Ket/ Ya

You can’t change the feeling
But you can change your feeling about the feelings
(Silver Jews)

Tage nachdem der Nachbar mir auf der Straße einen Kuss zugeschmatzt hat, steht er vor meiner Tür und fragt, wann ich endlich mit ihm essen ginge. Eine unerwartete Wut brodelt in mir auf. Niemals, sage ich scharf und als er sich wortlos umdreht spucke ich es ihm noch einmal hinterher: Niemals!

Seit ich hier wohne bedrängt er mich. J´en ai marre.

CNN berichtet über einen frei lebenden Elch, den man nach Jahren von einem Autoreifen um den Hals befreit hat. Seine Retter posierten anschließend mit dem unversehrten Reifen vor der Kamera. Den Elch indes kostete die Hilfe das Geweih. So viele Fragen.

Lübeck soll nicht sein. Dieses Mal war es ein hochfieberhafter Infekt, der uns die Reise hat absagen lassen. Muss ihre Asche noch warten. (In einer Kiste finde ich einen Brief von ihr. Ich erinnere mich nur vage, ihn schon einmal gelesen zu haben. Bereits nach wenigen Zeilen kann ich nicht mehr. Die Aneinanderreihung von Floskeln, Phrasen und Gemeinplätzen, unterlegt mit einem schwülstigen Pathos (ich und die Welt sind uns fremd geworden), lässt mich die Kniee zusammenpressen vor Scham. Nachdem ich den Brief beiseite gelegt habe, fühle mich schlecht. Es sind die Worte einer Toten, meiner Mutter.

Im April soll es nach Morlaix und dann an die Nordküste gehen.
Das Vorhaben einen Bretonisch-Kurs zu machen, gebe ich nach einem kurzen Tutorial sofort wieder auf. Ya heisst ja, ket nein.

Zum Zeitpunkt meiner Reise wird der Kanzler Geburtstag feiern und er wird mich nicht einladen, weil sein Sohn und seine Frau das missbilligen würden und er ein knochenloser Beutel ist, bereit, für den lieben Frieden jedes Opfer zu bringen.

Das klapprige Tölchen an der Küste mit dem lebensnotwendigen Seelachs (lieu noir) oder Kabeljau (cabillaud) zu versorgen scheint kein Problem zu sein. Schwieriger ist die Sache mit der Tollwutimpfung, die wir vorweisen müssen, die sie aber tumorbedingt nicht mehr bekommen darf. Vielleicht lassen sie einen Antiköpernachweis gelten?

Über Maps besuche ich Orte der Vergangenheit, Concarnau & Noyal Pontivy, (nun wieder Orte der nahen Zukunft) und frage mich, ob es schon früher so chlorophyllarm und karg dort aussah und falls ja, warum mich das nicht gestört hat.



Oft bin ich traurig über die Gefühle, die ich nicht habe oder nicht länger fühlen kann.
Manchmal bin ich unsicher ob ich überhaupt noch in der Lage bin etwas zu spüren und weine über das Abflachen meiner Empfindungen. Sobald die ersten Tränen meine Mundwinkel erreichen, ist wieder alles in Ordnung.

6 Kommentare zu “Ket/ Ya

  1. Das Geweih wächst doch wieder nach.

    Und der Reifen mit seinen 16 Kilo (incl. dem darin befindlichen Müll) war eine Last für den Wapiti-Hirsch, die er nun nicht mehr tragen muß. Seine Nacken- und Schultermuskulatur werden es ihm danken … :-).

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  2. Die Bretagne ist ein Sehnsuchtsort von mir, seit ich eine Fahrrad-Expedition dorthin wegen Erschöpfung abbrechen mußte. Jetzt stelle ich es mir dort so vor wie in dem Film über Romy Schneider „Drei Tage in…Quiberon“ Viel Ruhe undErholung wünsche ich dir. Und wirf die lästigen Papperazi aus deinem Zimmer.

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