Schusters Rappen

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Ich muss Sie jetzt belehren sagt die Kontrollette und ich sage ne, lassen se mal und frage wieviel?
Weder bin ich „schwarz“ gefahren, sage ich, noch bin ich „blinder Passagier“. Den Fahrausweis hab ich trotzdem nicht mehr gefunden, auch später nicht. Dabei waren wir fast schon in Nikolassee wo die Oma der Bekannten lebt, die mit 94 ein neues Hüftgelenk und kurz darauf neue Herzklappen bekommen hat, den Blick immer nach vorn gerichtet, ganz gleich wie nah die Wand schon sein mochte. Find ich gut. Der Todespfleger Niels H. indes soll sich über eines seiner Opfer prämortal abfällig geäußert haben, weil diesem mit beinahe 80 ein neuer Hüftkopf implantiert worden war, angesichts des Alters unnötige Kosten, befand H. und am nächsten Tag war der kerngesunde Patient tot.

Ich zücke also das Portemonnaie und überreiche der Dame wortlos die Scheine, nicht ohne innerlich ein wenig in die Kniee zu sacken, nach außen hin selbstverständlich Haltung bewahrend, Ehrensache.

Wenn ich etwas nicht mag, ist es, mich nach Ansage belehren zu lassen, und schon gerade nicht von einer berufsmäßigen Denunziantin. Ich weiß ich weiß irgendwer muss den Job ja machen von irgendwas müssen sie ja leben und die Blockwartstellen sind noch nicht wieder neu ausgeschrieben. Solange müssen sie sich eben mit Kontrolleur- und Ordnungsamtjobs über Wasser halten, jeder entsprechend seiner Neigung und seinen Fähigkeiten. Privat ziehen sie sich gelbe Westen über, schreiben hasserfüllte Bewertungen auf amazon und sehen ihre Zeit kommen, denn alles was geschieht oder überhaupt nur existiert ist Öl auf die Flammen ihrer Verachtung und Wut.

Ausgestiegen sind wir und mit den Hunden am falschen, am ungeplanten Wasserlauf entlang spaziert. Schön war es trotzdem und auf dem Heimweg hatte ich kein Geld mehr für ein Ticket. Neben mir ein Mann mit Tuba und ich dachte Walkürenritt, tatatatataaa tatatatataaa und stieg sicherheitshalber schon Friedrichstraße aus. Nur noch 45 Minuten auf Schusters Rappen.

 

 

 

 

 

Bild: bmfoto P1100178-k flickr
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

7 Kommentare zu “Schusters Rappen

  1. Vorletztes Jahr habe ich auch mein Busticket verloren. Dieser fassungslose Suchmoment! Ich stöhnte: Da muss ich erst fuffzich werden um sowas Schlimmes auch noch zu erleben. Dem Kontrolleur tat erst ich Leid und ihm dann seine Belehrung. Dienstvorschrift, knirschte er. Das Geld war futsch, okay. Seither leide ich unter einem Schwarzfahralp und einem hartnäckigen Kontrollzwang, mein Busticket ordnungsgemäß sicherungszuverwahren🙈

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  2. Ach du meine Güte, wie oft bin ich schon erwischt worden, das geht mir geradezu am A… vorbei und belehren von Denunzianten kommt gar nicht in Frage.
    Laut Fallada war das schlimmste die Angst und der unterwürfige Gehorsam der Deutschen.

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    • Ich bin vorher noch nie erwischt worden, weil ich tatsächlich immer einen gültigen Fahrausweis hatte. Auch dieses Mal.
      Mich störte, wie die Frau mit der Zufriedenheit der Rechtschaffenen mich coram publico klein machen wollte.
      Klar macht sie ihren Job. Aber sie hat immer die Wahl wie sie ihn macht.

      Gefällt 2 Personen

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