Brief an den Großvater

Der Kanzler war zu Besuch. Jede Begegnung mit alten Menschen ist auch ein Abschied (aber das muss ich Dir ja nicht sagen).
Nächste Woche kommt mein neuer Bekannter zu Besuch.
Hoffentlich kommt bald auch die Schwester zu Besuch.
Von dem Mann der jetzt in Asien Sidedeals macht, Dinnerparties schmeisst und schlimmen Ärger mit einem Erbe hat, habe ich uralte Briefe gefunden. Irgendwas mit platonischer Freundschaft. Fotos hab ich beim Ausmisten auch gefunden. Da ist das Patenkind noch ein Baby und ich trage an Ostern eine rote Jacke. Im Weidenkorb liegen nur Hühner- und keine Schokoladeneier.

Der Cousin hat eine gefährliche Autoimmunkrankheit. Da nützt es ihm nichts, dass er Internist ist. Das Internet ist der neue Pschyrembl und ich kann nicht anders und guck mir das auch noch an.

Die frühere Nachbarin hat eine Homepage. Seitenlang schreibt sie dort über ihre unfassbare Demut. Auf die intrigante und verleumderische Nachbarin hatte ich gestern eine Höllenwut. Heute nur noch mittel.  Ich wünsche ihr für´s Erste temporäre und stark juckende Unpässlichkeiten. Die Schwester gibt mir ihren Segen dazu. Dabei ist sie grundsätzlich viel weniger in Rage zu bringen als ich. Ich werte ihre Zustimmung als Solidarität.

Die Katze verträgt das eigens für sie angefertigte Budesonidgel ausgezeichnet. Wir schleichen das Decortin noch aus. Dem Hund geht es auch gut. Wir sind inzwischen bei 18 Tropfen Hanföl pro Mahlzeit und die Bauchspeicheldrüse macht prima mit. Ich hoffe das Fell im Gesicht wächst wieder nach. Wenn nicht sieht sie halt für immer räudig aus. Hauptsache sie lebt und wedelt dabei.

Der neue Bekannte sagt er habe schon festeren Brei gegessen als das windelweiche Gequatsche der Kreuzberger Bürgermeisterin (hier fehlt zum Verständnis ein  ganz entscheidender Satzteil, den auszuformulieren mir zu mühselig ist).

Wer jetzt denkt: sie ist kein Kind von Traurigkeit hat nur halb Recht.

Im Internet posiert ein feister Mann auf totgeschossenen Wildtieren. Niemand will jetzt mehr seine Sandwichs kaufen. Ich bedaure, dass es die Sandwichkette hierzulande nicht gibt. Statt den feisten Elefantenjäger zu boykottieren, wünsche ich ihm ersatzweise juckende und nässende Unpässlichkeiten an den Hals und bin mir des Segens meiner Schwester beinahe sicher.
Ohne Hund dürfte ich übrigens in dem kleinen Rixdorfer Gärtchen mit dem vollbärtigen Pfarrer in Latzhose spazieren gehen. Mit Töle bleibt mir wieder nur der Mariannenplatz auf dem ich unerwarteterweise die R. treffe.
Sie ist überrascht zu hören wie lange ich schon keinen Alkohol mehr trinke und da merke ich erst wie lange wir uns nicht gesehen haben. Keine sagt der anderen: du bist alt geworden. Jede von uns weiß das auch ohne Hinweis.
Begleitet wurde R. von einer Frau deren Hund im vergangenen Jahr verstorben ist. Ich kannte das Tier. Es war sehr wackelig zum Schluss. Ich habe versäumt der Frau zu sagen, wie Leid mir das für sie tut. Man möchte nicht dauernd im Schmerz der anderen herumstochern. Ich weiss nicht genau ob das richtig ist/ war.

Gefunden habe ich eine Zeichnung die der Klammermundmann einmal von mir gemacht hat. Ich als eine Figur von Guérnica. Das Bild liegt jetzt in meiner Ablage. Ich als Glückskeks würde mir besser gefallen.
Ansonsten: Frühling. Muss man nicht sagen. Merkt Jede selbst.

Zuviel twitter.

4 Kommentare zu “Brief an den Großvater

    • An sich keine schlechte Idee, ich bin allerdings nur selten mit dem Rad unterwegs. Hab außerdem meistens noch andere Hunde dabei und im Zaum zu halten. Zur Zeit läuft sie aber eh ganz gut. Nur hat sie wohl irgendein Problem mit der Gesichtsbehaarung und sieht daher wirklich erbarmungswürdig aus.

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  1. Rasende Assoziationsrunde!
    Mit vollbärtigen Latzhosenpfarrern gehe ich auch gern spazieren. Leider kommt der eine, den wir kannten, nicht mehr zu Besuch. Also gehe ich mit meiner Schwester und ihrem Sardinienwollhund ums Dorf. Der plötzliche Prallfrühling bewirkt schöne kleine Wünderchen…

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    • Ich hab´s gelesen, bei Ihnen drüben. Schwesternbesuch ist immer schön und die Runde durch Dorf oder Kiez macht viel mehr Spaß mit den seitlich Verwandten.
      Der Frühling bringt mich beinahe um den Verstand in diesem Jahr. Soviel kaum noch erinnertes Grün!

      Gefällt 1 Person

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