no jump

In der vergangenen Woche habe ich gleich zwei Mal meinen schwarzen Anzug, ein weites Hemd und die Jazzschuhe angelegt, bin in die Köpenicker Straße gestiefelt und habe mir dort jeweils eine mittlere Portion veganes Eis gekauft (Limette, Orange, Zitrone, Mango), meinen Welpen in ihrem Wägelchen im Schatten geparkt und an J. gedacht, die ein paar Häuser weiter lebte und starb und deren Wohnung mir viele Jahre später von einer Maklerin zur Miete angeboten wurde. Gegenüber hatte irgendwann ein Motorradhandel eröffnet. Für die Errichtung des Gebäudes mussten zwei alte Platanen gefällt werden. Ein Frevel, den der Unterfranke und ich dem Laden bis heute nicht verziehen haben. Jetzt ist das Geschäft geschlossen, die Schaufenster leergeräumt. die späte Rache des Lotus.

Wahrscheinlich bin ich die Einzige, die erst in diesem Sommer gewahr wird, dass sowohl Silberpappeln als auch Silberlinden bei extremer Hitze ihre hellen Blattunterseiten in der Krone nach oben drehen und damit diesen typischen flirrenden, espenlaubigen Eindruck warmer Sommertage erzeugen, den ich bislang nur unterbewusst wahrgenommen und nicht hätte in Worte fassen können. (Besonders schön unter dräuendem Gewittergrau).

Ein weiterer Frühsommereindruck sind die vielen sterbenden Hummeln unter den Linden. Ich sammele soviele auf wie ich kann und trage die Flauschis vorsichtig in den Nachbarschaftsgarten wo sich noch ausreichend Blüten finden, sie zu nähren.. Doch weil Hummeln nicht nur körperlich sondern auch sonst recht behäbig sind, kostet es sie Zeit und Mühe eine jede Blütenform zu erlernen (Hummeln lieben Monokulturen) und mit dem Rüssel an den lebensrettenden Nektar zu gelangen. Kurz vor dem Verhungern haben viele nicht mehr die Kraft dafür und das Einzige, was Ihnen dann noch helfen kann, ist der tikerscherk´sche Zuckertrank. (Ich muss mir wieder angewöhnen stets ein paar Tütchen mit mir zu führen. Meiner Leserinnenschaft lege ich nahe, es mir gleich zu tun. Es ist ein schönes Gefühl, wenn die Brummer sich nach der stärkenden Mahlzeit aufpumpen und davontrudeln).


Der Sommer schreitet voran und bietet eine angenehme Mischung aus Hitze, Kühle und Regen. Meine Erschöpfung, körperlich wie emotional, ist in diesem Jahr groß. Selbst für einfache Gepräche bin ich zu müde und beende einen Spaziergang mit dem Unterfranken schon nach knappen zwei Stunden, weil die Zunge mir lahm wird. Mein Welpe macht langsam Fortschritte. Der Chirurg zeigte sich gestern zufrieden mit ihr, doch sind es immer noch vier Wochen bis sie, vorausgesetzt das Knochenwachstum ist tatsächlich zum Stillstand gekommen, wieder frei umherlaufen darf. Nach zwei Monaten Gefangenschaft in einem Laufstall ist sie aber jetzt schon am Ende ihrer Geduld angelangt und weder Kauholz, noch Dino oder Kong können ihr das Toben mit Artgenossen ersetzen.
Ich freue mich darauf, sie bald in den See zu setzen zu können und sie planschen zu sehen.

Das Universum versteht kein Nein
, sagt die Feuerwehrfrau und propagiert das radikale Ja.
Ihrem Rat folgend ändere ich meine Strategie und bitte die Kolleginnen nicht länger darum, ihre Hände nach dem Waschen nicht vor dem Spiegel asuzuschütteln. Stattdessen lautet der Auftrag nun, den Spiegel über dem Waschbecken täglich zu putzen.
Und was soll ich sagen: es funktioniert.

22 Kommentare zu “no jump

  1. Bienen- und Hummelparadies

    Ich habe letztes Jahr alle Beerensträucher, Wein, Obst, Gemüse und Salat aus unserem Garten verbannt. Macht zuviel Arbeit, kaum einer hilft und sowas kaufen wir nun beim Discounter oder Syrer oder unseren nachbarlichen Bauern.

    Habe in den letzten Monaten eine 600 Quadratmeter große Blumenwiese angelegt plus 200 Sonnenblumen als Sichtschutz zum vorderen Gartenzaun.

    Was für ein tolles Gewimmel an bunten Wildblumen (u.a. Marke Bienenschmaus) und die Bienen, Hummeln und Schmetterlinge können kaum fliegen, so voll geschmaust sind die alle.

    Kennst Du den schon?
    „Woran erkennt man einen Veganer?“ – „Er wird es dir sagen. Ungefragt! “
    :-)))

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      • Du musst Tannennadeln oder -zweige auf das Löchlein, wo Du den Samen eingesetzt hast, drauf tun und später rund um „die jungen stängel“ (ist Deine Umschalttaste kaputt?) legen. Am besten ziemlich trockenes Zeugs.

        Da kommen diese Viecher nicht klar mit. Sowohl nicht mit den enthaltenen ätherischen Ölen, als auch nicht mit dem Gepickse. Das tut denen weh … :-)))

        Gefällt 2 Personen

        • danke, guter tip! ich liebe sonnenblumen: das kann i also ausprobieren im nächsten frühjahr. 👍

          (umschalttaste nix kaputt. hab viel arbeit, wenig zeit: deshalb beschlossen, effektivitätshalber auf großbuchstaben zu verzichten – hier in der blogosphäre jedenfalls … 🙂😉)

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    • Es fällt auch est auf, wenn man richtig hinsieht, denn die Blätter in Bodennähe, bis etwa zur Mitte des Baumes drehen sich nicht m. Nur die oberen tun das und bestimmt wissen Sie, wenn es demnächst wieder heiss wird, was ich meine mit „flimmernd“. Es ist ein Anblick, den nur der Hochsommer zaubern kann.

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  2. Ich darf guten Gewissens sagen, dass ich es dieses Jahr endlich geschafft habe, auf unserer Balkonödnis viel Grünes anzupflanzen. Seither staune ich, wie viele Hummeln und Bienen den Weg durch den Beton auf meinen Borretsch finden. Es macht mich sehr glücklich und lässt bezüglich Insektensterben leise (möglicherweise unbegründete) Hoffnung aufkommen.

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  3. „Bienen und Hummelmagnet“ steht auf der Mischung, die mir meine Tochter vorbei brachte. Und auch wenn noch keine darbende Hummel vorbei geschaut hat, hat dieses Teufelskraut meinen kahlen Balkon in einen Dschungel verwandelt.

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  4. Ja, stimmt, die Sätze positiv formulieren, das ist eine gute Regel!
    Danke für das Hummeln-Retten. Es soll Dir vergolten werden!
    Einerseits fürchte ich, dass noch viele Tierarten aussterben bzw. mutwillig ausgerottet werden. Andererseits glaube ich auch, dass sich beispielsweise Insekten schnell wieder berappeln können, wenn ihnen nur genug Futter in den Weg gestellt wird.
    Der Artenschutz muss aber klug betrieben werden. Fehler wie beim Tasmanischen Tiger sollten nicht geschehen.
    So oder so ist die Lage dramatisch, und ich bin nicht sicher, ob der Mensch noch die Kurve kriegt und sich von seiner Todes- und Tötungslust abkehrt, um sich in letzter Minute doch noch für das Leben und die Vielfalt des Lebendigen zu entscheiden. Einzelne Menschen tun es ja – immerhin!

    Gefällt 2 Personen

    • Das Hummelsterben hat ausnahmsweise nichts zu tun mit dem allgemeinen Insektensterben. Wenn die Frühblüher verblüht sind, sind nur noch die Linden da. Und wenn diese keine Nahrung mehr bieten, sterben die Hummeln. Es sei denn ich komme mit meinem roten Umhang um die Ecke und beame sie ins Glück.

      Ich trauere jeden Tag um diesen wunderschönen Planeten und wünsche mir nichts mehr, als dass die Zerstörung endlich ein Ende hat. Jede kann im Kleinen etwas dazu beitragen, aber die Strukturen ändern, müssen die gewählten Volksvertreterinnen machen. Andreas Malm hat dazu allerdings auch ein paar interessante Ideen.

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  5. Wie du alles beschreibst gefällt mir sehr. Peter und ich waren in Berlin im Sommer von 2016, Wir hatten ein paar extrem warme Tage. Wir fanden in Berlin gibt es eine gute Auswahl an preiswerten sehr schmackhaften Eis. Wir gingen sehr oft zum Eisessen und wunderten uns, wie preiswert diese wunderbare Erfrischung war. :-)

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    • mir kommt das Eis hier recht teuer vor. In manchen bekannteren Eisdielen sogar wuchermäßig teuer. bei meinem Favoriten kostet eine mittlere Portion 3,50 Euro, macht aber unbezahlbar zufrieden.

      An Peter dnke ich oft. ich hoffe sehr, dass es Dir gut geht und Du viel Unterstützung von der Familie bekommst!

      Liebe Grüße!

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