Identity

Im Nachbarschaftsgarten wächst eine Wespenragwurz oder eine andere insektennachahmende Pflanze. Mit Erfolg lockt sie ihre Namensgeberinnen an und lässt sich von ihnen bestäuben.
Im Internet läuft eine Diskussion über richtige und falsche Frauen, Trans oder Bio, und Jede tut, was sich ziemt und was sie muss: belehren und schimpfen und Publikum um sich scharen.

Für die Zuteilung der sehr raren Plätze unter der Sonne ist Identitätspolitik unverzichtbar geworden. Wer nicht schaut wo er/ sie bleibt, nicht netzwerkt und keine Unterstützerinnen findet, verkümmert im Schatten der Großen wie mein Thymian unter der Linde (die im Übrigen wunderschön, doch für mich leider nicht riechbar blüht).
Mit botanischen Vergleichen wäre ich damit für heute durch.

Erzählen würde ich gerne noch von den Krähen, die den M-Platz als Brut- und Marodiergebiet für sich entdeckt haben, und die man bis in die Nacht hinein krächzen und rähen hört. Früh am Morgen machen sie weiter, wo sie erst wenige Stunden zuvor aufgehört haben. Mit der gleichen Verlässlichkeit zerpflücken sie tagtäglich den Inhalt der öffentlichen Mülleimer und verteilen ihn großzügig auf dem gesamten Platz.

Am 25. August, so lese ich im Vorbeigehen auf einem mit einem Pflasterstein beschwerten und vom Regen dunkel geränderten Flugblatt, soll auf dem M-Platz der Vagabundenkongress stattfinden. Da ich zu diesem Zeitpunkt längst schon im Blauen Land weilen werde, frage ich den Bekannten bei unserem allabendlichen Spaziergang, ob er an meiner Statt mal bei dem Treffen vorbeischauen würde. Sicher, sagt er und lacht.

Vor einem Haus in meiner Straße steht ein Schuber mit einer Enzyklopädie. Den dritten Tag in Folge hat Jemand einen Band mitgenommen und nun hoffe ich, dass sich dem Bildungshungrigen die passenden Fragen zu den gewählten Buchstaben stellen werden.

7 Kommentare zu “Identity

  1. im moment kam ich aus dem garten, wo fette himbeeren warten, dachte an dich und wollte wegen gestern fragen, was man tut, wenn man auf twitter abhängt. davon schriebst du, glaub ich.und schon erscheint ein neuer artikel mit wespigen pflanzen und vagabundenkongress. freut mich, und somit habe ich was gesagt…

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  2. Ach, du bist auch nicht um die Rowling-Diskussion (das meinst du doch?) herumgekommen? Von mir meinen die Leute, weil ich Bibliothekarin war müsse ich mich dazu äußern und ich sage seit über einer Woche nein, das muss ich nicht und man möge doch bitte Betroffene, also vornehmlich trans Personen, bezüglich der Einordnung ihrer Äußerungen fragen. Punkt. Das einzige, das ich erklärt habe ist die Sache mit ihrem Pseudonym (der Mann, der die Elektroschocktherapie zur „Homoheilung“ erfunden hat hieß auch so), und dass ja, es ist unwahrscheinlich, dass sie in Zeiten von Suchmaschinen nichts von dem Namensvetter gewusst hat. Mehr kann ich dazu nicht sagen, bitte Betroffene fragen.

    Ganz ätzend finde ich die „Jetzt fangen die trans Personen auch noch an, dass wir was reflektieren sollen. Reicht nicht, dass man uns Rassismus vorwirft?! Die diskriminieren uns!“-Bubble. Leider auch oft bei Leuten, die sich für sonderlich tolerant, weltoffen, empathisch und inklusiv halten zu beobachten. Worthülsen, ganz toll, aber wehe, man muss mal selber etwas an sich ändern oder ein Privileg überdenken… Es sind immer die anderen, die sich nicht anstellen sollen oder zu dünnhäutig sind.

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