Von Katzen lernen

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Nicht besonders neu, doch immer wieder gerne zitiert, ob seiner unumstößlichen  Wahrheiten: Robert Gernhards Gedicht über faule fabelhafte Feline.


Von einer Katze lernen
heißt siegen lernen.
Wobei siegen `locker durchkommen´ meint,
also praktisch: liegen lernen.

Sie sind ein sieghaftes Geschlecht,
diese Katzen.
Es gibt ihrer so viele wie Spatzen im Land.
Doch wer streichelt schon Spatzen?

Sie ist gar kein rätselhaftes Tier,
so eine Katze.
Sie will viel Fraß, etwas Liebe, doch meist
horcht sie an der Matratze.

Was eine einzige Katze uns lehrt,
lehren uns alle:
So viel wie möglich nehmen, ohne zu geben,
und dann ab in die Falle.

Mutmaßliche Lektüre. Ein Blogstecken.

Es ist schon eine Weile her, seit der geschätzte Waswegmuss (aka HKF) mir einen Blogstab zugeworfen hat.
Fünf Bücher sollte ich benennen, die ich im Laufe dieses Jahres zu lesen beabsichtige und zusätzlich fünf BloggerInnen nominieren, die das Hölzchen weiter tragen sollen.

In den letzten Jahren lese ich nur noch sehr selten Bücher zuende. Zu rastlos und zu unruhig bin ich, um einen einzelnen Faden aufzunehmen und ihm zu folgen, während hunderte anderer Geschichten bei mir anbranden und meine Aufmerksamkeit fordern.
Schade, aber gut.

Nun habe ich keinen Schimmer was morgen sein wird, geschweige denn, was ich dann lesen werde. Aber auf meinem wunderschönen Büchertisch stapelt sich einiges, was möglicherweise demnächst von mir (an)gelesen werden könnte.
Da ich die Bücher noch nicht kenne, fällt es mir schwer etwas über sie zu schreiben. Deswegen zitiere ich zum Teil aus ihnen oder verweise auf Rezensionen.

Und weil ich die Zahl 7 gut finde, stelle ich statt der angefragten fünf gleich sieben Bücher vor.

Alsom-

Eins:

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Vielleicht Esther von Katja Petrowskaja  (Suhrkamp)

Im Feuilleton der NZZ erschien eine Rezension, die mein Interesse auf dieses Buch gelenkt hat.
Als ich dann die erste Seite gelesen hatte, wollte ich nicht mehr aufhören.
Ich weiß nicht, wie sie es macht, aber Katja Petrowskaja schreibt genau so, wie jemand schreiben muss, um meine Aufmerksamkeit zu wecken und zu halten.

Petrowskaja hat sich aufgemacht, nach ihren Toten und Verschwundenen zu «graben». Es ist, weil es um ihr eigenes Leben geht, ein «süchtiges» Suchen quer durch Archive, Städte und «Stätten»: Berlin, Wien, Warschau, Kiew, Moskau bis hinüber ins amerikanische Oak Ridge. Der Karte, der sie vor allem zu folgen hat, ist die «Sternkarte» der Lager, über denen das Gelb des Davidsterns und das Rot des Sowjetsterns leuchten: KZ, Stalag, Gulag.

(NZZ)

Zwei:

Das Ende von Eddy von Edouard Louis  (S. Fischer)u1_978-3-10-002277-6.38011915

Die (autobiografische) Geschichte einer Kindheit in der französischen Provinz.
Entsetzliche Gewalt, Alkohol, unerträgliche Homophobie. Beim ersten Blick in das Buch hat mich die klare, schnörkelose Sprache und die ungeheure psychische und physische Gewalt, der der Protagonist ausgesetzt ist schaudernd in den Bann gezogen.

Ich dachte sofort, dass ich das auf keinen Fall lesen werde, weil mich derartige Grausamkeiten erschüttern und bis in den Schlaf verfolgen können.
Gekauft habe ich es trotzdem und frage mich nun, ob ich es jemals werde lesen können.

Drei:

arnogruenDer Wahnsinn der Normalität. Realismus als Krankheit: eine Theorie der menschlichen Destruktivität von Arno Gruen (dtv)

Wieso konnten die KZ-Aufseher Menschen totschlagen und dabei ganz „normal“ sein?
Der Selbstverrat des Kindes durch die Anpassung an die elterlichen Machtbedürfnisse stellt den Anfang einer Entwicklung dar, in der dem Menschen der Zusammenhang zwischen Handlungen und Motivationen verloren geht. Es gilt fortan das Image, mit dem man anderen Menschen gefallen will um jeden Preis aufrecht zu erhalten, ganz gleich, was die eigenen Gefühle, Wahrnehmungen und Mitgefühle hätten sein können.
„Die Unfähigkeit, in sich selbst zu wurzeln, ruft zerstörerisches und böses Verhalten hervor.“
Davon handelt das Buch. Reingelesen, gekauft, auf den Stapel gelegt.

Vier:

Wir sind nicht wir  von Matthew Thomas  (Berlin Verlag)

Sein Vater blickte auf die Angelschnur im Wasser. Der Junge fing einen Frosch und schob ihm einen Haken in den Bauch, weil er wissen wollte, wie es aussah, wenn er ihn durchbohrte. Glitschige Eingeweide blieben daran kleben, ihm wurde übel vor Schuld. So harmlos er konnte, fragte er seinen Vater, ob man mit Fröschen fischen könne. Der musterte ihn kurz mit geweiteten Nasenflügeln und schüttelte drohend die Kaffeebüchse mit den durcheinanderwimmelnden Würmern, von denen einige über den Rand schwappten und wegkrochen. Er sagte ihm, er habe etwas Böses getan und seine Jugend sei keine Entschuldigung für seine Grausamkeit. Zwang ihn, den Haken herauszuziehen und das zuckende Geschöpf so lange in den Händen zu halten, bis es starb. Dann hielt er ihm das Ködermesser hin und befahl ihm, ein kleines Grab auszuheben. Sein Ton war erschreckend fremd, als seien sie bloß zwei beliebige Menschen auf dieser Erde, als sei ein unsichtbares Band zwischen ihnen durchschnitten worden.
Nachdem er den Frosch beerdigt hatte, klopfte sich der Junge umständlich den Dreck ab, um nicht aufsehen zu müssen. Sein Vater sagte ihm, er solle eine Weile über seine Tat nachdenken, und ließ ihn stehen. Der Junge lauschte den verklingenden Schritten, und als ihm die Tränen in die Augen stiegen und ihm der lehmige Geruch faulender Blätter in die Nase drang, ging er in die Hocke. Er richtete sich wieder auf und sah auf den Fluss hinaus. Die Abenddämmerung schlich rasch ins Tal. Nach einer Weile begriff er, dass er länger geblieben war, als sein Vater es im Sinn gehabt hatte, doch er brachte es nicht über sich, zum Auto zurückzugehen, weil er Angst hatte, sein Vater habe ihn verstoßen. Etwas Schlimmeres konnte er sich nicht vorstellen, und so schleuderte er Steine in den Fluss und wartete darauf, dass sein Vater ihn holen kam. Als ein Kiesel ohne das gewohnte Aufspringen im Wasser versank und hinter ihm ein lautes Krächzen einsetzte, rannte er entsetzt los. Sein Vater lehnte an der Motorhaube, einen Fuß auf der Stoßstange, und machte den Eindruck, als hätte er auch die ganze Nacht dort auf ihn gewartet. Jetzt rückte er seine Kappe zurecht und öffnete die Autotür, um sie beide nach Hause zu bringen. Noch hatte er ihn nicht verloren.

Einen Roman der so beginnt, muss ich weiter lesen.

Fünf:

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Die Autonauten auf der Kosmobahn  von Julio Cortázar/ Carol Dunlop (Suhrkamp)

Eines Frühsommertages fahren Julio Cortázar und seine Ehefrau Carol Dunlop mit ihrem VW-Bus auf die Autobahn Paris – Marseille. Ausgestattet mit Proviant, Musik, einer Kamera und zwei Reiseschreibmaschinen, verfolgen sie, beide bereits sterbenskrank, ein letztes gemeinsames Vorhaben: unterwegs alle 63 Rastplätze anzusteuern, auf jedem zweiten zu übernachten. Mit dem drängenden Eifer von Forschungsreisenden dokumentieren sie ihre Expeditionserlebnisse in einem Logbuch. Es gehen da die bukolischen Horizonte, Begegnungen mit Müllmännern, Beschreibungen erster Skorbut-Symptome, überdies Fotos von allerhand Fauna und Seltsamkeiten und detailgetreue Geländeskizzen ein – bald auch, unter tätiger Mithilfe ihrer Fantasie, dunkle Bedrohungen durch mörderische Hexenjäger und Geheimagenten. Und bei alledem leben diese Reisenden in der Enge ihres Gefährts wie Liebende auf einer einsamen Insel.

(Suhrkamp)

Vor einem Jahr hat Bersarin in seinem Blog Aisthesis dieses Buch besprochen. Die Anregung wirkte fort und nun habe ich es endlich erworben und auf den Stapel gelegt.

Sechs:

kreuzbergKreuzberg 1968- 2013: Abbruch, Aufbruch, Umbruch von Dieter Kramer (Nicolai Berlin)

Dieter Kramer legt  hier ein beeindruckendes Zeugnis über den Wandel von Kreuzberg Süd-Ost vor.

Viele Stunden habe ich schon über dem Buch gesessen und die Bilder von damals mit denen von heute verglichen. Sogar ein schönes Foto von meiner Straße ist dabei, aus der Zeit, als Kreuzberg noch ein Arbeiterviertel war und an jeder Ecke Schulle getrunken wurde.

Sieben:

Diese vorüberrauschende blaue einzige Welt kast
Gedichte zu Lebensfreude und Endlichkeit
von Verena Kast (Pendo)

Durch eine Empfehlung von Frau Wildgans stieß ich auf dieses wunderschöne Buch, das leider nicht mehr verlegt wird aber antiquarisch noch zu haben ist.
Abschiedlich leben, so nennt die Autorin die Lebenseinstellung die hinter den Gedichten steht, die sie in diesem Band versammelt hat. Eine Haltung, die sich sehr schön bereits im ersten Satz von Kästners  Gedicht  Die zwei Gebote widerspiegelt:
Liebe das Leben, und denk an den Tod!
Das Buch ist in mehrere Abschnitte  untergliedert, die von der rauschenden Lebensbejahung hin zur Trauer über die Vergänglichkeit und schließlich zur Annahme des Todes führen.
Dringende Leseempfehlung für jeden der Lyrik liebt und den Tod in sein Leben aufzunehmen bereit ist.

In den letzten Wochen habe ich viel zu wenig in Blogs gelesen um zu wissen, wer dieses Stöckchen inzwischen schon gefangen und beantwortet hat. Wer noch nicht dran war und Lust hat die Frage zu beantworten, schnappe es sich bitte!

#Limerick-Parade

Berlin, störrischer Esel
Eine Bloggerin aus Berlin,

die war äußerst reimaffin.
Ihr Kommentariat,
das schritt gleich zur Tat
und zauberte Limericks hin.

Ja, ich weiß, es holpert. Deswegen: denkt Euch bitte selbst Limericks, ganz gleich zu welchem Thema, aus und nutzt meine Kommentarspalte zum Veröffentlichen oder stellt die Limericks auf Euren Blogs ein. Ruft zum Mitmachen auf und verweist (bitte mit Link) auf diesen Beitrag.
Ich sammle das Ganze dann hier und veröffentliche später alle Limericks in einer Zusammenschau.
(Frau Montez, bitte machen Sie mit, ich weiß, dass Sie überaus begabt sind!)
Bin sehr gespannt, was hier zusammen kommt!

(Der Ortsname in der ersten Zeile wäre schon prima, ist aber nicht zwingend. Als Ort käme vielleicht auch Bett, Büro etc. in Frage).

Eine Reimanleitung und eine Sammlung von Limericks findet Ihr hier oder bei Wikipedia.

 

 

 

Foto: „Bundesarchiv Bild 183-S25043, Berlin, störrischer Esel“ von Bundesarchiv, Bild 183-S25043 / CC-BY-SA. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-S25043,_Berlin,_st%C3%B6rrischer_Esel.jpg#mediaviewer/File:Bundesarchiv_Bild_183-S25043,_Berlin,_st%C3%B6rrischer_Esel.jpg

Jahresrückblick 2014

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Januar bis August duftes Wetter.
September bis Dezember knorkes Wetter.
Zwischendurch war´s ein bisschen kühl,
am Ende ein bisschen nass und stürmisch.

Bin sehr zufrieden, trotz einiger Katastrophen.

Should lanterns shine

20120728163020!Dylan_Thomas_photo(photo credit: Wikipedia)

Should lanterns shine

Should lanterns shine, the holy face,
Caught in an octagon of unaccustomed light,
Would wither up, and any boy of love
Look twice before he fell from grace.
The features in their private dark
Are formed of flesh, but let the false day come
And from her lips the faded pigments fall,
The mummy cloths expose an ancient breast.

I have been told to reason by the heart,
But heart, like head, leads helplessly;
I have been told to reason by the pulse,
And, when it quickens, alter the actions‘ pace
Till field and roof lie level and the same
So fast I move defying time, the quiet gentleman
Whose beard wags in Egyptian wind.

I have heard many years of telling,
And many years should see some change.

The ball I threw while playing in the park
Has not yet reached the ground.

***

When I woke

When I woke, the town spoke.
Birds and clocks and cross bells
Dinned aside the coiling crowd,
The reptile profligates in a flame,
Spoilers and pokers of sleep,
The next-door sea dispelled
Frogs and satans and woman-luck,
While a man outside with a billhook,
Up to his head in his blood,
Cutting the morning off,
The warm-veined double of Time
And his scarving beard from a book,
Slashed down the last snake as though
It were a wand or subtle bough,
Its tongue peeled in the wrap of a leaf.

Every morning I make,
God in bed, good and bad,
After a water-face walk,
The death-stagged scatter-breath
Mammoth and sparrowfall
Everybody’s earth.
Where birds ride like leaves and boats like ducks
I heard, this morning, waking,
Crossly out of the town noises
A voice in the erected air,
No prophet-progeny of mine,
Cry my sea town was breaking.
No Time, spoke the clocks, no God, rang the bells,
I drew the white sheet over the islands
And the coins on my eyelids sang like shells.

***

And death shall have no dominion

And death shall have no dominion.
Dead man naked they shall be one
With the man in the wind and the west moon;
When their bones are picked clean and the clean bones gone,
They shall have stars at elbow and foot;
Though they go mad they shall be sane,
Though they sink through the sea they shall rise again;
Though lovers be lost love shall not;
And death shall have no dominion.

And death shall have no dominion.
Under the windings of the sea
They lying long shall not die windily;
Twisting on racks when sinews give way,
Strapped to a wheel, yet they shall not break;
Faith in their hands shall snap in two,
And the unicorn evils run them through;
Split all ends up they shan’t crack;
And death shall have no dominion.

And death shall have no dominion.
No more may gulls cry at their ears
Or waves break loud on the seashores;
Where blew a flower may a flower no more
Lift its head to the blows of the rain;
Though they be mad and dead as nails,
Heads of the characters hammer through daisies;
Break in the sun till the sun breaks down,
And death shall have no dominion.

Dem großen walisischen Dichter Dylan Thomas zum hundertsten Geburtstag.

Bürzel

Leda
Manche Bloggerin und mancher Blogger übt sich in der Dichtkunst.
Ich versuche es erst gar nicht. Kein Talent.
Der Unterfranke aber, der hat´s drauf:

Dem frühen Tag die Nacht gewichen,

Dämm´rung sich an den Tag geschlichen,

Wohlweißlich nicht der Schwan sich fragt,

wer ihn da an den Bürzel packt.

Unterfranke, Sommer 2005

Beinahe Rilke, oder doch eher Eichendorff?

Flohr-Otis

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Liebes-Lied

Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.

 

Rainer Maria Rilke
Neue Gedichte (1907)

 

Helden

One fine day, among a very gentle people, a superb man and woman cried out in the public square:
‘Friends, I want her to be queen!’
‘I want to be queen!’ She laughed and trembled.
He talked to his friends of revelation, of trials undergone.
They swooned against each other.
Indeed, they were kings the whole morning, while carmine hangings festooned the houses,
and all afternoon, as they advanced towards the gardens of palm-trees.

Arthur Rimbaud (Royalty/ Illuminations IX: Royauté)