Jemand schreibt mir in einer Mail: sein Großvater habe (als ethnische Eigenart) Hunde gegessen. Die Tiere spürten dies und mieden daher den Großvater. Aus irgendeinem Grund fällt mir Idi Amin in seiner ordensprunkenden Uniform ein und später am Tag lese ich, dass Uganda Tausende afghanische Geflüchtete aufnehmen wird. Die Mail lasse ich unbeantwortet, meine Streitbarkeit ist ein Nadelwald im Harz.


Morgen wird die Kusine aus Tirol mich besuchen kommen. Ungezählte Jahre haben wir uns nicht gesehen und ich freue mich sehr auf den gemeinsamen Tag, auch wenn ich nicht weiß, was ich antworten soll, falls bzw. wenn sie mich nach meiner Kernfamilie und insbesondere nach dem von allen Seiten hochverehrten und geschätzten Kanzler, dem älteren Bruder ihres Vaters (meines Patenonkels) fragt. Am Besten lächeln und in allgemein gehaltenen Floskeln ein Paradies der Nächstenliebe und Geborgenheit zeichnen. Wieso sollte ich sie belasten (auch wenn ich mir eingestehen muss, wie sehr es mich drängt, wenigstens über die allerschlimmsten und sorgsam verdeckt gehaltenen Grausamkeiten endlich aus zu packen und damit das tadellose Ansehen des Kanzlers zu besudeln. Es ist noch viel zuviel Kränkung in mir und Wut und Trotz).



In vier Tagen jährt sich der Todestag der Kanzlermutter. Zum Glück hat auch sie nie erfahren, was damals geschah. Es hätte ihr das Herz gebrochen.



Kisch & Co. (so lese ich bei Ché & Chandler), haben neue Räume in der Oranienstraße gefunden. Die Zwangsräumung heute oder morgen wollen sie noch mitnehmen, als letzten Protest, bevor sie bei dem neuen Vermieter (Deutsche Wohnen, die hoffentlich demnächst enteignet werden) einziehen. Dem Bekannten leite ich diese immerhin halbgute Nachricht weiter, wähle zuverlässig die falsche Mailadresse und freue mich über seine verspätete und freundliche Antwort.


Kalt ist es geworden und trüb. Dem Tölchen tun die niedrigen Temperaturen sichtlich gut und so will ich mich nicht beschweren.

5 Kommentare zu “

  1. Eigentlich bin ich nicht für gnädige Lügen. Die Menschen haben ein Recht, die Wahrheit zu erfahren (und halten sie in der Regel auch gut aus). Aber meiner Mutter habe ich auch gesagt, dass mein Vater ohne Schmerzen eingeschlafen ist, obwohl seine Todesnacht grauenhaft war.

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