eigenartig (verhalten)

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Es ist meine Unnahbarkeit die mich so unnahbar macht. Mit dem Bekannten zusammen bin ich eine uneinnehmbare (feste) Burg. Um die Sache lebendig zu halten, verläuft der Graben genau zwischen uns. Ich schürfe, er sortiert, denn der Bekannte ist schlau und ich bin impulsiv und explorativ und liebe das Mondäne, die goldene Mähne, während der Bekannte Skyr isst und Knäckebrot und hartgekochte Eier. Im Winter auch Nüsse und am Wochenende Schokoladenkuchen. Von allem jeweils Unmengen.

Der Bekannte hat ein Gesicht aus Stein. Nur wenn er dann doch mal schlemmt oder lächelt, bekommt er ein Jungengesicht. Als er die Japankatze zum ersten Mal sah, da guckte er ganz weich. Immer wieder ging er, nach ihr zu schauen.

Ich bin so unnahbar, dass ich die Menschen, die ich sieze nur schwer duzen kann später, und die, die mir nah sind erst umarmen nach Jahren.

Einem sehr geschätzten Arzt schenkte ich einmal Shakespeares Sonette. Danach habe ich mich aus Scham nie wieder bei ihm blicken lassen. Ich befürchtete er könne denken ich sei in ihn verliebt. Wahrscheinlich hat mein Fernbleiben erst recht den Eindruck einer verdrucksten Stalkerin erweckt und der Arzt hatte fortan beim abendlichen Gang in die Tiefgarage die Vision meiner begehrlich brennenden Blicke im Nacken. Was er nicht ahnen konnte: wenn ich wirklich auf jemanden stehe, zeige ich es ihm durch Nichtbeachtung, weil in diesem Falle meine mitunter durch Rampensaugehabe kaschierte Schüchternheit voll zum Durchbruch kommt. Mutig und draufgänger*innenisch bin ich nur mit ausreichend Abstand. Zur Sicherheit.

Wertschätzendes Fremdeln.

Sollten wir nicht einen Löffelhalter von Alessi kaufen, frage ich den Bekannten, der gerade einen Becher Skyr leert.
Lieber eine Messerbank, antwortet er.

Zum Glück nur ein Traum.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Taieb M, flickr, I´m different
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/

 

Piratinnen

 

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Vollkommen bezuglos stelle ich dieses Bild hier ein, dass mir gestern zufällig in die Hände fiel und das mich in der Zeit zeigt, als mein rechtes Auge gerade anfing sehen zu lernen. Später malte meine Mutter mir kleine Bildchen auf meine Pflaster, damit ich im Kindergarten weniger gehänselt wurde.
Als dann aber auch meine beste Freundin mit einem Pflaster vor dem Auge dort auftauchte, waren wir auf einmal eine Gang, Piratinnen, und alle anderen nur schnöde, langweilige Kinder.
(Ob meine Eltern mir tatsächlich Henninger-Bier zu trinken gaben, wie das Foto nahelegt, weiss ich nicht mehr. Es würde meinen seeligen Gesichtsausdruck erklären).

sehr ungern (claro)

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Mit sehr ungern beantwortete ich früher beinahe jede Frage, die ein Anliegen an mich heran trug. Wollte beispielsweise jemand mal kurz mein Telefon benutzen, sagte ich: Sehr ungern, bat mich jemand um einen Kaugummi oder eine Zigarette bekam er die gleiche Antwort.
Die Fragenden, die bereits ihre Hand nach dem Ersehnten ausgestreckt hatten, zuckten dann jedes Mal zurück, als hätten sie sich verbrannt und ich verstand nicht, und zwar bis heute nicht, wieso sie meine Ironie nicht verstanden.

Ich hätte statt sehr ungern genauso gut sicher oder claro oder como qué non sagen können. Doch zu selbstverständlich erschien mir das, als dass ich es sagen und mich damit als besonders großzügig hervortun mochte.
So war es doch schon in der Schule: niemand meldete sich bei extrem einfachen Fragen, weil zu läppisch und weil man sich lächerlich vor der Klasse gemacht hätte, hätte man sein  1×1-Wissen zur Schau getragen. Die Lehrer, die ratlos in die schweigenden Gesichter ihrer Eleven blickten, nahmen unterdessen an, dass wir zu verblödet waren und nicht einmal die elementarsten Dinge wussten. Vielleicht plagten sie auch Selbstzweifel über die Güte ihres Unterrichtes. Sie hatten keine Ahnung, dass unser Schweigen Ausdruck davon war, dass man Selbstverständliches nicht fragt.

Meine Ironie habe ich über die Jahre verfeinert und antworte auf Bitten inzwischen mit: auf gar keinen Fall. Das wird besser verstanden, denn soviel rüde Zurückweisung traut mir dann halt doch niemand zu.
(Zigaretten und Kaugummis gibt es bei mir schon sehr lange nicht mehr. Heute kann ich auf gar keinen Fall zu einem Stück Kuchen einladen).

 

 

 

Bild: Neil Moralee, windwept and dangerous, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

Zeitraupe

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Die Raupe krümmt sich zu einem Omega. Unter ihr, auf weißer Pappe, wölben sich matte Braillezeichen. Die Raupe streckt den vorderen Teil ihres Leibes und zieht den hinteren Teil nach. Durch ihrem gebogenen Körper hindurch sehe ich unterschiedlich vergrößerte Buchstaben.
Cefurox Basics
steht dort.
Vor Jahren erschien mir diese Lupenraupe schon einmal. Damals nahm ich die gleichen Tabletten und war in ähnlicher Verfassung wie heute.

Es war eine anstrengende Woche voller Euphorie und Strapazen. Kranksein muss man sich leisten können. Ich tue es. Free your mind

Eine Menge Leute hab ich getroffen und nicht alle Begegnungen waren erfreulich. Manche dafür umso mehr. Ein nachmittägliches Vorstellungsgespräch zum Beispiel endete in quirlig überdrehter Sektstimmung, ganz ohne Alkohol. Zu dritt lachten wir ausgelassen und plauderten und beim Abschied waren wir alle drei verliebt ineinander, für diesen Moment. Während des Treffen kugelte das Tölchen sich auf dem Rücken und ließ sich am Bauch kraulen. Entzücken allerseits, ach!  Und natürlich haben wir sie angeheuert, wie wir auch die Lebensfrohe, die zu halten scheint, was sie in der Bewerbung versprach, ins Boot geholt haben. Das Team ist damit voll. Schön bunt ist es geworden. Es wird, es wird. Doch Obacht, nicht zu früh aufatmen, sonst schnürt der Sado-Python nach und die Luft geht mir am Ende doch noch aus.
Was mir allmorgendlich, wenn ich die Augen aufschlage und mich in den Tag blinzele, gerade am meisten Zuversicht gibt, ist der Countdown zum 8.8. hin, dem internationalen Katzentag, an dem ich meinen Felinen Au revoir sagen und mich mit wehenden Haaren und glühenden Reifen auf den Weg nach Oberbayern machen werde um dort, beinahe 4 Wochen lang, die ewigen Alpen zu betrachten und den silbernen See und dabei wieder zu Kräften und damit zu mir zu kommen. Ich freu mich so, ich freu mich so, auch wenn´s noch lange hin ist.

Diese Woche kam außerdem noch die Niederländerin zu Besuch. Ein Jahr ist es her seit wir uns das letzte Mal sahen. Traurige Geschichten weiss sie zu erzählen, und lustige. Obgleich die Lustigen meist die Traurigsten sind. Sie spricht so, wie Vonnegut schrieb und nicht nur deswegen höre ich ihr gerne zu. Bei allem, was an ihr zehrt, sind immerhin ihre Sofatage und -wochen endlich vorbei. Zurück gekehrt in die gemeinsame Wohnung muss sie jetzt nur noch die Liebste überreden, nach der Ausbildung nach Berlin zurück zu kehren. Wie schön das wäre!

Ein weiterer Quell der Freude ist der Frühling mit seinen Blüten und den flötenden Amselgesängen.
Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass irgendetwas noch schief gehen soll, solange es Schneeflocken und Blütenblätter zugleich durch den Garten weht und über allem die eisige Sonne aus tiefblauen Himmel strahlt.

 

 

 

 

Carol

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Manchmal, wenn ich an dich denke, erinnere ich mich auch an die stark geschminkte Mittfünfzigerin, die rauchend auf dem Balkon der Station N2 sitzt. Die abgehalfterte femme fatale, mit langen blondierten Haaren, dem aus der Form gelaufenen Körper, gehüllt in einen Satinkaftan mit Leopardenprint, schwarze Stoppeln an den trockenen Schienbeinen, die Füße in glitzernde Riemchensandalen gesteckt.
Den Blick in die Ferne gerichtet, hält sie eine Zigarette in der Hand, Rauch sickert nachlässig aus ihren Nasenlöchern. Neben ihr ein junger Mann mit unverhältnismäßig großem Adamsapfel, der ihm ein geierhaftes und irgendwie verklemmtes Aussehen verleiht und mich an John-Boy Walton, den Tugendhaften erinnert. Der Mann betrachtet das Profil der Frau und greift nach ihrer freien Hand, die sie ihm teilnahmslos überlässt. Etwas Unterwürfiges und zugleich Aufdringliches liegt in seinem Blick und in dieser Geste der verzweifelten Zugewandtheit.

Ich sitze auf der Bank neben den beiden, rauche und zähle zum wiederholten Male die Türme der Stadt. Das Krematorium in Steinwurfnähe zähle ich mit.
Ob sich die Jahre, die vor mir liegen, ebenso in mein Gesicht fressen und dort eine Spur der Angst, der Leidenschaft und des Nikotins hinterlassen werden. Und werden auch wir eines Tages gemeinsam auf diesem oder einem anderen Balkon sitzen, eine tödliche Diagnose auf unseren Schultern, du meine Hand haltend und in mir immer noch die Blüte sehend, die ich einmal war. Und werde ich dich dafür verachten oder lieben und brauchen, oder alles zusammen.
Seit 24 Wochen bin ich in dieser Klinik, die ich in den gleichen Kleidern verlassen werde, mit denen ich sie betreten habe. Du wirst mich abholen und nach Hause bringen in mein neues Leben, von dem du schon jetzt ein Teil geworden bist.

Heute ist dein Geburtstag. Ich denke an dich.

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild: b.s.wise, flickr jean cocteau
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

over me

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Am Morgen erwache ich mit einer Textzeile im Ohr und sehe mich am Frankfurter Ostbahnhof unweit meiner Schule mit A. auf einem Mäuerchen sitzen. Er pafft. Ich schaue ihm zu und denke an meine Mutter, wie sie mit tiefausgeschnittenem Negligé am Frühstückstisch sitzt, eine Zigarette in der linken Hand, vor ihr eine halbvolle Tasse Filterkaffee.

Ich bin 12 Jahre alt und habe vor wenigen Wochen meine erste LP gekauft. Einzelne Liedfetzen gehen mir im Kopf herum. Hey, hey, you, you, get off of my cloud.
Als er ferig geraucht hat, steht A. auf, greift in seine Hosentasche und holt ein plattgesessenes Lederportemonnaie heraus, das an den Rändern rundgebogen ist. Er klappt es auf, zieht aus einem der Fächer einen Zeitungsausschnitt und reicht ihn mir mit einem Kopfnicken herüber. Liebe ist… steht da über einer Zeichnung mit zwei Figuren, einem Mann und einer Frau, die nebeneinander im Bett liegen, und darunter steht … jeden Tag mit Sonntagslaune zu erwachen. Ich weiss nicht was ich sagen soll und sage nichts.

Ein paar Wochen später sitzen wir auf der Mauer hinter der Post und rauchen, A.s Oberschenkel berührt meinen. Er legt den Arm um mich und sagt: Meine Eltern sind nicht Zuhause. Meine Füße brennen, als wir von der Mauer herunter auf den harten Boden springen. A. greift nach meiner Hand. Ich ziehe sie weg und binde, wie zur Erklärung, meine Schuhe. Wir gehen nebeneinander her in Richtung Röderbergweg, A. redet über Fußball und über die Mädchen in unserer Schule. Über Anke, die schon einen BH trägt.

Vor einem der graubraunen, grob verputzten Häuser bleibt A. stehen und holt einen Schlüssel heraus. Fast alle in meiner Schule tragen einen Wohnungsschlüssel bei sich. Ich nicht. Bei uns ist immer jemand Zuhause und falls nicht warte ich im Hof oder im Garten. Einmal saß ich mehrere Stunden am Fuße des Mammutbaums und schaute nach oben zu unserem Turm, in dem eine Leiche eingemauert ist und auf dessen Spitze eine Kugel aus Zinkblech steckt. Irgendwann kam meine Mutter vom Friseur zurück. Ich erkannte sie von weitem am Klang ihrer Absätze.

A. wohnt mit seinen Eltern in einer Genossenschaftssiedlung. In der Diele liegt graue Auslegware. Die Türen zu den Räumen sind geschlossen. Der Vorraum ist auf eine Weise aufgeräumt, wie ich es von Zuhause nicht kenne. Unsere Ordnung ist eher eine zufällige, hingeworfene. Diese hier ist grundlegend und sie riecht nach Putzmitteln und Seife.
A. zieht seine Schuhe aus, ich folge seinem Beispiel. Dann öffnet er die Türe zu einem der Zimmer. Es liegt im Halbdunkeln, die Rolläden sind herunter gelassen und an der Stirnseite befindet sich ein breites Bett mit einem regalartigen Aufbau am Kopfende. Ein Dutzend Bücher, alle etwa gleich hoch und dick, stehen darin, daneben ein schwarzer Radiowecker mit roten Leuchtziffern. A. macht eine kleine Lampe an und nun sehe ich, dass der Bettrahmen und der Aufbau komplett mit pfirsichfarbenen Samt bezogen sind. Ein glänzender Steppüberwurf in der gleichen Farbe liegt auf der Matratze, die Volants reichen hinunter bis zum Boden und erinnern an die Toilettenpapierumhäkelung in der Gestalt einer Flamencotänzerin, die man auf manchen Autoablagen sehen kann.

Setz dich zu mir, sagt A. der sich wie selbstverständlich aufs Bett gelegt hat und ich setze mich zu ihm. Die Matratze sinkt ungewohnt stark ein und ich rutsche ein Stück nach hinten um nicht abschüssig zu sitzen. A. streckt einen Arm nach mir aus und legt ihn um meine Taille, den Daumen hängt er in den Bund meiner Jeans ein, unsere Haut berührt sich. Ich fühle mich unwohl. Eine Weile geschieht weiter nichts. Wir schweigen, er liegend, ich sitzend, sein Daumen kreist auf meinem Bauch. Irgendwann richtet A. sich auf und streift zuerst seinen Pullover und dann das T-Shirt darunter ab. Ich ignoriere das so gut ich kann und schaue mir die Buchrücken des Bücherdutzends an. Unbezähmbare Angélique steht dort, oder Angélique und Ihre Liebe, daneben Angélique und die Versuchung und als letztes in der Reihe Angélique triumphiert.
Zieh dich aus,
sagt A. jetzt und guckt mich merkwürdig an. Ich bin unschlüssig was ich tun soll. Als er nicht aufhört mich anzustarren, ziehe ich meinen Pullover aus. Das T-Shirt auch, fordert A. und legt nun eine ganze Hand auf meinen Bauch.
Ich möchte nicht, antworte ich, da greift A. von hinten um mich herum und schiebt mein T-Shirt mit beiden Händen nach oben. Mit einem Ruck hat er mich aus dem Sitzen ins Liegen gerissen und mir mein zwei Handgriffen das Hemd ausgezogen. Wenn ich wie die C. Ohrringe trüge, hätte er mir jetzt das Ohrläppchen eingerissen, denke ich. A. setzt sich auf mich, fährt mit beiden Händen an meinem Körper hoch und runter und stößt mit seinem Becken gegen meines. Seine Augen sind glasig und seine Unterlippe hängt ein wenig. Ich schaue ihn an und spüre weder Angst noch Anspannung. Eher so etwas wie Verwunderung. Auf eine merkwürdige Weise erinnert er mich an unseren Graupapagei, wenn er, auf der Stange sitzend, mit dem  Kopf auf und ab wippt und um unsere Aufmerksamkeit buhlt.

Nach einer Weile, ich weiss nicht wieviele Minuten inzwischen vergangen sind, lässt A. sich auf mich sinken und ich spüre seine dampfige Haut auf meiner. Seine Beckenbewegungen werden härter und meine Hüftknochen schmerzen darunter. Grunzend beisst er in meinen Hals. Der Geruch von Speichel dringt in meine Nase und ich denke an einen Nachmittag mit unserer Nenntante im Günthersburgpark. Wir hatten Brötchen mit Esszettschnitten gegessen und sollten anschließend in ein Stofftaschentuch spucken, damit sie unsere Gesichter abwischen konnte. Mich ekelte davor.
A. sackt zusammen und bleibt regungslos auf mir liegen.  Ich warte einen Moment, bis ich sicher bin, dass es vorbei ist. Dann schiebe ich ihn weg, stehe auf und ziehe mich an.  Vor der Haustüre schlüpfe ich in meine Schuhe.

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Tobi Gaulke, Oerlikon Walk, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

Banderilla

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Ein schweißtreibend obszöner Traum lässt mich aufschrecken. Fahles Fleisch und Sperma, brutale Nacktheit. Holzbänke. Ekel ohne Lust.

Um den Bekannten nicht zu stören, setze ich vor dem Einschlafen Kopfhörer auf. Wie erwartet plätschert das gewählte Hörbuch vor sich hin, nichts, was den Sinkflug stören könnte. Bis der Vorleser plötzlich ins Falsett schwenkt und in eunuchenhaftem Ton eine sexuell erregte Frau spricht. Oh und ah und ja. Stöhnen, Gurren, Seufzen, Schmatzen. Sie ist bereit. Drück meine Brustwarzen zusammen, ich bin ganz feucht, flötet der Sprecher und ich versuche, zu müde um das iPad zuzuklappen, nicht hinzuhören. Das Gefühl beim Einschlafen ist Fremdscham.

Am Frühstückstisch reden wir über Trump und die Möglichkeiten ihn loszuwerden. Impeachment vielleicht? Droht dann Bürgerkrieg? Mein Kopf ist noch zu müde für Weltpolitik. Zuhören und Verstehen fällt mir schwer. Auf der Kuppe meines Horizontes stehen schwarze Türme, die lange Schatten ins Tal werfen.

Ich hatte meine Berliner Sommer, sagst du als wir über den August sprechen und bringst das Perfekt in die Zukunft. Eine Banderilla, sorgsam gesetzt.

 

 

 

 

 

 

 

Obacht

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Ein Lichtblick: die Sonne scheint.
Außerdem: 20 Meter am Stück ist der Hund gestern gelaufen. Die Rute aufgestellt, stakste sie vergnügt über den Platz. Irgendwann brachen die Hinterbeine weg und ich musste sie nach Hause tragen. Trotzdem: ein Anfang (innerhalb dieses langen Endes).

Judith Hermanns Sommerhaus, später. Immer wieder hat man mir das Buch ans Herz gelegt. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür und es gefällt mir außerordentlich gut. Der kühle Sound der 90er in Berlin. Dazu ihr lakonischer Erzählstil.
Ich bin sicher: mit einem wutroten Korallenarmbändchen, geerbt von der russischen Großmutter, hätte auch mein Leben einen anderen Verlauf genommen.
Den erschossenen Großvater haben eine Protagonistin und ich gemein.

Das Tonnengewicht auf meinen Schultern macht es sich gemütlich. Der Anwalt steht in den Startlöchern. Zum Glück hab ich eine Rechtschutzversicherung. Das entlastet. Wir werden sehen ob es nützt. Der Bekannte unterstützt mich mit sachlichem Verstand.
Am liebsten möchte ich immerzu umarmt werden oder schlafen, heute am Weltschlaftag. Man kann nicht alles haben.

Der Hundenachbar sagt: Achtung, die Haschbrüder haben ihre Spritzen ins Gebüsch geworfen!
Ich bedanke mich für den wertvollen Hinweis.

Immer Obacht! ruft er mir hinterher.
Ich weiss.

 

 

 

 

 

 

Der neue WordPress Editor mit seinem beep beep boop boop-Gehabe kann nicht mal Absätze aufrecht erhalten. Kaum veröffentlicht, sind die wohlweise bedachten Pausen perdu. Der WP-Admin, der alte Hase, der kann das.

 

 

 

 

 

 

Bild: Hermes Marana, day 49, flickr
Lizenz: https://www.flickr.com/photos/hermesmarana/6902452341/in/faves-139247418@N03/