Cäsar sagt:

DbulwfwXUAEj-au.jpg

Bei Humana am Alex(anderplatz) wird Vergangenheit verkauft, gewaschen gebügelt.
3 % des Erlöses für einen guten Zweck.
Humana klingt nach pflichtbewusster christlicher Lebensfreude, ein Pünktchen ins Heftchen für jedes Jugschartreffen; klingt nach dem Pfarrer mit der dicken Hose und der Zeit in der man noch Dritte Welt sagte und das N-Wort mit weisser Selbstzufriedenheit im satten Munde führte.
Was zwischenzeitlich undenkbar schien, rollt sich unerwartet wieder auf wie ein alter von Mäuseharn durchtränkter Teppich aus dem Keller. Ein Gestank wie eine Armee Ungewaschener.

Mich erreicht eine E-mail. Darin steht: ich habe den Deutschen Fluch und noch einmal auf Englisch: I have the german curse.
Wer nicht
, möchte ich antworten.

Aus Scheiße Pralinen machen, aus Heu Stroh spinnen, oder besser Gold.
Aus Öl Plastik raffinieren und Schildkröten mit Tüten strangulieren.

Oben spannt sich der Himmel, dahinter die schwarze Schatulle eines kalten Universums. Es regnet in Kreuzberg und in Uhlenbusch.

Der fröhliche Teil kommt jetzt: ich habe eine neue, temporäre Leidenschaft, die so banal ist, dass ich sie aus Prestige- resp. Imagegründen nicht näher benennen kann.
Hat zu tun mit Campingplatznostalgie und Wildwest-Romantik und funktioniert nur in der hellen Jahreszeit und auch da nur am Abend weil tagsüber lieber Gefrorenes.

//

Heute habe ich (entgegen meiner Gewohnheit/ meiner Grundsätze/ meines inneren Gelübdes etc.) etwas ausgeplaudert was ich vielleicht nicht hätte ausplaudern sollen, weil: falsche Verbündete, doppeltes Mandat usw. Nun ist es zu spät und der Bekannte, der mit seinen tropfnassen heiligen Blumenberg-Büchern regenbegossen nach Hause kam, sagte: Jeder liebt den Verrat, aber niemand den Verräter. Ich fürchte er hat Recht.

Rewind

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Anonymous Photographer – Gypsy dancer, Spanish, Flamenco, 1956, Quelle: old pics archive

täuschen

40171920221_b8b0f4297f_z.jpg

Sich den Saure-Trauben-Effekt zunutze machen. Strategisch denken. Täuschen. Das Ziel nicht aus den Augen verlieren und Umwege in Kauf nehmen, um es zu erreichen. Sich zum Schein verbünden, sich vermeintlich offenbaren. Bedürfnisse maskieren. Falsche Wünsche äußern, um die eigentlichen wahr werden zu lassen. Eine Herausforderung für Jemanden der sein Herz auf der Zunge trägt und gewohnt ist mit weichen Lippen das Zuckerle von der warmen Hand zu klauben.
Viel musste ich lernen und manchmal stehe ich neben mir und wundere mich, was gerade aus mir wird. Die Füße stillhalten anstatt weit ausholend oder auskeulend durch die Welt zu galoppieren Bin ich das noch? Die Exzentrikerin in mir, die Stärkste von uns allen, dicht gefolgt von der Schüchternen und Ängstlichen, scharrt mit den Hufen und dreht die Augen auf links, dass das Weiße aufschäumt so sehr tourettet es inwendig. Aber ich schaff das, ich schaff das, über meinen Schatten zu springen, ein Pokerface, still wie ein Bergsee über das Bambigesicht zu klappen, mich nicht zu erkennen geben.

Die Heuchlerin schlurft die Treppe herunter, noch immer kein Stolperdraht und wahrscheinlich niemals, wenn nicht ich mich erbarmen sollte. In meiner Wohnung schaut sie sich um, reibt sich das Hexenkinn und späht umher. Ich kann sie nicht leiden, ich mag sie nicht und lächle sie an und nicke und sage, sie möge es einfach machen, wie sie es für richtig befindet. Im Prinzip wäre es mir nicht so wichtig, vielleicht bevorzugte ich die Variante A ein klein wenig und schon sehe ich wie ihr Mundwinkel verräterisch zuckt während sie noch versucht, so zu tun, als dächte sie nach, ehe sie endlich zuschlagen und mir gegen das bloße Schienbein treten kann. Die Variante B wird es sein, sagt sie schließlich mit schlecht gespieltem Bedauern und fabuliert sodann hanebüchene Begründungen für ihr mieses Verhalten zusammen, während ich ein wenig enttäuscht aber ergeben dreinblicke, was ihr nur noch größere Freude in die morschen Knochen jagt.
Sie kann die Siegeshymne nicht hören, die ich innerlich bereits angestimmt habe und die sich ob meines vortrefflich geglückten Schachzuges jauchzend und frohlockend in schwindelnde Walkürenhöhen emporschraubt.
Viel gelernt in den letzten Monaten.

 

 

 

 

 

 

 

Bild: diadà, flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

Heiraten

9396799973_0791854f07_z

Ich soll den Unterfranken fragen, wenn ich heiraten will, sagst du und ich sage das will ich aber nicht, frage ihn aber doch und er sagt: Soll das jetzt ein Heiratsantrag sein, und ich sage Ja, und er sagt auch Ja, und fügt: aber nur sehr ungern hinzu. Geritzt, sage ich, ich sag dir dann bescheid, wenn´s soweit ist und er zieht ein Gesicht und sagt: Ok.

Wer wollte nicht auch ein so romantisches Leben führen wie ich? Die Antwort ist ganz leicht: du nicht auch und der Unterfranke auch nicht.

 

 

 

 

 

 

Bild: Hannes Mauerer, Lämmer am Deich, flickr
Lizenz:https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

stillschweigend

1320145757_2128158719_o
Um´s mal zusammenzufassen: es könnte so einfach sein, wenn es nur ein wenig einfacher wäre. Was glücklicherweise, bzw. wenn man an einen freien Willen glaubt, was ich nicht tue, ganz allein vom Menschen (und nicht etwa von Fügung) abhängt und bestimmt wird, welcher wiederum im schweren Joch seines Gemütes gefangen bzw. in selbiges eingespannt ist. Schwierig das.

Wenn man nur nicht so verflucht empfindlich und darüber hinaus übelnehmerisch und nachtragend wäre, hätte der Spassss auf Erden kaum noch ein Ende. Und der Frieden erst, was nicht zwingend das Gleiche ist und schon gar nicht das Selbe. Nicht auszuhalten so viel Gleichklang und eben deswegen auf den ersten Blick nicht weiter erstrebenswert. Ein bisschen Streit geht immer.

Man stelle sich vor wie einer dem nächsten ins Gesicht schlägt und dieser ihm als Antwort gleich noch die andere Wange —- geschenkt, man muss es nicht übertreiben mit der Nachsicht. Kleine Brötchen backen, Schritt für Schritt zum Menschenfreund. Youtube-Tutorials anschauen oder mein Blog lesen, denn ich liebe die Menschen. Knuff, knuff.

Wussten Sie schon, dass alle 2 Minuten in Deutschland ein Blogbeitrag geschrieben und alle 3 Sekunden eine Flunsch gezogen wird (sic!) Ein Missverhältnis, das zum Himmel schmollt schreit, wie weiland Kentucky, jene Chickenbräter, im Europa-Center am Breitscheidtplatz ansässig, in deren Lokal früher oft ein dauerknutschendes Pärchen herumhing, das arglose Touristen ausnahm, indem es ihnen, oben küssend und unten fummelnd, die auf dem Boden abgestellten Einkaufstüten und Taschen leer räumte, derweil ihre Opfer Flügel und Schenkel der goldbraunen Brätlinge bis auf die Knochen abnagten. Hinterher sah man die beiden oft am Klops stehen, neben all den anderen Junkies, und sich um ihre Beute zanken. Womit wieder eindrücklich belegt wäre, wie nah Frieden (knutschen) und Krieg zusammenliegen.

Aus lauter Liebe übrigens, um das Thema wechselnd gleich dabei zu bleiben und zusätzlich wieder anzuknüpfen an den Anfang dieses Textes, immer getragen von der Hoffnung, dass die werte Leserschaft, die über den Winter schlimmes ertragen musste in diesem, meinem düsteren Blogmorast, den der Frühling und später dann hoffentlich der Sommer nach und nach trockenlegen und in eine blühende Oase verwandeln werden, dass also die geduldige, treue und liebenswerte Leserschaft (die Philanthropin spricht) Freude empfindet, vielleicht auch Spaß hat, am den Dingen, die ich mir hier aus den Rippen leiere, vom Herzen schreibe und aus den Fingern sauge, aus lauter Liebe jedenfalls, habe ich mir vorgenommen Norddeutsch zu lernen, um endlich verstanden zu werden und vor allem um selbst auch besser verstehen zu können. Im Norddeutschen, so las ich im Duden, sagt man „eine Flappe ziehen“, und meint damit die oben erwähnte Flunsch. Nicht zu verwechseln mit der Fluppe, nämlich der Kippe, die der Norddeutsche schweigend und mit undurchdringlichem Blick und gerunzelter Stirn raucht, wenn es in seinem überaus klugen Gehirnkasten arbeitet.
Da der Norddeutsche vornehm ist und kein Verständnis hat für verbale und mimische Extrovertiertheiten und Extravaganzen, endet mein Sprachkurs an dieser Stelle leider schon. Wozu sprechen lernen, wenn die Antwort Schweigen ist, eine viel größere Lernaufgabe übrigens.

Irgendwann wird das Norddeutsche aussterben, glaube ich, denn wer sollte etwas lehren, was niemand spricht?  Ein Wunder, dass sich unter dieser verbal niedrigen Tide überhaupt so etwas wie Sprache entwickeln konnte.

So lasse ich diesen halbgaren und fragmentarischen Text mit einem herzlichen Moin, moin! ausklingen, nicht ohne die besorgte Leserschaft zum Abschluss noch zu beruhigen: der Segen hängt gerade im Hause tikerscherk und ab morgen wird auch wieder gesprochen.

 

 

 

 

 

Musik zum Text:

(youtube-Direktlink)

 

 

Bild: diadà
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

Reden heißt töten

Bildschirmfoto 2016-02-16 um 16.48.04
–  Wie war dein Tag
, frage ich den Einen, als er schwer beladen Nachhause kommt, warst du erfolgreich?
–  Geht so
.
–  Hast du schon was in dein neues Heft geschrieben?
–  Ja, das habe ich
, sagt er und lächelt. Meine wiederkehrende Frage amüsiert ihn, deshalb stelle ich sie.
–  Dann war der Tag doch nicht vergeblich. Ich nehme seine Hand.
–  Naja, 220 Seiten und zwei Exzerpte, das is schon büschen wenich
.
–  Zeig mal!

Die Benennung ist das einzige Ding, bei dem wir uns sicher sind, dass sie ein Loch macht.

steht da.
Sagt Lacan.
Der ist gerade dran.
Schon seit einer Weile.
Nietzsche, Wittgenstein, Foucault, Rancière usw. immer im Hintergrund.
Ganz weit hinten natürlich auch Kant. Immer noch. Sowieso immer.
Jetzt Lacan (der schräge Vogel).

Wieso macht die Benennung Löcher? will ich wissen und muss lachen, weil ich idiotischerweise die Polonäse Blankenese im Kopf habe und mir vorkomme wie Gottlieb Wendehals in weiblich.
–  Weil es das Ding an sich nicht gibt. Erst durch die Benennung löst man es aus dem Gesamten heraus und so entsteht ein Loch.
–  Das Ding gibt es gar nicht?
–  Nein, natürlich nicht. Es gibt keine Dinge.
–  Natürlich?
– Klar. Sie entstehen erst, dadurch, dass wir ihnen einen Namen geben.
– Und durch das Benennen von etwas, was es nicht gibt, entsteht ein Loch? Da sind wir uns sicher?
– Absolut, ja. Eine viel interessantere Frage wäre aber doch,
fährt der Eine fort, was mit einem Loch passiert, sobald es benannt ist.
– Naja, da entsteht ein Loch, schätze ich.
– Richtig. Durch die Benennung ermordet man das Ding. Etwas, das vorher nicht da war und erst dadurch hervortritt aber zugleich auch getötet wird, weil man ihm einen Namen gibt.

Das ist wie geboren werden und gleich beim ersten Schrei mit einem Kissen erstickt zu werden, denke ich. Man könnte vielleicht annehmen, dass der Benennende (der Namensgeber) ein Recht darauf habe seine Kreation, seine Schöpfung wieder zu zerstören, so, wie ein Künstler sein Werk vernichten darf (darf er das wirklich? Ist es sein Eigentum?). Aber Mord bleibt Mord, auch wenn der Erzeuger höchstpersönlich sein Geschöpf eliminiert. Es sei denn er heißt Gott. Der darf das. Dann nennt man es „zu sich holen“. Mit Gott ist man nachsichtig, damit er einem nichts tut.
Wenn es stimmt, was Lacan sagt, dann wüten wir umso schlimmer in der Welt, je mehr wir reden und einzelnen Dingen in dem Gefüge einen Namen geben. Auf diese Weise reißen wir sie heraus aus dem unversehrten Unbenannten und hinterlassen überall Löcher.

Erschaffen und zerstören

Eine wunderbare Welt wäre das, in der alle schwiegen, auch in Gesten und auf dem Papier, denke ich, als ich später im Bett den regelmäßigen Atemzügen des Einen lausche, und merkwürdigerweise habe ich das Bild der kleinen Schweinswale, der Vaquitas, vor Augen, einer aussterbenden Gattung, die aussieht als trüge sie Mascara. Weniger als hundert sind noch übrig von ihnen. Der Rest starb als Beifang in den Stellnetzen der Fischer, die im Golf von Mexiko auf der Jagd nach einem ganz anderen Fisch, dem Totoaba, sind, weil dessen Schwimmblase in China als Suppenzutat beliebt ist.

Wenn gar nicht erst das Wort Totoaba in die Welt gekommen wäre, überlege ich, und folglich niemand eine Bestellung für seine Schwimmblase hätte aufgeben können, dann hätten die Fischer  keine Netze installiert, um diesen Fisch zu fangen, dessen Fleisch nicht zum Verzehr geeignet und darum wertlos ist. Und dann wären auch die Wale nicht gestorben und ihr Bestand nicht in Gefahr.

Das Wort tötet, denke ich, als ich schon am Einschlafen bin, und eine Zeile aus einem Gedicht Stefan Georges  kommt mir in den Sinn:

Kein Ding sei, wo das Wort gebricht.

Was keinen Namen hat, das gibt es nicht
,

ergänze ich im Halbschlaf und hoffe, dass ich mich morgen noch daran erinnern werde.

 

 

 

 

Bild: Screenshot LaLinea

Houdinis Tod

4256706596_b328944b08_z
Fragen, die ich mir nie gestellt habe, weil sie nicht aus meinem Inneren an mich heran oder aus mir heraustreten. Nicht treten und nicht einmal klopfen, oder wenn, dann nur ganz sachte. Worte, die nur als Text vor mir stehen, weil andere sie sagen oder sie präsentieren, so wie die lange Bücherreihe der Neuen Juristischen Wochenschrift im Wartezimmer des Anwaltes, die nicht zu mir spricht. Wohl aber der dort befindliche riesige verschlossene Kasten hinter der übergrünen Zimmerpflanze, breit und tief und etwa kniehoch, laut brummend und uns, die vom Neonlicht Begossenen, zum Nachdenken anregend. Wer oder was und weshalb, und wieso hier?

Drei Hirschköpfe aus Plastik als Garderobenhaken. Schwarz weiss rot, der Anwalt wird doch nicht? Bestimmt nicht.

Ein Entfesselungskünstler könnte sich darin befinden, die Kiste angeschlossen an ein Belüftungssystem, daher das Brummen. Wo bin ich bloß hingeraten?

Houdini, Houdini, wer erinnert sich noch an Harry Houdini? Gehörte er nicht der gleichen Gattung an, wie die Menschen, die Frauen zersägen. Kuriositätenklimbim aus vergangenen Tagen. Oder ist Entfesselung immer noch en vogue als Gegenstück zu BDSM (das kennen inzwischen nicht nur die Eingeweihten. Es sagt sich so wissend und so angepornt: BDSM. Dabei schreckten die meisten wohl schon vor einem einfachen Kabelbinder zurück).

Wir sitzen an dem langen Schreibtisch, dahinter das großformatige Foto einer West-Berliner Straßenkreuzung, und reden über die Verwaltung eines Todes. Wir besprechen, wie es sein wird und was es zu bedenken gilt. Ganz ernst und ruhig sitzen wir und imaginieren den freien Fall. Keiner zuckt. So ist das eben, der Lauf der Dinge.

1000 Gulden. Ich habe Dir 1000 Gulden gegeben und nun musst du sehen, was du daraus machst.

Ich denke mir ein großes Fenster. Mit Blick und weit genug oben, um ihn für immer abzuwenden.

Man stürzt so tief, wenn die Wurzeln sterben.

 

 

 


Foto: 
Kevin Doley, Saboten-Com lomo portraits  https://www.flickr.com/photos/pagedooley/4256706596/in/photostream/
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

abverheit

493px-A_girl_can_never_have_too_many_admirers!_(9421686276)

When too perfect lieber Gott böse

Nam June Paik

Ist das bei Ihnen eigentlich ein Dauerzustand, fragt der Dozent während einer Schreibübung.
Alle heben den Blick von ihren Texten, ich auch. Er schaut mich an. Er schaut tatsächlich mich an.
A. sitzt neben mir und ich spüre, wie ihr der Atem stockt. Ganz ruhig sitzt sie da. Ohne sich zu rühren.
Das Rascheln und Kritzeln und Räuspern hat aufgehört. Es ist still im Raum. Draußen parkt ein Auto ein, man hört das leichte Aufjaulen des Getriebes im Rückwärtsgang, dann ist es wieder still. Nur die Heizung gluckert leise.
Der Dozent schaut mich an und wiederholt seine Frage in dem charmanten Schweizerdeutsch, an dem ich mich in den letzten beiden Tagen so erfreut habe.

Ischt das bei Ihnän ein Daurzustand? will er wissen

Unwillkürlich richte ich mich auf und ziehe die Schultern zurück.
Zu meiner eigenen Verwunderung wird mir nicht heiß oder kalt, ich spüre weder Wut noch Ärger noch Scham. Im Gegenteil, ich bin derart verblüfft, dass ich so etwas wie eine belustigte Heiterkeit empfinde.
Wie er es wagen kann. Wie er so ohne mit der Wimper zu zucken seine Befugnisse überschreitet am hellichten Tag im Beisein von zwei Dutzend Menschen.
Auch ohne mich umzudrehen, weiss ich, dass alle Blicke im Raum auf mich gerichtet sind. Jeder ist gespannt, was jetzt passieren wird. Werden sie endlich hinter mein Geheimnis kommen? Werde ich etwas über mich preis geben?
Und ich enttäusche sie nicht.

Ja, sage ich, sieht so aus.

Dr. B schaut mich einen Moment aus seinen lustigen Augen an. Dann legt er den Kopf ein wenig zur Seite , senkt den Blick bedeutungsvoll und schwyzerdütscht

Da sind Sie ja ein ganz armes Schwein. Da werden Sie ja niemals jemanden finden, der so ist wie Sie. Da werden Sie ja immer allein bleiben.

Die Scheinwerfer sind auf mich gerichtet.
In meinen Ohren fangen die Glocken an zu läuten, meine Kiefermuskeln verspannen sich und mir wird heiß.
Ohne nachzudenken, sage ich:

Da geht es mir nicht anders als allen anderen Menschen auf der Welt . Niemand findet jemanden, der so ist wie er. Und ich suche auch nicht nach jemandem, der so ist, wie ich.

Immer noch sieht er mich an, wiegt den Kopf hin und her, so sehr bezweifelt er, was ich eben gesagt habe, seufzt und richtet den Blick wieder auf sein Manuskript. Ganz so, als ob nichts gewesen wäre.

Ich habe etwas sehr wichtiges gelernt.

 

 

 

 

 

Die liebe Friederike hat eine Blogparade zum Thema „Ich war fremd“ initiiert. Dies ist mein (verspäteter) Beitrag.

Bild: Wikimedia Commons, keine Einschränkung

 

 

 

 

 

Jahresrückblick 2014

20141019_130633-1

Januar bis August duftes Wetter.
September bis Dezember knorkes Wetter.
Zwischendurch war´s ein bisschen kühl,
am Ende ein bisschen nass und stürmisch.

Bin sehr zufrieden, trotz einiger Katastrophen.