Undo

Eine kleine Unaufmerksamkeit und der Fuß ist lädiert. Ein weiteres Missgeschick und das Knie ist auch hinüber. Katastrophen haben ihren Reiz verloren. ich mag sie nicht mal mehr erzählen. Langweilig und lästig.


Und doch:
Woki wurde angegriffen. Gleich drei Attacken von drei verschiedenen Hündinnen. Die schwerste von einem Staffordweibchen. Seitdem habe ich einen ängstlichen Hund, der auf den Arm will, wenn wir das Haus verlassen. Aber der Platz auf dem Arm gehört noch immer dem alten Tölchen, das, sobald ich sie auf die großen Steinplatten setze, wie eine Alzheinerpatientin durch die Gegend tippelt.
Es schmerzt und rührt mich, meine Gefährtin so zu sehen.

Weil die Klappen nicht mehr richtig schließen, bekommt der Besuchshund inzwischen morgens und abends Medikamente, die ihr sichtlich guttun. Die Hitze verträgt sie trotzdem nicht. Unsere Spaziergänge habe ich deswegen in die kühleren Abendstunden gelegt.
Die Tigerin hat die kritische Phase überwunden, bleibt aber angeschlagen. Sie ist neunzehn und ich weiß, dass auch unsere gemeinsamen Tage sich dem Ende zuneigen.
Über dem Sommer liegt der Blur des Abschiedes.

Überhaupt geht alles zu Ende. Unsere Welt verändert sich, der Krieg tobt weiter, das Geld verliert an Wert, Armut und Unmut steigen. Von Wärmestuben für Bedürftige ist die Rede, wenn das Gas ausgeht. Ich versuche, mir keine Angst machen zu lassen.

Unterdessen feiert unser Finazminister eine mehrtägige Hochzeit, nicht ohne das Volk zuvor auf Verzicht in Herbst und Winter eingestimmt zu haben.


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