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Mithilfe eines drahtlosen, am Bettrahmen angebrachten Herzradars lässt sich der Tod eines Menschen vier Tage vor dem Eintritt vorhersagen.
Für Angehörige von Palliativpatienten sei dies eine gute Sache, lese ich und stelle mir vor wie die Familie am Bett des Moribunden gemeinsam den Countdown herunterzählt und jeder Gang auf die Toilette mit der Gewissheit verbunden ist, diese nicht zusammen verbrachte Zeit nie mehr nachholen zu können.

Nach der schnöden Absage der Charité mag ich plötzlich auch den Professor Drosten nicht mehr und die Leitung der für mich zuständigen Abteilung erst recht nicht. Und das, obwohl sie einen sehr klangvollen Namen mit gleich drei Doppelkonsonanten trägt.
Ich beschließe, ihr eine letzte Mail zu schicken, in deren Verlauf ich ihren Namen, unter Auslassung jeweils eines Zwillingskonsonanten, gleich mehrfach falsch schreibe, verwerfe den Plan aber schnell, weil Schweigen mir kuhler und klüger erscheint (but: never underestimate the Kuhlness of Kauzigkeit).

Mit den ersten Sonnenstrahlen nehme ich meine langen Spaziergänge wieder auf. Den Welpen packe ich in einen Rucksack, das alte Tölchen trage ich auf dem Arm und der Besuchshund trabt konzentriert neben mir her.
Bei Fannys Grab angekommen setze ich mich auf deine Bank.

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