfreich. Erotik und Sinnlichkeit finden sehr viel im Kopf statt (s.o.). Auch dafür ist es gut man hat einen und weiß ihn zu nutzen. Eine tiefe geistige (und seelische) Verbundenheit ist die Grundlage, auf der Sexualität für mich überhaupt erst interessant wird und zu Erfüllung und nicht „nur“ zur Befriedigung körperlicher Bedürfnisse führt.

 

Wenn Sex die schönste Nebensache der Welt ist was könnte dann die Hauptsache sein?

Liebe. Zu Mensch, zu Tier, zum Baum, zum Leben an sich.

 

Was bewirkt das Lesen dieser 3 Buchstaben in Ihnen?

Wenig bis nichts. Ich bin nicht auf Knopfdruck erregbar. Es braucht mehr als ein paar Schablonen, Stichwörter, Schlüsselreize, Attrappen um mich zu stimulieren und Sex, als Wort, ist nun tatsächlich bis zur Unkenntlichkeit verbraucht. So, wie z.B. auch „ficken“ das inzwischen zur Schulmädchenpoesie gehört. Sex blinkt und leuchtet hilflos und erbärmlich aus jeder schäbigen Ecke, spreizt seine Beine in St. Pauli und anderswo. Das Wort interessiert mich schlicht nicht (mehr). Es ist mir fremd. Da zuckt nichts, außer vielleicht ein wenig Überdruß und Ekel, als hätte man sich an etwas, eigentlich sehr Köstlichem, heillos überfressen.


Nennen Sie drei Klischees?

Sex-Klischees? Sowas wie „Wie die Nase des Mannes…“ oder Blondinen-Klischees?

 

Was hat Schreiben mit Sex zu tun?

Erst vorgestern schrieb ich eine kleine erotische Skizze, die ich selbst ganz anregend fand, die aber in erster Linie Arbeit war. Wenn mir danach ist, schreibe ich über Sinnlichkeit. Über Sex, als nackten, spritzenden Austausch von Körperflüssigkeiten, sollen andere schreiben. Ich kann wenig anfangen mit blanker Nacktheit und freigelegten Genitalien, ohne den Kontext von Verführung und Hingabe. (Ausgenommen die Texte Batailles. Wenn er über „Sex“ schreibt, dann geht es um Leben und den Tod, um alles. Das ist magisch, verstörend, elementar. Das geht mich an).

Um auf die Frage zurückzukommen: man kann über alles sschreiben. Auch über Sex. Die Verbindung zwischen Sex und Schreiben ist etwa so, wie die zwischen Kartoffelpuffern und Sex, oder zwischen Wagenhebern und Feinstrumpfhosen.

 

 

 

 

 

 

 

Bild: RAW 103/365 Grünzeug auf der Reeperbahn
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

Mittenmang

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Manchmal ist Bloggen wie Klassenfahrt. Man verreist zusammen, sitzt abends in Grüppchen in den Stockbetten, hat Spaß und vielleicht sogar Freude, lacht, spielt irgendetwas und manche flirten ein wenig miteinander. Ohne Absichten, versteht sich. Ist ja nur Internet.

Es gibt, wie im richtigen Leben, die enigmatischen Einzelgänger und, als das andere Extrem, die geselligen Frohnaturen, die hier und da zu einem Plausch verweilen und zu jedem Thema etwas beizutragen haben. Es gibt jene, die bewundern und die, die bewundert werden wollen. Der eine trinkt, der andere raucht und eine backt Kuchen und reicht Schnittchen. Das sind die Mütterlichen, die braucht es in jeder Gruppe, so, wie es den Klassenclown geben muss. Außerdem sind da noch die Trolls, die Spaßverderber, die durch ihr regelwidriges Verhalten für einen noch größeren Zusammenhalt sorgen. Jeder füllt seine Nische, fühlt sch mehr oder weniger wohl darin, und irgendwann macht man die Kiste aus, die Reise ist vorbei und alle gehen nach Hause. Jeder für sich. Man verabschiedet sich, ein bisschen erfüllt und ein wenig leer vom vielen Reden und Lachen und den langen Nächten. Ausgelaugt und müde ist man. Man schläft erstmal, ernüchtert langsam und dann setzt man sich wieder an den Schreibtisch, geht an die Arbeit und braucht ganz dringend Rückzug und Zeit für sich.
So geht es mir.

Nach quirlig-heiterer Geselligkeit zieht es mich ins Private. Ich brauche dann Ruhe, muss vor allem schweigen, kann mich schlecht auf andere einlassen, ihnen zuhören, mich auf das konzentrieren, was sie sagen, bzw. schreiben. Ich muss meinen Gedanken nachhängen, mich auf die Woche vorbereiten und mich sammeln. Und sei es auch nur für das Schreiben des nachmittäglichen Einkaufszettels, für das fachgerechte Kraulen von Kater Ludwig, für die kleinen Dinge des Alltags. Für mich.

Um den Kopf freizubekommen gehe ich gerne hinaus in die nebligfeuchte Stadt, die mich aus grauen Fassaden mit hängenden Lidern anschaut, bewege mich durch einsame Straßen, blicke in die nackten Bäume, beobachte die Krähen, die die öffentlichen Papierkörbe plündern, über den matschigen Boden hüpfen und sich schimpfend um die besten Beutestücke balgen – räh räh – und trotte ganz langsam mit meinem Hund am Wasser entlang bis zur chinesischen Botschaft und dann die tosende Alexanderstraße rüber zum Alexanderplatz.
Wenn mir kalt ist, gehe ich kurz in den S-Bahnhof, trinke dort einen Kaffee, oder ich hole bei Saturn noch schnell ein paar Bürstenköpfe für die elektrische Zahnbürste und wärme mich dort auf.
Wenn mir sehr, sehr kalt ist steuere ich die Haartrockner-Abteilung an und föne mich solange warm, bis jemand kommt um mich zu beraten. Das Gespräch nehme ich noch mit, erfahre viel über Ionen und über die Schweinefirmen, die tun als wären sie deutsch, in Wahrheit aber längst us-amerikanisch sind, und verlasse heissgefönt und gut informiert den Elektroniktempel.

Mit hochgezogenen Schultern geht es wieder durch die müde Stadt zurück, die brave Hündin immer an meiner Seite, die ich auch deswegen so liebe, weil sie wenig redet.
Zuhause rubbele ich sie mit dem Handtuch ab, sie knurrt und fletscht und wedelt und entreisst mir schließlich das Tuch, weil sie viel stärker ist als ich und sehr gefährlich.

Als nach Beginn der selbstausgerufenen Blogparade plötzlich so viele Menschen auf mein kleines beschauliches Blog kamen und ich vor lauter Trubel beinahe schwitzige Hände bekommen hätte, weil einer dem nächsten die Klinke in die Hand gab und alle angeregt plaudernd und scherzend bei Sekt und Häppchen in meiner Küche standen, während ich, ganz unvorbereitet noch im Schlafanzug und mit zerzaustem Haar durch die Wohnung tappte, habe ich mal wieder gemerkt, was ich ohnehin schon wusste: ich bin kein Gruppenmensch. Ich kann das nicht. Jedenfalls nicht mittendrin.

Nicht, dass ich es nicht auch sehr genießen würde, aber mir fehlt tatsächlich die Energie und die Kompetenz dafür mich auf soviele Leute gleichzeitig einzulassen. Dabei bin ich durchaus gesellig, nur eben nicht in einer verantwortlichen Rolle. Eher so gesellig am Rande, mit einem Fuß in der Tür. Wenn keiner was von mir erwartet, wenn ich nicht soll oder muss, wenn ich kann wie ich will, dann bleibe ich gerne. Dann gebe ich gerne, dann bin ich liebend gerne dabei.

Selbst an meinem Geburtstag halte ich es nicht anders.
Ich feiere jedes Jahr und bin immer und ausnahmslos kurz ehe es losgeht krank vor Lampenfieber. Mir ist schwindlig, ich schreibe im Kopf bereits die ersten bedauernden sms, rufe im Geiste in dem Lokal an, in dem ich Tische reserviert habe und denke mir Lügen aus, abstruse Begründungen, warum ich leider, leider alles abblasen muss. (Bei mir zu feiern käme sowieso nicht in Frage!)
Totenblass und schwer angeschlagen quäle ich mich dann schließlich doch aus dem Haus, schwöre mir nie wieder so viele Leute einzuladen – dieser verfluchte Geburtstagskult – und höre mich schon, wie ich der versammelten Gesellschaft noch ein paar Begrüßungsworte entgegenkrächze, ehe ich bewusstlos zusammensacke, ins Krankenhaus gebracht werden muss und bei mir Morbus Tikerscherk diagnostiziert wird, eine bis dahin vollkommen unbekannte Krankheit, die nur sehr sehr wackere Menschen überhaupt so lange und klaglos aushalten bzw. überleben können.
Und endlich werden alle wissen, dass ich weder exzentrisch, noch verschroben oder eigenbrödlerisch bin, sondern einfach nur eine sehr sehr tapfere tikerscherk. Seufz.

Auf diesen Tag in ferner Zukunft freue ich mich schon fast ein bisschen. Denn mit der Diagnose ist auch die Heilung nicht mehr weit. Absolute Ruhe verordnet der Arzt, bloß nicht zuviele Kontakte auf einmal. Sofort aufhören zu reden, wenn Sie die Lust verlässt und immer eine Hintertüre offenlassen, ganz gleich worum es sich dreht.
Lange Spaziergänge mit dem Hund sind Pflicht. Hier und da ein Nickerchen am Nachmittag, gerne auch zu zweit, am wichtigsten aber: keine Verantwortung übernehmen in Gruppen, immer schön am Rande bleiben, dann wird alles gut.

In diesem Sinne möchte ich allen danken, die bisher bei meiner Blogparade  Hauptsache händisch mitgemacht haben.
Es hat mir viel Spaß und oft auch Freude gemacht. Entschuldigt, wenn ich eine mittelmäßige bis lausige Gastgeberin war, die Schnittchen nicht fertig, die Getränke nicht kalt waren und ich die ganze Zeit im Schlafanzug mit strubbeligen Haaren Maulaffen feilbot, statt mich endlich um die Gäste zu kümmern, jeden einzeln  zu begrüßen, mich nach dem werten Befinden zu erkundigen und immer wieder Getränke nachzulegen.
Ich hab mein Bestes gegeben, ehrlich, besser kann ich´s leider nicht. Seht es mir nach, bitte!
Ihr wisst´s  ja jetzt: Morbus tkerscherk.

 

 

 

Bild: Laura Loveday
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/

Hauptsache händisch

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Habt Ihr Lust auch mal eine handschriftliche Geschichte in Eure Blogs zu stellen (oder als Foto in meine Kommentarspalte hochzuladen)? Gerne etwas, was zu tun hat mit eigenhändig hergestelltem (z.B. Pulli, Kuchen, Gemälde, Liebesbrief) oder eigenhändig erledigtem ( z.B. Auftragsmord).
Vielleicht habt ihr mal jemanden eigenhändig aus Eurer Wohnung geworfen, jemanden eigenhändig durchgeschüttelt oder wiederbelebt. Oder habt Ihr etwas Spektakuläres auf eigene Faust (gilt auch) unternommen? Oder Ihr denkt Euch einfach etwas aus, was von Eigenhändigem berichtet.
Das Ganze dann bitte noch handschriftlich festgehalten, abgelichtet und ins Netz gestellt, macht sowas Ähnliches wie eine Blogparade unter dem Titel:

Hauptsache händisch

Wer wenig Vertrauen in die Lesbarkeit seiner Schrift hat, kann ja die ersten paar Zeilen per Hand verfassen und den Rest tippen, wem auch das zuviel ist, der schafft vielleicht eine manuelle Überschrift? Und wer gar nicht will, der soll auch nicht.

 

 

 

 

P.S.: Wie sich sicher schon alle gedacht haben, habe ich niemals, wie in meiner Geschichte behauptet, die Sachen meines Freundes in den Müll geworfen (obwohl er es wirklich verdient hatte). Ich habe bloß damit gedroht und mich dabei sehr klein stark und sehr hilflos mächtig gefühlt.

P.P.S.: Ja, Foto is unscharf. Kriegs nicht besser hin, heute.

 

 

 

Socken im Bett

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Als ich noch sehr jung und sehr unbedarft war, erzählte mir eine welterfahrene 17-Jährige von ihrem enttäuschenden tête-à-tête mit einem 5 Jahre älteren Kerl, den sie knapp und verächtlich skizzierte, als jemanden, der im Bett die Socken anbehielt.

Ich hörte ihr interessiert zu und nickte mitfühlend.

 

 

 

 

 

 

 

Dies ist ein Beitrag zum Projekt Kleider machen Leute, welches der werte Wortmischer ins Leben gerufen hat. Gesucht werden Geschichten zu und mit Kleidungsstücken von A-Z. JedeR ist aufgerufen mitzumachen. Du auch!

 

 

Nebelkrähen und Nibelungen

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Die liebe Frau Croco hat Frau Indica, ReadOn und mir ein Blogstöckchen zugworfen.
Die Fragen gefallen mir gut, die Gesellschaft in der ich mich befinde erst Recht, und so greife ich das Blogstöckchen gerne auf. Vielen Dank dafür!

Los geht´s:


Eine Abenteuerreise wartet auf Sie. Was wäre für Sie das absolute Abenteuer?

Abenteuer klingt für mich nach Gefahr, und mit Gefahr bin ich, nach all den Katastrophen in meinem Leben, durch. Sie findet mich sowieso immer und überall, da muss ich nicht noch mutwillig über wacklige Hängeseilbrücken torkeln oder in einer Seilbahn stecken bleiben. Eine Zugreise durch Afrika zu den Viktoria-Wasserfällen ist das aufregendste, was ich mir überhaupt zumuten wollte.
Viel lieber möchte ich aber mit dem Einen oberhalb des Lago Maggiore in einem Liegestuhl dösen und ab und an die Hand nach ihm ausstrecken.

Sie dürften bestimmen, wer eine Spende von 10000 € bekommt. Wer wäre das und warum?

Es gibt soviel Elend, da hilft nur ein blinder Griff in die Menge. Ich entscheide mich für die Obdachlosenhilfe. Diese Menschen ohne Zuhause vegetieren überall in der Stadt, unter Brücken, vor Hauseingängen, auf der Straße, und ich fühle mich ihnen ganz besonders verbunden, wie auch verpflichtet. Wahrscheinlich, weil ich sie jeden Tag sehe und weil die Heimat, die ihnen zu fehlen scheint,  für mich ein so wichtiges Lebensthema ist. Durch schieres Glück bin ich in einer besseren Ausgangslage als sie.

Für einen Tag dürften Sie in die Haut eines anderen Menschen schlüpfen. Von wem wüssten sie gerne, wie sich sein Leben anfühlt?

Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, wie ich gleichzeitig ich und jemand anderes sein könnte, würde ich gerne wissen, wie es ist ein 15- oder 16 jähriger, pubertierender Junge zu sein. Kein bestimmter, irgendeiner.

Und welches Tier wären Sie gerne, wenn das möglich wäre?

Eine Krähe oder ein anderer kluger Vogel. Wenn´s geht, einer der vegetarisch leben kann.
Ich würde durch die Lüfte toben, mit den anderen Vögeln spielen, Hunde ärgern und Nüsse auf die Straße werfen, die mir von den darüber fahrenden Autos geöffnet würden.
Und im Winter würde ich Schlitten fahren:

(youtube-Direktlink)

Hat schon mal ein Traum Ihr Leben beeinflusst?

Der Traum, den ich während meines Herzstillstandes hatte war sehr wichtig für mich, und er wirkt bis heute nach.
Dieser intensive Moment der Ruhe, das strahlende Licht, die angenehme Wärme, haben mir sehr viel Zuversicht gegeben. Ich habe seitdem weniger Angst vor dem Tod, auch vor dem der anderen, weil ich hoffe, dass es auch für meine geliebten Menschen irgendwann  so leicht sein wird aus dem Leben zu gehen.

Lieblingsbücher liest man gerne mehrfach. Welches haben Sie am häufigsten gelesen?

­Es gibt nur wenige Bücher, die ich mehrfach gelesen habe.
Wer hier regelmäßig mitliest wird nicht überrascht sein, wenn ich Kurt Vonnegut mit Die Sirenen des Titan und mit Schlachthof 5 nenne. Drei weitere wichtige und mehrfach gelesene Bücher sind Der Liebhaber von Marguerite Duras, Rayuela von Cortázar und Stiller von Frisch.
Als Kind: Das Nibelungenlied. Ich war fasziniert von Hagen, dieser undurchsichtigen, aufrechten, wie auch verschlagenen Figur.

Wenn Sie in ein anderes Land fliehen müssten, dessen Sprache sie nicht sprächen und wo Ihre Berufsausbildung nicht anerkannt würde, mit welchen Fähigkeiten könnten Sie sich den Lebensunterhalt verdienen?

Außer meinem Beruf und Sprache(n) beherrsche ich nur `brotlose Künste´.
Ich würde wohl versuchen mich mit kochen oder mit stricken und Obstanbau über Wasser zu halten. Vielleicht würde ich auch Blumen verkaufen. Könnte klappen.

Verraten Sie uns ihr Lieblingskuchenrezept?

Ich habe ein einziges Mal im Leben einen Kuchen gebacken. Das ist lange her. Der Kuchen ging total daneben und die Deko, die alles rausreißen sollte, war auch ziemlich erbärmlich. Auf dem Weg zum Geburtstagskind kam mir in einer leichten Linkskurve auf der Autobahn ein Geisterfahrer entgegen. Zum Glück ging das gut aus, weil die Straße ansonsten frei war und ich schnell ausweichen konnte.
Ich habe diese beiden Erlebnisse so miteinander verknüpft, dass mir das Kuchenbacken seither zu gefährlich ist.

Unter Ihrem Balkon soll jemand ein Ständchen singen. Sie dürfen sich Sänger und Lied wünschen. Also, wen und was wünschen Sie sich?

Dann wünsche ich mir, dass der Eine mich weckt mit One night with you.

Auf welche fünf Lebensmittel können Sie nicht verzichten?

Kaffee, Milch, Brot, Salz, Pfeffer. Alles andere scheint mir irgendwie ersetzbar.


Die Elf ist die Zahl des Narren. Wenn Sie sich denn verkleiden würden, als was würden Sie zum Karneval gehen?

Als Erdbeere im dicken Schaumstoffkostüm.

 

Da die Fragen mir sehr gut gefallen haben und ich selbst mich  außerstande sehe mir bessere auszudenken, reiche ich dieses Blogstöckchen,  beinahe unverändert, weiter an:

Annika

Frau Meertau

dergl

Jules

den Wortmischer

la mamma

frau frogg

den Einen

und an

den Dilettanten

 

 

Wer sonst noch möchte, kann die Fragen gerne aufgreifen und in seinem Blog oder in meiner Kommentarspalte beantworten.

Hier noch einmal die Fragen:

  1. Eine Abenteuerreise wartet auf Sie. Was wäre für Sie das absolute Abenteuer?
  2. Sie dürften bestimmen, wer eine Spende von 10000 € bekommt. Wer wäre das und warum?
  3. Für einen Tag dürften Sie in die Haut eines anderen Menschen schlüpfen. Von wem wüssten sie gerne, wie sich sein Leben anfühlt?
  4. Und welches Tier wären Sie gerne, wenn das möglich wäre?
  5. Hat schon mal ein Traum Ihr Leben beeinflusst?
  6. Lieblingsbücher liest man gerne mehrfach. Welches haben Sie am häufigsten gelesen?
  7. Wenn Sie in ein anderes Land fliehen müssten, dessen Sprache sie nicht sprächen und wo Ihre Berufsausbildung nicht anerkannt würde, mit welchen Fähigkeiten könnte sie sich den Lebensunterhalt verdienen?
  8. Verraten Sie uns ihr Lieblingsrezept (für diejenigen, die nicht kochen oder backen: Ihr Lieblingsgericht)?
  9. Unter Ihrem Balkon soll jemand ein Ständchen singen. Sie dürfen sich Sänger_in und Lied wünschen. Also, wen und was wünschen Sie sich?
  10. Auf welche fünf Lebensmittel können Sie nicht verzichten?
  11. Die Elf ist die Zahl des Narren. Wenn Sie sich denn verkleiden würden, als was würden Sie zum Karneval gehen?

 

ungeachtet

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Wer nichtsdestotrotz sagt, der sagt auch selbstverfreilich und frisst kleine Kinder.

Geplant und andernorts großmäulig angekündigt, war hier eigentlich eine Schmähschrift, oder ein Rant, wie man es nennt, wenn man es drauf hat.

Nun ist es leider so, dass mir nur jede Menge dünkelhaftes Zeug einfällt, welches mich meiner Leserschaft entfremden könnte, weil es mich überheblich, wenn nicht unsympathisch, weil engstirnig und übertrieben sprachpuristisch, erscheinen lassen könnte. Dies möchte ich vermeiden, denn ich bin eine Zauberfee. So sagt zumindest der Eine, und der weiß es, aber das tut hier nichts zur Sache und klingt möglicherweise ekelhaft selbstverliebt obwohl es fabelhaft fremdverklärt ist.

Ich verzichte also, entgegen meiner guten Vorsätze, auf die exzessive, ausufernde und ungerechte Geißelung des dümmsten aller dummen Kofferwörter, das, wie könnte es anders sein, seinen Ursprung in Berlin und Umgebung haben soll. Denn wenn irgendwo in den Sack gehauen wurde, dann hier. Schon immer. Dazu brauchte es nicht erst Bolle.

Wieso, so mag sich die Eine oder der Andere fragen, setzt sie sich überhaupt mit diesem überflüssigen und unsäglichen Wort auseinander, wenn es ihr so zuwider ist? Ist sie Masochistin, oder hat sie etwa nichts Besseres zu tun?

Beides stimmt.

Doch so war es dazu gekommen: bei einem Blick auf das Blog Neon Wilderness, der mir Aufschluss darüber geben sollte, ob ich auch in diesem Jahr wieder meine Zeit mit der Teilnahme beim txt-Projekt verplempern wollte, sah ich, dass der Reigen ausgerechnet mit einem meiner Lieblingshasswörter eröffnet worden war.

Das kann ja wohl nicht, also echt nicht, auf gar keinen Fall, sowas Bescheuertes,

dachte ich mir und mein hochempfindliches Sprachzentrum zog sich in konvulsiven Krämpfen zusammen, beinahe wie ein Wurm unter einer Wärmelampe oder eine Schnecke auf Schneckenkorn. Die Entscheidung war gefallen, noch ehe ich meine gesammelten Argumente beieinander hatte: niemals würde ich mich zu soetwas herablassen, wirklich nicht. Mein Masochismus in allen Ehren. Es gibt auch Grenzen, oder, wie der Berliner sagen würde:

dit is ma echt zu stulle.

Da mein Talent leider weder im Komischen und schon gar nicht im Ironischen begründet liegt und diese Stilmittel ohnehin nur der Sublimierung meiner tief empfundenen Abscheu dienen würden, die aber leider, wenn offen zur Schau getragen, das wohlgepflegte Feen-Image von tikerscherk beschädigen könnte (s.o.), habe ich mich zähneknirschend entschlossen beim Januar- Durchlauf des txt-Projektes 2016 auszusetzen und erst beim zweiten Wort im Februar wieder voll einzusteigen.
Bis dahin werde ich mich wohl langweilen und weiterhin die Nerven des Einen beanspruchen müssen.

Nichtsdestotrotz, und das darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, handelt es sich bei txt um ein sehr schönes Projekt, für das ich Dominik endlich einmal danken möchte: danke Dominik!

 

 

Mein Beitrag zum txt-Projekt 2016, das erste Wort: nichtsdestotrotz

 

 

 

 

Bild: Laura Loveday (Edie Sedgewick)
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/